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2003-02-23, 10:00 Gottesdienst
Predigt über Psalm 61 „Unter Gottes Schutz“ [Gute Nachricht Bibel] 1Von David, zu begleiten auf Saiteninstrumenten. 2Gott, höre mein Klagen, 3Vom Ende der Erde schreie ich zu dir, 4Du bist meine Zuflucht, 5Ich möchte immer in deinem Tempel bleiben 6Du hast gehört, Gott, was ich dir versprochen habe, 7Gib dem König ein langes Leben, 8Lass ihn für immer unter deinen Augen leben, 9Ohne Ende will ich dir dafür danken mit meinem Lied
Liäbi Gmaind, zerst Dampf abloh, und nochhär gli rächt zfride sii. Vilicht kenned Si das. Im Psalm 61, oiserem hütige Predigttext, goht’s eso. Es fangt dramatisch aa: „Vom Ende der Erde schreie ich zu dir, weil mir die Kräfte schwinden.“ Und nochher gohts gleitend über in Zueversicht, Zfrideheit und Geborgeheit: „Mit reichen Gaben beschenkst du alle, die sich dir in Ehrfurcht nahen.“ – Das tönt schwer dernoch, dass doh ein g’merkt, mit was für riiiche Gabe er sälber eso beschenkt worde isch. Uufhöre tuäts denn fast e chli begeisteret: „Ohne Ende will ich dir dafür danken mit meinem Lied...“
Liäbi Gmaind, wenn öpert aafangt motze, mues das nöd dr Uuftakt vomene Drama sii. Es chan au sii, dass s Chlage und Schimpfe nur dr Schneepflueg sind zum Platz mache für e grossi Zfrideheit, wo sich hinedraa Bahn breche möcht. Harmlos isch dr Psalm 61 nöd. Er stammt us ere Ziit, wo in fast jedem Johr einisch di böse Nochbere choo sind zum ain überfalle. Di böse Nochbere, das sind us dr Sicht vo Israel d Philister, d Edomiter und d Moabiter und d Ammoniter gsi. D Johresziit isch d Ziit nach dr Ernte gsi. Wenn d Puure ihres Korn ab’g’erntet gha händ, denn sind si arbetslos gsi, satt und händ bis zum Iibruch vo dr regnerische, chalte Wintersziit no warm gha – ideal zum s Nochbervolk go überfalle, vor allem drum, wil diä joh au grad ab’g’erntet gha händ und drum hetts bim Nochbervolk au sicher öpis zum Hole gee. „Du bist meine Zuflucht, ein starker Turm, wenn der Feind mich bedroht.“ – Settigi Türm hett’s bruucht in dr Ziit, wo dr Psalm 61 druus stammt. Es hett zwischedinne au fridlicheri Ziite gee, wo d Ammoniter und d Philister und d Edomiter und d Moabiter nöd jedes Johr nach dr Ernte choo sind, zum e chli morde, raube und aazünde. Ai settigi fridlichi Ziit isch d Königs’ziit vom David gsi. Vor ihm hend d Nochbervölker en Heiderespekt gha. Mir kenned dr David unter anderem als Dichter. Er sich allerdings zu Beginn vo sinere Karriere es paar Johr lang Räuberhauptmaa gsi. An sine Händ hett sovil Bluät kläbt, dass erst sin Nochfolger Salomo für Gott hätt dörfe en Tempel baue. Wo dr David hätt wele für Gott en Tempel baue, isch en Profet im Uuftrag vom Höchste zum David cho und hett ihm mit’teilt, Gott weli vo ihm kain Tempel – das heigi no Ziit, bis en andere, fridlichere Typ uf em Königsthron sitzi.
Liäbi Gmaind, d Israelite hend zur Ziit vom König David nöd drum Fride gha, wil ihre König so guät hett chöne Gedichtli schriibe. Si hend Fride gha, wil dr schlächti Ruäf vom David di gwalttätige Nochbervölker iigschüchteret hett. „Gib dem König ein langes Leben, er soll über viele Generationen regieren!“ Das isch dr frommi Wunsch im Vers 7. En König, wo aim Fride garantiert, der bhaltet mer gern. Drum isch es aim am Liäbste, wenn der König im Amt bliibt. Nöd wil er so symphatisch isch, sondern wil er für sini Amtsziit Fride garantiärt. Jetzt möcht ich en Schritt vo dr Vergangeheit, vom Alte Testament, in d Gegewart mache. Unterwegs fallt mir no öpis uuf: „Du bist meine Zuflucht, ein starker Turm, wenn der Feind mich bedroht.“ – Bi Gott Zuäflucht finde, in dr Nöchi vo Gott Zuäflucht finde, dass chan mer au örtlich verstoh – nöd wörtlich, sondern örtlich. In dr Landschaft Siebenbürgen in Rumänien gits Wehrkirchen, Wehrchilene. Si gsehnd us wiä Burge, und uf en Art sind s au Burge. Si händ en Turm, en Pallas und e Muur rundume. Aber dr Turm isch dr Chileturm und dr Pallas isch in Wirklichkeit s Chileschiff. In unruhige Ziite hett s ganze Dorf d Hüüser verloh und in de Wehr-Chilene, de Wehrkirchen, Zueflucht gsuächt. Dr Martin Luther hett es Liäd gschribe, „Ein feste Burg ist unser Gott“ – für di Gläubige in Siebenbürgen sind d Wehrchile ihri feste Burge gsi. Wiä gsehts in dr Gegewart uus? Könige sind nüme eso ziitgemäss, wenigstens nöd richtigi Könige, also, settigi, wo regiered und wo öpis zum Säge händ. Diä Königinne und Könige vo de konstitutionelle Monarchiä in Grossbritannie, Holland oder Schwede sind jo ehnder für schön – e romantischi Tradition, wo an Glanz und Gloria vo früener und an verblassende Pomp aaknüpft. Döt, wo en König tatsächlich regiäre möcht, wiä wenn er der Chef vo sim Land wär, wird s entweder unfreiwillig komisch, wiä bim Fürst vo oiserem östliche Nochberländle, wo sis Parlament absetze chöne will, oder es wird kriminell, wiä bim irakische König, em Saddam Hussein. Er vergliicht sich gärn mit em Nebukadnezar em 2. , und betrachtet sich sälber als Nebukadnezar dr 3. Dr Nebukadnezar dr 2. hett im 6. Johrhundert vor Christus gläbt und Israel zerstört. Also, nöd nur Israel. Sondern au alli andere Länder rund um Israel ume. Wenn sich dr Saddam hützutags in bstellte Lobesgedicht als Nebukadnezar vo dr Gegewart fiire loht, chan mer sich umgfähr vorstelle, was Israel vo ihm erwarte dörf, wenn mer där noii Nebukadnezar in Ruäh mache loht, was er sich vorgnoh hett. Ich hör allerdings nöd mit Einzelpersone uuf. Dass mir jetzt di alte Gschichte vo dr Bible mit Könige drin immer no für öpis bruuche chönd, hängkt dodrmit zsäme, dass mir sälber hüt d Könige sind. En König, das isch ain, wo nur no Gott über sich hett und wo au nur Gott gegenüber verantwortlich isch. In dem Sinn sind mir Königinne und Könige. Es git zwar vo ois nur scho in dr Schwiiz es paar Millione, aber oises Usmass an Freiheit – und dodrmit verbunde an Verantwortig – isch beträchtlich. No niä hend soviel Mensche würklich öpis z Säge gha wiä hüt. Drum wär s jammerschad, wenn mer d Möglichkeite vo dr Demokratie nöd nutzte würdi. Dass zur Freiheit au Verantwortig ghört, bechömed jo sogar üseri Konfirmandinne und Konfirmande mit über. Dauernd münd si mitgestalte und mitbestimme. Ais Ziil vo dr religiöse Uusbildig isch, dass d Konfirmande möglichst alles emol sälber mache chönted, oder wenigstens wüssed, um was es derbi goht. Oises hütige Taufchind, d Lara Anna, stoht erst ganz am Aafang vo dem Wäg. Si hett im Moment no ganz anderi Prioriäte als es Glaubensbekenntnis schriibe oder Musik für d Konfirmationsfiir uuswähle. Aber ais isch ihre jetzt scho in d Wiägi glait: si isch e Königin. Si isch derzuä bestimmt, aines Tages verantwortigsvoll ihres Läbe z füehre mit niämertem über sich als nur em Schöpfer, und niemert anderem als em Ewige zur Recheschaft verpflichtet. Und mir wänd als Chilegmaind und als Familie oises Best derfür gee, dass diä Freiheit emol uf ere solide gfühlsmässige Basis und natürlich mit em nötige Hintergrundwüsse g’läbt werde chan. AMEN.
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