|
|
|
|
|
|
|
|
|
2003-11-30, 10:00 Gottesdienst Predigt zum 1. Advent
Bibeltext: Jesaja 60,1-3 [GN] (1)Der Herr sagt: „Steh auf, Jerusalem, lass dein Gesicht vor Freude strahlen! Denn ich komme, ich bin dein Licht; meine Herrlichkeit leuchtet über dir auf wie die Sonne. (2)Auf der ganzen Erde liegt Finsternis, die Völker tappen im Dunkel; doch über dir strahlt mein Licht auf, der Glanz meiner Gegenwart leuchtet dir. (3)Alle Völker werden von dem Licht angezogen, das sich über dich ergiesst, und ihre Könige wollen den Glanz sehen, in dem du strahlst. {auch: EG 355, andere Übersetzung} Predigt
Liebi Gmaind, in dr vergangene Wuche isch dr Schnee bis in d Wyberg vo Weiningen abe’choo. Es winteret. An dr Zürcherstross isch mir gest scho d Strosse’belüchtig für d Fest’ziit uuf’gfalle, und in oiserer Glas’front vom Foyer zum Dorf’platz stoht dr noii Advents’kalender. Es isch wieder diä Ziit vom Johr. Ich mag mich no erinnere, wiä verblüfft ich gsi bin z erfahre, dass in Australie und Neuseeland Wiehnachte in dr heissiste Johresziit g’fiiret wird, ganz aifach, wil Si oisi Antipode sind und us oiserer Sicht ver’kehrti Johresziite händ. S Datum für Wiänachte isch hingege s gliichige. Für mich g’hört Advent mit frühem Iinachte, mit Chälti und am liäbste au mit Schnee zsäme. Und das bildet denn erst dr stimmigs’voll Hinter’grund, wo sich dervor s Liächt vom Advent eso richtig ab’hebe chan. Bi tropischer Hitz Cherzli aa’zünde, wenn’s vorusse bis am halbi elfi z’nacht no hell isch, das wäri nöd eso nach mim G’schmack. S Liächt strahlt uuf in dr Dunkel’heit. Das isch en Spruch. Ohni es Bild vor Auge blibt’s en Spruch, nur es paar Wörter. Damit diä Wörter en Zsäme’hang bechömed, damit mer en Sinn drin erkenne chan, muäs mer d Dunkel’heit erläbe. Mer muäs d Dunkelheit um sich haa und denn gseh, wiä s Liächt in d Dunkelheit vor’dringt. Für Liächt is Dunkel bringe chan mer joh aifach Liächt aa’zünde. Das isch nüt bsundrigs, oder ämel nüt symbol’belades. Wil vilfach bi däm helle Liächt, wo mir händ, s Liächt d Dunkel’heit aifach ersetzt. Wenn mir doh im Chile’ruum sämtlichi zur Verfüägig stehende Liächter aazünded, denn isch es aifach hell. En Bezug zwüschet Liächt und Dunkel bestoht denn nüme. Und das isch – minere Mainig noch – s reiz’volle an dr Fest’belüchtig uf de Strosse und an de Huusfassade, s reiz’volle an de Tanne’boim, wo in de Gärte mit Liächter’schlange g’schmückt sind, und s reiz’volle an de Cherzli, wo in dr Wiähnachts’ziit brenned. Si ersetzed ebe nöd d Dunkelheit, im Sinn vomene Realitäts’uus’tusch. Sondern: „Das Licht scheint in der Dunkelheit.“ Es isch immer no finster – an de meiste Ort. Aber in dr Finsternis drin hätts Liächt. D Festbelüchtig an de Strosse ersetzt joh nöd di normal Strosse’belüchtig. Di normal Strosse’belüchtig isch quasi es technisches Liächt, d Fest’belüchtig hingege isch es Stimmigs’liächt. Dr Unterschied zwüschet technischem Liächt kenn ich us minere Kind’heit: jedes Mol, wenn am Schluss vo dr Sunntig’schuäl’wiähnachts’fiir dr Sigrist d Saal’belüchtig vo dr Chile wieder iigschaltet hett, bin ich massloss ent’tüscht gsi. Hell isch es gsi, ämel vil heller als mit es paar Cherzli, aber derfür ohni jeglichi Stimmig. Ich bin dur das aber nöd traumatisiert worde, denn unmittelbar nachdem dr Sigrist in Sargans am End vo dr Sunntigschuälwiähnacht d Saalbelüchtig vo dr Chile ii’gschaltet gha hett, sind d Gschänkli verteilt worde. Und, Romantik hin oder her, Gschänkli sind natürlich ebefalls en Stimmigs’faktor. Im Predigttext sind’s nöd es paar Cherzli, wo in en dunkle Chile’ruum ine’schiined, sondern es sich es Liächt, wo vo Jerusalem uus in e finsteri Wält ine’lüüchtet. Es isch also e grösseri Dimension. Wenn mir imene dunkle Ruum es ainzels Cherzli aazünded, denn schwankt d Belüchtig es bitzli, wenn d Flamme sich dur en Luftzuug oder dur e Unregelmässigkeit bim Ab’brenne bewegt. Dur das bewegt sich grad s schwache Liächt im ganze Ruum, und es entstoht dr Iidruck, dass s Liächt in dr Finsternis kai statisches Liächt isch, kai garantiärts Liächt, wiän ne Gluäbirre oder es Halogen’lämpli, sondern dass es es unsichers Liächt isch, es Liächt, wo sich behaupte muäs, ais, wo e chli flackeret und wo au wieder uus’goh chönti. Das entspricht vilicht enere gwüsse Läbens’haltig. Vili Mänsche fühled sich in dr Advents- und Wiähnachts’ziit verletzlicher als sust. Si empfinded sich nöd als gleissend hells Neonlicht, wo d Dunkelheit ringsum wegschwemmt, sondern eher als es chlises Liächtli, wo mit sinere Uus’strahlig an e Grenze ane chummt. Di begrenzt Lücht’chraft vomene Cherzli isch es schöns Bild für oiseri begrenzti Raich’wiiti. Es isch nöd wiä binere Tasche’lampe, wo d Batterie allmächlich dune isch, und wo nur no s Birrli schwach lüchtet. Denn binere Tasche’lampe, wo nur no e chli brennt, dänkt mer draa, wiä grell dass si lüchte chönt, wenn no e frischi Batterie drin wär. Bim Cherze’liächt hingege isch es aifach eso hell, wiä diä Cherze grad brennt. Di aint isch e chli e grösseri Lüüchte, di ander hett e chli e diskreteri Flamme. Aber es hett kain Sinn, enttüscht z sii oder überspannti Erwartige z haa. So wiä s isch, isch es denn halt. Und das hett öpis Tröstlichs und öpis Entspannends an sich. Im Bibeltext wird nöd di ganz Welt belüchtet, also dr himmlischi Sigrist schaltet nöd di global Saalbelüchtig ii, sondern an aim Ort chummt dr Glanz vo dr göttliche Gege’wart zum Vor’schii. Und alli Völker werded von dem Liächt aa’zoge, dass heisst, si gönd döthi zu däm Liächt. Si münd en Wäg unter d Füass neh. Und mir zelled zu däne Völker derzuä, oisi Hauptstadt heisst Bern und nöd Jerusalem. Au mir nämed dr Wäg unter d Füäss und mached üs uf, zum där Glanz gseh, wo Gott drin strahlt. Für ois isch es in erster Liniä en Gang dur Ziit, en Weg dur dr Advent bis hii zum Chrippli. Und denn werded mir beschänkt mit em Sohn vo Gott, wo zu ois choo isch zum ois zaige, dass mir g’liäbt werded, und zum ois erlöse. Gschänk in dr Wiähnachts’ziit händ e langi Tradition, wo bis zu de Römer zruck’raicht. Imene Artikel vo dr Sunntis’ziitig chamer vili interessanti Detail derzuä läse. Imene grundlegende Gedanke’gang hett sich dr Autor vo däm Artikel über s Schänke in dr Sunntis’ziitig aber verhaue. Er findet s unchristlich, dass mer Gschänk überchummt, wo doch aigentlich nur s Christ’chindli es religiöses Aa’recht uf Gschänk hätti. Das gsehn ich anders. Dr Geburts’tag vo Jesus isch ais grosses Gschänk an ois. Mir sind di wahre Beschenkte an Wiähnachte. Und ich überleg mir, ob das nöd au dr Sinn vom Schenke generell si chönnti: mir beschenked am Liäbste diä Lüüt, wo ihri Gege’wart für ois es Gschänk bedütet. Wenn mir ois dur en Mensch beschenkt fühled, wil diä Person doh isch, und für ois doh isch, denn chönd mir wiederum si beschenke. Wenn mir an Wiähnachte G’schenk verteiled, imitiäred mir das, mached mir das noch, wo Gott vor’gmacht hett. Er beschenkt üs imene ganz grosse Uusmass d Lüüt, won er gern hett. Und mir beschenked imene chliinere Uusmass es paar von däne Lüüt, wo mir gärn händ.
Liäbi Gmaind, was ich bis jetzt gsait han, das isch lokal bezoge gsi. Mir händ hüt Missions’sunntig, und do hätt s Liächt, wo in diä Wält chummt, no en anderi Dimension. S Liächt isch nöd nur Stimmigs’bringer, sondern s Liächt isch au e Alternative zur Dunkel'heit. Und es git Regione, Welt’gegende, wo es Cherzli vermuätlich nöd langet, zum d Finsternis ver’triibe. An mänge Ort wärs vilicht vo Vorteil, wenn do en globale Sigrist di gleissend hell Saalbelüchtig für diä finstere Gegende ii’schalte würdi. S westliche Gwüsse schwankt immer öpe. Europa hett e koloniali Vergange’heit. Politisch korrekt denkendi, guät‘willigi Mensche fühled sich drum schnell emol verantwortlich für d Kontrolle, wo Europa früäner über Afrika, Asie, aber au über Tail vo Amerika uus’g’üäbt hett. Das schlechte Gwüsse isch aber zum Teil e chli en Selbst’zweck worde. Es chan aim dr Blick uf Tatsache verwehre. Diä Gegende, wo mir vorübergehend kolonialisiärt hend, hett s scho gee, vor d Europäer cho sind, und sit Johrzehnt oder sogar amene halbe Johrhundert sind di europäische Kolonialiste wieder weg. S Verhalte vo de aigete, lokale Machthaber gegenüber ihrer aigete Bevölkerig isch nöd automatisch besser als das vo de früänere Kolonial’herre. Mir händ e Neigig, Fehlverhalte vo Regiärige in ehemalige Koloniä z entschuldige. Mir händ e Neigig zum Korruption, offeni Gwalt und Unter’drückig z entschuldige, wil si traditionell in däne Welt’gegende scho immer vor’choo sind. Es Ziitli lang hett mer gmaint, mer chöni mit geballter Entwickligshilf und mit riisige Kredit alles Schlechti aifach use’spüähle, d Armuät und dr Hunger aifach wäg’z’finanziäre. Das gseht mer efängs nüächterner. Das, wo mer erreiche muäs, zum Armuät, Hunger und Unterdrückig besiege, sind d Chöpf vo de Lüüt. Mer muäs s Dänke vo dr Bevölkerig erreiche. Es muäs es Bewusst’sii g’schaffe werde für Freiheit und für Gliichberechtigung. Und das Bewusstsii muäs gschaffe werde an Ort, wo d Bevölkerig no niä frei gsi isch, und wo di unterschiedliche Stämm no niä gliichberechtiget gsi sind. Und denn chummt näber dr Gliichberechtigung vo unterschiedliche Bevölkerigsgruppe no d Gliichberechtigung vo Maa und Frau. Traditionell gits bi vilne Völker kai Gliichberechtigung. Mer dörf nöd vergässe: bi ois isch d Gliichberechtigung muähsam erkämpft worde, und bis vor nöd allzulanger Ziit hätz si nonig gee! S Liächt vo dr Erkenntnis und vo dr göttliche Liäbe hätt also no vil vor. Es muäs no in vilne Chöpf und Herze hell werde. E Mission isch en Uuftrag, und dr Uuftrag vo dr Mission isch nonig erfüllt. D Art und Wiis, wiä mir där Uuftrag erfülled, wandlet sich im Verlauf vo dr Ziit. Alles andere wandlet sich ebefalls im Lauf vo dr Ziit, drum wärs aigentlich erstuunlich, wenn d Mission en Uusnahm wär. Was sich gliich bliibt, isch dr Uuftrag, ganzjöhrig es Wiähnachts‘liächt döthi z bringe, wos finster isch. Es bringt nüt, z säge, „wo mir Europäer als Kolonialiste döt gsi sind, isch es no vil finsterer gsi als jetzt“. Es bringt au nüt, z säge, „Finsternis hätt halt in däne Weltgegende Tradition“. Mir händ s Liächt überchoo und denn sölled mir s au wiitergeh. Es isch es göttlichs Gschenk an ois, und däne Lüüt, wo mir das göttliche Gschänk wiitergänd, münd mir s jo nöd um d Ohre schloh, sondern eso wiitergeh, wiä mer es Gschänk wiitergit, nämlich us Respekt und als Wertschätzig für di beschenkti Person. AMEN.
|