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2003-10-12, 10:00 Gottesdienst
Pfr. Jean-Marc Monhart

Predigt über Psalm 25

 

Predigttext

    (01)Von David.

    Auf dich, Herr, richte ich mein Herz und meinen Sinn.

    (02)Dir, meinem Gott, vertraue ich;
    enttäusche mich nicht!
    Diesen Triumph dürfen meine Feinde nicht haben!

    (03)Enttäuscht wird keiner, der auf dich hofft;
    aber wer dich treulos verlässt, wird zuschanden. /

    (04)Herr, zeig mir den Weg, den ich gehen soll;
    lass mich erkennen, was du von mir verlangst.

    (05)Lehre mich, deine Treue zu sehen,
    und in Treue zu dir mein Leben zu führen.
    Du bist doch der Gott, bei dem ich Hilfe finde;
    auf dich hoffe ich zu jeder Zeit. /

    (06)Erinnere dich, Herr, dass du schon immer voll Güte und Erbarmen warst.

    (07)Herr, denke nicht mehr an die Fehler meiner Jugend,
    auch nicht mehr an die späteren Vergehen;
    aber denke an mich in deiner Liebe -
    auf deine Güte verlasse ich mich! /

    (08)Gut und zuverlässig ist der Herr:
    Den Sündern zeigt er den richtigen Weg;

    (09)den Entrechteten verhilft er zu ihrem Recht
    und lehrt sie, seinen Willen zu erkennen.

    (10)Alles, was Gott tut, ist Güte und Treue
    für die, die seinen Bund achten
    und seinen Weisungen gehorchen. /

    (11)Um deiner eigenen Ehre willen, Herr,
    vergib mir meine Schuld – sie ist so gross! /

    (12)Wie steht es mit dem, der den Herrn ernst nimmt?
    Der Herr zeigt ihm den Weg, den er gehen soll.

    (13)Er selbst lebt im Glück,
    und seinen Kindern wird das Land gehören.

    (14)Wer den Herrn ernst nimmt,
    den zieht er ins Vertrauen
    und enthüllt ihm das Geheimnis seines Bundes.

    (15)Meine Augen blicken immer zum Herrn;
    er wird meine Füsse aus dem Fangnetz ziehen. /

    (16)Herr, wende dich mir zu und hab Erbarmen;
    ich bin so allein und hilflos.

    (17)Mein Herz wird immer mehr von Angst gequält;
    befreie mich von jedem Druck!

    (18)Sieh doch mein Elend an und meine Not!
    Vergib mir meine ganze Schuld!

    (19)Sieh meine Feinde, Herr: es sind so viele,
    sie hassen mich mit hemmungslosem Hass.

    (20)Beschütze mein Leben und rette mich!
    Bei dir suche ich Zuflucht, enttäusche mich nicht!

    (21)Lass Reinheit und Redlichkeit von jetzt an mein Leben bestimmen;
    Herr, ich rechne mit dir. /

    (22)Gott, befreie Israel aus aller Not!

 

Liäbi Gmaind,

Zwiifel und Gwüssheit, in däm Spannigs’fäld stoht oise hütigi Predigttext.

Es git Gedanke, wo mer waiss, und gliich g’heied si di ganz Ziit us äm Chopf. Mer muss sich di an sich bekannte Gedanke noi zuä’spräche. Mängisch hilft’s au, wenn mer sich di bekannte Gedanke vo anderne zuä’säge loht. Oder suscht mues mer si halt sälber frisch ii’läse, sich nomol noi programmiäre.

Dr Zwiifel bi däm, wo dr Psalm 25 spricht, isch dr Zwiifel an sich.

Mir säged joh vilem „Zwiifel“: zum Bispil amene chliini Zwiifel. Hebet s Wätter no? Oder isch es morn wuäscht? Das isch en chliine Zwiifel.

En chliine Zwiifel isch e begründeti Befürchtig. Mis Läbe hängt vo anderem ab.

Näbe de begründete Befürchtige gits diä, wo mit äre Begründig aafanged, aber denn nodisno wuchered und sich uusdehned und immer grösser werded.

Där Maa, wo dr Psalm 25 dichtet hätt, isch mit Fiind konfrontiärt gsi. Nämed mer emol aa, es isch dr David gsi, wo diä Selbst’wziifels’ariä ab’g’fasst hätt: dr König David hätt körperlich reali Find gha, wo ihn händ wele physisch vernichte. Unter anderem hätt ihn sogar ain vo sine zahl’riiche Söhn welle umbringe. Das isch dr Aafang vom Zwiifel: es git e Bedrohig, und diä stellt mich – mis Wiiterläbe – in Frog.

Aber: um d Angst vor äm Stärbe goht’s im Psalm 25 nur zum Tail: wichtiger isch d Angst, dass sich dr Bätendi uf zweierlei nüme verloh chan.

Uf Gott chan er sich nöd verloh, befürchtet er.

Und uf sich sälber chan er sich scho gar nöd verloh, bekennt er.

Bekenne chan mer Verschides. Vorher händ mir im Wechsel es Glaubensbekenntnis g’sproche.

Indem mer dr Glaube bekennt, hebt mer sich an öpis Positivs. Mer sait öpis, wo aim Halt git. Und wil mer s zsäme sait, wird aim ehnder bewusst, dass es wiitere Mensche ebefalls Halt git. Dodrdur entstoht e Verbindig im Glaube zu Lüüt, won en ähnliche Bezug zu Gott händ wiän ich. Do spilt sich s Gege’tail vo Zwiifel ab: Bestätigung. Selbst’bestätigung und Fremd’bestätigung. Bestätigung isch das, won ich im Ideal’fall erspüre, wenn ich in ere Gmaind es Bekenntnis mit’spriche.

Dr David im Psalm 25 bekennt au, nur bekennt er sini Schuld. Also öpis Negativs. Das chan au heilsam sii. Unter Umstände isch es sogar notwendig, uus’z’spreche, was mer falsches g’macht hett. Mer chan chrank werde, wenn mer das, wo mer an Schlechtem derfür verantwortlich isch, vor sich verdrängt und vor Gott verschwiigt.

Am Aafang isch d Iisicht vom David g’stande, dass er Find hätt. Denn chummt sin nächste Gedanke’schritt. Es isch en Verdacht: händ diä Find ächt rächt, dass si mich hassed? Vilicht bin ich nöd nur in dä Auge vo mine Find verdammens’würdig, vilicht bin ich überhaupt verdammens’würdig! Und wil dr Psalm 25 in ere Gebets’haltig stoht, wo mer sich drin Gott öffnet, bräched d Dämm: alles, wo dr David scho emol Böses g’macht hett, lauft uus und über’schwemmt sin Seele’fride. Land unter. Im ehrliche Bekenntnis vo dr Schuld erkennt dr David, dass er verdammens’würdig isch. Und zwar jetzt gar nüme us dr Sicht vo sine Find. Sondern us dr Sicht vo Gott. Während’dem mer sich gegen die Feinde wehren muäss, isch im Umgang mit Gott Demuät das passende Format.

Vor anderne Mänsche isch es vilicht no sinnvoll, wenn dr David sait: „Ich bin halt, wiä ich bin.“

Vor Gott nützt ihm diä Haltig nüt meh.

Vor de Mänsche isch es vilicht sinnvoll, wenn dr David nöd komplett dr Softie use’hängt. Wehleidigi Mensche chönd aim uf d Nerve goh, und wenigstens das erspart üs dr dichtendi König. Im übrige: meistens händ mir vor böse Mensche mit Stil meh Respekt als vor guäte Mensche, wo selbstmitleidig sind. Das heisst jetzt nöd, dass mir ali zu böse Mensche mit Stil werde sölled. Es langet vollkomme, wenn mir settigi Lüüt im Kino bewundered, und nochher aber wider hai gönd.

Also, zrugg zum Predigt’text: Gott loht sich nöd be’iidrucke dur es selbst’sichers Uuf’trete, wo mer dermit sini Schand’tate no ver’teidiget.

Vor Gott isch s Böse bös und s Schlechte schlecht. Und entsprechend mies fühlt sich dr David im Psalm 25: Es git für sini Sünde kai cooli Verpackig, damit mer nöd g’seht, was lausigs drin isch. Es git für sini Sünde kais g’styletes Outfit zum d Problemzone kaschiäre (verstecke / tarne). Und es hälfed kai fetti Sprüch zum di grosse Fehler chlii rede.

D Sünde bekenne. Das hett in dr katholische Chile e grossi Tradition, die Beichte. In dr Beichte goht dr Gläubigi zum Priester go biichte.

Solang das vo baide Siite ehrlich g’maint isch, spricht nüt dergege. Das es vo katholischer Siite e Voruus’setzig für dr Gottesdiänst’bsuäch isch, vorher no z biichte, das chan ich nöd noch’voll’ziäh. Es haltet sich bi de Katholike au fast niämert meh dra, aber offiziell sötted oisi katholische Schwöstere und Brüader zumindest vor em Obig’mohl zur Biicht goh.

In dr Zürcher Reformation hätt mer die Beichte ab’g’schafft. Dr Pfarrer muäs nöd im Detail wüsse, was di Chile’gmaind’mitglieder eso alles uf em Kerbholz händ. Jede Mensch stoht sälber vor Gott.

Drum goht di reformiärt Erzüchig in diä Richtig, folgendes de Lüüt bii’z’bringe:

Säged Gott, was oi freut – lobed ihn - ,

säged Gott, was ihr bruuched – bitted ihn,

und bekenned ihm, was oi plagt, chömed zu ihm in oirer Unvollkomme’heit, mit däm, was ihr falsch g’macht händ, mit däm, won oi miss’rote isch.

Im reformiärte Konzept fählt bim Sünde bekenne das grosse Kontroll’organ.

Das hätt Vorteil: s Biichte cha nöd missbrucht wärde als Kontroll’instrument, als Diszipliniärigs’mittel, als Zwangs’mittel zur mentale Unter‘werfig.

Wenn en organisiärti Chile dur erzwunges, regelmässigs Biichte über ali Übel’tate vo de Schöfli informiert isch, denn isch dr Miss’bruuch vo dr Information programmiärt. Es bestoht es Abhängig’keits’gefälle, wil di ainte – nämlich d Amts‘träger– vil über sensibli Date vo anderne - nämlich vo de Biicht’gänger - wüssed.

Zrugg zum Psalm 25.

Was dr David verbroche hett, erwähnt er nöd im Detail. Er sait nur so Sache wiä: „Vergib mir meine ganze Schuld!“ Oder: „Befreie mich von jedem Druck!“

Das isch vilicht au besser eso. Wenn s nöd um detailliärt beschribeni Sünde goht, chönd mir üs besser mit de Symptom vo dr Schuld befasse: „Mein Herz wird immer mehr von Angst gequält“, oder „sieh doch mein Elend an und meine ganze Not“.

Mit settige seelische Zuäständ, wo uf em Nährbode vom  Selbst’zwiifel wachsed, cha sich au öpert identifiziäre, wo nöd grad im Chriäg tödet hätt und jetzt vo Gwüssens’biss und Verfolgigs’wahn plogt wird.

Sind diä Selbst’zwiifel schlecht? Si chönd aim chrank mache, denn, in dem Fall sind si schlecht.

Wenn aim d Selbst’zwiifel derzuä füahred, vor Gott Reche’schaft ab’z’lege über das, wo mir sind und g’macht händ und tuänd, denn, in dem Fall, sind Selbst’zwiifel heilsam.

Als Schluss’gedanke möcht ich no erwähne, dass mir ois dr Luxus vom Selbst’wziifel durchuus leiste sötted, wil mir um d Vergäbig vo oiserer Schuld dur Jesus Christus wüssed. –

Scho im alte Testament sind di Gläubige immer wieder zur G’wüssheit cho, dass Gott ihne ihri Fehler verzeiht, wenn si ihn drum bitted.

Dass mer vor sich sälber zuä’gestoht, Fehler begange z haa, macht erst denn en Sinn, wenn s en Instanz git, wo mir diä Fehler vergit.

Suscht mach ich mich mit minere Unvollkomme’heit nur sälber fertig.

Im noie Testament hett di vergebendi Chraft vo dr göttliche Liäbi e Begründig überchoo.

Es hett si scho gee, diä Vergebig.

Dur Jesus Christus bechummt si en Erklärig: Jesus hebt d Trennig zwische Gott und Mensch uuf, wil er als Mensch ganz im Einklang mit Gott läbt.

Er isch offe für di göttlich Vergebig.

Am Aafang vo sinere Wirksamkeit loht er sich im Jordan taufe. Das isch aigentlich e Taufi zur Sünde’vergebig. Dr Johannes möcht ihn zerst gar nöd taufe, wil er dänkt, dass es bim Jesus nüt zum vergeh git.

Aber vilicht wärs grad e Sünd gsi – di Sünde der Überheblichkeit – wenn sich Jesus nöd taufe loh hetti, wil er sich denn als öpis Mehbessers dar’g’stellt hätti gegenüber de reuige Sünder, wo in d Wüesti an Jordan zum Sünde bekenne und zur Taufi cho sind.

AMEN.