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2003-05-18, 10:00 Gottesdienst
Taufe und Trachtenchor
Pfr. Jean-Marc Monhart

CANTATE

Grusswort Psalm 98,1

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

 

Predigttext Matthäus 11,25-30 [GN: Nur Jesus kennt den Vater]

    (25)Danach rief Jesus: „Vater, Herr über Himmel und Erde, ich preise dich dafür, dass du den Unwissenden zeigst, was du den Klugen und Gelehrten verborgen hast!

    (26)Ja, Vater, so wolltest du es haben! –

    (27)Mein Vater hat alles in meine Macht gestellt. Nur der Vater kennt den Sohn, und nur der Sohn kennt den Vater – und jeder, dem der Sohn ihn zeigen will. /

    (28)Ihr plagt euch mit den Geboten, die die Gesetzeslehrer euch auferlegt haben. Kommt doch zu mir; ich will euch die Last abnehmen!

    (29)Ich quäle euch nicht und sehe auf keinen herab. Stellt euch unter meine Leitung und lernt bei mir; dann findet euer Leben Erfüllung.

    (30)Was ich anordne, ist gut für euch, und was ich euch zu tragen gebe, ist keine Last.“

 

Liebi Gmaind,

lohnt sich s überhaupt, gschid z sii? Was für en Zweck hett Intelligenz – was bringt si aim?

In sinere Aasproch lobt Jesus plötzlich Gott für öpis.  Er sait, wiä mir s vorher g’hört händ: „Vater, Herr über Himmel und Erde, ich preise dich dafür, dass du den Unwissenden zeigst, was du den Klugen und Gelehrten verborgen hast!“

Diä, wo klug sind, also di Uuf’g’weckte, Intelligente, diä händ s nöd begriffe.

Diä, wo „gelehrt“ sind – also di fliissige Lerner – , diä händ s nöd verstande.

Di Unwissende hingege, diä wo nöd so vil wüssed oder fast gar nüt, diä hingege chömed druus.

Und dr Jesus findet das toll.

Was chönd mir mit däre Sach aa’fange...

Zunächst emol isch es beruhigend. Das, wo de Unwissende zaigt wird, isch s Wesentliche im Läbe. Das, wo di Nicht-Kluge und Un-Gelehrte erfasse chönd, isch dr Inhalt vo oiserer Existenz.

Wenn si nur d Auge uuftüänd, denn gsehnd si, für was mir uf dr Wält sind. Si münd sich s nur vo Gott zaige loh, und denn g’merked si, was di himmlische Plän für oises Erde-Dasii sind.

Beruhigend...

Beruhigend drum, wil s nüt mit Gschidheit z tue hett, ob mer sich im Läbe zrächt findet oder nöd.

Beruhigend drum, wil s nüt mit maximaler Denkfähigkeit z tue hett, ob mer glücklich wird oder nöd.

Jesus sait allerdings nöd, mir sölled jetzt tumm werde. So, wiä ich das verstoh, sait er nur folgendes: mir sölled nöd glaube, dass mir dur Intelligenz de Gheimnis vom Läbe nöcher chömed. Mir sölled üs nöd druf verloh, dass mir je meh Gschidheit, desto meh Läbenssinn händ.

Dr Sinn vom Läbe isch unabhängig vom IQ. En höche Intelligenzquotient isch praktisch, wenn mer es Studium wett. Vil glernt z haa hilft aim bi dr Suächi nach ere Lehrstell.

Und di vile Informatione, wo über üüs ie’fluäted, chan mir mit Gschid’heit möglicherwiis besser ii’ordne.

Wäg däm isch mer aber nonig en z’fridne Mänsch. Mer isch nonig glücklich.

S Gegetail stimmt allerdings au nöd. Es wär en Denkfehler, z behaupte: wenig wüsse macht automatisch z’fride.

Unter mangelndem Wüsse chan mer au liide.

Wüesti Grücht und Vorurteil, Hass und Verachtig chönd dur mangelnds Wüsse entstoh. Mangelnds Wüsse kanalisiert Aggressione uf es Objekt, wo drfür ge’eignet erschiint.

Früener hett mer däm „Sündebock“ gsait.

Es Bispil sind Judeverfolgige im Mittelalter: wil mer nöd gwüsst hett, dass fehlendi Hygiene d Uusbreitig vo dr Pest begünstiget, hett mer en Sündebock g’suächt.

In de Jude hett mer en g’funde. Vili Aa’g’hörigi vom jüdische Glaube sind im Mittelalter tödet worde, wil mer si für d Pest verantwortlich g’macht hett, wil mer g’laubt hett, si täged Brunne vergifte.

Hüt, wo mir vil wüssed über Hygiene und Gsundheit, isch üs d Absurdheit vo däne mörderische Vorwürf bewusst.

Aber damals sind Mensche, wo wiä Jesus Jude gsi sind, umbrocht worde, und s Läbe vo de Täter isch vo Hass und Selbstgerechtigkeit und Dummheit zerfresse worde.

Absichtlich nüt wüsse wele chan also nöd s Ziil sii. Zwenig wüsse chan brand’g’föhrlich sii. Zwenig wüsse förderet au hüt no dr Aberglaube. Wenn Mensche für ihri gsundheitliche Problem kai medizinischi Lösig finded, griifed etlichi zu Glücksbringer, zu Amulett, zum Talisman. Mer mues nöd uf Afrika luäge für das. En Blick in Inserate’teil vo Heftli und is Aa’gebot vo Shopping Kanäl am Fernseh zaigt, dass au mir fehlends Tatsachewüsse gärn dur en abergläubische Armreif oder es heilversprechends Chetteli uusgliche wänd.

Fehlends Wüsse mues mer sich aa’eigne. Wenn mer z’wenig waiss, bringt’s aim nüt, aifach irgendöpis z glaube. Wäg dem hett mer d Wurzle vom Unwüsse nonig besiitiget.

En Mangel an Wüsse chan mer nur uusgliiche, indem mer drzuä’lernt. Büfflet. Drhinder sitzt. Dr Denkapparat in Gang setzt.

Wüsse isch also wichtig. Forschig isch wichtig. Dank dr Intelligenz vo früenere Forscher läbed mir hüt gsünder und länger. Mir ernähred üs uusglichener.

Mir wüssed, dass vil schlimmi Sache kai Naturgsetz sind, sondern dass mer sich drgege wehre chan.

S gliich’starke Erdbebe sorgt am ainte Ort für Toti, wil d Hüüser schlecht baut sind, und am andere Ort gwacklet nur e chli d Wänd, wil d Hüüser guät baut sind. Es paar Huusbewohner wached churz uuf, denn drehed si sich um und schlofed wiiter.

Und amene andere Ort sorgt s gliichig heftige Erdbebe für e Tragödie, wo Mensche uf Johre use belastet.

D Intelligenz, es Huus eso z baue, dass es nöd grad zsäme’gheit, chan also Läbe rette und seelischi Schäde zum Vornherein verhindere. So gseh chan Nicht-Gebrauch vo dr Intelligenz schrecklichi Folge haa.

Und es git au no en Zsäme’hang zwüsched Forschig und Armuet. D Erforschig vo Medikament füehrt derzä, dass chronisch Chranki gsund werded. In de Länder ohni Sozialsystem bedütet das: wer gheilt wird, chan endlich schaffe und ent’chummt so sim Elend.

Di meiste Länder hend keis Sozialsystem, und drum isch d Gsundheit für dene ihre Bürger no vil entscheidender als für ois.

Nachdem ich jetzt gsait han, das d Intelligenz vorteilhaft und ihre Gebruch sinnvoll isch, chan ich nomol dr Gedanke vom Jesus uuf’g’riife:

s Gheimnis vom Läbe erschlüüst sich intuitiv dem Mensch, wo stuunt.

„Schauen“ isch s Motto.

Und do chan aim gemeinerwiis d Intelligenz en Streich spile. Es isch möglich, dass mer nüme en Sinn für di aifache Sache hett, wil mer alles kompliziert gseht.

Im schlimmste Fall chan mer säge, wiän es Blüemli morphologisch uufbaut isch, wenn s blüeht und wo dass es verbraitet isch – aber mer gseht s nöd. Es isch doh, aber mer nimmts nöd wahr. Mer nimmt s zur Kenntnis, aber mer schaut es nicht.

Immer wieder hend Mensche probiärt Gott „zu schauen“. Das bedütet nöd, Gott zu sehen. S alte Testament sait sogar: Wenn mer Gott gseht, stirbt mer.

Aber wer Gott schaut, gseht ihn ebe nöd, sondern er nimmt ihn war.

Es isch nöd en visuelle Reiz, wo uf d Netzhuut iiwirkt, sondern Iidruck, wo im innere Aug entstoht.

Schauen – das gseh, wo in Wirklichkeit do isch, jensiits vo de Details – isch verwandt mit Stuune.

Wil dr Herr über Himmel und Erde üüs in e schöni Wält gsetzt hett, erkenned mir öpis Schöns, wenn mir s Wesentliche erkenned.

D Schöpfig isch en Uusdruck vo dr göttliche Liäbi ois gegenüber. Wenn mir drum in d Schöpfig iä’luäged, denn stuuned mir bald emol. Mir sind gebannt vo öpis, wo sich ois mitteilt und ufere ganz grundlegende Ebeni erschlüüst.

Vili Liäder vo Trachte’chör und vo Alpe-Folklore atmed dr Geist vom Be-Schauliche. Mer nimmt sich Ziit, luägt drii, laht’s uf sich wirke, und es tailt sich aim mit, und es produziärt son en Art Läbens’gfühl.

Mängi Lüüt sind allergisch uf Volks’musig’chör, wil si di andächtig-beschaulichi Grundstimmig nöd ver’chrafted. Es isch ne z langsam und z wenig krass.

Us däm use spricht d Angst, dass mer, wenn mer tüüf gnuäg ine-gluägt hett, nüme use-findet.

Vor öpe zwänzg Johr hetts emol e unglaublich erfolgriichi Popgruppe geh mit em Name „Barclay James Harvest“. So wiit ich waiss, sind si nöd speziell religiös gsi, aber ain vo ihrne Hits hett vo Jesus ghandlet. Döt haisst’s sinngemäss: wenn mer d Erkenntnis suächt, denn chas sii, dass mer abhebt und nüme obenabe chummt. „Don’t try to fly... you might not come down“. Gemäss däm Liäd „Valley’s deep“ vo Barclay James Harvest luutet em Jesus sini Lösig für das Problem: „In God alone we soar, in God alone we fly“ – im Vertraue uf Gott chönd mir wahrhaftig abhebe, ohni dass mir öpis en Realitätsverlust befürchte chönd.

S Erkenne vo Gott, wo d Wält erschaffe hett, füährt ois zruck in diä Wält, won er dr Herr vonere isch.

Ihn schauen heisst, uf d Wält choo.

AMEN.