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2003-03-09, 10:00 Gottesdienst
Pfr. Jean-Marc Monhart

Sonntag im Kirchenjahr: INVOCAVIT
Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören. (Psalm 91,15)

Schriftlesung Matthäus 4,1-11 [Gute Nachricht Bibel]

    (01)Danach führte der Geist Gottes Jesus in die Wüste, wo er vom Teufel auf die Probe gestellt werden sollte.

    (02)Nachdem er vierzig Tage und Nächte nichts gegessen hatte, war er sehr hungrig.

    (03)Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann befiehl doch, dass die Steine hier zu Brot werden.“

    (04)Jesus antwortete: „In den heiligen Schriften steht: ‚Es muss nicht Brot sein, wovon der Mensch lebt; er kann von jedem Wort leben, das Gott spricht.‘“

    (05)Darauf führte der Teufel ihn in die heilige Stadt Jerusalem, stellte ihn hoch oben auf den Tempel

    (06)und sagte: „Wenn du wirklich Gottes Sohn bist, dann spring doch hinunter; denn in den heiligen Schriften steht: ‚Gott wird seinen Engeln befehlen, dich auf Händen zu tragen, damit du dich an keinem Stein stösst.‘“

    (07)Jesus antwortete: „Aber in den heiligen Schriften heisst es auch: ‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht herausfordern.‘“

    (08)Zuletzt führte der Teufel Jesus auf einen sehr hohen Berg, zeigte ihm alle Reiche der Welt in ihrer Grösse und Schönheit

    (09)und sagte: „Dies alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.“

    (10)Aber Jesus antwortete: „Weg mit dir, Satan! In den heiligen Schriften heisst es: ‚Vor dem Herrn, deinem Gott, wirf dich nieder, ihn sollst du anbeten und niemand sonst.‘“

    (11)Da liess der Teufel von Jesus ab, und Engel kamen und versorgten ihn.

 

Predigttext

Hebräer 4,14-16 [Gute Nachricht Bibel]

    (14)Wir wollen an der Wahrheit festhalten, zu der wir uns bekennen. Denn wir haben einen Obersten Priester, der in die unmittelbare Nähe Gottes gelangt ist, das ist Jesus, der Sohn Gottes.

    (15)Er gehört nicht zu denen, die kein Verständnis für unsere Schwächen haben. Im Gegenteil, unser Oberster Priester wurde genau wie wir auf die Probe gestellt, und blieb doch ohne Sünde.

    (16)Darum wollen wir mit Zuversicht vor den Thron treten, auf dem die Gnade regiert. Dort werden wir immer, wenn wir Hilfe brauchen, Liebe und Erbarmen finden.


Gedanken zum Tag

    -Extremsportart Fernsehen: Superstar – Formel 1

    -Fündli: nicht nur den Sieger siegen sehen, auch die Verlierer verlieren sehen kann interessant sein – „...Superstar“

    -Schuldsklaverei im siebten Jahr beendet im AT (5. Mose 15,12) – erst nach 13 Jahren bei „...Superstar“

 

Predigt

 

Liebi Gmaind,

e Hitparade gits nöd nur bi Kinofilm und Musig, es git au en Art Hitparade bi de biblische Büecher. D Evangelie, also d Jesus-Gschichte vo Matthäus, Markus und Johannes, stönd an dr Spitze, gfolgt vo de Mose-Gschichts-Büecher im alte Testament, wo die berüehmte Sache drin stönd: d Arche Noah, dr Turm vo Babel, dr Uuszug us Aegypte, die 10 Gebot.

Wenn mer e Hitparade vo de biblische Büecher uufstellt, denn chumt dr Hebräerbrief mit Sicherheit wiit hine. Usem Hebräerbrief stammt aber oise hütigi Predigttext.

Wieso isch dr Hebräerbrief quasi „kein Hit“?

Zerst emol möcht ich druf hiiwiise, dass d Bible insgesamt e „Best of“-Sammlig isch. Das, wo in dr Bible drin stoht, isch nöd alles, was jemals gschribe worde isch früener. In biblische Ziite isch vil meh gschribe worde als diä 66 Büecher mit total öpe 1150 Siite.

Das, wo in dr Bible stoht, isch sowieso nur das, wo über Jahrhunderte hinwäg en bruuchbare Iidruck gmacht hett.

Dr Hebräerbrief im noie Testament hett also scho uf diversi Lüüt en guäte, sinnvolle, vernünftige Iidruck g’macht. Er hett scho sini Fäns gha, wo ihn wiiterempfohle händ. Es sind aifach niä sovil Lüüt gsi wiä bi andere Text, wo fast jede guät findet.

Wenn mer is Kino goht, luägt mer meistens Film mit ere Gschicht drin. E spannendi Gschicht verchauft sich praktisch vo sälber.

Dr Hebräerbrief enthaltet nöd Gschichte, sondern Gedanke zu Gschichte, wo noimet anderst in dr Bible stönd. Dr Hebräerbrief isch also e Fuessnotesammlig zu Gschichte im Mose und in de Evangelie. Er enthaltet Kommentär und Überleggige.

Damit mer überhaupt druus’chummt, mues mer diä Gschichte kenne – und zwar im Détail.

Was isch dr Sinn dervo, wenn mer es Buech schriibt, wo us Bemerkige zu anderne Büecher bestoht?

Mer chönnt natürlich säge, dr Verfasser vom Hebräerbrief isch en Fän vo de Mosebüecher und Jesus-Gschichte gsi. Hüt mached d Fän vo Büecher und Gschichte Website über ihri Liäblings-Gschichte, und si schriibed Läserbriäf. Und früener hett mer Büecher gschribe, zum zaige, wiä toll mer öpis findet.

Settigi Websiite und Läserbriäf sind natürlich öpis für Insider. Zum Teil mues mer sogar en totale Insider sii, damit mer uf ere Harry-Potter-Fansiite druus’chummt. Es git Fachbegriff, merkwürdigi Hiiwiis – für Lüüt, wo nur wüssed, dass dr Harry-Potter e Simon Amman-Brülle aa’hett, isch es e komplett fremdi Wält.

Und so ähnlich isch für di meiste vo üs dr Hebräerbrief e komplett fremdi Wält. Si isch aa’gfüllt mit Fachbegriff und merkwürdige Hiiwiis – aidüütig gschribe vomene Insider.

Um was goht’s.

D Wält’gschicht isch us aim Guss. Es git zwüschet em alte Testament und em noie Testament kain tüüfe Grabe. Das sind zwar zwai Buechsammlige mit unterschiedlichem Alter. S alte Testament isch 400-600 Jahr früener us bestehende Büecher zäme’gsetzt word als ds noie. Aber innwändig, sait dr Hebräer’briäf, innwändig sind s alte und noie Testament mitenand verbunde. Es git nöd e alti Wohrheit, wo irgendwenn emol veraltet, und e noii Wohrheit, wo jetzt modern isch. Es git nur ai Wohrheit, und diä isch ewig.

Und drum sind diä Gläubige us vergangene Ziite, nach Meinig vom Hebräerbriäf, nöd dümmer gsi als mir. Mir wüssed meh über Gott, sait dr Hebräerbriäf, wil mir zuäsätzlich zu de Gschichte vom alte Testament no d Gschichte vom Jesus kenned, aber das macht am Schluss kain Unterschied. Letztlich gohts im alte und im noie Testament aifach drum, dass mer glaubt. Und Glaube isch in dr Vergange’heit und in dr Gegewart Glaube.

Ob mer sich sälber für s Gröscht haltet oder ob mer Gott für s Gröscht haltet, vor däre Wahl stoht jede, egal, in welem Johr’hundert er oder sie läbt.

Ob mer nur für sich luäget oder ob mer di andere Mensche als Mit-Gschöpf behandlet, vor däre Wahl isch au scho fürener jede gstande.

Wo der Hebräerbrief gschribe worde isch, hett dr Verfasser zwar s Gfühl gha, er wüssi vil vil meh als mer vor sinere Ziit gwüsst hett.

Aber fürs praktische Läbe hett das sinere Meinig nach kai Bedütig.

Entweder mer glaubt oder mer glaubt nöd.

Entweder mer behandlet sini Mitmensche aaständig oder mer behandlet si schlecht.

Und wenn hütt aine en Hebräerbrief Nummere 2 schribe chönnti, denn dörfti minere Meinig noch die gliich message, di gliich Botschaft drin stoh. Sit dr Hebräerbrief Nummere 1, där richtig in dr Bible, gschribe worde isch, isch d Mensch’heit no vil vil gschider worde. Mir wüssed unglaublich vil meh als d Lüüt vor 2000 Johr gwüsst hend. Es nützt üs aber nüt. Wil döt, wo s druf aachummt, stönd mir vor de genau gliiche Entscheidige wiä di weniger Wüssende vo damals und wiä di no no weniger Wüssende us graue Uurziite.

Scho bi de Höhlemensche hetts settigi geh und settigi. Si händ’s nur nöd so kompliziärt uus’druckt wiä mir hüt. Dr aint hett Höhle’mensch hett sini Empfindige und sini Iistellig viellicht mit em Wort „urgh“ uus’druckt, und dr ander Höhle’mensch hett sini Empfindige und sini Iistellig viellicht im Wort „agh“ zsäme’g’fasst.

Hüt bilded mir statt „urgh“ und „agh“ ganzi Sätzli oder schriibed Gedicht. Es isch aifach e chli länger.

Zum Schluss no öpis zu däne konkrete drüü Vers, wo oise Predigttext im Hebräerbrief druus bestoht. Es heisst doh, mir hend en Oberste Priester, und dank däm chönd mir unmittelbar zu Gott cho.

Insider händ natürlich gwüsst, wiä das mit em oberste Priester funktioniärt. Si händ gwüsst, dass dr innerste Raum vom Tempel nur aimol im Johr vo aim Mensch betrete werde dörf, und zwar isch das denn dr Obersti Priester, wo aimol im Johr elai ganz nöch bi Gott si dörf.

Dr Hebräerbrief sait, diä Sach mit em Tempel isch für ois überflüssig, wil mir Jesus als immerwährende Oberste Priester händ. Jesus dörf nöd nur ainmol im Johr churz vor Gott trete, sondern er isch immer bi Gott. Wil er aber en Mensch isch, isch er – so wiä dr Obersti Priester – aine vo ois.

Bi de bruefsmässige Oberste Priester isch irgendwenn emol dr Punkt cho, wo si alters’halber nüme händ chöne schaffe oder suscht scho gstorbe sind. Denn isch dr nächsti Obersti Priester cho und hett s Amt übernoh. Das isch e chli wi bi de Päpst bi de Katholike, do git s wenn aine stirbt jo au wieder en noie Papst.

Dr Hebräerbrief findet, für d Verbindig zwüschet Gott und Mensch bruuched mir kein immer noie Oberste Priester meh, denn mir händ aine, wo für immer in däm Amt isch. Wil Gott dr Jesus zu sich in d Ewigkeit uufgnoh hett, isch er nöd nur aine vo ois, sondern au aine für ois. Jesus isch dr Fürsprecher, wo mir bi Gott händ, und zwar in alli Ewigkeit, wil er vo Gott bi dr Uuf’erstehig ewigs Läbe über’choo hett.

Där Gedanke spilt e Rolle, wenn öpert g’storbe isch und mir en Bestattigs-Gottesdienst händ. Wil Gott dr Jesus zu sich in d Ewigkeit uuf’g’noh hett, und Jesus oise Vertreter, oise Fürsprecher, oise Obersti Priester isch, hoffed mir natürlich, dass er bi Gott es guäts Wort für ois ii’lait und mir eso nach oisem Tod ebefalls in d Ewigkait zu ihm uuf’g’noh werded. Oder, e chli aifacher formuliärt: Gott hett dr Jesus vom Tod erweckt und zu sich in d Ewigkeit ufgnoh – drum hoffed mir, dass er ois denn au emol uuferweckt, und zu sich in d Ewigkeit uuf’nimmt.

In dem Sinn beende ich mini Betrachtig mit em Schlussvers vom Predigttext; Hebräer 4, Vers 16.

„Darum wollen wir mit Zuversicht vor den Thron treten, auf dem die Gnade regiert.

Dort werden wir immer, wenn wir Hilfe brauchen, Liebe und Erbarmen finden.“

AMEN.