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2003-08-03, 10:00 Gottesdienst
Pfr. Jean-Marc Monhart

Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis

Grusswort Epheser 2,19

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

 

Predigttext Apostelgeschichte 2,42-47

„Das Leben der Gemeinde“ (GN)

    (42)Sie alle blieben ständig beisammen; sie liessen sich von den Aposteln unterweisen und teilten alles miteinander, feierten das Mahl des Herrn und beteten gemeinsam.

    (43)Durch die Apostel geschahen viele wunderbare Taten, und jedermann in Jerusalem spürte, dass hier wirklich Gott am Werk war.

    (44)Alle, die zum Glauben gekommen waren, taten ihren ganzen Besitz zusammen.

    (45)Wenn sie etwas brauchten, verkauften sie Grundstücke und Wertgegenstände und verteilten den Erlös unter die Bedürftigen in der Gemeinde.

    (46)Tag für Tag versammelten sie sich im Tempel, und in ihren Häusern feierten sie in jubelnder Freude und mit reinem Herzen das gemeinsame Mahl.

    (47)Sie priesen Gott und wurden vom ganzen Volk geachtet. Der Herr führte ihnen jeden Tag weitere Menschen zu, die er retten wollte.

 

Liebi Gmaind,

Dankbarkeit und es Höch, es Hoch’g’fühl – das sind bestimmendi Faktore in dr urchristliche G’maind. Was mir us dr Apostel’gschicht g’hört händ, isch d Schilderig, wiä di erste Christe zsäme’g’läbt händ.

D Uuferstehig vo Jesus hett de Jünger es nois Gspüri geh für das, wo er hett welle predige und für das, wo er für d Welt bedütet. Fast gseht’s eso uus, wiä wenn d Jünger erst im Nach’hinein, us ere gwüsse Distanz, d Botschaft vom Jesus eso richtig verstande hätted.

Rain ziitlich isch diä Distanz nöd eso gross. In oisem Predigttext us dr Apostel’g’schicht befinded mir ois erst wenigi Mönet nach Tod und Uuf’erstehig vo Jesus.

Es hett sich ainiges g’änderet. Statt vo Jünger isch jetzt vo Apostel d Red. Schuld draa isch dr Taufbefehl. Di Apostel sind die „Ausgesandten“, diä, wo mit eme Uuftrag in d Wält use gschickt worde sind. D Mission luutet: Gönd in alli Wält, verkünded s Evangelium und taufed d Lüüt, wo zum Glaube choo sind.

Vorher sind d Jünger Nach-folger gsi – ich han vor zwei Wuche öpis über s Nachfolge gsait - , jetzt sind d Jünger G’schickti. Si sind use’gschickt, uf d Rais g’schickt. Zunächst allerdings goht d Rais in alli Welt grad emol uf Jerusalem. Das isch zwar au scho e Missions’reis, denn Jerusalem isch e Welt’stadt und d Jünger sind es Hüüfli, es sind elf Lüüt – dr Verräter Judas hätt sich jo uuf’g’hänkt und isch nüme derbi - ; also, es sind elf Apostel, es hett wiiteri Sympathisante vom Jesus und en Gruppe vo Frisch’bekehrte, wo dur s Pfingst’ereignis vom heilige Geist ergriffe sind. Di wiitere Symphatisante, wo jetzt zur urchristliche G’maind g’höred, sind Jesus wiä siinerziit di zwölf Jünger nach’g’folgt uf dr Wanderschaft dur Juda und Galiläa. Unter de Frischbekehrte, wo s dur d Inspiration vom heilige Geist an Pfingste packt hett - , unter de Frisch’bekehrte befinded sich hingege etlichi Lüüt, wo mit em Jesus vorher nüt z tuä gha händ. Zum aine, wil si zu sine Läbziite no kai Jünger gsi sind. Zum andere, wil si Usländer sind, wo erst vor churzem uf Jerusalem choo sind oder sich bim Läbe in Jerusalem vorher gar nöd so um di jüdische religiöse Gschichte kümmeret händ.

Da isch dr soziali Sprengstoff innerhalb vo de erste Christe scho drin enthalte: di Ainte Mitglieder vo dr Ur’chile’gmaind in Jerusalem sind wiä dr Jesus sälber Jude, wo am Sabbat in d Synagoge gönd und wo sich nach de G’setz vom alte Testament uus’richted. En Tail vo däne, wo nach dr Uuferstehig vo Jesus derzuä cho sind, ghöred ebefalls em jüdische Glaube aa. Hingege vili vo de Noigläubige händ nöd vom Judetum zum Christetum „upgradet“ (upgrade), sondern si sind Komplett-Iistiiger. Ohni sich vorher gross mit jüdische G’setz z befasse, sind si direkt vo dr frohe Botschaft erfasst worde, dass Gott üüs gärn hett, und dass sini grossi Liäbi sich sogar für ois uuf’opferet.

Früaner sind d Jünger quasi d Insider vo de Jesus-Anhänger gsi. D Verantwortig für s Verbreite vo dr guäte Nochricht hett Jesus persönlich, sälber trait.

Jetzt heissed d Jünger „Apostel“, wil si d Verantwortig für s Verbreite vo dr guäte Nochricht übernoh händ. Oder aigentlich müsst mer säge,  d Jünger heissed „Apostel“, wil si d Verantwortig fürs Verbreite vo dr guäte Nochricht überchoo händ. Si händ s überchoo vo Jesus. Er hett ihne dr Missions’befehl erteilt. Si sölled dr Uuf’trag uus’füahre. Es hett fast e chli e militärischi Note, denn es isch verbindlich.

Vor zwei Wuche han ich in dr Predigt als selbstverständlich erachtet, dass mir Nachfolgerinne und Nachfolger vo Jesus sind. Mir laufed ihm zwar nöd körperlich nach, dur Palästina dure, aber sinnbildlich folged mir ihm nach.

Wiä isch es mit em Apostel si? Sind mir als Christe au Apostel? Abgseh dodrvo, was isch aigentlich di wiiblich Form vo Apostel – ächt „Apostelinne“? Esones Wort han ich no niä g’hört. „Die Apostel“ sind alles Manne gsi. Und nachdem d Apostel – nodisnoh – denn emol g’storbe gsi sind, hett’s kai noii Apostel meh geh. Denn damit mer en Apostel sii chan, mues mer vom Jesus persönlich dr Uuftrag bechoo haa, s Evangelium z verkünde.

Joh und jetzt, denn sind also dr Simon Petrus und dr Jakobus Zebedäus Apostel, wil’s dr Jesus däne direkt gsait hett, si sölled s Evangelium verkünde. Und ich – ich bin kein Apostel? Aber ich han doch au s Gfühl, dass Jesus mir dr Uuftrag erteilt hett, s Evangelium z verkünde. Aber Jesus isch nöd vor mir g’stande im Jahr 33 nach Christi Geburt uf eme Hügel vor Jerusalem und hett’s mir döt g’sait. Sondern ich bin ohni liiblichi Aaweseheit vo Jesus vor drissg Johr oder so in dr Dütsch’schwiiz im Grossraum Züri – Sarganserland – Graubünde zum Iidruck cho, dass s Evangelium verkünde zu mim Läbens’weg derzuä g’hört.

Das Problem fangt, wiä so vili Problem, nöd bi mir aa, sondern, anderi Lüüt händ das Problem scho vil früäner gha, und das isch praktisch. Do chamer joh us dr Distanz mol en Blick uf diä andere Lüüt werfe, und luäge, wiä diä eso dermit um’gange sind.

Dr Paulus, dr „Apostel“ Paulus, isch sonen Problemfall gsi. Er isch oder er gilt als Apostel. Aber bi dr Uuf’fahrt, also bi dr Himmelfahrt vom Jesus, isch er nöd uf em Högger g’stande und hett em Jesus zuä’gloset, wiä där de Jünger dr Missions’befehl ertailt hett.

Dr Apostel Paulus hett dr Missions’befehl uf em Wäg nach Damaskus überchoo, won er e Begegnig mit Jesus gha hett. E Begegnig mit em Uuferstandene, e Vision, e Audition – dr Paulus hett öpis g’hört, sis Ross hett g’schüücht... En Tail vo de andere Apostel isch nöd eso dermit iiverstande gsi, wenn dr Paulus als „Apostel“ bezeichnet wird. Si händ gfunde, es isch nöd aagmesse, wil jo dr Jesus nöd liiblich vor em Paulus g’stande isch, sondern im nur erschine isch.

Und mir, im 20. Johrhundert in Mittel-Europa, isch Jesus nöd emol erschine. Also, ich glaub, en Apostel bin ich nöd. Aber es git so ne Hilfs’konstruktion. Mir sind e reformierti Chile und drum sind si alli derzuä uuf’gruäfe, uf Ihre Art im allgemeine Priestertum vo de Gläubige s Evangelium z verkünde, in Wort oder in Tate oder in Wort und in Tate. Insofern luutet d Frog für ois alli, sind mir Apostel, Apostelinne?

Diä Hilfs’konstruktion, das isch di apostolisch Sukkzession. „Die apostolische Sukkzession“. E Sukkzession isch e Abfolge, „eine Abfolge“, e Reihig, e Reihefolge. Es isch es Leiterli. E Leitere, wo mer nöd dra ufe’chlätteret, sondern wo mer dra – sinnbildlich - in d Vergangeheit abestiige chan.

Won ich Pfarrer worde bin, bin ich in dr Diänst uuf’g’noh worde dur en Pfarrer – respektive en Chilerat, wo Pfarrer isch - , und där Pfarrer isch vor Jahre au emol in Diänst uuf’g’noh worde dur en Pfarrer, und där isch wiederum vor jetzt scho relativ vile Johre in Diänst uuf’g’noh worde...

 

Liäbi Gmaind, ich nimm jetzt das locker und chürze e chli ab, so öpe siebezg Generatione lass ich uus, und denn chum ich zumene Pfarrer, wo in Diänst uuf’g’noh worde isch dur en Apostel, und dise Apostel isch denn in Diänst uuf’g’noh dur Jesus Christus persönlich uf em Högger vor Jerusalem, bevor Jesus de Blick vo sine Jünger – respektive frisch’bachene Apostel – enthobe worde isch.

Ich bin dur d Ordination als Pfarrer in di apostolisch Sukkzession uuf’g’noh worde. Es isch also nöd mini unverbindlichi Entscheidig, sondern d Verbindlichkeit vom Missions’befehl wirkt über mängi Generation hinweg wiiter. Si isch gültig, ich mach s nöd zum Vergnuäge, au wenn s mängisch Spass macht: es isch immer no, sogar nach knapp 2000 Johr, en Uuftrag.

Also bin ich kain Apostel. Aber das, wo d Apostel uuszeichnet, nämlich, dass si Gschickti sind, „Ausgeschickte“, „Hingeschickte“, dass si G’sendeti sind, „Gesandte“, „Ausgesandte“, das trifft au uf mich zuä.

Si, liäbi Chile’gmaind, sind ebefalls kai Apostel. Und gliich sind Si derzuä beruäfe, nach dr Botschaft vo Jesus z läbe und di Botschaft – ob mit Wort, oder ob ohni Wort – z kommuniziäre, si us’z’strahle, si wiiter’z’geh.

En Ordination, also en Uufnahm in Diänst, hend mir trotz em allgemeine Priestertum vo de Gläubige nöd. Mer chan sich natürlich Gedanke mache, inwiefern dass d Konfirmation so öpis ähnlichs isch wiä d Sicherstellig vo dr apostolische Sukkzession uf Ebeni vo dr Gsamt’chile’gmaind.

Dur d Teilnahm an dr Konfirmation bekennt mer jo, dass mer d Grundlage vom christliche Glaube überchoo hett. D Konfirmande bekräftiged, dass si s Evangelium überchoo händ. Nur was mer emol bechoo hett, chamer au wiitergee. Dennoch isch das öpis sehr Grundlegends. Es isch no öpis Allgemeins. Wenn s zum Spezielle chummt, also wenn öpert in es kirchlichs Amt iitritt, au wenn er nöd Pfarrer isch, sondern Gmaindhelfer oder Diakon, oder Chilerat, find ich s wichtig, dass diä Person is Amt ii’gsetzt wird. Damit mer gseht, si hätt sich nöd sälber es Karriere’schrittli ‚gönnt, sondern, diä Person hett en Uuftrag. Letzten Endes en Uuftrag vo Jesus Christus.

So, zum Läbe vo de erste Christe, zu ihrem Zsäme’läbe als ur’christlichi Wohn’gmeinschaft oder Kommune han ich jetzt no gar nöd vil gsait. Ich bin im Vorwort stecke blibe. Zumindest praktisch vertüüfed mir dr Predigttext allerdings gliich no. Mir händ hüt s Obig’mohl, wo mir fiired. Und im Predigttext heisst’s: „...in ihren Häusern feierten sie in jubelnder Freude und mit reinem Herzen das gemeinsame Mahl.“

Mir gönd nöd in oiseri Wohnige oder Hüüser derzuä, sondern gnüssed das Privileg, dass mir extra e Chile händ zum Gottesdienst fiire und s Mahl halte.

Und heissbluätigi Orientale, wo derbi vor Froid jubled, sind mir vilicht au nöd grad. Aber wenn sich s Klima no wiiter nach Norde verschiäbt, veränderet sich eventuell au s Naturell vo dr Schwiizer Bevölkerig. Mir taued uuf.

Was vo dr Temperatur und em Temperament hingege unabhängig isch, das isch s Fiire „mit reinem Herzen“.

Dass mir mit reinem Herz s Mahl halte chönd, das wünsch ich ois allne.

AMEN.