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2003-12-25, 10:00 Gottesdienst mit Abendmahl
Pfr. Jean-Marc Monhart

Weihnachten

Schriftlesung 1: Matthäus 2,1-12

Schriftlesung 2: Titus 3,4-7

    (4)Aber dann erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Retters.

    (5)Wir selbst hatten nichts vorzuweisen, womit wir sie verdient hätten; doch Gott hatte Erbarmen mit uns. Er hat uns gerettet und zu neuem Leben geboren durch das Wasser der Taufe und den heiligen Geist.

    (6)Diesen Geist hat uns Gott in reichem Mass durch Jesus Christus, unseren Retter, geschenkt.

    (7)Weil Christus uns die Begnadigung erwirkt hat, können wir vor Gott bestehen und dürfen darauf hoffen, dass er uns ewiges Leben schenkt.

 

Liäbi Gmaind,

Überfluss. Wenn mer in es Chacheli, wo en halbe Liter Fassigsvermöge hätt, en ganze Liter Wasser güsst, denn wird s Chacheli nöd nur voll. S Wasser lauft über. Es stoht meh Inhalt zur Verfüegig, als es im G’fäss Platz hett.

Überfluss bedütet, es hett sicher g’nueg. Es hett meh als g’nuäg. Es langet no für meh. Es langet no für anderi.

Natürlich chan mer sich im Überfluss fröge: isch nöd aifach s G’fäss z chlii? Müsst mer denn nöd öpe es grössers Chacheli neh? Imene grössere Chacheli hätti’s meh Platz, bevor s Wasser über’flüsst.

Solang’s um Chacheli goht, chan mer es chliners Chacheli dur es grössers Gfäss ersetze. –

Was aber, wenn mir diä Chacheli sind? Was aber, wenn oisi Existenze, oisi Mensche’läbe diä G’fäss sind, wo mit dr Gnad vo Gott im Überfluss beschenkt werded?

Ois sälber chönd mir nöd ersetze. Ois sälber chönd mir nöd uus’tuusche. Was aber sölled mir mache, damit mir möglichst vil vo dr Wiähnachts’froid und vo dr göttliche Liäbi in ois uuf’neh chönd?

Imene Liäd vom Johann Christian Hampe us em Johr 1961 – fast miin Johrgang - heisst dr Refrain: „Kommt, macht eure Herzen weit“. I::I

D Herze wiit mache – an allne Ende e chli züche, damit s Herz grösser wird und s Fassigs’vermöge e chli stiigt. Wenigstens e chli.

Das isch guät g’maint. Es zaigt, dass mir di unerschöpflich Gnad irgendwiä würdige wänd, dass mir wenigstens meh dervo profitiäre wänd, als es aifach so der Fall wär.

Am Schluss bliibt’s aber meh, als mir in ois uuf’neh chönd. S Gschenk, wo mir an Wiähnachte über’chömed, isch grösser, als mir’s begriffe und verstoh chönd.

Zum Wiähnachte beschriibe, chan ich Zuäflucht suäche in Sache, wo nöd ganz logisch sind. Und ich bin nöd dr erst, wo das macht.

Dr Christian Fürchtegott Gellert hett 1757 dichtet: „Wenn ich dies Wunder fassen will, / so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; / er betet an, und er ermisst, / dass Gottes Lieb unendlich ist.“

Also: er probiärt, s Wiähnachts’wunder in sich uuf’z’neh. Er will s erfasse. Und als Resultat chummt’s zumene Stillstand vo de Gedanke. Dr Geist stoht still. Wer mit eme Computer schaffet, kennt das Phänomen. Gelegentlich bewegt sich nüt meh uf em Bildschirm. D Software isch abgstürzt. Oder mer chan nur no s Betriebs’system fröge, was los seig. Und denn erschiint en einsami Iiblendig uf em Bildschirm mit em Inhalt: „Diese Anwendung ist überlastet. Wollen Sie abwarten und ihr 20 Sekunden Zeit geben, oder wollen Sie den Computer herunterfahren?“

Dr Stillstand vom menschliche Geist isch bim Christian Fürchtegott Gellert nüt zum sich drüber ärgere. Sondern er isch di logisch Folg dervo, dass di menschlich Logik enere höchere Logik begegnet isch. Gottes Gedanke sind soviel über oiserne Gedanke, dass oisi Gedanke nüme mit chömed. Und wil Gottes Gedanke an Wiähnachte Gedanke zum Heil sind, chönd mir ois in dr Stillstand vom Dänke ergeh.

In dr Liädstrophe vom Gellert stoht, was dr Geist macht, nachdem er zum Stillstand cho isch, nachdem er ab’gstürzt und wieder noi uuf’g’startet isch: „...er betet an, und er ermisst, dass Gottes Lieb unendlich ist.“

D Reaktion uf s Gschänk vo Gott isch, dass mir aa’bäted. Mir säged „danke“ für s Gschänk. Und vilicht nöd nur danke, sondern: s Gschänk isch en Uusdruck für s Wese vo Gott. Und mir möchted ihm säge, dass mir sis Wese schätzed. Und drum danked mir nöd nur für dr Uusdruck vom Wese, also für s Gschänk. Sondern mir drucked gegenüber em Wese sälber oiseri Wertschätzig uus, indem mir ihn lobed.

Denn chummt no där Noch-Satz vom Gellert, won er sinngemäss sait: „Min Geist ermisst, dass Gottes Liäbi unendlich isch.“ – Das isch natürlich jetzt e chli blöffig. Denn genau gnoh „ermisst“ dr menschlich Geist doh gar nüt. Wiä söll mer „Unendlichkeit“ ermesse? „Ermesse“ chan mer nur öpis, wo mer in Bezüchig setzt zu sich sälber.

Ich bin endlich. 

Wiä söll ich jetzt öpis unendlichs in Bezüchig setze zu mir?

Das isch das, won ich vorher aa’tönt han, dass es an Wiähnachte mit dr Logik e chli schwierig wird.

An Wiähnachte begegnet Gott ois Mensche, und mir wärded mit ere Dimension konfrontiärt, wo nöd oiseri Dimension isch.

Ich chan mich sälber zu der Unendlichkeit in Bezüchig setze, indem ich säge: ich han ebe kai Bezüchig zur Unendlichkeit. Unendlichkeit isch das, wo nöd ich bin. Es isch öpis anders. Das andere. Das, won ich kain Bezug han derzuä, das isch denn ebe d Unendlichkeit.

Also, ich ermisse, dass ich gar nüt ermesse chan – wil ebe mini Mess’instrument in dem Zsäme’hang versäged.

 

Liäbi Gmaind,

vor es paar Johrzehnt hett mer in dr Forschig mit Mensche’affe Test’reihe dure’g’füährt, zum d Intelligenz vo Mensche’affe erkunde. D Frog, di sälber g’stellti Use’forderig isch gsi: chan mer en Mensche’aff dur gezielts Training eso wiit bringe, dass er aines Tages eso gschid isch wiä en Mensch?

Ain Striitpunkt, wo ich döt nöd ganz verstande han, isch d Frog vo dr Unendlichkeit. Es paar Wisse’schaftler händ behauptet, wenn mer amene Aff d Unendlichkeit erkläre chan, denn isch er eso gschid wiä en Mensch. Wenn mer amene Aff das mathematische Zeiche für „Unendlich“ – also „die liegende 8“ – erkläre chöni, denn heigi där im Prinzip menschlichs Niveau erreicht. Es goht derbi um abstrakts Dänke, also um Dänke ohni direkte Z’säme’hang zur aigete Person und dr unmittelbare Umgebig. Mer hätt damals use’gfunde, dass Schimpanse Zahle unterscheide chönd, aber nöd abstrakt, sondern praktisch: si chönd mitteile, dass zwei Banane und drei Banane gliichvil isch wiä foif Banane. Statt mit gelbe Banane gohts offebar au mit rote Holz’chlötzli. Aber ohni Banane und Holz’chlötzli, abstrakt, goht’s schiinbar nöd.

 

Liäbi Gmaind,

ich bin e chli skeptisch gegenüber däne Forschige. Was mir aber iilüchtet, isch: es isch es grosses Privileg, mit sine Gedanke an es Ändi z choo. Nöd, wil mer niä aa’gfange hett, z dänke. Sondern wil mer aa’g’fange hett, z dänke, und an e Grenze choo isch.

In dr Wiähnachts’gschicht begegnet üs Gott im Jesus’chindli. Sis Wunder für ois isch nöd bedrohlich, sondern es hett e menschlichi Dimension, wo für ois vertraut isch. Gott verbindet sich mit ois. Er stellt vo sich uus där Bezug zu ois her, wo mir vo ois us nöd zu ihm händ.

S Unendliche wird endlich.

Wil mir mit oiserer Logik nöd mit Gott mithalte chönd, passt sich Gott ois aa und chummt in oiseri Läbens’welt ine. Und jetzt chönd mir mit oiserer Logik wieder öpis aafange, mir chönd wiiterdänke.

Aber es sind anderi Gedanke als vorher. Wenn mir bedenked, dass s Göttliche imene Mensch uf d Erde choo isch, münd mir au im Umgang mit Mensche di göttlich Logik akzeptiäre.

Das, wo üs vertraut erschiint; das, wo mir mained, mir kenned s scho – das chan s Gfäss sii, wo mir drinine göttlichi Gnad finded.

Das, wo mir mained, es isch ois längstens bekannt – das chan dr Ort si, wo ois dr Überfluss vo dr göttliche Liäbi begegnet.

AMEN.