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2003-08-24, 10:00
Begrüssungsgottesdienst der Konfirmanden und Jugendgottesdienstbesucher
Beteiligung der Jugendmusik rechtes Limmattal
Israelsonntag
10. Sonntag nach Trinitatis

Pfr. Jean-Marc Monhart

Grusswort

Glücklich das Volk, das den Herrn zum Got hat,

das er erwählt hat als sein Eigentum! (Psalm 33,12)

 

Predigttext

Markus 12,28-34 „Das wichtigste Gebot“ (GN)

    (28)Ein Gesetzeslehrer hatte diesem Gespräch zugehört. Er war davon beeindruckt, wie Jesus den Saddzuäern geantwortet hatte, und so fragte er ihn: „Welches ist das wichtigste von allen Geboten des Gesetzes?“

    (29)Jesus sagte: „Das wichtigste Gebot ist dieses: ‚Hört, ihr Israeliten! Der Herr ist unser Gott, der Herr und kein anderer.

    (30)Darum liebt ihn von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und ganzem Verstand und mit allen Kräften!‘

    (31)Gleich danach kommt das andere Gebot: ‚Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!‘ Es gibt kein Gebot, das wichtiger ist als diese beiden.“ /

    (32)Da sagte der Gesetzeslehrer zu Jesus: „Du hast vollkommen recht, Lehrer. Es ist so, wie du sagst. Nur einer ist Gott, und es gibt keinen Gott ausser ihm.

    (33)Und darum sollen wir Gott lieben von ganzem Herzen, mit ganzem Verstand und mit allen Kräften, und unsere Mitmenschen lieben wie uns selbst. Das ist viel wichtiger, als Gott Brandopfer und alle möglichen anderen Opfer darzubringen.“

    (34)Jesus fand, dass er vernünftig geantwortet hatte, und sagte zu ihm: „Du fängst an zu begreifen, was es heisst, sich der Herrschaft Gottes zu unterstellen.“ Von da an wagte keiner mehr, ihn zu fragen.

 

Predigt

 

Liäbi Gmaind,

Oise Predigttext isch ä Fortsetzig. „Ein Gesetzeslehrer hatte diesem Gespräch zugehört. Er war davon beeindruckt...“ – so fangt’s aa, respektive, so goht’s wiiter. Drum möcht där Gsetzeslehrer jetzt ebefalls mit em Jesus es Gspröch füähre. Was ihn, wo mir nöd mit Name kenned, eso beiidruckt hätt, isch em Jesus sini Haltig zum ewige Läbe gsi.

E Gruppe vo Lüüt mit dr Bezeichnig „Sadduzäer“ hätt nämlich behauptet, es gäbi Gott, aber es gäbi kais ewigs Läbe. Am Jesus sini Antwort isch gsi: Gott isch nöd an üseri Ziitmassstäb bunde. Für ihn sind alli Mänsche gliichermasse vorhande, gliichermasse präsent, und gliichermasse lebändig. Wil er ewig isch, stoht er allne gliich nöch, egal, ob diä us üserer Perspektive vor üs g’läbt händ oder us üserer Perspektive erst nach üs emol uf d Wält chömed.

Diä Antwort isch e tröstlichi Antwort. Si hät nöd nur där unbekannti Gsetzeslehrer beiidruckt. Mir hebed üs au hüt no an däre Uuffassig vom Jesus. Vor allem in so Phase wiä jetzt, wo mir in de vergangene Wuche vo foif Gemeindemitglieder händ müse Abschied neh, do isch mer froh um där Trost.

D Aaschluss’frog vom Gsetzeslehrer an dr Jesus handlet allerdings nöd vom ewige Läbe, sondern vom richtige Handle jetzt. Was verlangt Gott vo ois in dr Gegewart, und zwar so kurz forumuliärt wiä irgend möglich, in möglichst wenig Wort?

Nur scho diä Frog isch hüt wenig modern. Mir sind eso im Stress. Sogar d Schüäler sind hüt eso im Stress. Ich han mir als Schuäler mängisch no spontan müse überlegge, was ich amene freie Nochmittag mache. Wenn ich jetzt als Lehrer mit Schüäler über ihri Beschäftigunge näber dr Schuäl rede, denn fallt mir dr höchi Organisationsgrad uuf. Ohni Terminplaner oder ohni Date’bank uf em Händy goht’s bi vilne nüme. Alli wänd öpis vo aim.

Und denn chummt am Schluss Gott und will au no öpis vo mir? Es wär doch weniger stressig, wenn wenigstens Gott nüt vo mir will. Us däm Grund isch es au bequemer, an e höcheri Macht z glaube anstatt an en Gott. Denn e höcheri Macht, diä hatt zwar dr Vorteil, dass si ume isch. Und vilicht chamer di höcher Macht emol aazapfe, wenn mer zuäsätzlichi Energie bruucht. Aber di höcheri Macht hätt au kai konkreti Erschiinigsform, wo sich an ein wendet und sait: ich erwarte vo dir, dass du mich gärn häsch mit all dine Chreft und dass du dini Mitmensche gärn häsch und dich sälber.

Am Jesus sin Gott isch en Gott, wo öpis verlangt. Er stellt Forderige. Oder uf hochdütsch: „Gebote“. Zwar sind s im Endeffekt nur grad zwai Gebote – Gott gärn haa und d Mänsche gärn haa. Allerdings decked diä Gebot alli Energiä ab, wo mer hett – mer söll nämlich mit allne mentale, emotionale und körperliche Fähigkeite liäbe; und diä Gebot decked alli Läbensbereich ab: s Jensiits und s Diissiits. Gott und d Wält.

Dr Lehrer sait em Jesus „Lehrer“, Rabbi. Das zügt vo dr Uuffassig, dass sogar en Lehrer no derzuä lerne muäs. Was mich zum Schmunzle brocht hett, isch d Reaktion, wo dr Lehrer zaigt, nachdem ihm dr Jesus wiä gwünscht en Antwort gee hett. „Du hast vollkommen recht, Lehrer. Es ist so, wie du sagst.“ Das tönt nach Schmeichelei. Aber es isch öpis anders. Denn falls dr Jesus öpis gsait hätti, wo em Gsetzeslehrer nöd passt, denn wär sini Reaktion gsi: „Du liegst vollkommen daneben, Lehrer. Es ist überhaupt nicht so, wie du sagst.“

In oiserem Bibeltext reded zwai Erwachseni mitenand, wo dr aint in dr Rolle vom Schuäler und dr ander in dr Rolle vom Lehrer isch.

Am hütige Begruässigsgottesdiänst gohts hingege um Jugendlichi, wo in dr Rolle vom Schüäler sind. Trotzdem isch s Verhalte vo so jugendliche Schuäler zum Tail scho so wi das unter Erwachsene. Mer sait, wenn mer iiverstande isch, und mer sait mer nöd iiverstande isch mit däm, wo dr Lehrer sait. S Schlüsselwort luutet: Respekt.

Won ich sälber Schuäler gsi bin, do bin ich bereits derzuä erzoge worde, Kritik z üäbe an de Erwachsene. Das isch öpe drissg Johr her, und für di erste Erwachsene, wo damals dermit konfrontiärt gsi sind, isch das nöd aifach gsi.

Wil nur scho s Kritisiäre als Fortschritt betrachtet worde isch, hett mer nonig draa tänkt, dass en Schuäler au positiv kritisiäre chönnt. Mir händ nöd glärnt, z säge, was mer guät findet. Das, wo guät isch, hätt mer ignoriärt. Mir händ nur glärnt z säge, was schlecht isch.

Öpert, wo sich – vor drissg Johr – Kritik nonig gwöhnt gsi isch, hett sich persönlich chöne aa’griffe fühle. Und tatsächlich vermisched sich jo berechtigti sachlichi Kritik einersiits und jugendlichs Kräfte’messe anderersiits.

Oise Mittelstuffelehrer hett üs 4.-6. Klässler damals diä modern Erfindig, s Kritisiäre, bii’brocht. Wenn mir ihn sälber kritisiärt händ und er s Gfühl gha hett, mir chiemed ihm derbi fräch, denn hett er üs psychisch fertig g’macht. Er hett also dermit chöne um’goh.

Oisi Fachlehrer hingege sind nöd eso robust gsi. Wenn si unter dr fräche Umekritisiärerei vo ois Schuäler g’litte händ, sind si zum Klasse’lehrer sich go beklage, und där hett si denn tröstet.

Für ois hett’s denn je nach Luune vom Lehrer entweder es Dunnerwätter oder es Klasse’gpröch gee. S absolut Grösste sind d Klasse’gspröch in Aaweseheit vo sonere aa‘gschossene Lehr‘chraft gsi.

Es isch, wiä wenn en Hundehalter d Hünd vo dr Laine loht und diä biissed denn öpert, und nochhär mues di bisseni Person zum Hunde’halter go bitti-bätti mache, damit er sini Hünd wieder an d Laine nimmt. Und aanschlüssend mues denn di bisseni Person am Hundehalter dankbar sii.

Obwohl das eigentlich e chli ver‘kehrt isch.

Wi au immer, im Noch’hinein isch mer immer gschider.

Dass mer de Schuäler bibringt, kritisch z sii, isch en Fortschritt. 

Nur hätti mer irgendwiä müse erwähne, dass es positivi Kritik git, und das nüt guäts selbstverständlich isch.

Alles, wo bruuchbar isch und guät, hett z‘erst emol müse erarbeitet und erschaffe und erschwitzt werde.

Damit mer e Schuäl kritisiäre chan, mues si zerst emol uufbaut und organisiärt und erteilt werde. Und alles das muäs mer würdige und schätze und lobe. Mir persönlich g‘fallt drum s Wort „Feedback“ besser als s Wort „Kritik“.

Zwar heisst „Kritik“ wörtlich nur „beurteile“, also wer kritisiärt, git sini Meinig zumene Thema ab.

Im Ohr vo de allermeiste Mensche tönt aber gar nüt Erfreulichs, wenn mer s Wort „Kritik“ hört.

Mer söll d Mensche nur denn zu kritische Mensche erzüche, wenn mer ihne biibringt, z säge, was si guät finded, UND z säge, was si schlächt finded.

Das isch für en Teenager natürlich unter Umstände en extrem höchi Aaforderig, dass er säge söll, was er guät findet.

Jugendlichi, wo es gsunds Selbstbewusstsii händ, getraued sich, z säge, dass si öpis guät findet.

Di andere händ Angst, vo ihrne Kollege als uncool oder streberisch oder als Schliimer behandlet z werde, wenn si emol öpis Positivs säged.

So, und jetzt chummt zum Schluss no en Uusblick. Zwei Gedanke, und das isch dr erst:

Dr Gesetzeslehrer sait em Jesus, was du gsait hesch, stimmt. Und denn füährt er em Jesus sin Gedanke wiiter. Er denkt en Zacke uf äm Zahnrädli wiiter, dr Schuäler setzt em Lehrer sin Gedanke fort.

Das isch scho es rächt höchs Lernniveau, wenn dr Schuäer g’lärnt hett, selbstständig z dänke, nachdem mer ihm emol d Voruus’setzige derfür gee hett.

D Voruussetzige bruucht mer. Ohni Voruussetzige wirds peinlich.

Wenn mer nüt waiss über di verschidene Religione, isch es schwirig, sich es persönlichs Urteil z bilde.

Wenn mer hingege di nötigste Sache emol g’lärnt hett, chan mer für sich zunere fundiärte Meinig cho.

Ohni Grundwüsse entstönd denn eso merkwürdigi Behauptige wiä: „Alli Religione glaubed doch an dr gliichi Gott.“ Derbi gits zum Bispil im Hinduismus und im Buddhismus gar kein Gott, so wiä mir das Wort verstöhnd.

Es isch au respektlos, alli religiöse Strömige vo dr ganze Welt in ain Topf z werfe.

Es isch nöd alles gliich.

Wenn mer sich im Kokoru emol dermit befasst, denn chan mer lerne, dass es verschideni Religione git. Es git Sache, wo mer vergliiche chan. Aber dr Verglich änderet nüt. Wenn ich en Mercedes mit eme BMW vergliiche, isch dr Mercedes immer no en Mercedes. Und dr BMW isch immer no en BMW. Natürlich, wenn ich absolut kai Ahnig vo Auto han, denn chan ich selbstverständlich säge: Mercedes oder BMW, das isch doch alles s Gliiche!

Und jetzt no dr zweiti vo de zwai Schlussgedanke.

Jesus sait em Gsetzeslehrer: „Du fängst an, zu begreifen, was es heisst, sich der Herrschaft Gottes zu unterstellen.“

Das isch öpis, wo für alli gilt: dass mir aafanged, z begriife.

Ganz checked mer s vermuätlich niä.

Aber es git im Läbe jo au no anders als gschider werde.

Zum Bispil ässe und trinke und lustig si.

AMEN.