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2003-01-12, 10:00
Pfr. Jean-Marc Monhart

Predigt über Matthäus 3,13-17

„Jesus lässt sich taufen“

 

Liebi Gmaind,

Mission in dütsch-sprochige Gebiät als landeskirchliche Uuftrag. Mir kenned s Wort „Mission“ us em Zsämehang vo dr Verkündigung vo Gottes Wort in Gegende, wo mer s Christe’tum nonig kennt. Noi isch es, döt z missioniäre, wo mer s Christe’tum NÜME kennt.

Für das münd d Missionar nöd zwingend e Fremdsproch lerne. Es langet, wenn si dütsch chönd.

Im Johr, wo jetzt knapp zwei Wuche alt isch, fangt anere theologische Hoch’schuel vo dr dütsche Landes’chile e noii Fach’uusbildig aa: für Missionar in Dütschland.

Wenn diä Missionar ihres Studium abgschlosse händ, ligt ihres Iisatz’gebiät in de FNB, de „füf noie Bundesländer“. Nach em Zsäme’bruch vo dr DDR sind di foif Kantön vo dr „dütsche demokratische Republik“ mit dr BRD zsäme zu Dütschland verschmolze worde.

Währenddem in Westdütschland d Tradition vo christlicher Erziähig und Religionsunterricht über d Jahrzehnt hinweg Bestand gha hett, isch in Ostdütschland dr Atheismus propagiert worde. D Folge sind, dass dr christlich Glaube und di biblisch Überlieferig je länger je meh unbekannt worde sind.

Mer dörf sich das nöd zu theoretisch vorstelle. „Di biblisch Überlieferig isch unbekannt worde“, das bedütet zum Bispil: vili Chind kenned d Wiähnachts’gschicht nöd. Maria und Josef mit em Christ’chindli im Stall, d Ängel, d Hirte uf em Feld – unbekannt.

Di religiös Erzüchig berueht zumene Teil druf, dass mer Gschichte us dr Bible kenne lernt. Wenn mer diä Gschichte nüme kennt, fählt aim öpis.

D Gschichte vo dr Bible sött mer nöd nur ghöre. Mer sött s Verhalte vo de biblische Figure gelegentlich vergliiche chöne mit em eigete Verhalte. Das, wo Persone in dr Bible in ihrne Läbens’loif eso dure’g’macht hend, sött mer in Bezüchig setze zu däm, wo mer selber erläbt. Das isch je aifacher, desto früener mer diä Gschichte us em alte und noie Testament kenne’lernt.

Di baden-würtembergischi Liebenzeller Mission hett drum en erste Missionar uf Ostdütschland gschickt, zum de Mensche biblischi Gschichte verzelle und d Grundbegriff vom Christe’tum z erkläre.

Nöd so, wiä en Bekehrigsprediger das mache würd, zum bi Bekanntem aazknüpfe. Sondern, zum d Bible und s Christe’tum erst bekannt z mache. In däm Johr wird en zwaite Missionar g’schickt. Und no in es paar Johr sind denn di erste landeskirchliche Missionar us dr noie Uusbildigs’stätt in Greifswald unterwegs – frisch ab Press als Missionar im aigete Land, in dütscher Sproch.

Dr Leiter vo dr theologische Hochschuel, wo bis jetzt nur Pfarrerinne und Pfarrer uusbildet hett, isch zueversichtlich. Bis vor foif Johr heigi mer sich no öpis vor’gmacht? Jetzt aber seigi d Iisicht vorhande, dass di protestantische Landes’chile in Dütschland nöd nur Pfarrer, sondern au Inlandmissionar bruchi. Studiä’aafänger gäbi’s gnueg.

 

Wiso hett mer sich, nach Meinig vom Hochschuel-Leiter, bis vor cirka foif Johr no öpis vor’g’macht? Wägeme kirchlich-politische Missverständnis. Politischi Opposition isch in dr kommunistische DDR verbotte gsi. Wer sich dennoch hätt wele e chli in Opposition begeh zur Diktatur und zum Spitzel-Staat, hett e Nische gfunde in kirchliche Diskussions-Gruppe. Grad in dr Endphase, wo d DDR am zsäme’breche gsi isch, hett dr Gottesdiänscht-Bsuech vorübergehend zuägnoh. D Lüüt sind aber nöd in d Chile, wil si plötzlich alli frömmer worde wäred. Sondern, si händ mit em Chile’bsuech e Protesthaltig gegenüber dr herrschende Regiärig vo dr kommunistische Partei ii‘gnoh.

Dr Rest vo dr Gschicht händ si vermuetlich am Fernseh gseh: d Berliner Muur isch gfalle, Ostdütschland isch frei worde.

Jetzt hett mer nüme müse in d Chile goh zum dr kommunistische Regiärig ais as Schienbein ginke. Es hett e noii, gwählti Regiärig geh. Und d Mensche in Ostdütschland hend sowieso plötzlich ganz anderi Problem gha als Politik. Si händ sich müse as noie Wirtschafts-System vom Weste gwöhne. Das händ au meh als es Johrzähnt nach dr Wiederverainigung nöd ali gschafft, und es paar werdeds bis zu ihrer Pensioniärig au nüme fertig’bringe.

Mit dr Freiheit isch au dr vorübergehend aagstigeni Chile’bsuech zrugg’gange. Zum sich in dr noie gsamt-dütsche Wirklichkeit zrechtfinde hend d Bewohner vo dr ehemalige DDR d Chile nüme bruucht.

Es Ziitli lang hend di protestantische Landes’chile no in Nostalgie gschwelgt und in süesser Erinnerig an di volle Chile während dr Wende’ziit zrugg’dänkt. Bis si denn g’merkt hend, dass d Chile jetzt vilerorts leer sind.

Und zwar nöd so, wiä mir in dr Schwiz läär definiered – als zwänzg oder drissg oder füfzg Lüüt. Sondern richtig leer. –

 

Liäbi Gmaind,

ich bin zueversichtlich.

D Chile, dr geistlich Liib mit em Oberhaupt Christus, goht nöd unter. Si veränderet ihri Erschiinig. Aber eso tötelig, dass si aifach sang- und klanglos uus’sterbed, sind di europäische Protestante offe’bar doch nonig. Es goht wiiter. Und es isch so, wiä in andere Läbens’bereich ebefalls: in ere noie Situation hett mer zerst emol en Schock. Aber nochher packt‘ mer s aa. S Läbe goht wiiter. Und mer wird sich extrem schnell gwöhne draa. Ich behaupte, dass es in 10 Johr völlig normal sii wird, sich in Dütschland am Aafang vom Theologiestudium z entscheide: wott ich emol Gemeindepfarrer werde oder Inlandmissionar.

Jetzt sind s no Einzelni. Spöter wird s ain vo de Normalfäll sii. Ganz aifach, wil sich d Umständ g’änderet hend, wo d Chile sich drin befindet. Und mir passed ois däne Umständ aa.

Sowohl in dr kirchliche wi au in dr politische Situation vo dr Schwiiz sind mir üs dramatischi Änderige nöd gwöhnt. Di grosse Veränderige passiered bi ois nodisnoh. Mir händ drum meh Ziit, zum ois druf iistelle. Theoretisch hätted mir aber au meh Ziit, zum d Auge verschlüsse und säge: Veränderig? Was für e Veränderig? Ich gseh kai Veränderig!

Ohni dass ich ois jetzt über dr grüen Klee lobe möcht, dörf ich doch öpis Beruhigends säge: für diä Veränderige, wo dr Zürcher Landes’chile im Johr 2006 bevorstönd, lönd sich oisi Chilepfleger und s kirchliche Personal bereits jetzt, im Johr 2003, fit mache. Eso fit wiäs goht, wil jo nonig allzuvil bekannt isch, und d Politiker in erster Liniä wüssed, dass sich öpis ändere sött. Si hend sich allerdings nonig druf g’aignet, was sich konkret ändere sött. Am nächste Wuche’end befassed sich d Chile’pfleger vo Oberengstringe und vo mene Dutzend andere Chilegmainde uf de Boldere ob Männedorf mit dr kirchliche Zue’kunft. Sogar in de Chilepfleg’sitzige hett d Beschäftigung mit dr Zuekunft in Form vo Vernehmlassige und Standortbestimmige längstens aagfange.

Für dr hütigi Sunntig händ mir als Bibeltext Matthäus 3,13-17 g’hört. Es isch där Abschnitt im Matthäusevangelium, wo sich dr Jesus im Jordan taufe loht, und zwar vom Johannes. Wil s damals vil Johannes geh hett, bezeichned mir där Johannes als „Johannes der Täufer“. Das isch allerdings kai Bruefs’bezeichnig. Nach allem, wo mir wüssed, hett s döt suscht kai anderi Toifer geh.

Wil dr Jesus sich öffentlich taufe loh hett, sind sini Jünger dr Aasicht gsi, d Taufi seigi öpis guets. Usser em Jesus isch aber möglicherwiis kain andere Jünger tauft gsi. D Taufi isch jo nöd e ständigi Institution gsi, sondern e vorübergehendi Bewegig. Si hett aagfange, wo reumüetigi Mensche us dr Stadt Jerusalem an Jordan abegwanderet sind, zum nach em Symbol vom Untertauche es nois Läbe aazfange.

An es Änd cho isch di vorübergehendi Bewegig, wo dr Herodes, en einheimische Hilfskönig vo de Römer, dr Täufer Johannes enthaupte loh hett. Das isch übrigens nöd wägeme Befehl gsi vo de Römer, sondern dur en Befehl, wo dr Herodes sälber gee hett. Nach dr Hiirichtig vom Johannes em Täufer hetti d Taufi wieder chöne in Vergesseheit grote. Aber stattdesse isch s genaue Gegeteil dervo iitrete. Dr Jesus hett d Taufi institutionalisiärt.

Am Schluss vo sinere Wirksamkeit  hett er sine Jünger mit em sogenannte Taufbefehl dr Uuftrag erteilt, z missioniäre und z taufe. D Gültigkeitsfrist vom Taufbefehl lauft ab, wenn Jesus am End vo dr Ziit wiederchummt. Das isch nonig iiträtte, also isch dr Taufbefehl immer no gültig.

Mir missioniered au. Aber wil mir us was für Gründ au immer vo zwei Welt’chriäg wiit’gehend verschont blibe sind, hätts bi üs kai eso furchtbari Umwälzige und im Endeffekt au nöd 45 Johr atheistischi Diktatur geh. Drum münd mir nöd zwei verschiedeni Bruefsbilder iifüehre, eso wi di Ostdütsche das jetzt aafanged mit ihrne Gemeindepfarrer und Inlandmissionar. Bi üs isch Gemeindepfarrer und Inlandmissionar s gliiche. Wobi ich zu de Inlandmissionare au d Kigo-Helfer und s Fiire-Team zelle, überhaupt ali, wo biblischi Gschichte verzelled. Mir säged däm nöd Mission, es isch au nöd uus’schlüsslich Mission, aber es enthaltet e missionarischi Komponente. Wenn mer s unter emene bestimmte Blickwinkel betrachtet, gseht mer, es hett Mission drin.

Es schadet nüt, wenn mir s unter dem Gsichts’winkel aa’lueged. Mission heisst „Schickung“ oder „Sendung“. En Missionar hett en Uuftrag. Er isch en Diäner am geistliche Liib vo Christus, dr Chile. En Missionar verkündet nöd sini aigeti Botschaft, sondern d Botschaft vom Erlöser, vom Heiland. Und er wird für das gschickt vo öpertem, er wird für das uus’gsendet vo öpertem. Er isch en Gesandte vo dr Chile. So wiän en Pfarrer nöd in sim aigete Uuftrag prediget, sondern im Diänst vom Evangelium stoht, eso stoht en Missionar ebefalls im Diänst. Das isch wichtig, damit mer nöd selbstherrlich wird und dr Bode unter de Füess verlüürt. Und es isch wichtig, dass mer nöd uufgit und resigniert, sondern Halt findet bi däne Mitchriste, wo aim unterstützed und für ain bäted.

 

Liäbi Gmaind,

bi ois hett nur es nois Johr aagfange.

An anderne Ort wird no vil meh noi als nume s Johr.

Ich bin sicher, mir bechömed für di noie Useforderige Halt und Inspiration.

AMEN.