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2002-09-29, 10:00 Gottesdienst
18. Sonntag nach Trinitatis

Pfr. Jean-Marc Monhart

Markus 12,28-34

„Das wichtigste Gebot“ [GN]

    (28)Ein Gesetzeslehrer hatte diesem Gespräch zugehört. Er war davon beeindruckt, wie Jesus den Sadduzäern geantwortet hatte, und so fragte er ihn: „Welches ist das wichtigste von allen Geboten des Gesetzes?“

    (29)Jesus sagte: „Das wichtigste Gebot ist dieses: ‚Hört, ihr Israeliten! Der Herr ist unser Gott, der Herr und kein anderer.

    (30)Darum liebt ihn von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und ganzem Verstand und mit allen Kräften!‘

    (31)Gleich danach kommt das andere Gebot: ‚Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!‘ Es gibt kein Gebot, das wichtiger ist als diese beiden.“ /

    (32)Da sagte der Gesetzeslehrer zu Jesus: „Du hast vollkommen recht, Lehrer. Es ist so, wie du sagst. Nur einer ist Gott, und es gibt keinen Gott ausser ihm.

    (33)Und darum sollen wir Gott lieben von ganzem Herzen, mit ganzem Verstand und mit allen Kräften, und unsere Mitmenschen lieben wie uns selbst. Das ist viel wichtiger, als Gott Brandopfer und alle möglichen anderen Opfer darzubringen.“

    (34)Jesus fand, dass er vernünftig geantwortet hatte, und sagte zu ihm: „Du fängst an zu begreifen, was es heisst, sich der Herrschaft Gottes zu unterstellen.“ Von da an wagte keiner mehr, ihn zu fragen.

 

Liebi Gmaind,

e Diskussion chan verschideni Ziel haa. Mer chan mitenand diskutiäre, zum di verschidene Revier abstecke. Denn findet mer use, wo dass d Standpünkt vo de Diskussionspartner ligged, und am Schluss vom Gspröch hett mer sich vonenand ab’grenzt. E Podiumsdiskussion vor ere Abstimmig hett där Charakter. Aber au im private Läbe chas nötig werde, e Diskussion zur Abgrenzig vo de Standpünkt z füehre. Sogar Persone, wo sich guät kenned und möged, findet nöd immer use, was ds anderi will. Vor allem, wenn das, wo ds anderi will, nöd s Gliiche isch, wiä das, wo mer sälber wett. Denn isch e Diskussion hilfriich.

Dass am Schluss vomene Gspröch klar wird: mir händ verschideni Meinige – das mues nöd schlimm sii.

Ob s Mitenand-Uus’choo funktioniärt, isch zwar einersiits dervo abhängig, ob mer Gemeinsam‘keite hett.

Aber zum Mitenand-Uus’choo mues mer au ii’gseh, dass es nöd nur Gemeinsam’keite git. Denn isch es vernünftig, wenn ali Beteiligte in der Lag sind, sich uus’z’drucke.

Vo mir chan mer jo verlange, dass ich mini aigeti Mainig säge. Dass ich zuä’sätzlich zu minere Mainig au no d Mainig vo öpert anderem vertrete, wo gar nöd mit minere aigete Mainig übereinstimmt, das chan stressig werde.

Wer in ere politische Behörde isch, der kennt das Phänomen. S Kollegialitäts’prinzip: wenn d Chile’pfläg oder d Schuel’pfläg oder dr Bundesrat öpis beschlosse hett, denn söll der Beschluss gegenüber usse einhellig vertrete werde. Au diä Lüüt, wo bi dr Abstimmig zum Beschluss en anderi Meinig gha händ, sölled gege usse denn diä Mainig vertrete, wo in dr Abstimmig putzt hett.

S Kollegialitäts’prinzip schiint eso schwirig z sii, dass nöd emol dr Bundesrat in Bern s fertigbringt, immer nach em Kollegialitäts’prinzip z handle.

S Bundes’gricht in Lausanne hett – wäge däre Schwirig’keit – no e Sicherig ii’baut, es Überdruck’ventil. S obersti G’richt entscheidet zwar nach dr Mehrheit vo de Richter. Falls es e Minderheit oberste Richter git, wo es anders Urteil wele hätted, wird d Minderheits’meinig aber uusdrücklich erwähnt.

Gültig für dr Ver’ur’teilti isch denn zwar s Urteil vo dr Mehr’heit. Im Fall en Minder’heit vo Richter jedoch liäber es anders Urteil g’fällt hätted, chan mer das in der Urteils’begründig noch’läse.

 

D Jesus-Gschichte im noie Testament sind voll vo Diskussione. Lüüt reded mitenand. Rede und rede isch nöd s Gliich. Es git ganz unter’schiedlichi Arte vo G’spröch, vo Diskussion. Wenn schwätze aifach Wörter wäred, denn chönnt üs das egal sii. Denn chan mer chifle wiä mer wett, es spilt alles kai Rolle. Tatsächlich isch dr Absturz is Wörter’dresche es ständigs Risiko bi allne, wo reded.

Derbi möcht ich allerdings betone: vil rede ohni grosse Sinn in de Wort mues nüt schlächts sii. En Mensch funktioniärt nöd bloss uf dr Verstandes’ebeni, won er dr Inhalt vo de Wörter checkt. Mängisch bruucht mer s au, dass mer aifach e chli mitenand schwätze chan. Dr eigentlich Inhalt vom G’spröch bestoht in däm Fall dodrin, dass mer sich Ziit füerenand nimmt, em Gegen’über Be’achtig schänkt und sine G’fühl freie Lauf loht.

Eso chan es sehr es unvernünftigs Gspröch gliichzitig es sehr es vernünftigs Gspröch sii: unvernünftig isch denn dr Inhalt vo de Wörter; vernünftig isch, dass mer mitenand schwätzt.

 

Liebi Gmaind,

sicher hend Si das scho emol erläbt, dass us ere seichte Unterhaltig nodisnoh es tüüfsinnigs Gspröch worde isch. Das chas geh, wenn mer sich nöd vo Aafang aa zwingt, vernünftig z sii.

S Umgekehrte gits allerdings au, und es isch vermuetlich sogar no hüüfiger: dass mer probiärt, gschid mitenand z rede, und es chummt überhaupt nüt Gschids derbi use. Am Schluss gseht mer vor luuter Boim dr Wald nüme: s Gspröch füehrt zur Verwirrig statt zur Klärig.

So öpis isch passiärt bim Zuehörer vonere Diskussion zwüschet em Jesus und de Sadduzäer.
D Sadduzäer hend dr Jesus gfrögt: wenn e Frau siebemol hinterenand verhürotet gsi isch, mit welem vo ihrne siebe Manne isch si denn im Himmel verhürotet?

Das isch e Frog, wo zur Kasuistik ghört. Casus – es latinisches Wort – isch dr Fall, dr einzelni Fall. Kasuistik bedütet, dass mer uf jedi Frog en Antwort findet. Genaugno bedütet’s , dass mer uf jedi no so spitzfindigi Frog di ganz exakti, richtigi, korrekti Antwort findet.

Kasuistik isch aigentlich nüt Schlimms. En Richter mues eso dänke, damit er es gerechts Urteil fällt. Und en Schiids’richter, wo es Offside fest’stellt, dänkt ebe’falls kasuistisch. Er mues d Offside-Regle ganz exakt uslegge, damit er di korrekti Entscheidig fällt.

S Gegetail vo Kasuistik isch dr Mezger, wo sait: „Dörf s es bitzeli meh sii?“

S Gegetail vo Kasuistik isch dr Sportreporter, wo en Schidsrichterentschaid kommentiert mit de Wort: „Jo, das CHA mer pfiife. Aber hett dr Schiri das au MÜSE pfiife?“

 

Dr Zuehörer vom Gspröch zwüschet em Jesus und de Sadduzäer suecht öpis in dr Art vom Gege’tail vo Kasuistik. Er will nöd dr einzelni Fall klärt haa. Susch hätti er dr Jesus chöne fröge, wivil Engel uf ere Nadelspitze tanze chönd, oder weles Gwicht dass e menschlichi Seel hett. Settigi Froge fühered aber in Sack’gasse.

Wenn mer sich in settigi Froge verrennt, mues mer s Spil irgendwenn abbreche, sich en und uf ere andere Ebeni noi starte. Im schlimmste Fall mues mer sich en Cheat besorge und uf eme höchere Level wiiter’spile.

 

Dr höcheri Level, quasi dr Master-Level, isch där, wo dr Zuehörer vom Gspröch druf iistigt. Es frögt der Jesus: für was isch das alles guet? Was isch letztlich s Entscheidende? Was ich das, wo s im Endeffekt druf aa’chummt? Nöd im Einzelfall, nöd immene spezielle Fall, nöd immene spezielle Spezialfall, sondern grundsätzlich. Prinzipiell.

 

Und dr Jesus sait nüt nois. Er zitiert us em alte Testament. Jesus sait, dass mer Gott gern ha söll und dr Mitmensch. Das hett aigentlich jede Israelit zur Ziit vo Jesus gwüsst, dass mer das sött: Gott gern ha und dr Mitmensch. Aber wenn mer sich z fest mit Detail beschäftiget, gseht mer dr Zsäme’hang nüme. Wenn mer nur Chlinig’keite im Chopf hett, verlüürt mer dr Sinn für Proportione.

 

Denn isch es nötig, dass mer zruck findet zum grosse Ganze. Dodrbi spilt s e Rolle, dass mer glaubwürdig isch, eso öpis z säge, wiä dr Jesus das als Zitat us em alte Testament sait. Wenn dr Jesus unfähig gsi wär, genau z dänke, denn hätted sini Wort wiä en Uusflucht gwürkt. Wenn er nöd hätti chöne argumentiäre, denn hätti mer ihn vilicht gar nöd gfrögt. Wil aber dr Jesus sich de Diskussione gstellt hett, wos um komplizierti Sache goht, hett mer ihm au zue’gloset, wenn er öpis Aifachs gsait hett.

Di aifache Wort vom Jesus bechömed Tüüf’gang und G’wicht, wil mer waiss, dass der Jesus au hetti chöne kompliziärti Wort mache. Er isch derzue im Stand gsi.

„Liebe Gott, deinen Herrn, über alles, und deinen Mitmenschen wie dich selbst“ – das isch s Fazit vo aim, wo sich meh überlait hett als en Satz mit 12 Wörter, drei Komma und emene Schluss’punkt.

 

Drum sind em Jesus sini aifache Us’sage kei Entschuldigung für Lüüt, wo nöd gärn dänked. Mir sölled dänke. Mir sölled sogar komplizierti Sache dänke. Zwar isch alles Wesentliche aifach.

Aber in oiserem tägliche Läbe händ mir nöd nur mit wesentliche Sache z tue. In oiserem tägliche Läbe werded mir dauernd mit unwichtige Froge und näbe’sächliche Uuf’gabe konfrontiert. S Unwichtigs isch gärn kompliziärt.

Näbe’sächlichkeite sind öpe zimlich aaspruchs’voll.

Mir wüssed, dass es nur Unwichtigs und Nebesächlichs isch.

Dermit befasse münd mir ois gliich.

 

AMEN.