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2003-11-09, 10:00 Gottesdienst
Pfr. Jean-Marc Monhart

Predigt am Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr

Grusswort

„Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“ – 2. Korinther 6,2b

 

Predigttext

Römer 14,7-9 [GN]

    (7)Keiner von uns lebt für sich selbst. Genauso stirbt auch keiner für sich selbst.

    (8)Wenn wir leben, leben wir für den Herrn, und wenn wir sterben, sterben wir für den Herrn. Wir gehören dem Herrn im Leben und im Tod.

    (9)Denn Christus ist gestorben und wieder lebendig geworden, um über die Lebenden und die Toten zu herrschen.

 

Liäbi Gmaind,

Ende vo dr nächste Wuche goht für mich öpis z Änd, wo fast en Art en Läbens’ab’schnitt isch. Allerdings isch es nöd dr ganz Chuäche vo dr Ziit’spanne, sondern nur es Torte’stuck.

Ei Komponente vo de letzte 9 Johr isch gsi, dass ich knapp ain Monet pro Johr als Feld’prediger bim Fest Rgt 2 im Iisatz g’stande bin.

Ich bin dr erst und dr letzt Feldprediger vom Fest Rgt 2 gsi.  Dur d Armeereform 95 isch das Regiment im Johr 1995 g’ründet worde, und dur d Armee 21 wird’s per 31.12.2003 uuf’g’löst.

Mit dr noie Organisations’struktur vo dr Schwizer Armee, dr sogenannte Armee 21, verschwindet au dr Feld’prediger. Ab Silvester gits kai Feldprediger meh. Aber wi so oft, wenn au inere Grossfirma – und d Armee isch so öpis wi ne Grossfirma – umbaut wird, verschwindet öpis und derfür chummts mit ere noie Bezeichnig wieder zum Vorschii.

Ab Neujahr 2004 bin ich Armeeseelsorger, „Asg“.

Das trifft dr Arbets’bereich, wo mini 400 ungrad Kollege und ich händ, besser, als das bim alte Wort Feldprediger dr Fall gsi isch.

Denn im Feld bin ich zwar gsi, praktisch an jedem Diänst’tag, Fortbildigs’kürs emol uus’gnoh.

Aber prediget han ich vo 1995-2003 genau drei Mol, nämlich im letzte Dezember in dr Stadt’chile Aarau, und vorletzte Dunstig am Nomittag in Sissach im Baselland und Z’obig in Oensingen im Solothurnische.

Das sind übrigens kai befohleni Aaläss gsi, sondern Angebot an d Soldate und Offiziär, wo si freiwillig händ chöne wahr’neh.

In Sissach händ das öpe 50 Lüüt g’macht, in Oensinge sind öpe 150 Lüüt im Kampfanzug in d Chile choo.

Diä 50 Lüüt in Sissach händ derfür lüüter gsunge als diä in Oensingen, so isch mini egoistisch Bilanz für di baide Veranstaltige uus’gliche!

Dass es überhaupt Gottesdiänst gee hätt, hängt mit em Chef vom Regiment zsäme.

Für mich isch es in däne nüün Johr interessant gsi, drei verschiedeni Regiments‘kommandante z erläbe.

Dass es bim dritte und letzte vo däne drei mit de Gottesdienst klappet hätt, hängt vilicht mit sinere Persönlichkeit zsäme.

Uf dr andere Siite isch es au möglich, dass ich mini Aa’ligge im Verlauf vo de Johr g’lernt han besser z ver’chaufe.

Wenn ich 1995 mit däne Erfahrige, won ich hüt han, is Fest Rgt 2 cho wär, hättis vilicht scho früäner öpe emol en Feldgottesdienst gee.

Item, „wenn das Wörtchen ‚Wenn‘ nicht wär“.

 

Liäbi Gmaind,

au im kommende Johr wird ich es paar Wuche im Diänst sii, in äre noi’g‘rundete Einheit, nach Ostere 2004.

Und das Mol isch en Gottesdienst für freiwilligi Bsuächer bereits in dr erste Diänst’leistig von däre noie Einheit vor’gseh.

S Predige wird aber en Näbe’arbets’bereich bliibe, wil: d Hauptsach isch für dr Armee’seelsorger, dass er is Feld goht, für d Lüüt sichtbar isch und sich ihne au vorstellt, indem er Vorträg haltet.

Es sind Theorie-Lektione, wo sich mit dem Thema vo dr seelische Belastig im Diänst und in usser‘diänstliche Ernstfallsituatione befassed.

Es goht um d Seel, um d Psyche, und um e ständigi Ermuätigung zur seel’sorgerliche Kamerade’hilf.

Gelegentlich wended sich au Soldate direkt an der Feldprediger, oder ebe, wiä s sachlich passender ab Neujahr heisst: an Asg, an Armeeseelsorger. –

Nachdem ich au di nächst Wuche dur im Diänst bin, kenned si jetzt wenigstens e chli öpis vom Hintergrund vo dr Sach.

Und jetzt chum ich zum Predigttext. Er isch uf en Art sehr militärisch.

Denn im Militär, döt, wo guäti Iisätz stattfindet, wird di guät Arbet g’laistet für dr Kamerad, für d Kollege, wo in dr gliiche Einheit Diänst tuänd.

Mer will dr WK möglichst guät über d Runde bringe, und für das muäs mer zsäme’hebe.

Es muäs es Team doh sii.

Natürlich es Team mit klare Befehls’strukture, aber au ais, wo dr Befehl als Organisations’mittel betrachtet, und nöd als Vorwand zum d Lüüt schikaniäre miss‘bruucht.

Und jetzt heisst’s do im Römerbriäf:

„Keiner von uns lebt für sich selbst. Genauso stirbt auch keiner für sich selbst.“ – Im Ernstfall’iisatz würdi das denn bedüte: Mir läbed für oisi Kamerade und mir stärbed für oisi Kamerade.

In dr Schwizer Armee isch das zum Glück nur unvollständig dr Fall, denn im Diänst münd mir nur fürenand läbe, im Fridens’fall hingege nöd fürenand stärbe.

Wenn Si s Titelfoti vom Tages-Anzeiger-Magazin betrachtet händ, denn händ si allerdings dr Rucke vomene amerikanische Soldat gseh, wo obe links e Tätowiärig über em Schulterblatt hätt.

Diä Tätowiärig zaigt s Emblem von ere militärische Einheit.

Där Soldat vo de Marines hätt sich s Symbol vo sinere Einheit steche loh, als e schmerzvolli Erinnerig an där Ort, won er derzuä ghört und won er derzuä ghöre wott.

Zu dä Marines wird niemert z’wunge. Mer muäs sich zu däm Armeetail bewerbe, und di maiste Bewerber werded grad wieder hei’g’schickt.

Dr Predigttext im Römerbriäf goht eso wiiter:

„Wenn wir leben, leben wir für den Herrn, und wenn wir sterben, sterben wir für den Herr. Wir gehören dem Herrn im Leben und im Tod.“

In dr militärische Sichtwiis wär „der Herr“ dr Kommandant. Dr Kommandant isch im Ernstfall Herr über Läbe und Tod. Er befiehlt dr Iisatz, und er waiss, dass di Befohlene stärbe chönd. Er dörf das mache, er isch moralisch legitimiärt derzuä, wil sis aigete Läbe ebe’falls uf em Spiel stoht.

Solang er nöd nur anderi in d G’fohr schickt, sondern sich sälber in d G’fahr begit, solang hätt er e moralischi Autorität zum Befehle.

Oise Herr, de Jesus Christus, hett sich sälber in G’fahr be’gee. Und er isch es Opfer worde vo däre G’fahr. Insofern hett Jesus di moralisch Autorität zum üs in d G’fahr z befehle.

Er isch en glaub’würdige Kommandant.

Dodrbi hätt Jesus sich genau über’lait, wenn dass er öpert schickt und wenn dass er öpert zruck’haltet.
Wo dr Petrus bi dr Verhaftig vom Jesus im Garten Gethsemane sis Schwärt zückt und dri’gschlage hett, isch vo Jesus dr Befehl cho: hör uuf. Steck dis Schwert wieder ii.

Dodrmit isch dr Petrus dr G’fahr ent’gange, vo de Diäner vom Hohe’priäster abe’g’metztlet z werde.

Das bedütet aber nöd, dass Jesus am Petrus sis körperliche Überläbe in jedem Fall hätt welle sicher’stelle.

Binere spötere Begegnig hätt dr uferstandeni Jesus em Petrus g’sait, dass er eines Tages en g’waltsame Tod erliide werdi. Am Schluss vom Johannes’evangelium isch d Gschicht mit däre Begegnig uuf’gschribe. Nach däm, was mir ver’muäte chönd, isch dr Petrus in Rom binere Christe’ver’folgig dur dr Nero um s Läbe choo.

„Denn Christus ist gestorben und wieder lebendig geworden, um über die Lebenden und die Toten zu herrschen.“

Das isch dr dritti und letzti Vers vom hütige Predigt’text. Wil Christus gstorbe isch, ghöred di Tote zu sim Herrschafts’bereich, und wil er läbt, ghöred di Läbende zu sim Herrschafts’bereich.

Entweder mer isch bi de ainte, oder mer isch bi de andere. Für beidi Gruppene isch Jesus zuä’ständig.

Im Militär läbt mer uf engem Ruum nach eme gemeinsame Tages’rhythmus, mer muäs im wüeste Wetter und in dr Chelti vorusse goh go dräckle, und ali münd derbi di gliche Chlaider aa’legge und si münd diä Chlaider au no uf di gliichig Art träge.

Das bringt au en gwüsse Stress mit sich, wo sich mängisch entladet.

S Zsäme’hebe mit de Kamerade stoht unter em Vorzeiche vonere objektive Notwendigkeit.

Wenn mer scho goht, denn mues mer au zsäme’hebe, suscht nützt’s nüt.

Us’grächnet in ere Läbens’lag, wo dur Iischränkige und dur höchere Zwang prägt isch, erfahred aber vili Wehrlüüt e Kamerad’schaft, wo si sich es Läbe lang gärn dra erinnered.

Nöd nur Veterane us dr Aktivdiänsgeneration han ich scho g’hört vo Kameradschaft schwärme, sondern au vil jüngeri Soldate – Armee’angehörigi, vo jünger sind als ich.

Hüt brucht mer zum Tail trendigeri Wörter: mer sait „team spirit“ oder „Geist vo dr Kompanie“ oder „Geist vom Batallion“ oder „esprit vom Korps“.

Und ich muäs säge, au wenn ich sehr gärn di gschäckete Chlaider ablegge und derfür normali aalegge, der Team spirit oder Geist oder esprit, der existiert tatsächlich.

Aber er existiert nöd automatisch.

Ich han au scho Johr und Einheite erläbt, wo kain guäte settige Geist gha händ oder won er sich erst muähsam aafange hett bilde, und denn sind d Lüüt heigange, ohni richtig döt gsi z sii.

S Gfühl, dass mer zsäme ghört, wil s dr Ernst vom Läbe eso will, und dass nöd jede sin aigete Herrgott isch, das Gfühl chan dr Alltag nach em Militär positiv be’iiflusse.

Dr christlichi Gedanke, dass mir ali Glieder mit unterschiedliche Funktione sind, wo zsäme ain Liib bilded, hätt en Ähnlichkeit mit däm Kameradschafts’geist.

AMEN.