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2002-07-28, 10:00 Gottesdienst
9. Sonntag nach Trinitatis

Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Gruss - Losung zum Sonntag im Kirchenjahr

Wem viel gegeben worden ist, von dem wird auch viel verlangt. Je mehr einem Menschen anvertraut worden ist, desto mehr wird von ihm gefordert. (Lukas 12,48b)

 

Predigttext – Evangelium nach den Losungen

Matthäus 25,14-30 „Das Gleichnis vom anvertrauten Geld“ [Abschnittüberschrift: „Die Gute Nachricht“]

    (14)„Es ist wie bei einem Mann, der verreisen wollte. Er rief vorher seine Diener zusammen und vertraute ihnen sein Vermögen an.

    (15)Dem einen gab er fünf Zentner Silbergeld, dem anderen zwei Zentner und dem dritten einen, je nach ihren Fähigkeiten. Dann reiste er ab.

    (16)Der erste, der die fünf Zentner bekommen hatte, steckte sofort das ganze Geld in Geschäfte und konnte die Summe verdoppeln.

    (17)Ebenso machte es der zweite: zu seinen zwei Zentnern gewann er noch zwei hinzu.

    (18)Der aber, der nur einen Zentner bekommen hatte, vergrub das Geld seines Herrn in der Erde. –

    (19)Nach langer Zeit kam der Herr zurück und wollte mit seinen Dienern abrechnen.

    (20)Der erste, der die fünf Zentner erhalten hatte, trat vor und sagte:‘Du hast mir fünf Zentner anvertraut, Herr; und ich habe noch weitere fünf dazuverdient; hier sind sie!‘

    (21)‚Sehr gut‘, sagte sein Herr, ‚du bist ein tüchtiger und treuer Mann. Du hast dich in kleinen Dingen als zuverlässig erwiesen, darum werde ich dir auch Grösseres anvertrauen. Komm zu meinem Fest und freu dich mit mir!‘

    (22)Dann kam der mit den zwei Zentnern und sagte: „Du hast mir zwei Zentner gegeben, Herr, und ich habe noch einmal zwei Zentner dazuverdient.‘

    (23)‚Sehr gut‘, sagte der Herr, ‚du bist ein tüchtiger und treuer Mann. Du hast dich in kleinen Dingen als zuverlässig erwiesen, darum werde ich dir auch Grösseres anvertrauen. Komm zu meinem Fest und freu dich mit mir!‘ –

    (24)Zuletzt kam der mit dem einen Zentner und sage: ‚Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nichts ausgeteilt hast.

    (25)Deshalb hatte ich Angst und habe dein Geld vergraben. Hier hast du es zurück.‘ –

    (26)Da sagte der Herr zu ihm: ‚Du bist ein Faulpelz und Taugenichts. Wenn du wusstest, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nichts ausgeteilt habe,

    (27)warum hast du das Geld nicht wenigstens auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es jetzt mit Zinsen zurückbekommen.

    (28)Nehmt ihm sein Teil ab und gebt es dem, der die zehn Zentner hat!

    (29)Denn wer viel hat, soll noch mehr bekommen, bis er mehr als genug hat. Wer aber wenig hat, dem wird auch noch das Letzte weggenommen werden.

    (30)Und diesen Taugenichts werft hinaus in die Dunkelheit, wo es nichts als Jammern und Zähneknirschen gibt.“

 

Predigt

 

Liebi Gmaind!

„Es gibt einen Entscheidungsernst im Leben“.  Das Zitat, „es gibt einen Entscheidungsernst im Leben“, stammt vom Eugen Drewermann. Dr Herr Drewermann stoht im Ruef, en sanftmüetige Psycholog und Theolog z sii. Er hätt sich uf d Fahne gschribe, de Lüüt mit em Christe’tum kai Angst z mache, si nöd z stresse, oder gar ii’z’schüchtere. Zum Erfolg vom Eugen Drewermann hätt bii’trait, dass er s Evangelium am Evangelium betont. Er unterstricht also s Frohe und Friedliche am dr biblische Botschaft.

„Entscheidungsernst“ – das Wort bedütet, dass nöd alles im neue Testament Sanftmuet und Versöhnig und stressfrei’s Environment isch. Sondern es git öpis, wo hert, unverwüschbar und stressig isch. En Ernstfallsituation, wo mer sich drin nüme druf verloh chan, dass anderi für ain entschaidet. Selber mues mer sich entscheide.

Wer sind di andere, wo für ain entschaidet? Mensche, wo Entschaid für ain fälled - das isch nur ai Betrachtigs’wiis. Es chan au dr Zuefall sii, oder s Schicksal. Oder sogar d Ziit.

„Entscheidigs’ernst“ isch en Um’schriibig für d Situation, wo sich en Erwachsene drin befindet. Zum Erwachse’werde ghört’s, sich für di säb Situation vor’z’bereite, sich s entscheide-chöne aa’z’träniäre.

Im Matthäusevangelium stoht e Gschicht, wo dr Jesus verzellt hett. Es Gliichnis. Früener hett mer gsait „s Gliichnis vo de Talent“. Ganz eifach, wil Talent e Mass’einheit isch. E Gwichts’einheit.

Mir sind üs joh gwöhnt, mit Geld z zahle, wo nüt wert isch. Mit eme Foifliiber chan ich Gegeständ oder Dienst’leistige zahle, wo foif Franke wert sind.

Das isch aigentlich g’spässig, wil, dr Foifliiber isch gar nöd foif Franke wert. Wenn ich mit em Foifliiber zumene Goldschmid gange und ne iischmelze lasse, denn chummt drbi nöd Edelmetall im Wert vo foif Franke zum Vorschii. Dr Materialwert vom Foifliiber isch vil weniger als foif Franke. Und bim Note’geld isch es no extremer. Es Nötli isch, im Vergliich zu dere unglaubliche Zahl, wo druff’stoht, überhaupt nüt wert.

Aber das isch egal. Solang, wi mir eso tönd, wiä wenn en Foif’liiber foif Franke wert wär, solang isch en Foif’liiber foif Franke wert.

Settigi Fiin’heite sind für s Personal im Gliichnis vo Jesus unbedütend.

Dr Huus’herr, wo verreist, hett kilowiis Geld. Und zwar Geld, wo soviel wert isch, wiä’s Silber, wo s druus prägt worde isch. E gängigi Mass’einheit isch s Talent gsi – es Talent entspricht 35 Kilo.

Wenn mer es Talent besitzt, hett mer also 35 Kilo Silber. Wer es Talent stäle will, sött für dr Diäbstahl also en Last’esel für dr Abtransport mitbringe. Als Tasche’diäb hett mer nöd guet chöne es Talent stäle und denn dermit dervo’renne.

In dr Übersetzig vo der guete Nochricht stoht anstatt dr damals gebrüüchliche Mass’einheit „Talent“ di moderneri Mass’einheit Zentner, also 50 Kilo. Dodrmit wird unterstriche, was d Zuehörer vom Jesus ghört händ bim Lose vo dr Gschicht: es goht in dr Gschicht um Gäld. Um biige’wiis Geld.

Dr Besitzer vo däm Huufe Geld macht us em grosse Huufe drei chliineri Hüüfe. Si sind unterschiedlich gross. Foif Zentner für dr aint Diäner, zwei für dr zwait, eine für dr dritt.

Sin Uuftrag an d Diäner luutet: Kümmered oi um dr „shareholder value“. „shareholder“, Anteilseigner, git’s in dere Gschicht nur aine. Es sind nöd zahlriichi Chlii’aktionär, vo am Silber’vermöge betailigt sind. Der, wo verreist, dr Chef, isch dr ainzig „shareholder“. Ihm ghört dr grössti Einzel’anteil, und das isch zuglich dr einzig Aa’teil.

Das chönnti aim störe an dr Gschicht. Es isch kais demokratisches Gliichnis. Diä, wo s Silber vermehre sölled, sind au kai Mitarbeiter. Es sind Diäner. Si mached das nöd für sich sälber. Si münd s mache.

Dr ainzig, wo das durch’schaut, isch dr dritt Diäner – dise, wo nur ain Zentner Silber zum Investiäre über’chummt. Am Schluss vo dr Gschicht isch er arbets’los. Er stoht uf dr Stross, buech’stäblich. Währenddem di andere im Inne’hof vom Guets’besitz, hinter dr Umfassigs’muur Party mached, befindet sich dr dritti Diäner dusse.

Er isch vo sim zruck’kehrte Meister us em Arbets’verhältnis entloh worde. Er isch also, ganz am Schluss vo dr Gschicht, kain Diäner vom Herr meh. Er isch, wenn mer so wil, frei und sälbständig. Aber, das bedütet au, er isch uus’gschlosse, obdachlos und arbetslos. Er sitzt in dr Chälti, wo d Lüüt schlotteret, wil s am Obig vorusse chüel wird, und wo mer mit de Zähn knirscht, wil s aim laid tuet, dass mer nöd irgendwo drin in dr Wärmi sii chan, aimet wo s Fest isch, aimet wo mer derbii sii chan, amene Ort zum mit’fiire.

Es mus aim drum laid tue, wil mer s joh aigentlich hetti chöne. D Chance, d Möglichkeit hätti mer gha. Aber mer hett si verspilt. Wil mer em Entscheidigs’ernst vo dr Lag nöd gerecht worde isch, drum isch mer jetzt „duss“.

 

Liebi Gmaind,

was isch s Herte an dere Gschicht?

S Herte isch, minere Aa’sicht noch: D Iisicht bringt aim no gar nüt. Diä, wo s checked, händ no nüt dervo, dass si s checked. S Entscheidende isch nöd, ob mer druus’chummt. S Entscheidende isch, dass mer s richtig macht.

Di baide, wo foif respektive zwai Zentner Silbergäld über’chömed, checked s möglicherwiis nöd. Vilicht begriifed si gliich, wiä dr Haas lauft. In dem Fall hängked si s aber nöd an di gross Glocke.

Dr Besitzer vom Geld erntet, wo n er nöd gsät hett. Er sammlet, wo n er nüt uus’teil hett. – Mit däre Umschriibig stellt Jesus im Gliichnis Gott dar. Oise Gott, dr „liäb Gott“, isch irgendwodure denn doch nöd nur en liäbe. Er hett üs öpis gee, dass hett er üs aber im strenge Sinn nöd gee. Er hett s üüs nur aavertraut. Mir händ s bloss über’choo zum öpis drus mache. G’höre tuet’s ihm.

Und obwohl mir nöd g’frögt worde sind, ob mir s aigentlich haa wänd, sind mir dermit be’uuftrait, öpis – meh – drus z mache. Dr Sachverhalt wird in dr Gschicht vom Gottdarsteller, vom Huus’herr, nöd bestritte.

Dr Huus’herr sait em dritte Diäner nöd: „Stimmt jo gar nöd. Was saisch du do Frächs“, sondern dr Huus’herr sait em Diäner sinngemäss „Joh und?“

„Faulpelz und Taugenichts“, das tönt uf hochdütsch z wenig drastisch. Uf Mundart: „Du bisch en fuule Sack. Für nüt chamer dich bruuche!“

Also: dr dritt Diäner weiss, wiä dr Haas lauft. Aber er hett druus nöd d Konsequenze zoge.

Entweder, mir mached s Richtige, wil Gott das vo üs verlangt. Oder, mir mached s Richtige, wil mir gsehnd, dass mir Gott nöd choo möged.

So oder so, es isch en Entscheid, wo mir träffe münd. Wenn mir s Richtige nöd mached, denn händ mir üs ebefalls entschide. Für s Falsche händ mir üs denn entschide.

Als Intellektuelle stört mich an dere Gschicht öpis. „Intelligere“ bedütet „dazwischenlesen“, das mitbechoo, wo zwüschet de Zeile stoht, Iisicht haa. Im Gliichnis vo Jesus isch es völlig bedüütigslos, ob mer intelligent isch oder nöd.

Nach dem, was mer TU’ET, wird mer be’urteilt.

So gseh, isch am Jesus sis Gliichnis kais Guet’nacht’gschichtli. Es be’ruhigt nöd, es entspannt nöd; es hilft aim nöd ii’z’schlofe. 

Und vor allem wott s am Schluss gar nöd rächt uuf’hööre:

Döt, wo dr Jesus fertig isch mit Verzelle, goht d Gschicht im Läbe vo de Zue’hörer wiiter.

AMEN.