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2003-05-04, 10:00 Gottesdienst
Pfr. Jean-Marc Monhart

MISERICORDIAS DOMINI (Psalm 33,5 – Die Erde ist voll der Güte des Herrn)

 

Grusswort:

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Johannes 10,11a.27-18a)

 

Bibeltext

    1.Petrus 2,21b-25

    (21)Ihr wisst doch: Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben. Bleibt auf dem Weg, den er euch voranging; folgt seinen Spuren!

    (22)Von ihm heisst es: „Er hat kein Unrecht getan; nie ist ein unwahres Wort aus seinem Mund gekommen.“

    (23)Wenn er beleidigt wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er leiden musste, drohte er nicht mit Vergeltung, sondern vertraute darauf, dass Gott ihm zu seinem Recht verhelfen würde.

    (24)Alle unsere Sünden hat er am eigenen Leib ans Kreuz hinaufgetragen. Damit sind wir nun von den Sünden befreit und können nun für das Gute leben. Denkt daran: „Durch seine Wunden sind wir geheilt worden.“

    (25)Ihr wart wie Schafe, die sich verlaufen haben; jetzt aber seid ihr auf den rechten Weg zurückgebracht worden und folgt dem Hirten, der euch leiten und schützen wird.

 

Liebi Gmaind,

Hirte und Schaf. Das kenned mir us dr Wiähnachts’gschicht.

Allerdings isch d Geburts’gschicht vo Jesus nöd dr einzig Ort in dr Bible, wo Hirte und Schof drin vor’chömed.

Imene berüemte Gebät us em alte Testament heisst’s „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“

Und im noiä Testament wird där Hirt us em alte Testament identifiziärt als Jesus.

Diä Siite vo Gott wo fürsorglich isch, das isch d Hirte-Siite. „Fürsorg“ dörf mer sich in däm Zsäme’hang nöd bsundrigs romantisch vorstelle. Denn damit d Schof döthi gönd, wo si guäts Fueter und frisches Wasser finded; damit d Schof döthi gönd, wo si z’nacht en sichere Platz zum Us’ruäh hend, setzt dr Hirt sin Hirte’stock, sini Hirte’hünd und sini luuti Stimm ii. Es fürsorglichs Verhalte chan also au emol zimli ruuch uus’gseh.

Hirt sii isch en Bruef. Sogar hützutags hend no einigi ganz wenigi Lüüt in dr Schwiz dr Bruef „Hirt“. Währenddem Hirt sii früener öpis Verbreitets gsi isch, betrachted sich di hütige Hirte, wo mer no so hend, doch ehnder als Läbens-Künstler.

Imene Interview vor churzem hett son en moderne Hirt gsait, er bruuchi en Bruef, won er dr Himmel über sim Chopf heig, und won er frei sigi. Sogar als Buur würi er sich no ii’g’sperrt vor’choo, wil d Bure zwar au vil vorusse schaffed, aber immer öpe am gliichige Ort. Hingege als Hirt chöni mer wiiter’züche, wenn am ainte Ort d Wiese ab’g’weidet sind.

Was hüt zum Hirt sii derzuä ghört, isch also allem Anschiin nach en Reste vo Freiheit und Un’bunde’heit, öpis wo vilicht di nomadische Bedürfnis vomene spezielle Mensche’schlag aa’spricht.

Wiä fest das scho in biblische Ziite e Rolle g’spilt hett, völlig frei und niäned aa’bunde z’sii, das chan ich nöd exakt säge.

Di meiste Hirte früener hend vilicht drum där Bruef ergriffe, wil s nüt anders gfunde hend, oder wil si us ere Hirte-Familiä g’stammt sind.
Oder es isch e Läbens-Abschnitt-Beschäftigung gsi, für Chind inere Gross‘familiä. Sogar dr spöteri König David isch als Chind en Hirte-Bueb gsi. Sini Eltere hend ihn aifach gschickt go Schof hüäte. Öpert hett’s müse mache. Mer hett jo d Schof nöd guät chöne elai loh.

Das, wo d Bible in idealisiärter Form mit em Schof-Hüäte verbindet, isch d Selbstlosigkeit.

Wenn sich es Schöfli in de Dorne verfange hett, mues dr Hirt ins Dorn’g’strüpp ine, und denn chan er sich guät au selber steche. Vilicht isch s Schof in de Dorne iigschüchteret und mer chans liicht befreie. Vilicht isch s Schof aber in Panik und es wehrt sich sogar no gege sini Befreiig. Und denn bechummt der Hirt vilicht sogar no en Tritt geges Schiinbein, zuäsätzlich zu de Spure vo de Dorne und amene Triangel meh an sim Hirte-Überwurf.

Selbstlosigkeit.

Wenn s Schof sich imene felsige Gebiät ver’chletteret hett, mues dr Hirt ebe au döt ufe’chräsmele, und unter Umständ mues er s um em Abstieg träge.

In de Wiähnachts’gschichte hend mir immer so netti chliini Schöfli. Aber eigentlich hett s dr Hirt nur am Rand mit Lämmli z tuä. Di allermeisti in dr Herde sind grossi, uusgwachseni Schof. Und so ais en felsige Abhang durabträge isch nöd aifach, vor allem isch es nöd liicht.

Selbstlosigkeit.

Im allgemeine ghöred d Schof nöd am Hirt. Trotzdem mues dr Hirt ganze Iisatz leiste. Und er riskiert, dass er derbi s ainte oder andere abbechummt, dass er emol der Chelti und denn wieder dr Hitz uus’g’setzt isch – und am Schluss, wenn er s mit Glück ainigermasse heil dure’broocht hett, sind s jo nöd emol sini Schof gsi.

Do gsehn ich jetzt gwüssi Parallele zur Chinder-Erzüchig. Chind uuf’z’zieh erforderet ebefalls ganze Iisatz, aber wenn si emol gross sind, isch d Ziit cho, dass mer si frei’git. Und im Grund gnoh mues d Erzüchig scho früeh dermit aa’fange, s Terrain für diä spöteri Freiheit z ebne. Mer mues de Chind s Selbstvertraue, d‘ Gschaffigkeit und au es gsunds Miss’traue bii’bringe, damit si in ihrer spötere Freiheit bestoh chönd.

Selbstvertraue, damit mer in dr Erwachsene-Welt nöd unter’goht.

G’schaffigkeit, damit mer s zu öpis bringt und beharrlich sine Ziil nöcher’chummt.

Und es gsunds Miss’traue, damit mer sich nöd bi dr erstbeste Glege’heit über dr Tisch ziäh und uus’nutze loht.

Am Schluss, wend d Chind gross sind, und emel s Meiste guät gloffe isch, werded d Eltere sich das Verdiänst wohl chuum uus’schlüüslich sälber zue’schriibe.

Au wenn em Schofhirt kais Tiär verloore goht, chan er zwar verzelle, er seigi ebe en tolle Schof’hirt. Aber vilicht hett er ebe au Glück gha.

 

Liäbi Gmaind,

im alte Testament isch es d Uufgab vom sprichwörtliche „guäte Hirt“, derfür z‘ sorge, dass es dr Herde guät goht. „Guät“ isch nöd irgendwiä guät, sondern das sind ganz solidi Sache: z ässe und z trinke bechoo. Gsellschaft haa, Schutz bechoo und dankbar zaige z chöne.

Im Fall dass d Herde das vom Hirt glieferet über’chummt, isch er en guäte Hirt. Das isch quasi s Pflichte’heft, wiä s im Psalm 23 uufgschribe isch. Wenn s drum goht, dass  d Schof fähig sii münd, Dankbarkeit für di tolli Läbens-Situation z zaige, denn gemerked mir scho, dass es doh nüme um mähendi, wulligi, vierbainigi Schof goht.

Es chan allerdings sii, dass en richtige Hirt mir jetzt widerspreche würd. En richtige Schofhirt merkt nämlich vermuetlich scho, ob sini Tiär zfride sind, obs ne guät goht, oder ob irgendöpis nöd stimmt, ob si unruhig sind, uu’liidig.

Bi de zweibeinige Schof isch es – immer gemäss Uussag vom alte Testament – eso, dass si als Läbensbedürfnis au s Zfrideheit zum Uusdruck gee händ. Dr Mensch isch nonig am Ziil aa’choo, wenn er s Wohlbefinde erreicht hett. Am Schluss hett er s Bedürfnis, dankbar z sii derfür, dass es ihm so guät goht.

Ich mach jetzt dr Sprung vom alte zum neue Testament. Do höred d Parallele zur Chinder’erzüchig uuf, und es goht um dr erwachseni Mensch, oder zumindest um dr g’riifti und g’festigti Mensch.

Jesus als personifiziärte guäte Hirt im noie Testament setzt sich nöd nur ii für sini Schof, er opferet sich nöd nur uuf, sondern er opferet sich.

Zum üüs ain für allemol us de Dorne befreie und üs us em felsige Gebiät rette, erlöst er ois dur sin Tod.

Er git sis Läbe für oisi Freiheit und oisi Sicherheit.

Es Schof mues kais schlechts Gwüsse haa mues, wil sich s verlaufe hett, und wil s dr Hirt in Gfahr brocht hett. Es Schof. Dr Hirt wais zum Voruus, dass Schof ebe das so mit sich bringed, dass s aint oder s ander dr Kontakt zur Herde verlüürt und mer s denn ebe go suäche mues.

Aber do dure sind mer kai Schof meh, oder mir chömed zumindest im Verlauf vom Läbe an en Punkt, wo mir sälber d Verantwortig für oises Läbe übernämed.

Und das isch en grosse und en tragische Punkt. Wil döt, wo ich d Verantwortig für mis aigete Läbe übernimme, döt übernimm ich zwangsläufig au d Verantwortig für mis Schiitere, wenn mal was dernäbet goht.

In dem Sinn bedütet erwachse sii au schuldfähig sii. Vom Strof’gsetz isch das jo allgemein bekannt. Amene jugendliche Täter git mer milderndi Umständ, wil mer sait, vilicht hett er s nonig ganz begriffe, wiä dass es lauft.

Aber öpert, wo erwachse isch, der sött das begriffe haa, wiä dss es lauft.

Und das gilt nöd nur für d Mensche in zwischemenschliche Bezüchige. Das gilt au für dr Mensch in Bezug uf Gott.

Christus isch üs uf em guäte Wäg voraa’gange. De Chind chamer vom guäte Wäg verzelle. Als Erwachseni chönd mir üs entscheide, ihm z folge. AMEN.