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2002-12-25, 10:00
Weihnachten

Pfr. Jean-Marc Monhart

Predigttext Matthäus 2,1-12 „Die Gute Nachricht“

 

Liebi Gmaind,

in dr Wiähnachtsgschicht nach Matthäus wird g’reist. Di drei Stärndüter reised us em Oste nach Jerusalem, vo döt nach Bethlehem und denn wider zrugg in dr Oste.

Di heilig Familie reist vo Bethlehem in Israel nach Ägypte und nach einiger Ziit vo Aeypte zrugg nach Israel, dasmol allerdings nüme nach Bethlehem, em Geburtsort, sondern nach Nazaret, wo dr Jesus uuf’wachst.

Ägypte – wo das ligt, wüssed mer. Und di ainte vo ihne sind vilicht sogar scho in Aeypte gsi. Aber diä Orts’bezaichnig, wo di drei Weisen herchömed „Der Osten“, dr Oste – wo isch das? Mer wüssed s nöd genau. Isch di arabisch Halbinsle g’maint, wo hüt Jordanie und Saudi-Arabie ligged? Isch Mesopotamie gmaint, also dr hütigi Irak? Vilicht Persie, dr hütigi Iran? Oder am Änd, ganz wiit im Oste, Pakistan und Indie?

Pakistan und Indie, das wär denn zwar sehr wiit wäg, aber diä Kulture händ zur Ziit vo Jesus di höchstentwickletsti Himmelsforschig gha. Niämert hätt eso komplizierti Himmelsbeobachtigsaalage zur Verfüegig gha wiä di Gelehrte im Gebiet, wo hüt Pakistan und Indie als moderni Staate druf ligged.

Us hütiger Sicht sind d Stärndüter e Mischig vo Astronome und Astrologe gsi. Si sind e Mischig gsi vo dr Elisabeth Tessier und ETH-Professore.

Si sind Astronome gsi, wil si dr Lauf vo vilne Himmelskörper beobachtet händ. Di systematisch Beobachtig vo Sterne, Planete und Mond isch e Wisse’schaft. Allerdings verloht mer dr Bode vo dr Wisse’schaft, wenn mer behauptet, e gwüssi Sterne’konstellation bedüti, dass dr neui König vo de Jude gebore worde seig. Das isch nüme Astronomie, also Wisse’schaft, sondern Astrologie, also Spekulation. Wer lait denn fest, dass e gwüssi Sterne’konstellation genau das bedütet, wo dr Astrolog behauptet, und nöd öpis ganz anders? Das isch rain wilkürlich festglait. Es isch abhängig vo dr Überzügigs’chraft vo de Sterndüter, ob ihne öpert anders das ab’chauft, und selbstverständlich spilts e Rolle, ob sie überhaupt selber das glaubed, wo si do verzelled.

Und doch, mini Sichtwiis isch vilicht e chli z neumödisch für d Geburts’schicht vom Jesus, so wiä si dr Matthäus verzellt. Denn niemert in däre Gschicht – absolut gar niemert – zwiflet d Behauptig vo de Stern’düter us em Oste aa. Im Gege’tail: dr König Herodes hätt schloflosi Nächt und fürchtet um sin Thron, wil er glaubt, was d Sterndüter us de Stärn use’gläse händ, gemäss ihre aigene Aagabe. Au d Mueter vom Jesus’chindli, d Maria, findet s nöd schlimm, dass sie Gold, Weihrauch und Myrrhe vo Astrologe entgegenimmt, vo Sterngläubige. Aber Moment emol – d Maria isch doch e frommi jüdischi Frau gsi. Und im alte Testament isch es vom Gsetz untersait, d Zuekunft us de Sterne voruus'z’säge. En gläubige Israelit hett nöd dörfe Sterndüter sii, theoretisch wär uf das sogar d Todes’strof g’stande.

Jetzt git’s in dr Geburts’gschicht vom Matthäusevangelium nomol en fromme Jud, wo gspässigerwiis ebefalls nüt gege diä Horoskop’gschicht mit em noie König vo de Jude hett. Das isch dr Matthäus, dr Erzähler vo dr Jesus’gschicht, där, wo d Gschicht uf’gschribe hett, uf griechisch, wo ich vorher di dütsch Übersetzig dervo vor’g’läse han.

Es Buech über es anders Buech – das gits. Über dr Evangelist Matthäus gits verschideni Büecher, und in mänge Büecher isch ihm wenigstens es Kapitel gwidmet. Praktisch ali Autore sind sich einig, dass dr Evangelist Matthäus en fromme, traditionelle, gsetzes'troie Israelit gsi isch. Er hett s alte Testament inn- und uswändig kennt. Als en fromme, traditionelle Israelit hätti au müse wüsse, dass ds alte Testament Weissage und Stärndüte verbütet und mit em Tod bestroft. Doch obwohl dr Evangelist Matthäus in jedem Vers, won ich vorher vorgläse han, irgend e Aaspilig hetti chöne mache oder es oder es Zaiche vo dr Missbilligung iifüege, isch für ihn diä Gschicht mit de Stärne, wo en noie König bedütet, völlig okay.

Wiä chamer sich das erkläre? Zum aine, dr Evangelist Matthäus hett in sis Evangelium diä Gschichte über Jesus uufgnoo, wo ihm wichtig vorchoo sind und won er sälber glaubt hett. Diä Gschicht mit em Stärn ghört derzuä.

Zum andere, dr Horizont vom Evangelist Matthäus isch wiiter gsi, breiter, als där vom böse König Herodes. Dr Herodes hätt national dänkt. Er hett dänkt, dass sin Poste als Hilfskönig vo Israel in Gfahr isch. Nöd öpe, wil di römische Soldate plötzlich en andere Hilfskönig anstatt em Herodes iigsetzt hätted, sondern wil us em Nichts en noie König chiemti. Do gseht mer, wievil Angst dr Herodes gha hett. D Römer sind in Israel das Mass aller Dinge gsi. Nur si händ di militärisch Macht gha, und nur si händ bestimmt, ob dr Herodes in ihrem Uuftrag Hilfskönig für d Dräcksarbeit isch, oder ob si en andere für das iisetzed. Aber dr Herodes hett niemertem traut, er hett sich uf nüt verloh, und er hett vor allem Angst gha. Vor de Stärne, vor dr Zuekunft, vor sim Schicksal.

Dr Matthäus hett s Gegetail vom Herodes: nöd öpe Angst, sondern Hoffnig. S Gegetail vo Zuekunftsangst isch Hoffnig. Währenddem Angst ain chli macht und s Blickfeld iischränkt, macht Hoffnig gross, mer richtet sich uuf und luegt ume, dodrbi chan mer tüüf iischnufe und dureschnufe.

Bim Matthäus chumt dr König vo de Jude zerst natürlich scho emol für d Jude. Aber aigentlich isch bim Matthäus „Jude“ nur es anders Wort für en gottgläubige Mensch. Aigentlich isch dr Jesus bim Matthäus dr König für ali gottgläubige Mensche. Und dodrzuä ghöred ebe au diä Lüüt us em Oste mit ihrne komische Sterne-Ideä. Diä fromme Lüüt, di drei Weise us em Oste, ghöred sogar no meh zum Gottesvolk als dr Herodes – obwohl der Herodes in Jerusalem en riisige Tempel baue loh hett für dr Gott vom alte Testament.

D Aabätig vo drei fremdgläubige Lüüt isch in dr Wiähnachtsgschicht wichtiger als di korrekt Glaubenszuegehörigkeit vomene tempelbauende Gwalttäter.

Dass di drei Weise us em Morgeland nöd us dr Wiähnachtsgschicht use zensuriert worde sind, hett öpis z bedüte. Es isch e Verheissig, scho am Chrippli vom Jesus’chind, dass s noie Gottesvolk nöd nur Israelite umfasst. S noie Gottesvolk mit Jesus als Haupt und König umfasst di unsichtbar Gmainschaft vo de Gläubige. Weltwiit. Es git kais Erkennigsmerkmal, zum usefinde, wer derzuä ghört. Nur Gott, wo in d Herze vo ois gseht, chan beurteile, wer ihn aabätet, wer ihn mit sim Läbe verehrt, wer sich uf ihn verloht und abstützt und ihn gärn hett.

Do chönd au Lüüt us em Oste derzuä ghöre, egal ob si us em benochbarte Jordanie oder usem wiiter entfernte Mesopotamie oder sogar us em ganz wiit entfernte Oste, nämlich dr indische Halbinsle stammed.

Ich han jetzt zwai schöni Gründ für d Aaweseheit vo alttestamentlich verbotene Persone in dr Geburtsgschicht vo Jesus gnennt.

Journalistischi Detail-Treui isch dr aint Grund gsi – nach em Motto: diä drei Horoskop-Schriiber händ jetzt halt emol dr Jesus aabätet und d Familiä beschänkt, also haltet mer s halt für d Nachwelt fest.

Dr zwaiti schöni Grund, das isch gsi, dass mer en Hiiwiis für di international Mission vom Jesus als Herr vo dr weltwiite Chile useläse chan us dr Aaweseheit vo sogenannte Heide am Chrippli. Das isch e Interpretation, e Uuslegig. Di drei Weise hend gredet vomene zuekünftige König, wo s Volk Israel rette wird. Dass diä Bezeichnig „Volk Israel“ spöter emol es Symbol für alli Gläubige uf dr ganze Welt wird, das isch de drei Weise vermuetlich nöd bewusst gsi. Immerhin wäred si vermuetlich nöd für en blosse Provinz-König dur dr halbi Orient g’raist. En reine Israelite-König hätti si als Nicht-Israelite möglicherwiis gar nöd interessiert. Wenn si also trotzdem extra us em Uusland aa’reised, denn mached si dur ihres aabätende Verhalte us em Jesus’chindli en König, wo au fürs Uusland Bedütig hett. En undefinierti Bedütig, en ungwüssi Bedütig, aber gliichzitig e persönlichi Bedütig, e verehrigswürdigi Bedütig.

Jetzt chumt in mine Überlegige no dr dritt Grund, wieso dr Matthäus di nicht-israelitische Weissager nöd religiös korrekt us dr Bible gstriche hett. Und das isch denn vilicht nüme so nen schöne Grund wiä di erste beide das sind.

Vilicht händ ebe im Matthäus sim Läbe Himmelsgestirn, Schicksalsmächt, Engel und Dämone ebefalls e Rolle gspilt.

In dr aktuelle Uusgab vom dütsche Nochrichtemagazin „Der Spiegel“ luutet d Titelstory „Die Erfindung Gottes“. Hinter däre flapsige Überschrift versteckt sich en Entdeckig, wo uufmerksami Bibelleser scho lang gmacht händ: di meiste Israelite zur Ziit vom alte Testament händ nöd eso an Gott glaubt, wiä dr Moses und die Propheten das gärn gha hätted. Eso fromm, wiä mer das nach em Gsetz vo de Prophete hätti müse sii, sind immer nur es paar Mensche us em Gottesvolk gsi. Dr Knackpunkt isch dr Mono-Theismus gsi, dr Ein-Gott-Glaube. Dr Prophet Jeremja isch ziitwis schier verzwiflet, wil er s Gfühl gha hett, dass er im ganze Volk Israel als Einzige uuschlüüslich an dr ainti Gott glaubt, an der Schöpfer vo Himmel und Erde, wo d Mensche liäbt und si schützt und beschänkt.

Im Nachhinein betrachtet erschiint üs das vernünftig z sii, was dr Profet Jeremia propagiert hett. Au wenn er damals vilicht nöd dr ganz ainzig gsi isch, wo uuschlüüslich an dr aini Gott glaubt hett, dürfti er sich doch in ere zimliche Minderheitsposition befunde haa.

Dr normal Israelit hett verschideni Huusgötze dihaimet gha, er hett an de verschidenste Heiligtümer im Land Israel Opfer erbrocht, und lang nöd ali diä Opfer sind für Gott, dr Herr, bestimmt gsi.

D Profete hend immer wieder probiert, Meinigsträger z gwünne. Dr grösst Meinigsträger isch jewils dr König vo Israel gsi. Wenn der König sich em konsequente Eingottglaube zuägwendet hett, denn hend vili Untertane ihm das nochgmacht. Das isch allerdings im negative genau gliich gsi. Wenn denn en noie König an d Macht cho isch, wo in sim Palast siebezäh verschiedeni Götzebilder uufgstellt hett, denn händ etlichi vo sine Untertane ebefalls mit em Uufstelle vo möglichst vil Götzebilder in ihrne Hüser und Hütte aagfange.

D Bible isch gschribe worde vo Lüüt, wo das schrecklich gfunde hend, diä viele Spezialgötter – anstatt dass mer konsequent zum aine Gott goht. In dr Sproch vo dr Bible hett mer denn au öpe vo „Scheusalen“ gredet.

 

Liebi Gmaind,

wiä gseht es „Scheusal“ us? Di meiste vo däne „Scheusalen“ sind chlini Tonfigürli gsi, wo e bestimmti Gottheit verkörperet händ. Di beliebtist Zuesatz-Gottheit näber Gott, oisem Herr, isch d Himmelsgöttin gsi. Vo dr Himmelsgöttin hätt mer sich Fruchtbarkeit erhofft, und so hätt mer denn für diä Barbi-Puppe-grosse Tonfigurli chlini Chüechli bache und dr Himmelsgöttin g’opferet, dass mer schwanger wird, dass es en Bueb wird, und dass ds Veh ordentlich wirft.

Diä Ton-Figürli zum Aabäte als Zuäsatz-Gottheite budled d Archeologe in raue Menge zum Bode uus. Kais Wunder. In fast jedem Huushalt hetts es so Züüg gha.

Zur Ziit vo Jesus isch di religiös Strömig im Näbe-Programm, also zuäsätzlich zu dr offizielle jüdische Religion, in e chli en anderi Richtig glofe. D Himmelskönigin und ihri Chüechli sind nüme so in gsi. S zuäsatz-religiöse Interesse isch meh uf Himmelskörper grichtet gsi. Wobi mer sich unter eme Himmelskörper nöd aifach en Stärn vorgstellt hett, sondern en Art e Unter-Gottheit, en untergeordnete Gott, wo ois probiert z be’iiflusse und wo sich in endlose Usenandersetzige befindet mit anderne Himmelskörper beziehigswiis denn ebe Mini-Götter.

Vili vo de erste Christe händ an diä Zuäsatzgötter glaubt und si in verschiedeni Kategoriä iitailt, je nach Mächtigkeit. Der Himmelsdämoneglaube isch zur Ziit vo de erste Christe so selbstverständlich gsi, dass dr Paulus kapituliärt hett dervor. Zwar hett dr Paulus selber dureblicke loh, dass er persönlich an diä Himmelsmächt nöd glaubt, aber er hett gar nöd probiärt, sini Mitchriste vo däm Glaube abz’bringe. Das isch ihm offebar als völlig uus’sichtslos erschine. Als chlinste gemeinsame Nenner vo sich mit dr Mehrheit vo de andere Christe, wo an so Himmelsdämone glaubt händ, hett dr Paulus drum gsait: Mached oi kai Sorge, Jesus isch aifach stärker. Hend kai Angst – wo Jesus dr Tod besiegt hett, do hett er automatisch au ali untergeordnete böse und halbböse und irgendwiä suscht no so ume’schwirrende Mächt besiegt.

 

Liäbi Gmaind,

wo dr Evangelist Matthäus d Jesus’gschicht uuf’gschribe hett, sind in sine religiöse Vorstellige nöd nur d Erlösig dur dr Heiland und di göttlich Liäbi enthalte gsi, sondern zimli sicher au jensti Spekulatione über Engel, Dämone, Geister und Mächt. Vilicht hett er grad vor däm Hintergrund speziell Froid gha an sonere Gschicht mit Sterndüter, wo dr Himmel mit sine Himmelskörper beobachtet.

Und mir – mir sind vermuetlich nöd besser. Das, wo in oiserem Glaubensläbe streng’gno nöd zu Gott, Jesus und heiligem Geist g’hört, isch ois – wenn s vili anderi au so gsehnd – gar nöd bewusst.

Em Apostel Paulus sini Lösig isch sicher sehr praktisch und aawendbar. Dr Apostel Paulus probiert nöd, d Lüüt uf d Liniä vo sine Spezialidee z bringe, sondern er sait: Jesus isch aifach stärker. Egal, was es git oder nöd git: Jesus stoht drüber. Drum isch es unwichtig für ois, solang mir ois uf Jesus verlönd. Erst wenn mir ois nüme ganz uf Jesus verlönd, entstoht Spilraum für bedrohlichi Situatione.

Wenn mir anderi christlichi Chile aalueged in Afrika oder Asie, denn gmerked mir no schnell, was ois stört: dr Hexeglaube in afrikanische Chile, dr Ahnekult in asiatische Chile. Es wär naiv, z glaube, dass mir im Unterschied zu japanische und afrikanische Christe es reins, purs Christetum pfleged. Vermuetlich händ au mir oisi blinde Flecke. Und in ferner Zuekunft wird mer vilicht emol schmunzle drüber, wiä mir mitteleuropäische Reformierte im 21. Johrhundert dr raini Christusglaube verwässeret und verfälscht hend dur trendigi religiösi Spezial-Ideä.

AMEN.