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2003-02-02, 10:00 Gottesdienst 4. Sonntag nach Epiphanias Schriftlesung Johannes 2,1-12 in der Übersetzig „Die Gute Nachricht“ „Die Hochzeit in Kana“. Die gute Nachricht nach Johannes, Kapitel 2, Verse 1 bis 12 [Gute Nachricht Bibel] (1-2)Zwei Tage später fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt. Jesus war mit seinen Jüngern eingeladen, und auch seine Mutter war dort. (3)Als der Weinvorrat zu Ende war, sagte seine Mutter zu ihm: „Sie haben keinen Wein mehr!“ (4)Jesus erwiderte ihr: „Was ich zu tun habe, ist meine Sache, nicht deine. Meine Zeit ist noch nicht da.“ (5)Da wandte sich seine Mutter an die Diener und sagte: „Tut alles, was er euch befiehlt!“ / (6)Im Haus standen sechs Wasserkrüge aus Ton, von denen jeder etwa hundert Liter fasste. Man brauchte sie wegen der Reinigung, die das Gesetz vorschreibt. (7)Jesus sagte zu den Dienern: „Füllt diese Krüge mit Wasser!“ Sie füllten sie bis an den Rand. (8)Dann befahl er ihnen: „Nehmt eine Probe von dem Wasser und bringt sie dem Mann, der für das Festessen verantwortlich ist.“ / Das taten sie, (9)und der Mann probierte das Wasser, da war es zu Wein geworden. Er wusste aber nicht, woher der Wein kam; nur die Diener, die ihm das Wasser gebracht hatten, wussten es. Er rief also den Bräutigam zu sich (10)und sagte: „Jeder andere bringt zuerst den besten Wein auf den Tisch, und wenn die Gäste schon reichlich getrunken haben, folgt der gewöhnliche. Aber du hast den besten Wein bis zum Schluss aufgehoben!“ / (11)Mit diesem Wunder in Kana in Galiläa setzte Jesus ein erstes Zeichen; damit zeigte er seine Herrlichkeit, und seine Jünger fassten Vertrauen zu ihm. (12)Danach ging Jesus mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern nach Kafarnaum und blieb einige Tage dort. //
Liebi Gmaind, das isch d Schriftläsig gsi, also der vo de beide Bibeltext, wo n ich nöd drüber predige. Trotzdem möcht ich churz es paar Aamerkige zur Hochziit in Kana mache. Jesus hett frei. Er chumt uf Kana, zum sich erhole. Sini Jünger sind derbi, sini Mueter – nöd zum zuelose, was er Schöns predigt, sondern zum mit ihm an dem Hochzit teil’z’neh, wo si alli derzuä ii’g’lade gsi sind. Jesus will sich nöd nur erhole, er mues sich sogar erhole. Er isch nämlich e chli im Stress. So erkläre ich mir, dass er so g‘reizt reagiert, wo sini Mueter ihn zunere Aktivität bewege möcht. „Was ich zu tun habe, ist meine Sache, nicht deine. Meine Zeit ist noch nicht da.“ – „Ich weiss dänk sälber, was ich mache mues. Spöter. Nöd jetzt.“ Das tönt e chli unfründlich, oder? Isch grad guet, cha dr Jesus an es Hochsig go chille und mues mit däre Luune nöd vors Volk stoh, zum ne voller Sanftmuet e Predigt halte. Also, Jesus isch jo eigentlich en guete Sohn. Er hett scho g’merkt, dass er sinere Mueter doh e chli an Charre g’fahre isch. Und sini Mueter, d Maria? Si kennt ihre Sohn. Si weiss, dass er g’stresst isch und zerst no e chli reklamiert, aber am Schluss chummt’s guät. Drum loht si sich gar nöd uf en fortgsetzte Wortwechsel mit em Jesus ii, sondern si isch zue’versichtlich, dass er jetzt gliich öpis tuät, so wiä si s ihm jo g’sait hett. Im Vertraue druf, dass ihres müeterliche Wort an Sohn wirkt, wendet si sich sofort de Lüüt vom Catering Service zuä, und sait ne: „Mached alles eso, wiän er oi das sait!“ – S Resultat isch bekannt. Übrigens, es git no en verräterische Nach-Satz, Vers 12: „Danach ging Jesus mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern nach Kafarnaum und blieb einige Tage dort.“ Hett er öpis g’macht döt, in Kafarnaum? Es stoht nüt, au im folgende Abschnitt nöd. Jesus isch eifach es paar Täg döt gsi. Nachdem er bi dr Hochziit g’stresst worde isch - won er sich eigentlich hett wele erhole - , hett er sich nochher einigi ruhigi Tage gönnt – mit Familie und Kollege im Fischerstädtli Kafarnaum am schöne See Gennesaret.
Soviel zur Schriftläsig.
Predigttext Römer 12,9-16 „Weisungen für ein Leben aus Gottes Geist“ Der Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom, Kapitel 12, Verse 9 bis 16 [Gute Nachricht Bibel] (9)Eure Liebe muss aufrichtig sein. Verabscheut das Böse, tut mit ganzer Hingabe das Gute! (10)In der Gemeinde soll einer den anderen als Bruder herzlich lieben und ihn höher stellen als sich selbst. (11)Werdet nicht nachlässig, sondern lasst euch von Gottes Geist durchdringen und dient bereitwillig dem Herrn. (12)Seid fröhlich in der Hoffnung, standhaft in aller Bedrängnis, unermüdlich im Gebet. (13)Sorgt für die Brüder und Schwestern, die es nötig haben, und wetteifert in der Gastfreundschaft. / (14)Wünscht denen, die euch verfolgen, Gutes. Bittet Gott für sie, statt seine Strafe auf sie herabzurufen. (15)Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Traurigen. (16)Haltet in Einigkeit zusammen. Strebt nicht nach Ehre und Ansehen, sondern wendet euch den Geringen und Unterdrückten zu. Bildet euch nichts auf eure Erkenntnisse ein. /
Liebi Gmaind, „Eure Liebe muss aufrichtig sein. Verabscheut das Böse, tut mit ganzer Hingabe das Gute!“ So fest wiä mir liäbed, so fest sölled mir verabscheue. Dr Gfühls-Pegel dörf in beidi Richtige uus’schloh. Im Umgang mit em Böse, bim Verabscheue, goht’s meh um en Iistellig. Im Umgang mit em Guete, bim „Tun des Guten“, goht’s offe’sichtlich um e Tätigkeit. S Guäte isch aaspruchs’voller als s Böse. Wil’s bim Böse langet, wenn mer us ere gwüsse Perspektive aa’lueget, als Beobachter vo usse. Während’dem mer bim Guete nöd als Beobachter dusse bliibe chan, sondern dri mues, und das denn nöd nur, zum s im Detail gseh, sondern zum an Ort und Stell handle, zum aktiv si, zum sin Bitrag leiste. „In der Gemeinde soll einer den anderen als Bruder herzlich lieben und ihn höher stellen als sich selbst.“ Das isch es Echo vomene Uus’spruch, wo Jesus emol g’macht hett. Dr Uus’spruch vo Jesus luutet, dass öpert, wo im Himmel guät doh stoh will, uf dr Erde diänt haa mues. Wenn mer us dem Zitat e Fuust’regle macht, denn chummt‘ derbi use, dass mer sini Mit’christe höcher stelle söll als sich sälber. Das wär es Anti-Hierarchie-G’setz. In fast keinere christliche Gmeinschaft, wo e gwüssi Grössi hett, isch där Grundsatz institutionell gründlicher um’gsetzt als in de kantonale evangelisch-reformiertä Landes’chilene von dr Schwiz. D Hierarchie zwüschet eme kantonale Chile’rats’präsident und em aifache Mitglied isch so flach, dass dr Boss ussert Über’zügigs’arbet praktisch nüt mache chan, zum d Mitglieder uf sini Siite bringe. Sötti sich hingege en kantonale Chile’rats’präsident jemals zur Behauptig erdreiste, er seigi qua amt, also eifach wil er Präsi isch, e höcheri Entwickligs’stufe vo Christ, denn würdi mer ihn ganz schnell in d Wüesti schicke beziehigs’wiis en geistliche Chopf chürzer mache. Dr gross Vorteil vo dem System isch, dass es Lüüt in di kirchlich Leitig zücht, wo s Obrigkeit sii für e Diänst’leistig zugunste vo de Mit’glieder halted. „Werdet nicht nachlässig, sondern lasst euch von Gottes Geist durchdringen und dient bereitwillig dem Herrn.“
Liäbi Gmaind, das isch dr Fitnessparagraph im Paulusbrief an d Römer. „Nöd lugg’loh“, „werdet nicht nachlässig“, das chamer jo liicht säge – und mer mues es sogar säge, denn dr Wille wird dermit aa’g’stachlet, dr Durch’halte’wille. Dr Wille chummt jedoch an e natürlichi Grenze, wenn er kai körperlichi Ressource meh zur Ver’füegig hett, won er sich drin materialisiäre chan. In dem Moment, wo mer nur no dr Wille hett, erreicht mer sini Ziil nöd. „Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.“ Also mues mer, zum geistigi Ziil erreiche, an sinere fleischliche Komponente schaffe. Wenn das am Schluss nöd aifach en fromme Wunsch gsi si söll, „werdet nicht nachlässig“, denn münd mir üs di nötigi körperlichi Fitness zue’legge, als materielli Grundlag für dr s geistige Zil. „Seid fröhlich in der Hoffnung, standhaft in aller Bedrängnis, unermüdlich im Gebet.“ Es git esones Authentizitäts-Dogma, dass mer sait: immer ganz authentisch si, immer ganz sich sälber sii. Nach em Motto: wenn ich fröhlich bin, denn bin ich fröhlich. Und wenn ich schlechti Luune han, denn han ich schlechti Luune. Und denn mues mir niämert säge, ich sölli jetzt fröhlich sii, wil wenn ich denn fröhlich wär, denn wär das gege mini schlecht Luune, es wär nöd ich sälber, es wär künstlet, es wär nöd authentisch. Das Authentizitäts-Dogma isch mir vertraut. Es isch glaub ich e relativ europäischi Grundhaltig. Wenn mir im Religions-Unterricht Dokumentarfilm lueged, wo druf Mensche us em asiatische Ruum zeigt werded, fallt üs immer wider s Lächle vo däne uuf. Speziell uuf’fällig isch es für ois, wenn zwüschet em G’sichts’uus’druck und em Inhalt vo de Wort en grosse Unterschied bestoht. So verzelled zum Bispil ehemaligi Chinder’soldate vo ihrne schlimme Erläbnis, und lächled derbi fortwährend. Oder armi Dorfbewohner schildered ihres Elend, und händ derbi di ganz Ziit es Lächle uf em G’sicht. D Verhaltens-Psychologie neigt derzue, em asiatische Modell dr Vorzug z geh. D Gfahr, dass bi ois eines Tages uf dr Stross und im Tram ali plötzlich nur no lächled, bestoht eh nöd. Aber es isch eso, dass di negative Gfühl intensiver wohrgnoh werded und länger duured, wenn mer si mit Mimik, Gestik, Habitus und Wort uus’läbt. Und, wenn mer starki negativi Gfühl hett und diä guät sichtbar vor sich her trait, denn chamer dermit anderi Mensche aa’stecke, wo – vo sich uus gseh – eigentlich nöd in e negativi Grundstimmig ab’g’litte wäred, aber liicht be’iiflussbar sind. Im Militär seit mer dem Phänomen „psychische Infektion“. Speziell Mensche, wo müed und hungrig sind, wo nöd wüssed, was lauft und wo vilicht no Chelti oder Hitz uus’g’setzt sind, chönd liicht der „psychische Infektion“ erligge. Diä Stimmig, wo denn d Alpha-Tiärli in ere Gruppe uus’strahled, diä breitet sich denn in dr ganze Gruppe uus. Diä Haltig, wo d Meinigs’macher in ere Gruppe ii’nähmed, wird vo praktisch dr ganze Gruppe denn reflektiärt. Us däm Grund chan denn vo zwei Gruppe, wo s ne beide objektiv gseh gliich schlecht goht, di ainti Gruppe iisatzfähig sii, währenddem mer di ander Gruppe für nüt meh bruuche chan. Zrugg in d Chile’gmaind und in dr zwische-menschlichi Umgang: en Huuch meh Asie uf de Gsichter und im Uuf’trete würd‘ üs mängisch nüt schade. Zumindest chan mer sich sälber gelegentlich uf‘fordere, fröhlich z sii - vilicht nützt s emol! „Sorgt für die Brüder und Schwestern, die es nötig haben, und wetteifert in der Gastfreundschaft.“ D Fürsorg händ mir zunere staatliche Institution g’macht, und das isch guät so, wil dur das d Gliichbehandlig vo de Bedürftige g’förderet wird. So chummts weniger zu persönliche Bevorzugige und Benachteiligunge. Userhalb vo oiserem Sozial-System gits immer no gnueg Lüüt und Organisatione, wo mir individuell unterstütze chönd, und döt machts denn au nüt uus, wenn mir d Empfänger vo oiserne Zue’wendige nach subjektive Kriterie uus’suäched: di ainte unterstützed liäber es fromms Hilfswerk, di andere gänd ihres Geld amene Werk, wil s Vreni Schneider derfür wirbt, und wider anderi spended enere weltaaschaulich neutrale Hilfsorganisation wiä Helvetas oder Unicef. So lang mer sim Liäblingswerk e chli uf d Finger lueget, spilt s aigentlich kai grossi Rolle, wen dass mer unterstützt, Bedarf isch an vilne Ecke und Ende vorhande, und am End glicht sich s meistens uus. Bi de grosse kirchliche Hilfswerk vo dr Schwiz und Dütschland isch es bereits so, dass si sich sit einige Johr koordiniered, zum Doppelspurigkeite in Empfängerstaate vermiide. „Wünscht denen, die euch verfolgen, Gutes. Bittet Gott für sie, statt seine Strafe auf sie herabzurufen.“ So öpis händ mir am früener im Text scho emol gha: dr Paulus nimmt en Uus’spruch vo Jesus und verwandlet ne in en Aa’ordnig für d Christe. Er nimmt es Zitat vo Jesus und macht e Lebens’regle druus. Won er am Chrüz am Sterbe gsi isch, hett dr Jesus bätet, dass Gott sini Mörder nöd bestrafe söll, mit dr Begründig: „Sie wissen nicht, was sie tun.“ Mir sind hüt insofern in ere andere Situation, wil mir nöd wiä in Nigeria oder Indonesie dermit rechne münd, an jedem beliäbigem Tag ufgrund vo oiserem christliche Glaube verfolgt und abegstoche z werde. Nachdem, was mir über d Mediä erfahred, züched s zumindest einigi vo de Christe in däne Länder vor, sich ebefalls z bewaffne, anstatt sich widerstandslos abschlachte z loh. Ich würd das glaub au eso mache, und drum bin ich vermuetlich kain guete Uus’leger vo dem Jesus-Zitat und dr Läbens-Regle, wo dr Paulus druus g’macht hett. „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Traurigen. Haltet in Einigkeit zusammen. Strebt nicht nach Ehre und Ansehen, sondern wendet euch den Geringen und Unterdrückten zu. Bildet euch nichts auf eure Erkenntnisse ein.“ S Schluss-Bouquet vo oisem Predigttext umfasst d Uufforderig: Haltet in Einigkeit zusammen. Das erinneret mich an di letzt Chile’pfleger’tagig uf de Boldere, am 17./18. Januar – vor grad emol guet zwei Wuche. Döt han ich das Gfühl vo Einigkeit und Zsäme’hebe wahr’gnoh. Und ich mues säge, bi landeskirchliche Veranstaltige in früenere Johr han ich das nöd eso intensiv wahr’gnoh, obwohl ich dr Iidruck han, dass es sich in de letzte Johr nach und nach verstärkt hett. Dr Iidruck, dass mer zsäme’ghört, isch mir wohlbekannt, aber ich han ne in minere Jugend vor allem ergänzend zur Landes’chile g’funde. Im Moment han ich allerdings s Gfühl, dass d Chile vo Jesus Christus sogar in ihrer zürcherische, evangelisch-reformierte Form no einigi Substanz hett und üs somit no es Ziitli erhalte bliibe dürfti. AMEN.
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