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2003-08-17, 10:00 Gottesdienst
Pfr. Jean-Marc Monhart

9. Sonntag nach Trinitatis

Grusswort

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. (Lukas 12,48)

Wem viel gegeben worden ist, von dem wird auch viel verlangt. Je mehr einem Menschen anvertraut wird, desto mehr wird von ihm gefordert.

(Lukas 12,48b – GN)

 

Predigttext

Matthäus 25,14-30 „Das Gleichnis vom anvertrauten Geld“ (GN)

    (14)„Es ist wie bei einem Mann, der verreisen wollte. Er rief vorher seine Diener zusammen und vertraute ihnen sein Vermögen an.

    (15)Dem einen gab er fünf Zentner Silbergeld, dem anderen zwei Zentner und dem dritten einen, je nach ihren Fähigkeiten. Dann reiste er ab.

    (16)Der erste, der die fünf Zentner bekommen hatte, steckte sofort das ganze Geld in Geschäfte und konnte die Summe verdoppeln.

    (17)Ebenso machte es der zweite: zu seinen zwei Zentnern gewann er noch zwei hinzu.

    (18)Der aber, der nur einen Zentner bekommen hatte, vergrub das Geld seines Herrn in der Erde. /

    (19)Nach langer Zeit kam der Herr zurück und wollte mit seinen Dienern abrechnen.

    (20)Der erste, der die fünf Zentner erhalten hatte, trat vor und sagte: ‚Du hast mir fünf Zentner anvertraut, Herr, und ich habe noch weitere fünf dazuverdient; hier sind sie!‘

    (21)‚Sehr gut‘, sagte sein Herr, ‚du bist ein tüchtiger und treuer Mann. Du hast dich in kleinen Dingen als zuverlässig erwiesen, darum werde ich dir auch Grösseres anvertrauen. Komm zu meinem Fest und freu dich mit mir!‘

    (22)Dann kam der mit den zwei Zentnern und sagte: ‚Du hast mir zwei Zentner gegeben, Herr, und ich habe noch einmal zwei Zentner dazuverdient.‘

    (23)‚Sehr gut‘, sagte der Herr, ‚du bist ein tüchtiger und treuer Mann. Du hast dich in kleinen Dingen als zuverlässig erwiesen, darum werde ich dir auch Grösseres anvertrauen. Komm zu meinem Fest und freu dich mit mir!‘ /

    (24)Zuletzt kam der mit dem einen Zentner und sagte: ‚Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nichts ausgeteilt hast.

    (25)Deshalb hatte ich Angst und habe dein Geld vergraben. Hier hast du es zurück.‘ /

    (26)Da sagte der Herr zu ihm: ‚Du bist ein Faulpelz und Taugenichts. Wenn du wusstest, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nichts ausgeteilt habe,

    (27)warum hast du das Geld nicht wenigstens auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es jetzt mit Zinsen zurückbekommen.

    (28)Nehmt ihm sein Teil ab und gebt es dem, der die zehn Zentner hat!‘

    (29)Denn wer viel hat, soll noch mehr bekommen, bis er mehr als genug hat. Wer aber wenig hat, dem wird auch noch das Letzte weggenommen werden.

    (30)Und diesen Taugenichts werft hinaus in die Dunkelheit, wo es nichts als Jammern und Zähneknirschen gibt.“

 

Liäbi Gmaind,

S Talent, wo mer hett, und was mer druus macht: es öffentlichs Thema. Talent isch es Thema, wo d Öffentlichkeit nöd nur betrifft, sondern si sogar interessiert. In de vergangene Johr sind Talentshows wie popstars, „Deutschland sucht den Superstar“ - churz „DSDS“ – und star search uf grossi Nochfrog gstosse. Am Schwizer Fernseh gseht mer bald e helvetischi Version vom östrichische Sendekonzept „Starmania“. S Konzept isch österrichisch, dr Name isch englisch: wer mit sim Talent in Dütschland, Österrich oder dr Schwiz Erfolg hett, möcht international Erfolg haa.

Etlichi Gwünner vo settige Talentwettbewerb händ tatsächlich en gwüsse Karriere’erfolg erzielt und dr aint oder ander Euro verdiänt derbi. Dr aigentlichi Gwünner isch allerdings s Konzept vo dr Talentshow selber. Beziehigswiis diä Produktions’gsellschafte, wo d Lizenze für d Talentshows händ. Si kassiered jedesmal, wenn en Popstars-Hit als Klingelton uf es Handy abe’glade wird, und si kassiäred jedesmol, wenn en DSDS-Hit am Radio chummt, oder, allem illegal abe’lade zum Trotz, uusnahms’wiis emol legal über dr Lade’tisch ver’chauft wird.

Talentwettbewerb sind es grosses Spiel, allerdings es Spiel, wo vo de Beteiligte ziemlich ernst gnoh wird. S Paradox isch, dass mer locker sii mues zum gwünne. Nur wenn mer dr Iidruck erweckt, dass mer frei und unver’chrampft isch, hett mer e Chance, so richtig symphatisch übere’z’choo. Uus’grechnet där lockeri Iidruck aber mues mer sich hert er’arbeite. Wer en verbissene Iidruck macht, fliegt raus. Verbisse sii mues mer hingege, d Konkurrenz isch so gross, dass mer mit de aa’geboorene Fähigkeite elai nöd dure’chummt, mer mues si au no trainiere und üebe und üebe. Mer mues verbisse draa schaffe, dass mer en lockere Iidruck macht.

Zwar isch es erlaubt in d Kamera und is Mikrophon inne em Fernsehpublikum z säge: „Ich wott gwünne“. Uf kain Fall allerdings dörf sich dodrbii d Gsichts’muskulatur sichtbar verspanne.

Bimene Spil git’s verschideni Rolle.

In oisem Glichnis vom Jesus gits d Rolle vom Huus’herr, wo verreist. Er hett, so wiän ich das gsehne, e Dreifachfunktion. Dr Huus’herr isch dr Organisator vom Talent’wettbewerb. Als zweits isch er d Jury zur Bewertig vo de Kandidate. Und als dritts isch dr Huus’herr im Gliichnis au no der Priis’verleiher. In de gegewärtige Fernsehshows händ mir für diä drei Rolle verschideni Persone’kreis.

Organisiärt werded diä Wettbewerb vo Produktions’firme, wo ihrersiits im g’mischte Uuf’trag vo Fernsehsender, Musikverlag und Mediä’unternehme tätig werded.

S zweite isch d Jury. Im Gliichnis ladet dr Huusherr di drei Kandidate zunere Präsentation vor und bewertet si nach ihrem Erfolg. Wer das inere Show mache chan, g’hört bereits zu de Gwünner. Vili Fernseh’zuäschauer identifiziäred sich gnuss’voll mit de Jury’mitglieder.

Denn singe chöne, tanze chöne und Iidruck schinde isch s zwar schön. No  schöner aber isch es, wenn mer andere Lüüt säge chan: „Du chasch nöd singe.“ „Du chasch nöd tanze.“ „Du häsch kai Uus’strahlig.“

Wer chan sich s scho laiste, in sim normale B‘ruäf brutal an de Mitmensche ume z kritisiäre. Imene Wettbewerb wird s vo dr Jury regel’recht erwartet, dass si klari und direkti Urteil fälled.

Di dritt Rolle, wo im Gliichnis dur dr Huusherr uus’g’üäbt wird, isch d Priis’vergab. In dr Gschicht, wo dr Jesus verzellt, bechömed di beide erfolgriiche Kandidate en erwiiterete G’schäfts’bereich. Allerdings dörfed si nonig grad mit Wiiter’schaffe aa’fange. Z‘erst münd si no an di gross Party goh go fiire.

Jetzt zu däne Persone, wo ich vorher als Kandidate bezeichnet han. Kandidat isch nöd aifach Kandidat. Popstars oder DSDS sind jo kai Einzel’sendige, sondern Fernseh’seriä. Es fangt aa mit Vor’uus’scheidige.

Und in däne aa’fängliche Wettbewerb chummt miner Meinig noch dütlich zum Vor’schii, dass di verschidene Kandidate unterschidlichi Rolle spiled, wo bim Fernsehzuäschauer di entsprechende Gfühl uuslösed.

Es git di Uus’g’lachte, di Bemitleidete, d Konkurrente, di Bewunderete und di Unter’stützte.

Jedesmol gits es paar Lüüt, wo offesichtlich isch: diä chönd s nöd. Das git en Lacher, und es git Erliichterig. Dr Fernseh’zuä’schauer cha sich säge: do hätti ich jo chöne zum Wettbewerb gho und ich hätti no e besseri Falle g’macht.

E zweiti Gruppe, di Bemitleidete, das sind Lüüt, wo aim in ihrer Unfähigkeit und Unbeholfe’heit direkt symphatisch werded, wo’s im End’effekt aber aifach nöd bringed. Das sind diä, wo mer denn froh isch, wenn si vo de Jurore no es tröstends Wort über’chömed, bevor si use’g’schickt und niä meh inne’gruefe werded.

Nach de Uus’glachte und de Bemitleidete gits d Konkurrente. Das sind diä Lüüt, wo mer glaubt, dass si sich uf em gliiche Level befinded wiä mer sälber. Jedes interessante Ding bruucht e Soll’bruch’stell, öpis, wo aim use’forderet und wo mer sich letztlich au draa messe chan. En Talent’wettbewerb z luäge hätt au dermit z tuä, sich z fröge, wiäso bin aigentlich ich nöd berüämt und en Star. Di meiste Lüüt händ das jo irgendwenn in ihrem Läbe emol welle werde, sind s denn aber nöd. Wenn ich jetzt am Fernseh Lüüt gsehne, wo ich dänke, diä mached das rächt, aber – aigentlich – mit e chli meh üäbe hett ich s vilicht au sowiit broocht... das chan aim es aigetümlichs Gfühl geh, oder besser: en ganze Mix vo Gfühl.

Wiiter goht’s nach de Konkurrente mit de Bewunderte. Das isch au es menschlichs Bedürfnis, dass mer gseht, diä cha das, diä macht das guät, und mer freut sich ganz natürlich draa. Immer wieder treted in de Talent’wettbewerb Kandidatinne aa, wo mer aifach dänkt: diä singt jetzt aber schön.

Dr nächst Schritt isch denn aber d Bewunderig, und an däre Stell wird’s für d Kandidate denn langsam ernst: di ainte, ganz wenigi Kandidate, stossed bi de Zuschauer uf Resonanz. Si generiäred Fans. Mer interessiärt sich für si, wil si no genäuer ab’checke. Im beste Fall werded si Stars.

Und denn chummt d Priis’verleihig. Im Gliichnis isch d Priis’verleihig dermit verbunde, dass d Gwünner no meh schaffe münd als bis jetzt, und erst no unter stärkerem Druck. Solang dr Huusherr verreist gsi isch, händ di baide erfolgriiche Verwalter kai Uufsicht gha. Jetzt aber isch dr Chef wieder doh und luägt ne uf d Finger. Und derbi mus dr erfolg‘riichst jetzt erst no meh Geld verwalte und dr potentiell Misserfolg isch grösser als vorher.

Bi de Talent’wettbewerb isch es ebefalls so, dass d Sieger primär emol meh Arbet gwunne händ. Au bi ihne isch dr Druck dur dr Sieg grösser worde als vorher, und dr potentiell Misserfolg, d Absturz’g’fahr, hett ebefalls zuä’gnoh. Immerhin bechömed d Superstars und „Star Search“ – Gwünner dur di ver’chauft Musig, dur Konzert und Werbe’verträg Gäld über. So grosszügig isch es bim Jesus im Gliichnis nöd. D Belohnig in dr Gschicht bestoht drin, dass mer sin Arbeits’platz b’halte chan, wohingege dr Arbets’platz vom untaugliche Kandidat weg’rationalisiärt wird. Sini Arbet macht zuäkünftig dr Sieger.

 

Liäbi Gmaind, das isch es sehr es moderns Konzept. Gliichvil Arbet wird uf weniger Chöpf verteilt. Diä Aagstellte, wo mer mit ne zfride isch, dörfed zum Dank meh schaffe.

Nomol zrugg zu de Sieger in de Talent’wettbewerb. Si wärded genaugnoh vom Publikum belohnt oder falle gloh. Denn während dr Huus’herr im Gliichnis di erfolgriiche Verwalter doch wenigstens wiiter’beschäftiget, sind d Superstars vo dr Gunst vom zahlende Publikum abhängig.

Verlüürt s zahlende Publikum sis Interesse, also zahlt’s nüme, denn wird us em Superstar en normale Star und denn gli emol en Sozialhilfe’empfänger. Au das isch zwar für d Mediä nomol interessant: vo Ziit zu Ziit erschiined Artikel wiä „Gestern Stars, heute vergessen“ oder „Chartstürmer von einst – was ist aus ihnen geworden?“

 

Liäbi G’maind,

e distanziärti Betrachtigs’wiis söll nöd derzuä verlaite, aifach absiits z stoh.

Wenn mer nur ai ainzigi Botschaft us em Gliichnis vom Jesus use’läse will, chöntis zum Bispil di folgendi sii: es Talent mues mer nutze.

Dr Verlüürer hett jo nöd Misserfolg gha mit sim Talent. Dr Verlüürer in dr Gschicht vom Jesus verlüürt, wil er sich weigeret, sis Talent z nutze.

Er scheidet nöd uus, wil er sini Sach z wenig guät macht, oder wil er vilicht Pech hett. Nai. Er scheidet uus, wil er nüt macht. Er hett s nöd emol probiärt.

Hüt händ mir e Taufi. Was für Talent oise Täufling hett, wüssed mir nonig. Es wird für d Eltere en Use’forderig sii, d Fähigkeite vom Tim z erkenne und ihn z fördere, ohne ihn uf sini Fähigkeite z reduziäre. Es ganz chliises Chind chan user d Eltere aa‘strahle, d Umgäbig betrachte und fasziniärt spile nonig vil mache.

Strahle, stuune und spile.

Au wenn mir Erwachseni sind, bliibed d Talent vomene chliine Chind in ois enthalte. Mir sötted üs Müäh gee, dass di kindliche Talent in ois nöd verschütted werded.

Strahle, stuune und spile. Mit däm gwünned mir kain Talentwettbewerb. Aber oises aigene Läbe bechummt Starqualitäte über.

AMEN.