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2002-03-31 10.00 Predigt

Pfr. Jean-Marc Monhart

Ostern

 

Predigttext: Markus 16,1-14

 

Liebi Gmaind

in de vergangene Täg isch e Studiä veröffentlicht worde, wo sich mit em öffentliche Interesse an de Chilene befasst. Diä Studiä zum öffentliche Interesse an de Chilene hätt ergee, dass 50 Prozent vo de befrogtä Persone gar kai spezifischi Wünsch an d Chile händ. 50 Prozent vo de Befrogte sind also in Bezug uf d Chile wunschlos glücklich, oder, in de Wort vom Schriftsteller Peter Handke, wunschlos unglücklich. Ich bin kain Schriftsteller, und au suscht bevorzuge ich d Formulierig „wunschlos glücklich“.

20 Prozent vo de befrogte Schwizer hend kai Antwort gee. Was bedütet das, wenn 20 Prozent vo de Befrogte kai Antwort gänd?

    -Viellicht bedütet das nöd unbedingt, dass 20 Prozent vo dr Schwizer Bevölkerig kai Antwort gee chönted. Sondern, vilicht bedütet s nur: 20 Prozent vo de Befrogte hend z’Obig am halbi Nüni – 20.30 Uhr – es Telefon überchoo  von ere Dame, wo sich ehrlich Müeh gee hett, fründlich z sii, wo aber in Wirklichkeit scho gruusig gstresst gsi isch, und wo ihre gruusig Stress übereingstimmt hett mit em grusige Stress, wo diä 20 Prozent Lüüt scho dr Tag dur gha hend,  bevor ihne z’Obig am halbi Nüni so ne Stimm aaglüütet hett mit de Wort: „Grüezi. Mir lüütet Ihne aa wäge re Umfrog für s Mainigs’institut Sowieso. Chöntet Si üs ächt Ihri Maingi säge, in Bezug uf was Si erwartet vo de Chilene?“

 

Liebi Gmaind,

wenn ich guet druf bin, probier ich echt nett z sii zu dene Lüüt, wo mir z Obig spöt aalüüted wäge irgend ere Meinigs’umfrog zu irgend eme Thema.

Ich bin aber nöd immer guet druf. Mängisch stresse ich diä Meinigs’umfrogelüüt vermuetlich, wil ich e chli greizt oder sogar unhöflich reagiere. Lüüted si mir ächt aa, wil im Telefonbuech stoht „Pfarrer“? Oder goht s anderne genauso wiä mir?

Zrugg zu de Ergebnis vo dr Umfrog: 50% vo de Befrogte hend kei spezifischi Erwartige vo dr Chile, 20% gend kai Antwort, bliibed 30%.

Und unter dene 30% loht sich kei einheitlichi Tendenz erkenne. Es paar Prozent wänd dies, es paar Prozent wänd das. D Chile chan also nöd als Aabüterin säge: mir mached aifach das, was diä Lüüt wänd, wo öpis wänd. Denn di ainte Lüüt, wo öpis vo dr Chile erwarted, diä erwarted s Gegetail vo däm, was di andere Lüüt wänd, wo vo dr Chile öpis erwarted.

 

Liebi Gmaind

won ich diä Umfrog glese und am Fernseh drüber meh erfahre han, bin ich erliichteret gsi. Mini erst Reaktion isch es gsi, mich entspannt z fühle.

Jetzt chan mer es Gfühl jo scho logisch erkläre. Aber das änderet nüt an dr Tatsach, dass zerst s Gfühl chummt und erst nochher di logisch Erklärig derzue.

Wenn ich also zu mim Gfühl vo dr Erliichterig und Enspannig e logischi Erklärig noch’liefere, denn goht diä ungfähr eso: d Chile isch gar nöd derfür g’schaffe, irgendwelchi Erwartige z erfülle, usser diä aint Erwartig, nämlich: Chile z sii. Mir münd nöd irgendwelche Zuesatz’aaforderige und Sonderwünsch hinterher’renne, sondern mir chönd üs uf s Wesentliche konzentriere. S Wesentliche isch, minere Mainig noch: mir sölled das rächt sii, was mir sind, nämlich d Chile. Mir sölled das richtig mache, wo zu üsere Uruufgabe ghört. In dr Managment-Sproch sait mer däm „Konzentration auf das Kerngeschäft“.

Es erliicheret mich no us eme andere Grund, dass d Chile mit so wenig konkrete, aidütigi Erwartige konfrontiert wird. Das bedütet, dass mir Handligs’spilraum händ. Mir werded nöd zum Vornherein völlig ii’gmuuret mit spezielle Aaforderige. Somit händ mir selber d Freiheit, zum d Muurer’chelle in d Hand z neh und es paar Ziägel ufenand z setze.

Zwai Mol Erliichterig; aber es isch nöd nur Erliichterig, wo ich gegenüber dere noiste Umfrog verspüre. E chli ärgeret s mich au, e chli ärgeret s mich halt doch.

Allerdings isch es nöd unbedingt en theologische Ärger, eher en persönliche. Denn vermuetlich jede, wo en Arbet macht, will, dass möglichst vili anderi Lüüt sini Arbet möglichst schätzed und wichtig finded. So gseh wärs mir liäber, d Lüüt würded d Chilene mit Aaforderige und Wünsch und Erwartige überschütte. Das würdi denn d Mitarbeiterinne und Mitarbeiter vo der Chile umso wichtiger erschiine loh, wil si denn us dene Aaforderige und Wünsch und Erwartige öpis mache dörfted. Aber ebe, das isch e menschlich-allzumenschlichi Iistellig. Es isch kain theologische Grund.

Vo der Bible her müssted mir d Sach mache, so guet, wiä s irgend goht, und am Schluss säge: „Wir sind alles unnütze Knechte.“ – Bescheideheit wär aa’gseit. Guet use’choo söll Jesus, nöd sis Bode’personal. Das sött sich im Hintergrund halte. D Lüüt sölled möglichst unabglenkt uf dr Herr vo dr Chile luege. S Chile’personal söll sich eso verhalte, dass der Blick uf Jesus unverstellt isch.

 

Liebi Gmaind

Mir händ Ostere. Es paar entspannti Täg. En Uusblick uf der Summer. Es Time-Out zwüschet Sportwuche und Früeligs’ferie. Und Ostere.

Was isch Ostere?

Es Symbol vom noie Läbe.

Was isch es Symbol?

Es Symbol isch öpis mehrdütigs.

Wenn uf ere Strosse’tafle „60“ stoht, isch das nöd symbolisch gmaint. Zwar dörf mer statt 60 no 64 Kilometer in der Stund fahre, und wird denn nonig büesst. Aber das isch nur dr Toleranzbereich. E 60er-Tafle im Strosse’verkehr isch kais Symbol. Si hett zwar e bildlichi Erschiinigs’form, isch jedoch aidütig. Es Strosse’schild mues e aidütigi Uussag haa, suscht isch es e schlechts Strosse’schild. Es Strosse’schild, wo kai aindütigi Uussag hetti, wäri verwirrend. Und Verwirrig isch s Letzt, wo mer im Strosse’verkehr bruucht. Lieber also gar kais Schild, als ais, wo nöd aindütig isch und wo drum verwirrt.

Es Symbol chummt au bildlich derher; es Symbol hett au e bildlichi Erschiinigs’form, wiä es Strosse’schild „Achtung Schleudergefahr“ oder „Ende Überholverbot“. Aber es Symbol hett kai aindütigi Botschaft. Es isch e chli verwirrend, und das bitzli Verwirrig ghört derzue. Es Symbol isch nöd aindütig, sondern mehrdütig, vildütig. Und das mues eso sii. Denn es Symbol, wo aindütig wär, das wär kais Symbol, sondern es Hiiwis-Schild, quasi e Strosse-Tafle. S religiöse Läbe isch jedoch nöd eso aidütig g’reglet wiä dr Strosse’verkehr.

S Chrüz isch es Symbol. Sini Bandbreiti isch gross. D Bandbreiti vom Symbol „Chrüz“ reicht vom Erinnerigs’zeiche as Liide vo Jesus über es Schutz’zeiche gege s Böse bis hii zum Schmuckstück und em Zuegehörigkeits-Emblem vo diverse Gruppiärige.

Au d Uuferstehig isch es Symbol. D Bandbreiti vo dr Uuferstehig isch gross. Jesus isch uferstande an dem ainte, spezielle Ostertag. D Natur uferstoht in oiserne Breitegrad in jedem Johr. Jede Christ hett es Uuferstehigs’erlebnis, wenn ihm bewusst wird, dass er g’rettet isch. Sogar Lüüt, wo überhaupt kai Christe sind, chönd mit em Uferstehigs’gfühl öpis aafange: s Gfühl, dass mer amene bsundrige Morge es nois Läbe aafangt, das gits au für Nichtchriste. In dem Sinn chönnti mer jede Morge, wenn mer in dr Frühi uuf’stoht, es Uferstehigs’gfühl haa. Es isch natürlich nöd so, dass mer das jede Morge gliich intensiv erlebt. An mänge Mörge stoht mer aifach emol uuf. Und wird denn mit der Ziit emol wach. Meh oder weniger.

Was ghört derzue zum Uuferstehigs’symbol? Was isch Bestandteil dervo?

In der Bible ghört zur Uferstehig d Verwunderig. E krassi Verwunderig: es isch aim ums Fürche. Mer hett unter Umstände Angst.

Verwunderig im Zsämehang mit der Uferstehig: wil mer nöd grächnet hett dermit, wiä s use’choo isch.

Rächne chan mer dermit, dass alles, wo funktioniert, emole nüme funktioniärt. Rächne chamer dermit, dass alles, wo neu und frisch isch, nodisno verbrucht und schäbig wird. Rächne chan mer mit em Zerfall.

D Uuferstehig chan ois zaige, dass mir au mit öpis anderem rächne dörfed: dass öpis nois entstoht; dass ds Läbe zruck’kehrt in ere Art, wiä s vorher gar nonig gha hett.

Jesus isch nach sinere Uferstehig nüme gstorbe. Er isch also nöd vorübergehend em Tod entrisse worde, so wiä wenn mer als Gnadefrist es paar Lebensjohr extra g’schenkt überchummt. Bim Jesus isch Uferstehig dr Übergang vom Alte in öpis nois. Es isch nöd d Restauration. Das, wo z Änd isch, bliibt z Änd. Was passiert isch, wird nöd uus’glöscht. Dr uuferstandeni Jesus hett zwar kain sterbliche Liib meh. Allerdings gsehnd d Jünger an ihm d Wundmal, sini Verletzige vo dr Chrüzigung. Jesus isch dr Gliich und doch nöd gliich. Er isch di gliich Person wiä vor dr Uuferstehig, und doch isch er veränderet. In dr Bible heisst s: „Das Alte ist vergangen, etwas Neues ist geworden.“ – „Etwas Neues“, das isch e chli undüütlich. Oder ebe: mehrdütig.

 

Zum Symbol vo dr Uuferstehig ghört s Stuune. S Stuune über das Noie, wo do worde isch.

In däm Sinn isch d Uuferstehig mit Wiehnachte verwandt, dass es in baide Fäll ums Stuune goht. Allerdings: s Osterstuune und s Wiehnachts’stuune sind verschide vonenand.

Am Heilig’obig luegt mer stuunend is Chrippli. Döt isch es es andächtigs Stuune, und es isch irgendwiä es erfüllts Stuune, öpis in sich Ruhends und Abgschlosses. Heilig’obig isch am Obig, d Lüüt hend ihre Tag scho hinter sich. Aigentlich isch ihre Tag scho verbii, aber jetzt stuuned si no das Chindli aa, wo in der Chrippe ligt.

S Oster’stuune isch ehnder es verunsicherets Stuune. „Was, das isch passiert? Mer hend doch glaubt, es isch alles verbi?“ – Im Osterstuune luegt mer in es leers Grab, mer gseht en wäg’grollte Stai – und mer gspürt: jetzt fangt’s erst aa. Und zwar fangt öpis aa, wo mer gar nöd genau wais, was das isch. Das isch erfrischend. Und es isch e Use’forderig. Wenn mer nöd wais, was uf ain zue’chummt, denn wais mer jo au nöd, ob mer dem effektiv g’wachse isch, wo uf ain zue’chummt.

S Osterstuune hett öpis Unfertigs, es markiert en Aafang. Es bildet d Startlinie für öpis Un’g’wüsses. Ostere isch öpis Morgendlichs. Bi dr Uuferstehig isch dr Tag isch no lang.

 

Liebi Gmaind

jedes Johr isch Ostere. Schön, dass mer das Fest vom Stuune und vo dr Begegnig mit em unerwartete noie Läbe zunere Institution g’macht hett.

Uf der Ostermorge beschränke dörf mer d Uferstehig nöd. Si isch öpis, wo mer au susch’t öpe erfahre dörf.

Lönd Si sich über’rasche.

 

AMEN.