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2002-11-17, 10:00 Gottesdienst Predigttext (1)Ein Lied Asafs. (2)Auf dem Zion, dem schönsten aller Berge, (3)Unser Gott kommt, er schweigt nicht länger. (4)Himmel und Erde ruft er als Zeugen auf, (5)„Holt mir die Meinen zusammen“, sagt er, (6)Der Himmel kann es bezeugen: (7)„Höre, mein Volk, jetzt rede ich! (8)Du bringst mir viele Opfergaben dar, (9)aber ich nehme deine Opfer nicht an - (10)Alle Tiere des Waldes gehören mir, (11)Auch die Vögel dort gehören mir (12)Selbst wenn ich Hunger hätte, (13)Meinst du wirklich, dass ich Rindfleisch esse (14)Nicht Nahrung, sondern Dank erwarte ich von dir: (15)Bist du in Not, so rufe mich um Hilfe! (22)„Ihr alle, die ihr mich vergessen habt, (23)DANK ist die Opfergabe, mit der man mich ehrt;
Liäbi Gmaind, Gott chan so sii, wiä mir s erwarted, und Gott chan anderst sii, als mir s erwarted. Uf däne Bilder gseht mer, was im Psalm 50 mit Wort beschribe isch: Gott fahrt vom Himmel obenabe zu üüs, Blitz und Füür sind sini Beglaiter. Wobii für di damalige Mensche „Blitz“ und „Füür“ Gottheite gsi sind – kain Promi ohni Bodyguards, und kai grossi Gottheit ohni beglaitendi chlineri Gottheite. Wenn Gott vom Himmel fahrt, und das bildlich dargstellt wird, denn fahrt er imene Thronwage, wo vomene Rossgespann zoge wird. Us hütiger Sicht wirkt das altertümlich. En ewige Gott, wo sich vo Rösser über dr Himmel züche loh mues, das Bild chummt üs e chli ver’altet vor.
Liäbi Gmaind, zerst, in sinere Aakunft im erste Teil vom Psalm 50, oder au in Schilderige us alttestamentliche Prophete’büecher und em Aafang vom Markusevangelium, tritt Gott uf e bekannti Art in Erschiinig. Das isch hüt au möglich, dass vo Gott uf e bekannti Art d Red isch: nur gseht das hüt anders uus. Di hüfigsti Form, wiä ich Lüüt im Gspröch über Gott rede ghöre oder in Interviews vo Lüüt läse, isch di „höcher Macht“. Es git denn so Zitat wiä „Ich glaub an e höcheri Macht“, oder: „Ich glaub, dass es doh no so öpis git“. Di unverzichtbare Zuetate vo däm „Öpis“ sind Undefinierbarkeit und Unfassbarkeit. So wiä Gott in alte, biblische Ziite vo Blitz und Füür umgee gsi isch, so isch Gott hüt vo Undefinierbarkeit und vo Näbel umgee. Mer schüücht sich, öpis Genauers über ihn z säge. Weltlichi Herrscher sind mächtig gsi. Im Fall si nöd mächtig gsi sind, sind si bald nüme Herrscher gsi, wil sust en mächtigere Herrscher als sii si ab’glöst hett. Hüt mached mir Blitz, wenn Rockinterprete oder Popgruppe is Hallestadion chömed, zum es Konzert geh. Dass es do Liächtblitz git und Windeffekt mit zerzauste Hoor, isch religionsgschichtlich gseh e Gott-Imitation. Diä Szene, dass s Göttliche im Sturmgebrause zu üüs chummt, wird vo de Popstars zelebriert. Und tatsächlich benämed sich jo vili Konzertbsuecher im Publikum wiä Gläubigi, wenn ihri Idol in d Stadt chömed. „Idol“ heisst wörtlich übersetzt „Götzebild“. Wenn mer sich vo Gott hütt hüüfig s Bild macht, er seig „öpis höchers“, wo mer nüt genauers drüber weis, oder „e höcheri Macht“, wo mer sust nöd genauer definiere chan, denn het au das mit gsundem Mensche’verstand und mit Respekt z tue. Nur dass sich gsunde Mensche’verstand und Respekt hüt anderst üssered, als das drei Jahrtuusig früener dr Fall gsi isch. – Hüt händ mir d Erfahrig ver’innerlicht, dass sich s Wüsse radikal veränderet. Au d Technik veränderet sich, nöd nur vo Generation zu Generation, sondern innerhalb vo wenige Johr veränderet sich d Technik, wo üs umgit und wo mir dermit läbed. En Gott, wiä mir „Gott“ definiered, müssti gege’teilig sii: nöd in drei Johr ver’altet, nöd total veränderet in chürzester Ziit, sondern überziitlich, ziitlos – ewig. Wenn mer Gott als so öpis betrachtet, wo ebe nöd so isch wiä oises veränderliche Läbe, denn wird er immer nebulöser. Alles, nöd nur Technik, sondern au d Lebens’umständ, d Gsellschaft, d Politik, d Wirtschaft – alles, was mir gsehnd, änderet sich. Also dänkt mer, wenn mer sich Gott zu genau vorstellt, denn müssti mer vo däne Vorstellige in villicht drei Johr au wieder Abschied neh. – So gseh isch es es Zeiche vo gsundem Mensche’verstand, wenn mer sich hüetet, Gott zu genau z definiere. Und mer chan s au als Zeiche vo Respekt düüte, wenn mir Gott nöd quasi vorschriibed, wiä er z sii hätt. Wenn mir das Gott überlönd, wiän er isch, denn respektiered mir dodrmit zumindest en Teil vo sinere göttliche Freiheit. In sinere göttliche Freiheit hett sich Gott allerdings au entschide, sich ois z offe’bare. Er teilt sich ois mit, im noie Testament durch Jesus. Oise Predigttext stoht im alte Testament, und döt teil sich Gott mit dur Liäder wiä im Gsangbuech vo de Psalme, oder dur d Offebarige vo de Prophete.
Liäbi Gmaind, dr zweiti Teil vom Predigttext enthaltet es Gottesbild, wo für di damalige Gläubige unerwartet gsi isch. Gott sait zu sim Volk: „Du bringst mir viele Opfergaben dar, daran habe ich gar nichts auszusetzen. Brandopfer bringst du mir zu jeder Zeit; aber ich nehme dein Opfer nicht an – ich brauche ihn nicht, den Stier aus deinem Stall, auch nicht den Bock aus deinem Pferch. ALLE Tiere des Waldes gehören mir, das Grosswild auf den Bergen ist mein Eigentum. Auch die Vögel dort gehören mir und alle kleinen Tiere auf freiem Feld.
Liebi Gmaind, gsunde Mensche’verstand in Ehre, mängisch bruucht s e Stimm, wo aim fröget: „Meinst du wirklich?“ – Im alte Testament hett d Stimm g’fröget: „Meinst du wirklich, dass ich Rindfleisch esse“, und dodrmit es verbreitets Bild zur Diskussion gstellt. Gott isch nöd dermit z’fride, dass mer ihm Opfer erbringt, er will au no, dass diä Opfer mit Dankbarkeit erbrocht werded. Und nöd nur Dank will er, sondern au Bitt: wenn mer öpis bruucht, söll mer ihn bitte. Das isch nöd e Dienstleistig vo Gott an ois, sondern e Uuf’forderig: er forderet ois uuf, dass mir ihn bittet. Und im Fall dass mir s Erbätene über’choo hend, denn sölled mir nöd uus’schlüüslich dankbar sii, sondern ihn zue’sätzlich au no priise. Mir sölled Gott lobe und rüehme. Der Gott, wo ois im Psalm vo Asaf entgege’tritt, der isch en fordernde Gott. Und er isch au kommunikativ. Diä Botschaft isch au en Kritik’punkt am Bild, wo sich dr hütigi gsundi Mensch’verstand vo Gott macht. Statt: „Meinst du wirklich, dass ich Rindfleisch esse...“ chönti en moderne Psalmschriiber Asaf hüt dichte: „Meinst du wirklich, dass ich ein undefinierbares Etwas bin? Meinst du wirklich, dass ich eine Nebelwolke weit weg von dir bin?“ D Antwort vom Asaf uf diä Froge chönnti mer sinngemäss bi’bhalte: Gott will, dass mir zu ihm in Bezüchig treted. Er will, dass mir zu ihm spreched. Mir sölled oisi Aaligge vor ihn bringe. Mir sölled bätte. Das, was ois bewegt, sölled mir ihm aa’vertraue. Dr biblisch Gott forderet öpis. Kais Rindfleisch. Nöd, dass mir ihn mit Näbel umgänd. Sondern oisi Liäbi. AMEN. |