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2002-01-27 10.00, Gottesdienst Pfr. Jean-Marc Monhart Predigttext: 1. Brief von Apostel Paulus an die Kirchgemeinde von Korinth, Kapitel 9, die Verse 24-27, in der Übersetzung von “Die Gute Nachricht” (24)Ihr wisst doch, dass an einem Wettlauf viele Läufer teilnehmen; aber nur einer bekommt den Preis. Darum lauft so, dass ihr den Preis gewinnt! (25)Jeder, der an einem Wettlauf teilnehmen will, nimmt harte Einschränkungen auf sich. Er tut es für einen Siegeskranz, der verwelkt. Aber auf uns wartet ein Siegeskranz, der niemals verwelkt. (26)Darum laufe ich wie einer, der ein Ziel hat. Darum kämpfe ich wie einer, der nicht in die Luft schlägt. (27)Ich treffe mit meinen Schlägen den eigenen Körper, so dass ich ihn ganz in die Gewalt bekomme. Ich möchte nicht andere zum Wettkampf auffordern und selbst als untauglich ausscheiden.
Liebi Gmaind “Ihr wisst” - e beliebti rhetorischi Formle. “Ihr wisst doch, dass an einem Wettlauf viele Läufer teilnehmen; aber nur einer bekommt den Preis.” Indem ich eso aafange “Ihr wüssed s doch” knüpfe ich bi öpis Bestehendem aa. Uf dem, was d Zuehörer und dr Redner als gemeinsami Basis händ, baut mer denn nochher uuf. Usserdem hett s en liicht schmeichelnde Effekt, im Fall öpert sini Aasproch mit dr Formle “Ihr wisst” garniert. Wiä chan sich denn en Redner unbeliebt mache bim Publikum? Ai Möglichkeit, wiä sich en Redner bim Publikum unbeliebt mache chan, isch d Überheblichkeit. Wenn der Redner bi sine Zuehörer dr Iidruck vermittlet: “ICH chum druus, und IHR händ jetzt e kai Ahnig”, denn macht er sich unsymphatisch. Er provoziert Ablehnig. Niämert loht sich so richtig gärn iirede, er oder si seigi tümmer als anderi Mensche. Emene Redner, wo drum allzu offesichtlich glänzt mit sinere Gschidheit, somene Redner begegnet mer schnell emol mit Ablehnig. En beliebte, alte Trick vo Redner, sich vor sonere Ablehnig z schütze, isch diä, de Vorbehalt vo de Zuehörer dr Wind us de Sägel z neh. Di unuusgsproche Botschaft luutet denn: “Ich halte zwar d Aasproch. Aber Ihr, verehrti Zuehörerschaft, sind genauso gschid wiän ich. Alles, was ich Oi z verzelle han, wüssed Ihr im Grund gnoh aigentlich scho.”
Liebi Gmaind was macht mer denn nochher, wenn mer das gsait hett: “Ihr wisst”? Vilicht sait mer denn öpis, wo d Lüüt in Wirklichkeit nöd gwüsst händ, ämel di Meiste. Vilicht sait mer au öpis, wo d Lüüt problemlos au sälber hätted chöne druf choo voruusgsetzt, si hätted sich d Ziit gnoh, über das Thema nochzdänke. Das isch bim Paulus sim Text dr Fall. Diä paar Vers vo oisem Predigttext enthalted kai übernatürlichi Offebarige. Diä Vers im 1. Korintherbrief enthalted stattdesse logischi, iilüchtendi Uussage mit Hand und Fuess. Wiso mus mer s denn säge, wenn s doch klar isch? Wäg em appellative Charakter. En Appell, en Uufruef en Appell enthaltet nöd phänomenali noii Erkenntnis. Mer söll nöd gschider werde, sondern öpis tue. Em Paulus sini Wort beinhalted öpe das: “D Lag isch ernst. Es isch wichtig, was ihr mached.” D Christe in Korinth wüssed das. Si händ s scho früener ghört. Aber offebar hett s nöd iigschlage. Und drum sait s dr Paulus nomol. Mängi Sache mues mer sich säge loh. Es langet nöd, dass mer si weiss. Mängi Sache müend aim anderi säge. Wenn mer si sich sälber sait, isch es zwenig. “Hebed Si sich Sorg”, “lueg zuä dr” settigi Ufforderige mues mer ghöre. Alli wüssed, dass si sich Sorg hebe münd. Jede weiss, dass er zu sich luäge mues. Und doch gohts vil aifacher, wenn mer s immer wider gsait überchummt. Zuewändig statt Wüssens’vermittlig d Aktiviärig vo bestehendem Wüsse anstatt em Uuf’biige vo noiem Wüsse; um das gohts in de Verse 24-27. Dodrbi wiist dr Paulus uf sich als Biispil hii: nöd als strahlends Vorbild, wo unerreichbar über sine Läser thront; sondern als en Mit’striiter, en Weg’gefährte ain, wo s ebefalls probiärt und wo ebefalls uf Zue’wändig aa’g’wise isch. Dr Paulus will, dass d Empfänger vom Brief an sich schaffed. Si sölled sich verbessere, eso wiä wenn si sich uf en Wettkampf vorbereite täted. Dass der Paulus sälber ebefalls an sich schafft, das isch für ihn e Frog vo dr Glaubwürdigkeit. So stellt er s au dar: Ich will nöd anderi zu öpis uuf’fordere, wo ich sälber gar nöd mache. Der Paulus schaffet draa. Wil er sälber draa schaffet, chan er sini Zuehörer ebefalls zunere Aastrengig ermuetige. Als Gedanke’wält, wo er sini Bilder druus bezücht, wählt er dr Spitze’sport. Dr Leistigs’sport isch ain vo däne Läbens’bezüg, wo s kain wesentliche Unterschid zwüschet dr Ziit vo de Römer und oiserer Ziit git. Di medial Uufbereitig isch im römische Riich aifacher gsi: zum Liichtathletik und Ringe gseh, hett mer damals müse an Ort vom sportliche Wettkampf hii goh. Mängi Sportveranstaltige händ mehreri 10'000 Zuschauer aa’zoge. Hüt luegt mer s eher am Fernseh und list s in dr Ziitig. Dass di grosse Sportler als Stars gelted, isch drgege nüt Nois. In dr Bible sind zwar kai Sportler namentlich erwähnt. In andere Schrifte us dr gliiche Ziit finded mir hingege vili Näme. Wiä hüt werded d Näme meistens denn erwähnt, wenn si im Zsämehang mit eme Sieg stönd. Dass di allermeiste Sportler en Sponsor bruuched, damit si trainiere chönd statt go schaffe z goh, isch au nüt Nois. Dr Unterschied bestoht nur darin, dass bi de alte Römer kai Firmene d Uufgab vo de Sponsore übernoh händ. Privatpersone sind bi ihne d Sponsore gsi. Begüetereti Lüüt, wo sich je nach Vermöge aine oder mehreri Spitze’sportler oder sogar es Gymnasium g’leistet händ. Wobi mer unter em Wort Gymnasium früener e reini Sport’schuel verstande hett. Im römische Riich sind d Gymnasiä Trainings’ort gsi, permanenti Sportlager. Öpis anders als Liichtathletik und Ringe hett mer döt nöd g’lernt. Dass mer hüt anere Chopf’schuel mit grad no zwei oder drei Stund Turne in dr Wuche “Gymnasium” sait, isch gschichtlich betrachtet en Witz.
Liäbi Gmaind Was sölled d Korinther, nachdem si dr Brief gläse händ, us dr Wält vom Leistigs’sport in ihres Läbe übere nee? Mitmache zum Gwünne. Iischränkige in Kauf neh. Geziilt vor’goh. Träffe. D Leistigs’ent‘faltig unter Kontrolle bechoo. Inspiriäre.
Das sind Bezugspünkt us em Sport. Aber d Korinther im Johr 50 nach Christus sind nöd di letzte gsi, wo “ihre” Briäf g’läse händ. Um 1520 ume händ d Paulus’briäfe massgeblich zur Reformation biitrait. In dene Kanton und Fürstetümer und Länder, wo reformiert worde sind, isch d Sportler’ethik zur offlizielle Lebens’iistellig erklärt worde. Es hett en Leistigs’schub gee. Di protestantischä Länder sind riicher worde, us em völlig banale und ernüechternd aifache Grund, dass d Lüüt herter gschaffet hend. Es sind nöd ali Sportler worde. Aber si händ sportlichi Vorgehens’wiise in d Arbetswelt übere gnoh. Dr springendi Punkt isch nöd s Wüsse. Nach der rhetorische Formle “Ihr wisst” hätti mer dä Bürger in der Reformation scho chöne säge: “Ihr wüssed, wenn ihr herter schaffed, luägt meh derbi use”. Das Wüsse isch vorhande gsi. Di automatisch Gegefrog hett g’luutet: “Wiso? Wiso sölled mer herter schaffe, damit meh derbi useluegt? Wiso chönd mer nöd wiiter mache wi bis jetzt? So wiä mer s früener g’macht hend so, wiä s immer gsi isch?” En Uufruef, en Apell mues ii’schloh. Er mues bi de Zue’hörer aa’choo. Si münd erfasst werde wo dr Botschaft. Si münd überzüügt sii. Das goht am Ehste denn, wenn d Zuehörer en Uufruef als Zuäwändig verstönd. Dr Paulus wott e Leistigethik nöd uufzwinge im Fall, dass e Leistigs’ethik uuf’zwunge wird, füehrt si no schnell emol zur glatte Leistigs’verweigerig. Dr Apostel Paulus will zur Leistigsethik inspiriere. Er sait de Lüüt: so wi diä Spitze’sportler, wo n ihr so bewundered, so cha jede vo oi werde. Jede vo oi chan d Existenz bestriite wiä‘ en Sportler.
Mitmache zum Gwünne. Iischränkige in Kauf neh. Geziilt vor’goh. Träffe. D Leistigs’ent‘faltig unter Kontrolle bechoo. Inspiriäre.
AMEN. |