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2002-05-12 Gottesdienst

Pfr. Jean-Marc Monhart

Predigt zu EXAUDI und Muttertag

 

Predigttext [GN]

Johannes 15,26-16,4

    (26)Der Stellvertreter* wird kommen. Es ist der Geist der Wahrheit*, der vom Vater kommt. Ich werde ihn zu euch senden, wenn ich beim Vater bin, und er wird als Zeuge für mich eintreten.

    (27)Und auch ihr werdet meine Zeugen sein, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen.

    (01)Ich habe euch dies gesagt, damit ihr nicht an mir irre werdet.

    (02)Man wird euch aus den Synagogengemeinden* ausschliessen. Es wird sogar soweit kommen, dass jeder, der euch tötet, mit dieser Tat Gott zu dienen meint.

    (03)Das alles werden sie euch antun, weil sie weder mich noch den Vater erkannt haben.

    (04)Aber ich habe es euch gesagt. Wenn es eintrifft, werdet ihr an meine Worte denken.“

    *verweist auf Anhang

     

Predigt

 

Liebi Gmaind,

als Predigttext händ mir es paar Vers us em Johannesevangelium ghört, em vierte vo de vier Evangelie. Neber de Gschichte über Erläbnis vom Jesus und sine Jünger enthaltet s Johannesevangelium au einigi Aasproche. Nöd wiä in Markus, Lukas und Johannes Predigte an di allgemein Zuehörerschaft. Sondern Aasproche, wo sich direkt an d Jünger richtet, an sin engste Mitarbeiterkreis. Zwar gits bi de anderne drei Evangelie ebefalls Stellene, wo dr Jesus unmittelbar zu sine Jünger redet anstatt zur Bevölkerig. Im Johannesevangelium stelled eso Rede zu de 12 Jünger allerdings es wichtigs Element dar. Si sind nöd aifach zwischet ine gschobe, wiä bi de Jesusbricht vom Markus, em Matthäus und em Johannes. Sondern si hend es eiges Gwicht und erstrecked sich über ganzi Kapitel.

Dass Jesus nöd nur allgemein prediget, sondern de Lüüt us sim Umfeld gezielt und persönlich öpis wiitergit, git em Johannesevangelium e bsundrigi Note. Es verwiist druf, dass bim Jesus sini Uusag mit dr Person verknüpft isch. Dr Inhalt vo sinere Botschaft isch nöd es Produkt, wo mer abfülle, verpacke, vermarkte und ver’chaufe chan, grad wiä s aim so passt. WAS der Jesus sait, stoht im Zsämehang dermit, WER er isch.

Zwüsche de zwölf Jünger und em Jesus bestoht e vertrauensvolli Gmeinschaft. Es isch nöd e Marketinggsellschaft zur effektvolle Vermarktig vom christliche Gedanke’guet. Sondern es isch e Gmainschaft, wo d Lüüt sich zwar dur dr Bezug uf Jesus drin befinded. Nachdem di verschiedene Jünger dur Jesus emol in d Gmainschaft ine gruefe sind, begegned si sich jedoch au als Persone. D Aapassig vo de Jünger unterenand erfolgt nöd dodrdur, dass si sich gegesiitig aapassed. Sondern jede einzelni vo de Jünger stellt sich individuell uf Jesus ii. Dodrdur, dass sich d alli Jünger uf Jesus iistelled, entstoht in ihrer Mitti e gemeinsami Uusrichtig. Di gemeinsam Uusrichtig wirkt verbindend, ohni dass es zu mene Gruppedruck mit gegesiitiger Aapassig cho mues.

Bimene moderne Unternehme isch es ehnder so, dass mer d Mitarbeiter und Mitarbeiterinne uf e gemeinsami Vision iischwört. In dr Gmeinschaft vo Jesus und de Jünger zeigt sich, dass es zwar um en gemeinsame Inhalt goht, um dr Inhalt vo dr frohe Botschaft. Mer chan aber nöd dr Inhalt vo dr Verpackig trenne, wil d Botschaft öpis isch vo dr Person, wo si wiiitergit.

Mir hend nöd nur e gemeinsami Vision – nämlich, dass ali Mensche erkenned, wiä gärn Gott si hett.

Mir hend au en gemeinsame Heiland. Dass sich jedes von ois an Jesus orientiert, git dr Chile en Zsämehalt. Letztlich beruäht dr Zsämehalt nöd uf däm, wiä mir als Chile organisiärt sind. Sondern si berueht druf, wiä mir als Gläubigi inspiriärt sind.

 

Liebi Gmaind

falls d Person Jesus für s Evangelium so bedütsam isch, denn spilt s scho e Rolle, ob mir Umgang mit säbere Person hend; ob en Kontakt stattfindet.

In aim vo de abschlüssende Gspröch mit sine Jünger redet dr Jesus über das, wo passiert, wenn er nüme bi ihne isch. In däm Zsämehang stoht oise Predigttext. Jesus sait do: „Der Stellvertreter wird kommen. Es ist der Geist der Wahrheit, der vom Vater kommt. Ich werde ihn zu euch senden, wenn ich beim Vater bin, und er wird als Zeuge für mich eintreten.“

Jesus kündiget Pfingste aa. Er sait sine Jünger, dass er si nöd elai loht, au wenn s eso uusgseht, dass er si elai loh würdi. Eigentlich loht er si sogar elai. Denn der Stellvertreter isch nöd diä Person, won er vertritt. Dr Stellvertreter isch en aigeti Person.

Wenn in dr Schuel e Lehrchraft is Militär mues, und es chummt e Stellvertretig go Schuel geh, isch offesichtlich, dass es sich ebe um zwei Persone handlet: um dr Stellvertreter im Klasse’zimmer und um di vertreteni Person im Militär.

Bi Gott isch es nöd eso offesichtlich. Mir glaubed nur an ain Gott. Wenn s jedoch en Vertreter git sowie aine, wo vertrete wird, denn wäred das jo scho emol zwai.

Viellicht hilfts, sich z überlege, was e Person aigentlich isch. S Wort „persona“ bedütet uf latinisch „Schauspielermaske“. Imene antike Theaterstuck hetts meistens weniger Schauspieler gha als Rolle. Kais Problem, Schauspieler stönd im Ruef, flexibel z sii. Binere antike Theater’uuf’füehrig hett dr gliichi Schauspieler verschideni Rolle chöne spiele, indem er aifach di jewiligi „persona“ aagleit hett. Er hett zur passende Maske griffe, und solang er diä aagha hett, isch er denn di aint Person gsi oder en anderi... und wenn s en sehr en wandligsfähige Schauspieler gsi isch, hett mer sogar drei oder vier verschiedeni Persone dur ihn chöne darstelle loh.

Wenn mer üs vor Auge haltet, dass „persona“ nach antikem Verständnis e Schauspielermaske isch, denn sind di verschiedene Persone vo Gott – Gott Vater, Gott Sohn, heilige Geist – unterschiedlichi Rolle im gliichige Stück. S aint Mol begegnet üs Gott als Vater, s ander Mol als Jesus und denn widr als dr Vertreter vo Jesus, dr heiligi Geist. Dr dritti Fall präzisiere ich grad: d Vertretig vo Jesus, dr heiligi Geist, isch e Vertreterin.

Dass isch für d Schuel nüt ungwöhnlichs. Falls en Lehrer im Militär isch, chan für ihn sowohl en andere LehrER wiä en anderi LehrerIN iispringe. S Gschlecht spilt kai Rolle.

Dass dr Jesus en Maa gsi isch, spilt für sini Botschaft offebar au kei spezielli Rolle, wenn sini Vertretig en wiibliche Geist isch. Wieso aigentlich isch dr heiligi Geist wiiblich?

Wil er us em alte Testament chummt, wo Jesus als gläubige Jud dermit gläbt hett. Im alte Testament isch dr Geist vo Gott gliichbedütend mit em Läbenshuuch, wo Gott Vater de Gschöpf iihuucht, damit si lebändig sind, plus im alte Testament isch dr Geist vo Gott gliichbedütend mit dr Weisheit, wo de Mensche Vernunft git, damit si öpis Gschids dänked.

In dr Sichtwiis vom alte Testament mues mer säge: Wenn Manne öpis Gschids, Vernünftigs dänked, denn dänked si wiiblich. – Aber zum Glück dänked mir jo nöd nur vernünftigi, gschidi Sache.

 

Zrugg zum Thema.

Em Jesus sini Stellvertretig wird als „Geist der Wahrheit“ charakterisiert. Vo oiserem Dänke her neiged mir vermuetlich derzue, „wahr“ im Sinn vo „korrekt“, „zuetreffend“, „richtig“ aaz’luäge. S Gegetail vo „wahr“ isch bi däm Blickwinkel „g’loge“ oder „falsch“ oder „unzuätreffend“.

Dr Jesus stammt us ere Kultur, wo „Wahrheit“ in erster Linie als menschlichi Eigeschaft definiert worde isch. Während für üs „öpis“ wär si chan, isch in dr israelitische Kultur zur Ziit vom Jesus „öper“ wahr gsi. Öper, wo mer sich ufen hett chöne verloh, hett als wahr gulte. Wahrheit isch so gseh schwerpunktmässig „Wahrhaftigkeit“. En wahre Mensch isch gemäss em alte Testament ain, wo mer sich uf en verloh chan; ain, wo d Treui hochhaltet. Wenn dr Jesus vomene „Geist der Wahrheit“ redet, isch das in erster Linie en Geist, wo aim nöd im Stich loht; e Macht, wo aim treu isch.

Das wiederum kontrastiert mit oiserem Wort „Geist“. En Geist isch jo für ois ehnder öpis unfassbars. Dr Geist vo Gott isch zwar en Geist, er hett jedoch e sehr e ungeistigi Grundeige’schaft: er isch treu.

Wieso isch das so wichtig?

Dr Weggang vo Jesus hett bedütet, dass d Jünger es Stuck Heimat verlore hend. Di mental Heimat vo de Jünger isch d Synagoge’gmeinschaft gsi. Synagoge’gmainschaft hett bedütet, dass mer als erwachsene Israelit in jedere Synagoge willkomme gsi isch und sogar hett dörfe s Wort ergriiffe. Es handlet sich do um es sehr es offes System, wo jedes Mitglied di gliiche kultische Recht hett. Sicher hett nöd jede gläubig Jud gliichermasse s Bedürfnis, in dr Synagoge uufzstoh und e Predigt z halte. Aber scho s Bewusstsii, dass mer s dörfti, und dass mer das in jedere Synagoge dörfti - ; scho das Bewusstsii prägt ain.

Dr Priis für das offene, religionstechnisch sehr demokratische System isch di scharf Uusgrenzig nach usse. Damit mer de Synagoge’mitglieder so viel Vertraue gegenüber bringe chan, dass si sich quasi überall is System ii’logge und mitmache chönd, bruucht s strengi Zue’lassigs’bestimmige.

Indem si Jünger vom Jesus sind, erfülled d Jünger di säbe Zuelassigsbestimmige nüme. Solang Jesus no unter ihne gsi isch, hend si Gmainschaft mit ihm und mit em zuehörende Volk gha.

Nach der Chrüzigung vo Jesus hett sich jedoch es negativs Klima gege d Jünger aafange bilde. Das hett innerhalb vo wenige Johr zum Uusschluss vo de Jesusjünger us dr jüdische Synagoge’gmeinschaft bildet.

Der Stellvertreter, wo Jesus verheisse hett, mues en mueterliche Geist sii. Er mues chöne de Jünger diä Heimat zrugg’gee, wo si dur dr Uus’schluss us dr Synagoge’gmeinschaft verlore hend. Drum isch es so wichtig, dass dr Geist en „Geist der Wahrheit“ isch: nachdem mer di alt Heimat verlore hett, mues mer sich uf di noi, geistig Heimat unbedingt verloh chöne. D Treui vom heilige Geist isch plötzlich ds Einzige gsi, wo sich d Jünger nach dr Uuffahrt no hend chöne dra hebe. Uf das hend si sich verloh chöne müse – si hend sich müse uf das verloh chöne, wil si suscht nüt meh gha hend.

Und so gseh isch es au gfühlsmässig liicht verständlich, dass der heilig Geist e wiiblichi Grössi isch. Wil si e Muetergstalt isch, wo für d Jünger nöd unbedingt nur dr Jesus, sondern vor allem d Heimat in dr Synagoge ersetzt hett. In der Synagoge’gmeinschaft isch mer geborge gsi, egal an welem Ort mer sich befunde hett. Im ganze römische Riich hett s Synagoge gee. Dr Geist vo dr Treui, dr mueterlichi Geist, wo mer sich druf verloh chan, isch für d Christe zum Ersatz für ihri ursprünglichi geistlichi Heimat worde. Säb, wo üs beheimatet, - in däre Chile, wo mir üs geborge fühled - , säb isch dr müeterlichi Geist. AMEN.

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