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2002-12-15, 10:00
Kurzpredigt Schriftlesung: EG 356 „Johannes der Täufer“ (Markus 1,1-8)
Predigttext:
(1)Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt, und SEINE Herrlichkeit strahlt auf über dir. (2)Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker; doch über dir strahlt ER auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir, (3)und Völker strömen zu deinem Lichte und Könige zu dem Glanz, der über dir aufstrahlt.
Liebi Gmaind, „werde licht“ – was für e Uufforderig. So öpis sait und ghört mer selte. Bim Uus’spruch vom Jesaja „werde licht“ isch „licht“ chli g’schribe. Mir sölled nöd „das Licht“ werde – „Liächt“ gross g’schribe - , sondern „licht“ als Eigeschaftswort, chli gschribe, eso wiä „hell“, eso wiä „strahlend“, eso wiä „leuchtend“. Der Mond isch es guäts Bispil derfür, wiä dass das goht: Wenn d Sunnä dr Mond aastrahlt, denn wird er „licht“. Der Mond isch nöd „s Liächt“ (= das Licht), denn s Liächt isch d Sunnä. Das, wo dr Mond hell macht, chummt vo noimet anders. Er isch nöd hell, aber er wird hell, wil er vonere Liächt’quelle aa’gstrahlet wird. Dr Mond hätt kai anderi Wahl als „licht“ z werde, sobald ihn dr Erdschatte nüme verdeckt und d Sunnestrahle direkt uf ihn uufträffed. Drum mues mer em Mond nöd säge: „werde licht“, denn dr Mond wird aifach licht, sobald s Liächt bis zu ihm chummt. Das isch jetzt bi ois Mänsche doch e chli anderst. Bi ois isch es freiwillig, ob mir ois vom Liächt, wo zu ois chummt, selber hell mach loh wänd. Mir entscheided sälber, ob s Liächt, wo uf ois uuftrifft, ois erhelle und zum strahle bringe dörf oder nöd. Wenigstens isch es im Prinzip freiwillig. Das Prinzip wird gelegentlich durchbroche. Di meiste Lüüt fanged sälber a strahle, wenn si en strahlende Säugling gsehnd. Di chliine Chind lächled zruck, wenn ihres Mami si aa’lächlet. – Scho bald im Verlauf vo dr Entwicklig merked d Chind allerdings, dass das kain Automatismus si mues: do mached denn d Müetere d Erfahrig, dass si no so lang und so süäss lächle chönd. Wenn s Chind trötzlet, denn WILL’s ebe nöd zruck’lächle. – So ähnlich sind mir als Erwachseni draa. Gott strahlt üs aa mit sim Lüüchte, mit em Liächt vo sinere Liäbi. Und mir dörfed üs dervo ergriife loh, mir dörfed ois vo de Strahle aa’stecke loh und sälber strahle. Dass mir Advent inere chalte, finstere Jahres’ziit fiired, isch noime dure sehr praktisch. In dr Chälti chummt d Doppelbedütig vo Liächt und Wärmi besser zum Träge. Wenn mer es Cherzli aa’zündet, wird s nöd nur heller; es wird aim au wärmer ums Herz. Das wird aim im Winter erst rächt bewusst, wil mer bi Schnee und Iis und Chelti d Wärmi schätzt, und wil mer bim früene Iibruch vo dr Dunkelheit beides bruucht: Liächt, damit mer überhaupt no öpis gseht, und es Liächtli, wo aim d Seel hell macht, damit mer nöd schwärmüätig wird in dr finstere Jahres’ziit. Di ganze Advents- und Wiähnachts’belüchtige in de Fenster und über de Strosse gsehn ich au vor däm Hinter’grund. Si strahled und blinked ois aa, als chliine Abglanz vom göttliche Liächt und de Liächtstrahle vo dr göttliche Liäbi. Di gross Strossebelüchtig über dr Zürcher Bahnhofstross und em Rennwäg chan aim verzaubere, obwohl s jo nume Glüehbire und elektrischi Laitige sind, wo zwüschet de Hüüser über d Stross gspannt sind. Wenn aim scho s Liächt vomene elektrische Wiähnachts’schmuck verzaubere chan, wi’vil meh chan denn d Herrlichkeit vo in oisi Gfühl und Gedanke schiine und oises Läbe imene noie Liächt erschiine loh! – Vilfach isch nöd dr Sachverhalt an und für sich unansehnlich, sondern es chummt druf aa, wiä mer öpis aa’luegt. D Zürcher Bahnhofstross isch an Wiähnachte di gliich teeret Stross mit Hüüser us grauem Stai, us Stahl und us Glas, wiä suscht s Johr dur au. Si erschiint nur dur d Wiähnachts’belüchtig imene andere Liächt. Und au mir sälber sind im Prinzip di gliiche wiä vorher, wenn mir strahled und d Adventsfroid an ois ane lönd. Aber im Abglanz vo dr göttliche Herrlichkeit erschiined mir imene andere Liächt. Wiähnachte chummt nöcher. In nün Täg isch Heilig’obig. Im berüämt‘iste Wiähnachts’liäd „Stille Nacht“ heisst’s: „Gottes Sohn, o wie lacht / Lieb‘ aus deinem göttlichen Mund“. Do isch es här, s Strahle, wo ois zum Strahle bringe chan. S verzaubernde Liächt vo de Wiähnachts’belüchtige dörf ois als Hiiwis diäne uf där, wo ois mit sinere Liäbi erlüüchtet, üseri Stimmige und Gedanke uuf’hellt und ois warm ums Herz werde loht. Oise Erlöser, Jesus Christus, isch d Erfüllig vom Prophete’wort us em Buech Jesaja, wo s heisst: „...seine Herrlichkeit erscheint über dir, und Völker strömen zu deinem Lichte und Könige zu dem Glanz, der über dir aufstrahlt.“ – E Herrlichkeit, wo vili Völker aa’spricht, mues e vilfältigi Herrlichkeit sii. En Glanz, wo verwöhnti Könige fasziniert, mues en riiche, bsundrige Glanz sii. Di vilfältige Wiähnachts’brüüch, wo mer rund um dr Globus pflegt, sind es Abbild vo dr vilfältige Herrlichkeit. Und au di ganz unterschidliche Wiähnachtsbelüchtige und Dekoratione gönd für mich in diä Richtig: an farbig blinkendi Liächtgirlande als Wiähnachtsbelüchtig mues mer sich zerst emol gwöhne. Aber wer sait denn, dass mer d Aakunft vom Erlöser nur dur ainfarbi wiises Liächt fiire dörf, wo permanent brennt und immer gliich fest lüchtet? Jesus isch zu allne choo, sis Liächt strahlt ali aa, und wil mir verschideni Lüüt sind, widerspiäglet sich sis Liächt uf ois verschide. Dr Abglanz vo sinere Herrlichkeit erschiint uf ois vielfältig. AMEN.
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