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2003-09-07, 10:00 Gottesdienst
Pfr. Jean-Marc Monhart

Predigttext Apostelgeschichte 9,1-20 (GN)

    (01)Unterdessen ging Saulus noch immer heftig gegen die Jünger des Herrn vor und tat alles, um sie auszurotten.

    (02)Er liess sich vom Obersten Priester Empfehlungsbriefe an die jüdische Gemeinde in Damaskus geben. Auch dort wollte er nach Anhängern des neuen Glaubens suchen und sie gefangen nach Jerusalem bringen, Männer wie Frauen.

    (03)Auf dem Weg nach Damaskus, kurz vor der Stadt, umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel.

    (04)Er stürzte zu Boden und hörte eine Stimme: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“

    (05)„Wer bist du, Herr?“ fragte er. „Ich bin Jesus, den du verfolgst“, sagte die Stimme.

    (06)„Doch nun steh auf und geh in die Stadt! Dort wirst du erfahren, was du tun sollst.“ /

    (07)Den Männern, die Saulus begleiteten, verschlug es die Sprache. Sie hörten zwar die Stimme, aber sie sahen niemand.

    (08)Als Saulus aufstand und die Augen öffnete, konnte er nicht mehr sehen. Da nahmen sie ihn an der Hand und führten ihn nach Damaskus.

    (09)Drei Tage lang war er blind. Während dieser Zeit ass und trank er nichts. /

    (10)In Damaskus lebte ein Jünger Jesu namens Hananias. Dem erschien der Herr und sagte: „Hananias!“ „Ja, Herr“, antwortete er.

    (11)Der Herr sagte: „Geh in die Gerade Strasse in das Haus von Judas und frage nach Saulus aus Tarsus. Er ist dort und betet.

    (12)In einer Vision hat er gesehen, wie ein Mann namens Hananias zu ihm kommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sehen kann.“

    (13)Hananias antwortete: „Herr, ich habe von vielen Seiten gehört, wie dieser Mann deine Anhänger in Jerusalem grausam verfolgt hat.

    (14)Er ist mit der Vollmacht der führenden Priester nach Damaskus gekommen und will alle verhaften, die sich zu deinem Namen bekennen.“

    (15)Der Herr sagte zu ihm: „Geh unbesorgt hin, ich habe ihn als mein Werkzeug ausgesucht. Er soll meinen Namen den nichtjüdischen Völkern und ihren Herrschern bekanntmachen und auch dem Volk Israel.

    (16)Und ich werde ihm zeigen, wieviel er für mich leiden muss.“ /

    (17)Da ging Hananias in jenes Haus und legte Saulus die Hände auf. „Bruder Saul“, sagte er, „der Herr hat mich geschickt – Jesus selbst, der dir unterwegs erschienen ist. Du sollst wieder sehen können und mit dem heiligen Geist erfüllt werden.“

    (18)Im selben Augenblick fiel es Saulus wie Schuppen von den Augen, und er konnte wieder sehen. Er stand auf und liess sich taufen.

    (19)Dann ass er etwas und kam wieder zu Kräften. //
    Saulus blieb ein paar Tage bei der Gemeinde in Damaskus.

    (20)Er ging sofort in die Synagogen und verkündete dort Jesus als den Sohn Gottes.

 

Liäbi Gmaind,

im Moment befassed sich einigi Büächer mit dr Frog, wiä s eso seig mit em Erwachse’werde.

Erwachsewerde isch früäner emol es Thema gsi für Jugendlichi. Unter „Jugendlichi“ hett mer sich Lüüt vorgstellt ab dr Pubertät bis umgfähr 18i.

Mit 18i chan mer d Auto’prüafig mache und muäs Stüüre zahle. Denn isch mer erwachse.

Diä Büächer, wo sich im Moment mit em Erwachse’werde befassed, richtet sich aber nöd primär an „Jugendlichi“ bis 18i. Si richted sich an Jugendlichi bis 49i. Do han ich Glück, denn nach däre Definition wäri ich als unter 49jöhrige au no en Jugendliche.

Aber diä Definition mit „jugendlich bis 49“ stammt us dr Werbig. Lüüt bis ca 49i posted ehnder trendigs, tüürs Züüg, wo si gar nöd bruuched, als Lüüt vo ca 49i aa uufwärts.

D Werbe’branche glaubt, dass Lüüt über 49 derzuä neiged, s Geld ehnder für vernünftigi Sache uus’z’geh, und drum isch mer werbe’technisch ab öpe 49i en Erwachsene.

Das wär also e Definition vo erwachse sii: vernünftig mit em Geld umgoh. In däm Sinn chönd natürlich bereits Lüüt wiit unter 49i erwachse sii – wenn si ihres Geld nöd oder nur zumene chliine Teil für trendigs, tüürs Züüg uusgänd, wo si gar nöd bruuched.

Aber wiso söll mer denn so Artikel poste? Wil mer sich als Jugendliche als Star fühlt und sich sälber als Star behandle möcht. Denn muäs mer sich trendigi, luxuriösi Sache gönne. Nach em Motto: Wenn mich suscht scho niämert als Star behandlet, muäs ich mich wenigstens sälber als Star behandle.

Demgegenüber hätti – immer in dr Psychologie vo dr Werbe’branche – en über 49jährige erkennt, dass er vermuätlich nüme en Star wird. Und wenn mer kain Star meh wird, sondern aifach en normale Mensch si chan, denn bruucht mer kai Star-Hose meh, sondern aifach wieder emol noii Hose. Es muäs denn aber kais speziells Etikett uf däne Hose sii. Und wenn mer wais, dass mer kain Star meh wird, denn muäs mär au nöd voruus’schauend Star-Turnschuäh poste, sondern cha sich aifach Turnschuäh poste. Turnschuäh, wo bequem sind und wo möglichst wenig chosted.

Jugendlichkeit wär en Zuästand, wo mer glaubt, dass aim d Wält zu Fuässe ligt. Där Zuästand chan vorziitig beendet wärde, indem mer Vater oder Muäter wird. Eltere händ d Chance, scho lang vor 49i erwachse z werde, wil denn s Uufmerksamkeitsbedürfnis vom Nochwuus mit em eigete Selbstverständnis als Mittelpunkt vo dr Wält kollidiärt.

En wiitere Umstand, wo ain derzuä bringe chan, vor 49i erwachse z werde isch: z’wenig Geld haa. Wer knapp bi Kasse isch, muäs ebe sis beschränkte Gäld für vernünftigi Sache uus’gee.
Wiä schwär dass es isch, sis wenigä Gäld für vernünftigi Sache uus’z’gee, zeigt allerdings di immer grösseri Anzahl vo junge Lüüt, wo verschuldet sind. Wenn mer kais Geld hett, zum sich sälber als Star behandle, nimmt mer Kredit uuf und chauft Star-Sache uf Pump. D Ernüächterig isch denn irgendwenn dopplet: mer erkennt, dass mer nöd dr Grösst isch – und zuasätzlich isch mer denn au no pleite, uus’g’rächnet imene Moment, wo mer gnuäg mit dr Redimensioniärig vo dr Selbst’iischätzig beschäftiget wär.

 

Liäbi Gmaind,

dr Paulus wird in oiserem Predigttext erwachse. Vor sim Erwachsewerde hett er sich als s Gschänk für d Mänsch’heit betrachtet – als Geschänk für där Tail vo dr Mensch’heit, wo ihn überhaupt interessiärt hett. Das sind diä Lüüt gsi, wo siin „Style“ tailt händ, diä mit dr gliiche Welle’längi. Konkret hätt sich s bi däne Lüüt um di praktiziärende Jude g’handlet. Vor sim Damaskus’erläbnis in oiserem Predigt’text sind anderi Persone für dr Paulus nöd vo Bedüütig gsi. Nur di Coole händ für ihn zellt, und di Coole, das sind diä gsi, wo so gsi sind wiä er. S Schlimmst, wo hätt chöne passiäre, isch gsi, wenn öpert us sinere Gruppe sich nöd an Gruppe-„Style“ g’halte hett. So öpis hett dr Paulus, damals no unter em Name Saulus, aifach nöd vertrait. Fast alli Lüüt uf em ganze Planet sind jo zur Ziit vom Jesus Heide gsi. Fast alli Lüüt uf dr Wält sind zur Ziit um 35 nach Christi Geburt kai praktiziärendi Jude gsi. Aber das hett dr Saulus nöd g’stört – wil er s gar nöd gseh hett. Dr Rest vo dr Mensch’heit isch für ihn vor sim Damaskus’erläbnis bedütigs’los gsi. Hett ihn nöd interessiärt.

Diä aber, wo zu sinere Gruppe derzuä g’hört händ, diä hend dr Saulus interessiärt. Und zwar uf e gwalt’tätigi Art. Wer sich nöd an dr Glaubensstil vom Saulus ghalte hett, der isch verfolgt worde. Und das nöd nur in dr religiöse Hauptstadt vom jüdische Glaube, in Jerusalem. Dr Ärger über d Abwiichler isch so gross gsi, dass dr Saulus sogar in d Hauptstadt vonere benochbarte Provinz gange isch, zum döt sin Glaubens’stil wider z er’zwinge. Und wenn ich jetzt säge „sin Glaubens’stil“, denn will ich dodrmit nöd säge, dass dr Saulus sin Glaubens’stil persönlich erfunde hätti. Er hätt jo diä Uuf’fassig vom Glaube vor’g’funde. Sis Dänk’schema hett’s scho gee. Er hett sich s nume aa’g’eignet.

Liäbi Gmaind, in Dütschland mottet sit einige Johre e Diskussion, wo in immer chürzere Ziit’ab’ständ an d Oberflächi vo de Mediä g’spüält wird. Es isch d Diskussion um Schuäl-Uniforme. Schuäl-Uniforme – also, dass mer nöd sälber entscheidet, in was für änere Aaleggi mer in d Schuäl goht, sondern, dass alli Schüäler oder Schüälerinne s gliiche T-Shirt, dr gliichig Pulli, s gliichige Jacket, di gliichige Hose und Söcke und Schuäh aa’händ. Dr Hinter’grund vo däre Diskussion isch zumene grosse Tail d Choste-Frog. En Jugendliche vo Kopf bis Fuäss mit Marke-Klamotte uus’z’statte, und denn no mit immer noie Marke, das wird für immer meh Eltere zumene finanzielle Problem. D Belastig wird drum so gross, wil dr Gruppe’druck unter de Schuäler eso gross isch. Es sind nöd d Lehrer oder d Politiker, wo aim zum Träge vo tüüre Marke-Artikel zwinged. Es sind d Schuäler und Schuälerinne sälber, wo Kamerade verachtet, verspotted und tailwiis sogar verprügled, wenn si nöd in Marke’artikel ii’klaidet sind. Döt, wo mer isch, im aigete Sozio-Biotop, wird e gemeinsami Liniä erzwunge. E Liniä, wo in dr gege’wärtige wirtschaftliche Laag für vili Eltere unbezahlbar wird. Aber das isch nöd dr einzig G’sichts’punkt: es isch en Art vo Psychoterror, wenn Jugendlichi settigi Aasprüch anenand stelled und an sich sälber. Di persönlich Freiheit wird dur dr Gruppe’druck ii’g’schränkt. Vilicht chummt’s jo aines Tages eso wiit, dass Schuäl’uniforme ii’g’füährt werded. Zur finanzielle Entlastig vo de Eltere, und zum di Jugendliche vom tägliche Konkurrenzkampf um s tüürere Outfit in dr Schuäl entlaste.

Dr Saulus isch so aine gsi, wo sini Lüüt, d Mensche in siim Sozio-Biotop, hett welle uf Liniä b’halte. Diä, wo d Regle nöd akzeptiärt händ, eso wiä er si selber akzeptiärt hett, sind vo ihm verspottet, verachtet und verfolgt worde. Dr Saulus hett dr Gruppe-Druck vo sinere Gruppe verinnerlicht. Dodrdur hett er nöd nur d Abwiichler verfolgt, sondern er hett sich sälber in Unselbständigkeit und in innerer Unfreiheit g’halte.

Im Gege’zuug hett er sich chöne als dr grossi Held fühle. Wil er d Abwiichler verfolgt hett, isch ihm d Bewunderig vo de Gliich’gsinnte sicher gsi. Diä, wo gliich dänkt händ wiä er, aber nöd eso krass g’handlet händ wiä er, diä händ ihn bewunderet. Wil er nöd nur e radikali Iistellig gha hett. Sondern au radikal g’handlet hett. Dodrbi isch dr Saulus sin aigete G’fangene gsi. Er isch g’fange gsi in Hass, in Selbst’gerechtigkeit, in Selbst’gefälligkeit, in Verachtig und in Überheblichkeit.

Us em seelische G’fängnis vo all dem hett Jesus dr Saulus befreit. D Begegnig zwüschet em Jesus und em Saulus vor Damaskus hett em Saulus e noii Orientiärig geh. Nach sinere Bekehrig zum Glaube an dr Gottessohn hätt sich dr Saulus nüme uf sini Mini-Gruppe beschränkt und döt, in sinere Mini-Gruppe Abwiichler mit G’walt verfolgt.

Dur dr Uuf’trag vo Jesus isch für dr Saulus plötzlich di ganzi Wält sicht’bar gsi.

Us em enge Blickwinkel isch en wiite Horizont worde.

D Heide, also di überwältigendi Mehrheit vo de Lüüt, sind plötzlich au als Mensche für dr Saulus erkennbar gsi. Und zwar als Mensche, wo mer nöd mit G’walt zu öpis zwingt, sondern wo mer über’züüge söll. Wil si vor Gott frei’i Mensche sind.

Erst nachdem dr Saulus dur Jesus vo sinere eigene innere Unfreiheit erlöst worde isch, hett er au de andere Mensche chöne zuä’gestohe, dass si zur Freiheit beruäfe sind.

Dr Glaube, wo dr Saulus nach sinere Bekehrig predigt hett, isch nüme es Zruck’triibe in Unmündig’keit gsi, sondern en Erlösig zur Freiheit.

AMEN.