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2003-07-20, 10:00 Gottesdienst
Pfr. Jean-Marc Monhart

Gottesdienst am 5. Sonntag nach Trinitatis

 

Grusswort

S Gruesswort vom Losigsbüechli für dr hütigi Sunntig stammt us em Epheserbrief. Im Kapitel 2, em Vers 8 heisst’s:

Es ist tatsächlich reine Gnade, dass ihr gerettet seid. Ihr selbst könnt nichts dazu tun, als im Vertrauen anzunehmen, was Gott euch schenkt.

 

Predigttext

Lukas 5,1-11

    (1)Eines Tages stand Jesus am Ufer des Sees Gennesaret. Die Menschen drängten sich um ihn und wollten Gottes Botschaft hören.

    (2)Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und reinigten ihre Netze.

    (3)Er setzte sich in das eine der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück vom Ufer abzustossen. Dann sprach er vom Boot aus zu der Menschenmenge. /

    (4)Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: „Fahr hinaus auf den See und wirf mit deinen Leuten die Netze zum Fang aus!“

    (5)Simon erwiderte: „Wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze noch einmal auswerfen.“

    (6)Sie taten es und fingen so viele Fische, dass die Netze zu reissen begannen.

    (7)Sie mussten die Freunde im anderen Boot zur Hilfe herbeiwinken. Schliesslich waren beide Boote so überladen, dass sie fast untergingen. /

    (8)Als Simon Petrus das sah, fiel er vor Jesus auf die Knie und bat: „Herr, geh fort von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!“

    (9)Denn ihn und die anderen, die bei ihm im Boot waren, hatte die Furcht gepackt, weil sie einen so gewaltigen Fang gemacht hatten.

    (10)So ging es auch Jakobus und Johannes, den Söhnen von Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Jesus aber sagte zu Simon: „Hab keine Angst! Von jetzt an wirst du Menschen fischen.“

    (11)Da zogen sie die Boote an Land, liessen alles zurück und gingen mit Jesus.

 

Liäbi Gmaind,

 

Dr Zwüschetitel vo däm Abschnitt heisst in dr Übersetzig vo dr Gute-Nachricht-Bibel „Die ersten Jünger“. Diä Gschicht stoht im Lukas-Evangelium erst im 5. Kapitel – es lauft also scho öpis, bevor dr Jesus Jünger hett.

En Tail vo däm, was vor de erste Jünger passiärt, isch d Geburts’gschicht. Mir ghöred diä bevorzugt in dr Wiähnachts’ziit. Denn wird dr erst Tempelbusäch vom 12-jährige Jesus beschribe, won er mit de Gelehrte vor Ort diskutiärt. D Begegnig mit em Johannes em Täufer und d Versuächig in dr Wüesti chömed vor, er wird in sinere Wohn’gmaind Nazareth abglehnt, es chummt zu erste Kranke-Heilige - und denn erst gits Jünger; nonig alli, es paar.

Für d Bezüchig zwüschet de Jünger und Jesus hett sich dr Begriff „Nachfolge“ ii’bürgeret. D Jünger folged Jesus nach. Das chamer sich praktisch vorstelle.

Am liäbste am Morge, wenn s no chüel isch, oder suscht gege dr Abig, wenn d Sunne nüme so heiss brennt im Nahe Oste, isch am Jesus sini Wandergruppe es Dorf wiiter marschiärt, an en noie Ort für dr Jesus zum predige und wirke.

Sini Beglaiter uf dr Wanderschaft sind sini Nachfolger gsi. Si sind ihm hinedri gloffe, villicht, wenn si s Etappe’ziil scho kennt händ, au voruus. D Nachfolger und Nachfolgerinne sind em Jesus uf sinere Route g’folgt.

Bi dr Tour de Suisse gits näber de ordentliche Teilnehmer no en Anzahl vo ehrgiizige Amateur, wo probiäred, jewils ai Etappe lang dr Aaschluss an d Bruefsvelofahrer z halte. Diä fahred ämigs z’hinderst em Feld hinedrii, so lang wiä si s Tempo hebe chönd. S Tempo vom Jesus sinere Wanderschaft entlang em Ufer vom See Gennesaret isch sicher vonere menschliche Gschwindigkeit gsi, wil mer jo damals mitenand unterwägs au gschwätzt hett. So hett’s sicher näbe de kontinuierliche Jünger vom Jesus, wo immer derbi gsi sind, wo die ganzi Tour d’Israel mit’g’macht hett, no anderi gee, wo nur en Etappe wiit mit’g’loffe sind. Viellicht us ähnliche Gründ wiä d Amateurä bi dr Tour de Suisse: mer möcht emol e chli derbii sii; g’spüüre, wiä das isch. En persönliche Iidruck bechoo, us aigeter Aaschauig.

D Wanderschaft vom Jesus und sine Jünger isch dur bewohnts Gebiät gange.

Es isch nöd so wi hüt, wo mer zum Wandere extra uf abglegeni Wanderweg uuswiicht, zum em Alltag ent’choo. D Wanderschaft vom Jesus und de Jünger hett dur dr Alltag in de Kantön Galiläa und Judäa g’füahrt.

„Nachfolge“ hett für d Jünger also meh oder weniger us däm bestande, wo s Wort bedüütet: si sind ihm nach’g’folgt oder voruus’g’loffe oder händ ihn um’folgt.

In däm händ si s üüs gegenüber aifacher gha.

Mir sind nüme di erste Jünger. Und hützutags sind s au nüme nur es paar Jünger. Wenn mer im Johr 2003 probiäre würdi, es Jüngerinne- und Jüngerverzeichnis aa’z’legge, gäbtis es dicks Buäch – meh als ais dicks Buäch, es gäbti vili vili Telefonbüacher voll vo Mensche, wo Jesus nachfolge wänd. Do wäred denn d Strössli zwüschet de Dörfer in Galiläa am See Gennesaret bald emol hoffnigslos überloffe, und nur diä, wo Jesus am nächste wäred, chönnted no öpis vo ihm gseh.

Es gäbt ais riese-grosses Gedränge. –

Obwohl, sones Gedränge, das chan doch ganz heilsam sii. Im Idealfall machts aim beschaide. Es motiviärt ain erst no. Und im es hertet ain ab gegenüber amene spezifisch reformiärte Virus, damit mer dem spezifisch reformiärte Virus nöd völlig zum Opfer fallt.

Mit däm reformiärte Virus main ich s Bedürfnis, dr reformiärti Glaube individuell z definiäre. Jedem Mensch sin aigete Glaube. Vo Einzelwese zu Einzelwese verschide. Dr Gedanke, dass jede Gläubigi persönlich vor Gott stoht, das isch en schöne Gedanke. Es isch en Erkenntnis vo dr reformiärte Konfession, wo in dr Bible im alte und im noie Testament ver’ankeret isch.

Allerdings hett mer vor dr Reformation diä Teil vo dr Bible, wo dr Einzelmensch mit sim Glaube betont wird, e chli unter dr Teppich kehrt. D Amts’chile vor dr Reformation, hüt würdi mer säge di katholischi Chile, hett ihre Bedütig als Vermittlerin zwüschet Gott und Mensch in Vorder’grund g’stellt. Das isch in dr Reformation hinter’frögt worde. Mer hett direkt in dr Bible nach’g’läse und fest’g’stellt, dass es esone Vermittlerin in dr Theorie gar nöd bruucht.

Und so hett mer denn s Chind mit em Bad uus’g’schüttet.

Nach reformiärtem Verständnis hett d Chile durchuus en Sinn: si isch en nach’ge’ordnete Service’betrieb, wo de Mitglieder helfe söll, Jesus nach’z’folge.

Im offizielle Sproch’ge’bruuch vo dr katholische Chile isch mer bereits en Nachfolger, wenn mer Mitglied vo dr Chile isch und si anerkennt.

Demgegenüber isch d Mitgliedschaft in dr reformiärte Chile nonig dr Glaube selber, sondern e Hilfe’stellig zum Glaube.

In dr reformiärte Theorie müssti mer nöd Mitglied vonere Chile sii zum Jesus nachfolge. Es chönnt au sii, dass öpert sait: där Service, wo di diverse reformiärte Chile aa’büütet, bringt mir z’wenig. – Das isch an sich en sehr en reformiärte Gedanke, dass mer d Mitgliedschaft in ere Chile nach Zweck’diän’lichkeit be’urteilt.

Aber es isch nonig dr kompletti Gedanke, z fröge: „Was bringt’s mir, wenn ich döt derbi bin?“

Denn näber dä sichtbare Chilene – reformiert, methodistisch, baptistisch, katholisch, und so wiiter; näber däne sichtbare Chilene git’s no di aini unsichtbari Chile: di ainti, unsichtbari G‘mainschaft vo allne Nachfolgerinne und Nachfolger vom Jesus, wältwiit und zu allne Ziite, sit Jesus körperlich dur Israel g’wanderet isch.

Und wenn mir üüs jetzt bewusst mached, dass mir als Nachfolger vo Jesus zur unsichtbare Chile ainewäg derzuä g’höred, und somit dur Jesus verbunde sind mit ganz vilne andere Mensche, denn verlüüred mir vilicht es bitz dr Zwang, zum es absoluts Einzelwese und en absolut individualistische Gläubige z sii.

Jo, es stimmt, mir stöhnd persönlich vor Gott. Das isch es Privileg.

Aber es stimmt ebe au, dass ich nöd dr Ainzigi bin, wo persönlich vor Gott stoht.

Und wil au anderi persönlich vor Gott stöhnd, isch mis persönlich-vor-Gott-stoh nöd höherwertiger als das vo anderne Nachfolgerinne und Nachfolger.

Wenn mir üs also für en Moment där riise Mensche-Uuf’lauf vorstelled, wo s gäbti, wenn alli Nachfolger em Jesus wieder lokal nachfolge würded, wiä damals am See Gennesaret, denn gspüred mir in däm virtuelli Gedränge drin:

dr Glaube an Jesus isch öpis Normals.

Er entspricht amene Bedürfnis, wo vili vili anderi au händ.

Und wenn disi andere über ihre Glaube reded, denn chumt derbi nöd eso vil anders use, als wenn ich über min Glaube red. Mir bruuched di gliiche Wörter, mir mained ähnlichs dermit, und, o Wunder, mängisch bruuched mir sogar di gliichige Wörter und mained s Gliichige dermit. –

Das z erläbe macht mich beschaide, wil ich denn iigsehne, dass mindestens en Tail vo de Jesus-Jünger gliich gschiid isch wiän ich.

Es motiviärt mich, wil ich definitiv kain Einzelkämpfer uf verlorenem Poste bin, wo ainsam und verlasse unter’goht.

Und es hertet mich ab gegenüber em reformiärte Virus, wo mich mit dr absolute unvergliichliche Privat’gläubig’keit infiziäre möcht. 

In fast jedem Gottesdiänst spreched mir s Gebät „Unser Vater“.

 

Liäbi Gmaind,

wenn mir Chile’bsuächer nächst Wuche emol amene Wärktig z’säme’chiemted zum es Gebät dichte, denn würdi s Resultat vermuätlich nöd identisch sii mit em Text vom „Unser Vater“. Trotzdäm isch es au hüt wieder in dr Liturgie enthalte, und ich find das wichtig und rächt eso.

Mit em Bäte vom „Unser Vater“ füäged mir ois in di wältwiit G’mainschaft vo de Gläubige ii. Wir nämed en Schritt Abstand zu oiserer aigete Glaubens-Individualität und tretäd in gemeinsami Fuess’stapfe mit all däne Gläubige, wo sich vor ois g’froit und wo vor ois g’litte händ.

Und mir ordned üs ii in di wält’wiiti allgemeini Chile.

Nach de Summerferiä git’s wieder en noiä Johrgang mit Konfirmande, und aines Dsistig’abends werded mir denn aller Voruus’sicht noch dermit aafange, es gemeinsams Glaubens’bekenntnis vo de Konfirmandinne und Konfirmande z er’arbeite.

Das hett – uf ere vil beschaidenere Stufe – dr glich Hintergrund wiä s „Unser Vater“ im hütige Gottesdiänst.

Jede Konfirmand isch es Einzelwese mit sine Gedanke. Jedi Konfirmandin isch es Individuum mit ihrne Aasichte. Trotzdem gits e Zsäme’g’hörig’keit, wil mir ali vor Gott stönd und dur dr Gott e Gmeinschaft bilded. Zunere Gmainschaft ghört aber au, dass mer mitenand redet, dass mer sich verständiget. Und dodrfür bruuchts näber em wort-lose Verständnis und dr unuus’g’sprochene Gmain’sam’keit öpis, wo mer uus’spricht: es bruucht Wörter, wo mer gemeinsam verstoht.

 

AMEN.