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2003-10-26, 10:00 Gottesdienst, anschliessend Kirchgemeindeversammlung 19. Sonntag nach Trinitatis Predigttext Epheser 4,22-32 (22)Ihr wisst also, dass ihr nicht so weiterleben könnt, wie ihr früher gelebt habt. Legt den alten Menschen ab, der sich von seinen selbstsüchtigen Wünschen verlocken lässt! Sie sind trügerisch und bringen ihm nur den Tod. (23)Lasst eure Gesinnung vom Geist Gottes erneuern! (24)Zieht den neuen Menschen an, den Gott nach seinem Bild geschaffen hat und der so lebt, wie Gott es haben will. Der Weg dazu ist euch durch das Wort der Wahrheit eröffnet, das nicht trügt. / (25)Hört also auf zu lügen und betrügt einander nicht; denn wir alle sind Glieder am Leib Christi. (26)Versündigt euch nicht, wenn ihr in Zorn geratet, und versöhnt euch wieder miteinander, bevor die Sonne untergeht. (27)Sonst bekommt der Teufel Macht über euch. (28)Wer vom Diebstahl gelebt hat, muss jetzt damit aufhören. Er soll seinen Lebensunterhalt durch eigene Arbeit verdienen und zusehen, dass er auch noch etwas für die Armen übrig hat. (29)Lasst kein giftiges Wort über eure Lippen kommen. Seht lieber zu, dass ihr für die anderen in jeder Lage das rechte Wort habt, das ihnen weiterhilft. (30)Beleidigt nicht durch euer Verhalten den heiligen Geist, den Gott euch gegeben hat. Denn er bürgt für euch, dass Gott zu seiner Zeit eure Rettung vollenden wird. (31)Weg also mit aller Verbitterung, mit Aufbrausen, Zorn und jeder Art von Beleidigung! Schreit einander nicht an. Legt jede feindselige Gesinnung ab. (32)Seid freundlich und hilfsbereit zueinander und vergebt euren Mitmenschen, so wie Gott euch durch Christus vergeben hat. Liäbi Gmaind, wiä muäs es bi de Epheser zuä’gange sii? Im Briäf an d Chile’gmaind in Ephesus isch d Uuf’forderig ent’halte: „Wer vom Diebstahl gelebt hat, muss jetzt damit aufhören. Er soll seinen Lebensunterhalt durch eigene Arbeit verdienen und zusehen, dass er auch noch etwas für die Armen übrig hat.“ Offe’sichtlich isch s Christe’tum interessant für di verschidenste Lüüt: nöd nur di Aaständige händ sich für d Botschaft vo dr Erlösig dur Jesus Christus be’geistere loh. Au Kriminelli händ s Evangelium aa’gnoh. Dodrbi händ si schiinbar öpis in Vorder’grund g’stellt, wo mir hüt fast e chli vergässed. Und di frischbekehrte Kriminelle in Ephesus händ derfür öpis fast e chli vergässe, wo mir hüt zentral im Vorder’grund händ. Ich rede vo Recht’fertigung und vo Ethik. Rechtfertigung, dass isch d Theorie vom „Erlöst-werde-aifach-so“ - ohni dass mir drfür e Gege’leistig erbringed. „Begnadigung durch Gott“ chönnti mer däm säge. Das händ di noi’gloibigä Gauner in dr Stadt Ephesus perfekt kapiärt. Vilicht isch das „G‘liäbt wärde, wiä mer isch“ für öpert speziell wichtig, wo nöd unbedingt erwarte chan, g’liäbt z wärde, wiän er isch – ganz aifach, wil er kriminell isch. Ain, wo anderne Mensche s Läbe schwär macht, si um dr Ertrag vo ehrlicher Arbeit bringt; ain wo b’schiisst und betrügt; wo ii’sackt, was ander Lüüt ver’diänt hätted: so ain hett niämert gärn, wiän er isch. Er wird vilicht no bewunderet, wenn er en bsundrigs gwitzte und erfolg’riiche Abzocker isch. Aber Bewunderig und Liäbi – das muäs nöd unbedingt s gliiche G’fühl sii. Vo Gott bechömed mir es Start’guät’habe. Uf oisem emotionale Konto isch bim Bezüchigs’aafang mit Gott kais neutrals Null. Au kai roti Zahl. Es isch öpis druf. S Maximum, wo uf em Konto sii chan, isch druf. Es isch uf oisem emotionale Konto bi Gott soviel druf, dass mir gar nüme meh ii’zahle chönd. Wil di oberi Limite bereits erreicht isch. Das gilt für ali Mensche. Gott hätt ois alli gärn. Nöd alli Mänsche g’spüred s gliich fest, dass Gott si gärn hätt. Wer liäbes’bedürftig isch, nimmt’s vilicht intensiver wahr, dass Gott sie oder ihn gärn hätt. En Gauner, wo waiss, dass er en Gauner isch, hätt dies’bezüglich en Vorteil: Er waiss, dass er d Gratis-Liäbi vo Gott bruucht, wil är nüt hätt, wo er d Liäbi vo Gott dermit poste chönnti. Er mus es ume’suscht bechoo, suscht würdi är ohni bliibe. Demgegenüber chönnti en aaständige Mensch in Versuächig choo, sin Aastand als Tusch’mittel ii’z’setze. Das wär denn en Deal mit Gott. Immer no besser en Handel mit Gott als en Handel mit em Tüüfel, chönti mer säge. Mini Mainig derzuä isch, mer sött nöd nume uf en Handel mit em Tüüfel ver’zichte. Es isch vilicht au g’schider, wenn mer uf es G‘schäftli mit Gott ver’zichtet. Denn bimene Gschäfts’abschluss goht’s drum, dass ich Gott öpis gibe. Und zwar im Gege’wärt vo däm, was ich gibe, be’chum ich denn vo Gott das, won ich wott. D Frog isch nume: was chan ich Gott überhaupt büüte, wo soviel Wärt hett, dass es Gott öpis bringt, wenn er das au no über’chummt? Gott hätt doch scho alles. Und er hett au scho miich. Wenn’s en git, denn hätt er als Gott di ganz wiit Welt in sine Händ, und en chliine Tail vo dr ganze wiite Wält bin ich. Ich han nüt zum Gott gee, damit er quasi gschäftlich zwunge isch, mich gärn z’haa. Min Aastand chan niä eso gross si, dass Gott quasi derdur zwunge wär, mich liäbe’voll z betrachte. Mir wüssed, wiä das isch bi dr Liäbi: Entweder mer liäbt oder mer liäbt nöd. Mängisch isch es grad sofort wirksam und mängisch bruuchts Ziit, zum Tail sogar vili Johr, zum sich allmählich entfalte und dure’setze. So oder so isch es öpis, wo nöd verfüäg’bar isch. Ich chan s nöd uf e CD brenne oder im Wandschrank versorge. Entweder es isch ume oder es isch nöd ume. Und wenn mir behaupted, Gott heigi ois gärn, denn münd mir für Gott soviel Respekt uufbringe, dass mir au ihm d Freiheit lönd: d Freiheit vo dr Liäbi. Gott isch nöd zwunge, öpert gärn z haa. Sini Liäbi ois gegenüber isch frei’willig. Suscht wär’s kai Liäbi meh. Wenn mir probiäred, d Liäbi vo Gott mit oisem Aastand z chaufe, denn nämed mir Gott d Freiwilligkeit wäg und zwinged ihm es gwüsses Verhalte uuf. Das isch e Gering’schätzig gegenüber dr Echtheit vo sinere Zuä’wendig zu ois. „Gnade“ bedütet: mir sind g’recht’fertiget vor Gott dur dr Glaube elai. Dr ainzig Biitrag, wo mir laiste münd, isch: glaube, dass Gott ois liäbt. Wenn mir das glaubed, händ mir d Vor’uus’setzig erfüllt, dass sini Liäbi zu ois chunnt. Di kriminelle Chile’gmaind’mitglieder in Ephesus händ das be’griffe. Nur es chliises Detail händ si derbi überseh, oder, anderst formuliärt, si händ d Bedingigs’losigkeit vo dr göttliche Liäbi es Bitz über-interpretiärt. Dass Gott üs eh gärn hätt, söll nöd zur Folg haa, dass mir üs wäge däm jetzt extra schlecht benähmed. D Bedingigs’losigkeit vo dr Gnad heisst nöd, dass mir mache chönd, was immer mir wänd, wil, mir sind sowieso erlöst. Als Bispil, wiä mer’s besser macht, chönd mir uf d G’schichte vo Jesus lose. Jesus isch s Biispil vomene Mensch, wo begriffe hätt, dass Gott ihn bedingigs’los liäbt – und trotzdäm hätt er sine Mitmensche gegenüber aa’ständig g’läbt und si respektiärt. En Diäb respektiärt sini Mitmensche nöd. Er nimmt ihne nöd nur öpis Materiells wäg, er stellt au s Rächt vo de Bestohlene in Frog, d Frücht vo ihrer Arbet z g‘nüsse. Damals, in de Chile’gmainde, wo vom Paulus prägt gsi sind, isch d Recht’fertigungs’lehr im Vorder’grund g’stande. Dass us em erlöst si use gliich no en aa’ständige Läbens’wandel hervor’goh söll, das hätt mer zumindest emene Teil vo de Epheser müse separat erkläre. Au wenn mir vor Gott mit vernünftigem Handle nüt erkaufe chönd, erwartet er doch vo ois, dass mir üs nach sine Richt’liniä ver’halted. Hüt’zu’tags isch es de meiste klar, dass mer sich nach Gottes Richtliniä verhalte söll – sogar egal, ob mer an ihn glaubt oder nöd. „Ethik“ heisst das Zauberwort. „Ethisch handle“ söll mer, das säged meh oder weniger ali. D Diskussion, ob mer als Multi-Millionär sini Stüüre im Herkunftsland zahlt oder ob mer wi dr Müller-Milch in es Stüür-Paradiesli züglet, beschäftiget sehr vili Lüüt. Nöd wil si au en Umzug in d March oder an Zuger See planed, sondern wil si begriffe händ, dass Aastand bis in Bereich vom Stüüre zahle und vo dr soziale Verantwortig ine goht. „Ethisches Handle“ stoht als Thema im Vorder’grund. Eher in Hintergrund g’ruckt isch bi üs der’für d Lehr vo dr Recht’fertigung, d Theorie vo dr Erlösig ohni Gege’leistig. Wenn Gott nöd muäs und mir nöd münd, denn isch d Möglichkeit gee vonere frei’willige beidersiitige Über’einkunft. Und denn git’s Platz für Dankbarkeit oiserer’siits gegenüber em göttliche Wohlverhalte. Settigi Dankbarkeit dörf denn absolut bestoh us ethischem Handle, us Aastand. AMEN.
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