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2002-02-03 10.00, Gottesdienst Pfr. Jean-Marc Monhart Gottesdienst zu Sexagesimae
Schriftlesung: Hebräer 4,12-13 Predigttext: Lukas 8,4-8 [Übersetzung: Die Gute Nachricht] (4)Einmal kam eine grosse Menschenmenge zusammen; aus allen Orten strömten sie herbei. Da erzählte Jesus ihnen ein Gleichnis: (5)“Ein Bauer ging aufs Feld, um zu säen. Als er die Körner ausstreute, fiel ein Teil davon auf den Weg. Dort wurden sie zertreten und von den Vögeln aufgepickt. (6)Andere fielen auf felsigen Boden. Sie gingen auf, vertrockneten dann aber, weil der Boden nicht feucht genug war. (7)Wieder andere fielen mitten in das Dorngestrüpp, das bald das Korn überwucherte und erstickte. (8)Doch nicht wenige fielen auch auf guten Boden, gingen auf und brachten hundertfache Frucht.” Dann rief Jesus: “Wer hören kann, soll gut zuhören!”
Predigt
Liebi Gmaind Gelasseheit, ein lakonische Grundton, und trotzdäm kais Desinteresse. - So wirked di foif Vers vom Predigttext uf mich. Bim Gliichnis chummt es Bild us dr Landwirtschaft vor. D Saat wird uusgsät. S Grundnahrigsmittel Getreide wird aapflanzt. Es goht also as Läbige. Grad wil s aigentlich as Läbige goht, würdi mer es Gfühl vo mehr Dringlichkeit erwarte. So nach em Motto: Jedes Saatkorn zellt. Nüt vo dr Saat dörf verlore goh. Mir bruched das Getreide nochher doch. Mir sind doch druf aagwise, dass öpis wachst, und vor allem: mir sind druf aagwise, dass gnueg wachst. Aber das emergency-Gfühl, s Notfall-Feeling, chummt in oisem Predigttext nöd vor. Konzentriert und nüechtern - zimli nüechtern - , beschribt dr Jesus s Schicksal vo dr Saat. Bevor er zum Positive chummt, bevor er zum Thema “Ertrag” chummt, schilderet er zerst s Negative: Zerst chumt er zum Thema “Verluste”. Es isch jo es Gliichnis, wo doh im Lukasevangelium stoht. Mer chönti säge: es goht keinesfalls um echts Getreide, wo mer nochher zum Brotbache brucht. Mer chönnti säge, s Getreide doh, wo soviel dervo verlore goht, isch nur symbolisch gmaint. Es bedütet öpis - öpis anders. Was bedütets denn? D Samechörnli uf em Wäg, uf em steinige Bode, in de Dorne und uf em fruchtbare Grund – si diäned als Vergliich für Mensche, wo s Wort vo Gott ghört händ.
Uf der inhaltliche Ebeni gohts genauso as Läbige. Es goht um g’retteti Seele. Und um verloreni Seele. Früener hett mer gsait: Es goht um settigi, wo in Himmel chömed, und settigi, wo in d Höll chömed. Nöd nur uf dr bildliche Ebeni vom Saatguet wunderet s mich, dass der Jesus grossi Verlust in Kauf nimmt. Uf der bildliche Ebeni vom Saatguet schints em Jesus nüt uuszmache, dass en grosse Teil aifach verlore goht. Es ärgeret mich au e chli. Jesus chönnti sich doch wenigstens moralisch entrüste. Er chönnti drüber schimpfe, dass dr Sämann eso ungenau sini Saat uuswirft. Dr Jesus chönnti in sim Glichnis aarege, dass mer Säämannkürs etabliert. In dene Witerbildigskürs chönti mer d Sämann derzue befähige, s Korn treffsicherer uf dr gueti Bode usezgee, anstatt dermit alles links und rechts vom Feld grad au no z beglücke. – Das isch di BILDLICH Ebeni gsi. Jetzt zur INHALTLICHE Ebeni. Au uf dr inhaltliche Ebeni vo de Seele, wo di guet Nachricht g’hört händ, wunderet mich, dass der Jesus grossi Verlust in Kauf nimmt. Do wunderet s mich erst rächt. Uf dr inhaltliche Ebeni bedütet dr Verlust vomene grosse Teil vom Saatguät, dass Lüüt verlore gönd. Mänsche gheied use, bliibed uf dr Strecki, chönd sich nur churz entfalte oder verdörred vo Aafang aa. Kain moralische Zaigefinger. Au kai Beschönigung. Aifach drei Mol e nüechterni Feststellig. Jesus konstatiert: Bi däne hauts nöd. Döt gohts ebefalls denäbet. Und bi de dritte isch gliichfalls Hopfe und Malz verlore. Es git no es vierts Biispil. Das sind diä, wo uf guete Bode gheied, wo döt uufgönd und wo hundertfachi Frucht bringed. Wil diä, wo Frucht bringed, grad megavil Frucht bringed, goht d Rächnig am Schluss gliich uuf. Im Nachhinein betrachtet hetti sich s nöd glohnt, sich uufzrege. Dr Ertrag mues joh stimme, damit niämert hungere mues. Und dr Ertrag stimmt. Es mues niämert Hunger liide. Im Endeffekt langets dank däne, wo zünftig Frucht bringed. Und jetzt: Nomol zrugg zu dene, wo uf dr Strecki bliibed. Wiso landed diä in de Dorne? Händ sich diä Samechörnli, wo in de Dorne landed und verdorred – händ sich diä Samechörnli d Dorne geziilt als Landeplatz uusgsuecht? OK – mer söll es Gliichnis nöd überstrapaziere. Di höche Herre und Dame in dr Pfarreruusbildig schärfed de Theologiestudente ii, bim Gliichnis chiemi‘ s uf d Pointe drufaa. Di ainzelne Detail vom Gliichnis seiged bloss Symptom vo orientalischer Fabulierlust. Vilicht hend di Theologieprofessorinne und Theologieprofessore vo dr Uni Züri rächt. Oder au nöd. Probiered mer s doch emol uus. D Pointe vom Gliichnis isch, dass sehr vil schiefgoht und am Schluss chummts gliich prächtig use. Wenn ich jetzt bi däne e chli driiluege, wo s ne im Gliichnis schiefgoht, denn fallt mir folgendes uuf: diä Same’chörnli, wo in de Dorne landed, däne hettis absolut nüt uusgmacht, im guete Bode z lande. Wäred diä im guete Bode glandet, hätted si genauso hundertfach Frucht brocht wiä diä, wo tatsächlich in dr guete Ärde g’landet sind. Diä Chörnli, wo im Dorngestrüpp oder uf em Felse oder uf em Wäg landed, sind nöd minders (minderwärtigs) Saatguet. si sind genauso schöni – oder vilicht au wüesti – Chörnli wiä ali andere glichfalls. – Dr Sämann isch t’schuld. ER hett diä Chörnli an falsche Ort g’heit. Das isch uf dr Bildebeni so.
Und uf dr Inhaltsebeni? Wer isch das, wo di guet Botschaft unter d Lüüt bringt? Wer isch dr Sämann oder d Sääfrau, wo ds Evangelium wiitergit? – Isch das dr Gott? Sind s d Pfärrer? Sind s d Christe allgemein? Esonen Mensch, wo uf em Wäg gstrandet oder verdorrt isch - isch där döt, wil en öpert döthii vertschuttet hett? Im Gliichnis isch es eso. Aber ebe: vilicht hett s dr Jesus joh gar nöd eso im Detail gmaint. Vilicht stimmt das jo, was d Pfarrer-Uusbildner an dr theologische Fakultät säged: Dass bim Gliichnis nur d Pointe zellt, und alles vorher lediglich dr nahöstliche Erzählfreud entsprunge isch; dass es sich mithin nur um en Uusfluss vo orientalischer Fabulierlust handlet. D Gelasseheit bliibt – in beidne mögliche Fäll. Dr Jesus, wo das Glichnis vom Sämann verzellt, kennt dr Uusgang scho. Sini Grundstimmig isch vom Vertraue ins guete Endergebnis prägt. Er glaubt, dass es guet use’chummt. Das macht ihn ruhig. Offebar bewahrt s ihn dervor, em Sämann dramatischi Vorwürf z mache, d Nerve z verlüüre oder sogar in Existenzängst wägere drohende Hungersnot uus’z’breche.
Zum Schluss gits wi als Glasur uf em Cake no en Spruch. Es isch kain Exklusiv’spruch für exakt das Glichnis. Vermuetlich hett dr Jesus no öpe e chlini Aasproch mit dr Formulierig ab’g’schlosse: “Wer hören kann, soll gut zuhören.” D Betonig wär uf em “gut”: “Wer hören kann, soll GUT zuhören.” – Im spezielle Fall goht das in di gliich Richtig wiä oise Predigttext: Bi de einte lauft eh nüt, diä chönd nämli nöd zuelose, di sind aifach nöd zum Zue’lose g’macht und drum lohnt sich s bi däne gar nöd, wenn si jetzt au no GUÄT zuelose müssted. Allerdings: es git im Fall settigi, wo zuelose chönd. Diä sind in der Lag, emene Gedankegang z folge und sich e noi’i Idee emol aaz‘luäge. Und bi däne isch es denn au empfehlenswert – wenn schon, denn schon - , dass si ‘s genau nämed. Bi däne, wo lose CHÖND, lohnt sich s, dass si d Sach unter d Lupe nämed, vo allne Siite betrachted und emol uf sich iiwirke lönd. Übrigens: Früener hett mer vo däm Zuä’los-Spruch di wörtlich Übersetzig in dr Bible chöne nochläse; das hett denn g’heisse: “Wer Ohren hat zu hören, der höre!” Döt, wo e gueti Uus’sicht uf Erfolg bestoht, isch dr Jesus allem Aaschiin noch sehr uf Effizienz uus. Döt, wo öpis Guets wachse chan, wo d Voruussetzige erfüllt sind, isch en höche Wirkigs’grad sehr wohl erwünscht.
Am Schluss hett ich aigentlich nur no e Bitt an diä Same’chörnli, wo vom Sämann bi sine schwungvolle Würf uf fruchtbare Bode g‘rüärt worde sind. Diä Same’chörnli im guete Bode - also di säbe, wo Frucht bringed - , diä sötted sich nöd als öpis Bessers fühle als diä, wo im Gjät usse g’landet sind.
AMEN.
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