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2002-08-11, 10:00 Gottesdienst
Gruss 1.Petrus 5,5b [GN] „Gott widersetzt sich den Überheblichen, aber denen, die gering von sich denken, wendet er seine Liebe zu.“
Predigttext Epheser 2,4-10 [GN] (04)Aber Gott ist reich an Erbarmen. Er hat uns seine ganze Liebe geschenkt. (05)Durch unseren Ungehorsam waren wir tot; aber er hat uns mit Christus zusammen lebendig gemacht. Bedenkt: Aus reiner Gnade hat er euch gerettet! (06)Zusammen mit Jesus Christus hat er uns vom Tod erweckt und in sein himmlisches Reich versetzt. (07)In den kommenden Zeiten wird das enthüllt werden. Dann wird der unendliche Reichtum seiner Gnade sichtbar in der Liebe, die er uns durch Jesus Christus erwiesen hat. // (08)Es ist tatsächlich reine Gnade, dass ihr gerettet seid. Ihr selbst könnt nichts dazu tun, als im Vertrauen anzunehmen, was Gott euch schenkt. (09)Ihr habt es nicht durch irgendein Tun verdient; denn Gott will nicht, dass sich jemand vor ihm auf seine eigenen Leistungen berufen kann. (10)Wir selbst sind ganz und gar Gottes Werk. Durch Jesus Christus hat er uns so geschaffen, dass wir nun Gutes tun können. Er hat sogar die guten Taten schon geschaffen, die wir nun auch tun sollen.
Predigt Liebi Gmaind, Leistig isch es Thema. Bi de vergangene 1.August-Aasproche händ sich grad zwei Bundesrät zum Thema „Leistig“ g’üsseret. Dr Sämi Schmid het üs uuf’g’ruefe, oiserne Vorfahre dankbar z sii für diä Leistige, wo si in vergangene Generatione für ois erbrocht händ. Und als hätted si sich ab’g’sproche, hett dr Bundesrat Villiger d Linie vom Samuel Schmid in d Gege’wart verlängeret: mir, so dr Herr Villiger, heiged oise Standortvorteil verlore und verspilt. Falls d Schwiiz ihre Level hebe welli, gäbi s für ois nur ais: Leistig. Und jetzt verlöhnd mir emol s Fäld vo dr Politik und gönd in di fröhlichi, riläxti [relaxed] Wält vo dr Freiziit, vom Freiziitvergnüege. Was isch bi dr gestrige Street Parade s Grösste gsi? Wenn mer uf eme Love-Mobil mit-reive [rave] chan. Was bedütet das? 5-7 Stund lang uf dr Bühne vomene verlängerete Lastwage stoh und tanze, bis s Love-Mobil sin Wäg vom Aafang bis zum Änd vo dr Strecki ums untere Seebecki ume zruck’glait hätt. 5-7 Stund lang tanze – wenn das kai Laistig isch? Und es goht no wiiter: d Party goht bis am Mäntig in di frühe Morge’stunde ine. „Peace“ isch s Motto vo dr diesjährige Street Parade, Friede, schalom, salem, selam. Das isch es schöns Motto. Friede gegenüber de Mitmensche, Friede gegenüber dr halbe Million Tänzerinne und Tänzer, wo dr Plausch hend. Aber isch es au Friede gegenüber aim sälber? In dr Bilag [Beilage] vom Tagesanzeiger erschiint am Samstig ämigs ds Tagi-Magazin. Für mich am spannendste isch meistens di drittletzt Siite, „Ein Tag im Leben von...“ Gest isch en Tag im Läbe vomene Droge-Tester vor’g’stellt worde. Er testet diä Droge nöd, indem er si uus’probiärt. Lüüt, wo an dr Street Parade Droge kauft händ, chönd si ihm zunere chemische Sofort-Analyse geh. D Stadt Züri hett das organisiert, damit s kai Droge-Toti git. S meiste, was di Jugendliche konsumiered, isch Amphetamin. Im 2. Wält’chriäg isch Amphetamin industriell her’gstellt worde, damit d Soldate furchtloser kämpfed, länger wach bliibed und weniger Angst händ. Pilote, wo im 2. Wält’chriäg mit ihrne Propellerflugzüüg über dr Atlantik gfloge sind, händ speziell hochwirksami Amphetaminpräparat gschluckt, damit si 20 Stund lang im Cockpit sitze chönd. Hüt sait mer Pille mit de genau gliiche chemische Wirkstoff „ecstasy“ und Pulver mit em gliiche Züüg drin „speed“. Als Pilot im Chriäg hätt mer das aber vom Vater Staat überchoo, und oisi Jugendliche chaufed s vom Dealer. D Pilote hend s müse neh, damit si nöd irgendwo unterwägs is Meer gstürzt sind. D Raver wänd s neh, damit si nöd vor em Änd vom Fäscht schlapp mached. Es goht um Laistig. Mer mues oder mer will e Leistig erbringe, wo mer aigentlich nöd derfür vorgseh wäri. Aber über di biologische Grenze will mer sich hinweg setze, und meh leiste, als mer vone sälber chönnti. Mer hilft noch. Froit sich jetzt dr Bundesrat Villiger, wo vo ois Laistig und nomol Laistig forderet? Emene Tail vo oiserne Jugendliche müssti er das gar nüme säge. Diä göhnd sogar in ihrer Freiziit über ihri Laistigs’grenze uus. Und „Peace“, was isch den „Peace“ – wo bliibt dr Friede?
Ich gib Ihne zwai Variante, liäbi Gmaind. Variante ais: es isch dr Friede vo dr Erschöpfig. Wenn mer überhaupt nüme chan, wenn mer nüme mag, aber im Fall au gar überhaupt nüme, denn hätt mer där Zuästand erreicht. Uustanzet. Variante zwai: es isch dr Friede vo dr Betoibig. Wenn mer eso zuä’dröhnt isch, dass mer niemertem meh öpis Böses mache chan. Oder wenn mer eso uufkratzt isch vo de Uufputschmittel, dass mer downer brucht, Beruhigungs- und Schlofmittel, zum wieder obenabe choo. Wenn dr Bundesrat Villiger ois – und nöd nur di Junge – zu Leistig uufrüeft, goht s ihm um d Erhaltig vo oisem Läbens-Standard. In sinere 1.August-Aasproch hett er vo sinere Sorg um di soziale Errunge’schafte g’redet, und dass mir, zum diä bhalte – AHV, Invalide’rente, Arbeitslosegeld, Sozialhilf – dass mir, zum das alles b’halte, ebe herter schaffe münd. Was für en peace chummt dodrbi use, was für en Friede? Im Idealfall sicher dr soziali Friede. Denn AHV bedüütet, dass Seniore ihre verdienti Ruhe’stand g’nüsse chönd. Wenn das nüme möglich isch, chummt Ungerechtigkeit in oisi Gsellschaft ine. Und diä ziäht Fäde. Für diä Lüüt, wo hert schaffed, chas – wi bi de Raver – zum Friede vo dr Erschöpfig choo. Mer isch müed, mer schlooft guet. Jetzt chum ich halt nomol mit em Tages-Anzeiger vom Samstig. Do isch ämigs – näber em Magazin und em Heftli mit de Occasion-Auto-Inserat – nomol öpis ii’gschosse. S Alpha. S Alpha, das isch där beigi Stelle’aa’zeiger für di ganz Qualifizärte, wo di fründlichste vo de fründliche Kiosk’fraue am Sunntig vo sich uus us dr Sunntigs’ziitig use nämed, bevor s dr Chund macht. Im Leitartikel vom Alpha isch es um Regeneration gange, um d Erholigs’phase. Joh ebe, wenn mer leistet, hett mer im Idealfall en gsunde, tüüfe Schlof – aber uf Duur langet das nöd zum sich vollständig erhole. Dr Verfasser vo dem Leitartikel schriibt, dass diä Lüüt es Problem heiged, wo glaubed, si brüchted kai Erholig. Und dr Verfasser vom Leitartikel im Alpha präsentiert au en Schuldige für dr Irrglaube, wo di säbe Lüüt händ: es isch d Gsellschaft. Es gäbi e höchi gsellschaftlichi Akkzeptanz für Lüüt, wo säged: ich bruche kai Erholig. Oder: ich han mich ganz schnell wieder erholt. D Lösig derfür wäri, uf sich sälber z lose, zum use’gspüre, was für Erholig mer bruucht und wenn dass mer si bruucht. Das setzt Ziit voruus. Wil, wenn ich säge, so, jetzt los ich emol in mich ine, denn ghöre ich do vilicht nüt. Mer chan dr Wunsch ha, sich emol churz z erhole, und stattdesse g’merkt mer denn erst, wiä fest dass mer uf de Stümpe isch. Es isch ungfähr so, wiä wenn mer d Wanderschueh uufmacht, d Söcke abzücht und denn erst gseht, in was für eme Zustand d Füess aigentlich sind. Denn chan mer au nöd säge: so, ich han s jetzt gseh. Gönd mer wiiter. Zerst mues mer desinfiziere und pflästerle. Denn gohts wiiter. Für etlichi Lüüt, wo leisted – wo Leistig erbringe müend – chas, wiä bi mänge Raver – au zum Friede vo dr Betoibig choo. Sodass mer vo sälber nüme obenabe chummt, sondern sich mit Hilfsmittel beruhige und zu Schlaf verhälfe mues. Isch Laistig schlächt? Oisi Gsellschaft funktioniert nöd ohni Leistig. Und zwar sehr gueti Sache an oiserer Gsellschaft würded nöd funktioniere ohni Laistig. Aber Laistig isch au problematisch, wil si es Aige’läbe entwicklet. Leistig erbringe, sini Leistigs’gränze uus‘wiite und am Schluss denn gliich erreiche welle, das ghört zu üs offebar derzue. Zumindest entspricht s im Moment au em Ziitgeist. So fest, dass d Stadt Züri en Drogetester aastelle mues, damit nöd z’vil und zu hochwirksami Uufputschmittel g’schluckt werded, zum bim entspannende Tanze sini Top-Leistig z erbringe. – Übrigens: diä Gschicht mit däne chemische Analyse vor Ort hett en todernste Hintergrund. In dr Schwiiz und in Östriich sind Pille im Umlauf, wo zwai Stuck dervo bereits e tödlichi Dosis sind. Besser wärs zwar, wenn di Jugendliche überhaupt nüt settigs schlucke würded. Allerdings, weli Eltere vo 16jährige, wo in Züri tanzed, würded für ihri Söhn und Töchter d Hand is Füür legge, dass diä sicher – und zwar garantiert – nüt schlucked?
Liäbi Gmaind, es isch mir immer no es Rätsel: di protestantisch prägte Gsellschafte sind in dr Theorie vertraut mit dr Gnad vo Gott, wo ois ohni Gege’leistig g’schänkt wird. In dr Praxis sind di protestantisch prägte Gsellschafte aber grad diä, wo s am höchste entwicklete Leistigs’dänke hend. Mir münd ois nöd sälber erschaffe. Mir sind bereits s Wärk vo Gott. – Eigentlich müssti das en ganz e befreiendi Iisicht sii, dass mir dur d Gnad vo Gott bereits Gschöpf sind. Mir sind vollständig, mir münd üs nüme voll’ende. Allerdings chönd mir üs selber fertig mache, indem mir probiered, ois z perfektioniäre. Das wär denn allerdings nüme im Sinn vo dr Gnad vo Gott. Denn – gemäss Epheserbrief – hett Gott sogar oisi guete Tate bereits zum Voruus erschaffe. Was immer mir Guets tue sölled und münd und wänd, das isch bereits uf Abruef bereit. Mir münd nur no ergriiffe, was für ois hii’glait worde isch. Mer münd s nur no neh, was für ois reserviert worde isch. D Gnad hett öpis z tue mit Prädestination. Das isch es wüests Wort für di ainte, und de andere saits gar nüt. Prädestination heisst, dass alles vo Gott vorherbestimmt isch. Us däm chan mer dr wüesti Schluss züche, dass mer am beste aifach nüt tuet und wartet, bis mer aines Tages tot umfallt. Us däm chan mer aber au dr Schluss züche, wo dr Epheserbrief zücht, nämlich: d Schöpfig isch am Änd perfekt, und ihri Vollkommeheit chummt us dr Zuekunft in oisi Gegewart ine. D Gnad vo Gott, - das wo er für ois vorgseh hett – stoht ois bevor, isch für ois bereit’gstellt. Mir chönd däm entgege’goh. Mir münd nöd. In däm Sinn werded mir nöd zwangs’beglückt. Wenn s heisst, dass Jesus scho uuf’erstande isch, denn bedütet das unter anderem, dass er scho döt isch: Döt, an däm Ort, wo dervo zu ois diä guete Tate chömed, wo mir als schwache Abglanz vo dr Vollkommeheit in dr unvollkommene Welt tue dörfed. Es git das Gschichtli vo däm Bildhauer, wo behaupted hätt, er machi gar kai Statue. Er haui mit Hammer und Meissel nur s Überflüssige vom Stai ewäg. Und d Statue chiemi denn automatisch drunder füre. Do isch natürlich au e chli Koketterie im Spiel. Mer chan au mit sinere Bescheideheit blöffe, so nach em Motto: „Niemert isch so bescheide wiä n ich!“ Wenn mer aber anderersiits weiss, was für Ängst aim das geh chan, wenn mer en Stai hett und Hammer und Meissel, denn find ich diä Philosophie vom Bildhauer sehr entspannend und sehr epheserbriäfig. Das, wo am Änd derbi useluege sött, isch so drin aagleit. Ich mues es ebe nöd erschaffe, ich dörf em usehälfe. Ich dörf öpisuse‘meissle, wo ebefalls Gottes Werk isch, so wiä n ich. AMEN.
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