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2002-05-09 Besinnung zu Auffahrt Pfr. Jean-Marc Monhart
1.Teil
Liebi Gmaind Im Bibeltext vom Evangelist Lukas über d Uuffahrt wird viel prediget. Handlig gits wenig. S Schwergwicht vo dr Gschicht ligt us dr Sicht vom Autor uf de Wort, wo Jesus an sini Jünger richtet, bevor er ihrne Blick entschwindet. Für di zuekünftige Apostel isch d Uffahrt en Stimmigs’ufheller, en moralische Uf’steller. Ich würd fast säge, s Uffahrtserläbnis seigi für d Jünger es Motivations’erläbnis gsi. Das allerdings stimmt – wenn mer d Gschicht genau aa’lueget – nöd ganz, oder ebe erst mit ere gwüsse Ziit’verzögerig. Denn im Wort „Motivation“ steckt s latinische Wort „motivare“ drin, uf dütsch „bewegen“. E Motivation triibt ain derzue aa, öpis z tue. En motivierte Mensch tuet öpis. Was aber tüend d Jünger nach dr Uf’fahrt? Si schaffed nöd. Si schaffed nöd vom Geld verdiene, sondern läbed vom Ersparte und vo Spende vo wohlhabende Mitglieder vo dr christliche Urgmaind in Jerusalem. Und ihre Tag verbringed si, indem si im Tempel sind und Gott priised. Si sind eso nachhaltig zfride, dass si das fast zwei Wuche lang uushalted, bis denn Pfingste chummt. Pfingste isch denn e Motivations-Veranstaltig. An Pfingste werded denn d Jünger au in Bewegig g’setzt, und d Missionierig fangt aa. Jetzt aber, nach Himmelfahrt, sind si aifach emol happy. Si sind zfride, und dodrzue gönd si an dr passendi Ort: Dr passendi Ort, wo d Jünger hiigönd, wil si zfride sind, isch dr jüdischi Tempel vo Jerusalem. Es isch immerhin där Ort, wo dr Jesus von em gsait hett, er seigi sis Huus und s Huus vo sim Vater.
Was macht d Jünger dermasse g’löst? Ich gsehne vor allem zwei Element. S ainte isch d Iisicht. Dr Erkenntnis chan mer im fernöstliche Jargon au „Erlüüchtig“ säge. Dr Inder mit em Name Siddharta Gautama isch als „Der Erleuchtete“ in d Wältgschicht ii’gange. „Buddha“ heisst „der Erleuchtete“. Worin diä Erlüchtig bestoht, isch verschide. Für dr Buddha hett d Erlüchtig dodrinbestande, dass er s Leide als Kern vo allne Läbenserfahrige identifiziert hett. Für dr Buddha isch s Leide sogar s Weltprinzip. Und wil er iigseh hett, dass hinter allem Schöne in Wirklichkeit dr Schmerz und d Truur versteckt sind, mues er sich vom Schöne nüme mitriisse loh. Immer, wenn er öpis Wunderbars erläbt, chan er völlig cool bliibe und säge: Ich gheie nöd inne, ich doch nöd. In Wirklichkeit, hinter dr Fassade, isch das Schöne doch nur truurig und wertlos. Das isch d Erlüchtig vom Buddha. Si hätt sich uf sini Jünger übertrait, und e Religion isch entstande, dr Buddhismus: gstützt uf d Erkenntnis, dass alles Schöne nur en Illusion isch und mir üs drum jegliche Überschwang vo de Gfühl erspare chönd. D Iisicht vo de Jünger vom Jesus isch e chli en anderi. Im Vers 45 stoht: „Dann tat er ihren Verstand auf, so dass sie die Schriften begriffen...“ – Jesus öffnet ihre Verstand, er erlüüchtet si. Dr Inhalt vo dr Erlüüchtig isch jedoch – Vers 46-48: „So steht geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, / und in seinem Namen wird Umkehr zur Vergebung der Sünden verkündigt werden allen Völkern. Ihr beginnt in Jerusalem / und seid Zeugen dafür.“ D Schrifte im alte Testament sind d Hinterlasse’schaft, s geistige Erbe vo de früenere Gläubige. Jesus sait de Jünger, dass ihri Erläbnis mit em Jesus uf dr Wanderschaft, am Karfriitig und an Ostere uf dr gliiche Linie liged wiä d Läbens’erfahrige, wo di gläubige Mänsche in dr Ziit vom alte Testament scho g’macht händ. Das isch en Entlastig für d Jünger. Z merke, dass mer nöd di ainzige sind, sondern dass mir iibettet sind in e grösseri, umfassendi Gmainschaft, das befreit. Zur Iisicht vo de Jünger ghört öpis Wiiters: dass ihre Wäg mit Jesus wiitergoht. Uusgrächnet, bevor si ihn nüme gsehnd, wird ihne klar, dass d Botschaft vo dr Umkehr zu Gott und vo dr Vergäbig vo de Sünde wiitergoht. Diä Botschaft goht uus zu allne Völker, wobi si ihre Uusgangs’punkt hett in Jerusalem und d Jünger si bezüüge dörfed. S Gfühl, dass öpis Schöns, Wertvolls, wo mer erläbt hett, wiitergoht. S Gfühl, dass das, wo aim Freud bereitet hett, nöd verloore isch, sondern in d Zuekunft ine füehrt und trait – diä Iisicht prägt d Erlüüchtig vo de Jünger an Himmelfahrt. Das funktioniert denn doch e chli anders als bim Buddhismus. Am Jesus sini Jünger säged nöd „good bye“ allem Schöne. Sondern si säged „hello again“. Si tönd d Enttüüschig über truurigi Erläbnis nöd zum Weltprinzip erhebe. Si mached d Froid, dass nach em Räge wieder d Sunne chummt, zu ihrer emotionale Grundlag. Uusgangspunkt sind in jedem Fall d Enttüüschige. Aber im fernöstliche Prinzip stabilisiert mer sich nach de Enttüschige uf eme möglichst tüüfe Niveau, damit mer uf kain Fall no tüüfer abe’gheie chan. Bim Jesus wird mer nach de Enttüschige wider ermuetiget und uufgstellt – au uf s Risiko hii, dass mer denn halt wider emol uf d Nase gheit. Aber bevor dr nächsti Frust chummt, hett mer denn zerst di nächst Froid erläbt. D Froid münd d Jünger zerst emol g’nüsse. Dass es für si Arbet git, kündet dr Jesus zwar aa, allerdings relativ vage. Er sait: wartet. D Froid söll zerst emol iiwirke. D Erlüchtig söll zerst emol iifahre und dr letzti Winkel vo dr Seel erhelle. {Ende 1. Teil}
Liebi Gmaind Mir sind in dr Natur. Dr Mensch ghört zur Natur. Gliichziitig isch er in dr Natur en Fremdkörper. Mir ghöred derzue und ghöred gliich nöd derzue. Mir sind anwesend, münd üs aber vo dr Natur abgrenze. Zum Überläbe bruuched mir d Zivilisation. Mir münd mit dr Natur irgendwiä umgoh, si gestalte, damit mir mit ihre en Wäg finded. Grad do uf em Gubrist sind mir in dr Natur und mir sind nöd in dr Natur, beides gliichziitig. Natürlich sind mir in dr Natur, will mir Boim um üs ume hend, wil mir an dr frische Luft sind, wil dr Bode unter üs nöd teert isch und mir gspüred, wenn es Lüftli goht. Zur gliiche Ziit sind mir nöd in der Natur, wil d Boim Teil sind vomene bewirtschaftete Wald. Es hett Forstwäg. Es hett – was für oise Aalass sehr praktisch isch – Bänkli, Tisch und Füür’g’lägeheite. Und wenigi hundert Meter vo ois entfernt stoht im Wald en Turm so höch wiä nen gewaltige Baum. Dr Turm enthaltet d Lüftigs’aalag vom Gubristtunnel, wo irgendwo unter üüs verlauft. Also, das isch Zivilisation. Es isch so zivilisiärt, dass mir kai Angst haa münd; so zivilisiärt, dass mir nöd in oiserer Existenz gföhrdet sind. Und es isch so natürlich, dass mir ois erhole chönd. So natürlich, dass mir en aa’g’nähme Kontrast wahrnehmed gegenüber dene Wohn- und Arbetsgebiet, wo alli Wäg teeret sind und wo s überall Gebäude hett und wo dr Verkehrslärm sin Soundteppich uusbreitet. Wo sind mir dehai? Mir bruuched so öpis, wiä mer s jetzt do händ, und mir bruuched es fests Dihai. Mir sind uf luuti Verkehrsmittel aagwise, egal ob s öffentlichi oder privati Fortbewegigs’mittel sind. Zwischedine wänd mir jedoch verwiile amene ruhige Ort. Ich möcht no uf öpis iigoh, wo in dr Uuffahrts’gschicht schwär fassbar isch. Es hett au e chli öpis z tue mit dihai sii, derzue ghöre, nöd derzue ghöre – mit verschidene Welte. „Ihr beginnt in Jerusalem und seid Zeugen...“ sait dr Jesus sine Jünger. Klar isch s Evangelium für ali Wält bestimmt. Es isch international. Irgendwo mues es aber emol aafange. Und dr Aafang vo der Verkündigung dur d Jünger findet in Jerusalem statt. D Jünger sind Züüge vo Jesus, vo sim irdische Läbe, und vo sim ewige Läbe. Züüge sind konkreti Mensche, und si befinded sich ganz praktisch amene reale Ort. D Apostel hend Näme, vo ainige kenned mir sogar öpis vom Charakter. Und d Gschichte mit em Jesus hend sich an bestimmte Ort abgspilt. Einigi Ort chönd hüt no lokalisiert werde. Zum Bispil isch d Ortschaft Betanien, wo in dr Nöchi von ere d Himmelfahrt statt’g’funde hett, geographisch bestimmbar. Au Ideeä chömed irgendwo her. Und Ideeä schwebed nöd frei im Ruum. Si wärded trait vo Persone, wo diä Idee vermittled. Nach dr Uferstehig zaigt sich Jesus sine Jünger sporadisch. Er ghört nüme zu ihrer Welt, er ghört bereits jetzt zu enere andere Wält. Eigentlich findet jedes Mol, wenn dr Uuferstandeni nach ere Begegnig mit de Jünger wider vo ihne weggoht, e chlini Himmelfahrt statt. Das, wo mir hüt fiired, isch aifach di letzti vo dene Verabschidige. Und es isch e gfassti Verabschidig. Si hät en Rahme. D Voruussetzig für e Verselbständigung vo de Jünger isch erfüllt: em Entsetze über d Chrüzigung und em Schreck über d Uuferstehig isch d Froid gfolgt, dass Jesus läbt. Jedes vo dene Gfühl hett e gwüssi Ziit brucht, zum sich entzünde, zum sich entfalte und zum vom nächste Gfühl abglöst werde. An dr Himmelfahrt hört es Kapitel mit eme Zwüschehöch uuf. Es isch es Kapitel, nöd di ganz Gschicht. Di ganz Gschicht isch gar nonig gschribe. Im nächste Kapitel isch es denn nüme Betanie und Jerusalem. Es isch denn gli emol di grossi, wiiti Wält. Aber für dr Moment langets. Für dr Moment isch es gnueg, ais Kapitel mit Froid abz’schlüüsse. {Ende 2. Teil}
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