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2002-04-21 10.00 Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart Jubilate (Psalm 66,1)
Predigttext Apostelgeschichte 17,22-28 (Übersetzung: Die Gute Nachricht)
22Paulus trat vor sie alle hin und sagte zu ihnen: „Männer von Athen! Ich habe wohl gemerkt, dass ihr die Götter hoch verehrt. 23Ich bin durch eure Stadt gegangen und habe mir eure heiligen Stätten angesehen. Dabei habe ich einen Altar entdeckt mit der Inschrift: ‚Für den unbekannten Gott‘. Diesen Gott, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, will ich euch jetzt bekanntmachen. 24Er ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was darin lebt. Als Herr über Himmel und Erde wohnt er nicht in Tempeln, die ihm die Menschen gebaut haben. 25Er ist auch nicht darauf angewiesen, von den Menschen versorgt zu werden; denn er selbst gibt ihnen das Leben und alles, was sie zum Leben brauchen. 26Er hat aus dem ersten Menschen aller Völker der Menschheit hervorgehen lassen, damit sie die Erde bewohnen. Für jedes Volk hat er im voraus bestimmt, wie lange es bestehen und in welchen Grenzen es leben soll. 27Er wollte, dass die Menschen ihn suchen und sich bemühen, ihn zu finden. Er ist jedem von uns nahe; 28denn durch ihn leben, handeln und sind wir. Oder wie es eure Dichter ausgedrückt haben: ‚Auch wir sind göttlicher Abkunft.‘
Predigt
Liebi Gmaind D Apostelgschicht verzellt, wiä sich s Christetum am Aafang us’breitet hett. Es isch zweigleisig gloffe, innerhalb und usserhalb vom Judetum. D Apostelgschicht brichtet vom Petrus, wo en Jünger vo Jesus gsi isch. Dr Petrus hett der Jesus während sinere Wirksamkeit in Galiläa und Judäa begleitet. Er isch au in der Nöchi gsi, wo dr Jesus in Jerusalem krüziget worde isch. An Ostere isch er em Uuferstandene begegnet. So hett dr Petrus es Fundament gha; es Fundament, bestehend us mehrjöhriger Erfahrig. Dr Petrus hett s Christetum verbreitet zunächst unter Jude. Dr Petrus isch sälber en Jud gsi, und hett sich zunächst emol an sini Glaubensgenosse g’richtet. Zu de Mitjude hett er prediget, dass dr Jesus dr verheisseni Retter seigi. Wer am Petrus sini Botschaft aagnoh hett, isch vo ihm verpflichtet worde, es minimals Set vo Gsetz z befolge. Im alte Testament sind 613 Gsetz enthalte. D Botschaft vom noie Testament isch, au so wiä si dr Petrus wiitergee hett, e Botschaft vo dr Befrei’ig. Allerdings isch si nöd e Botschaft vo dr totale Befrei’ig. Nach dr Meinig vom Petrus hett s doch no es paar wenigi Gsetz im Alte Testament, wo er gfunde hett, si würded au is Noie Testament ghöre. Dass mer kai unreins Fleisch esse söll, keis Götze’opferfleisch und kais Blu’et – um das gohts. Kais unreins Fleisch – das würdi bedüüte, kai Schwiins-Kotlett, kai Schinke und au suscht nüt vo dr Sau. Keis Götze’opferfleisch – das bedütet: kais Fleisch vo Tier, wo durch ungläubigi Metzger g’schlachtet worde sind. Und kais Bluet: das bedütet, dass mer d Tier schächte mues – also mer mues si so, wiä das d Muslim und d Jude mached, mit eme Schnitt dur d Kehle uus’blüete loh, damit während em Schlachtvorgang möglichst alles Bluet dr tierisch Körper verloht. Das sind di fleischliche Bedingige gsi vom Petrus für di noie Christe. Das sind d Rest-G’setz gsi, won er für di Frisch’gläubige für notwendig er’achtet hett. Für dr Petrus als g’setzestreue Mensch isch es undenkbar gsi, wäg em Glaube an d Rettig dur Jesus elai sämtlichi bisherige Läbens’gwohnheite uufzgee. Und grad bi Gsetz, wo dr Fleischkonsum betreffed, handlet sich s mindestens so fest um Läbens’gwohnheite wiä um religiösi Gebrüüch. Für di säbe unter de frühe Christe, wo, wiä dr Petrus sälber, en jüdische Hintergrund gha händ, isch d Befrei’ig vo de vile Hundert andere Gsetz immer no e gewaltigi Veränderig gsi. Em Petrus sis Gleis bi der Uusbreitig vom Christetum isch also en Glaube gsi, wo us fromme Jude frommi Christe g’macht hett. S Evangelium vo Jesus isch e Botschaft vo dr Befrei’ig. Und wenn mer in sinere Existenz vili Hundert Gsetzli plötzlich nüme befolge mues, denn chan mer sich scho befreit fühle. Uf dr andere Siite gits doch au Gsetz, wo aim vertraut worde sind. Fest oder d Art, dr Sabbat z verbringe – wieso söll mer vo däm Abschied neh welle, wenn s aim bis jetzt doch gar nöd gstört hett, sondern im Gege’teil no g’falle? – Eigentlich goht s bi der Verpflichtig gegenüber de Gsetz bloss drum, dass ain s Iihalte dervo nöd rettet. Aber wenn mer waiss, dass mer dur d Liebi vo Gott g’rettet isch, dörf mer jo gliich für sich g’wüssi Regle befolge, wo aim mit zunere g’ordnete Existenz verhelfed. Schwierig wird s erst, wenn sich dr Wunsch nach Ordnig im Läbe in Angst verwandlet – in Angst dervor, dass ds Läbe ohne genau diä spezielli Ordnig drin umesusch wär. Vergäbis, für nüt. – Diä Angst hend einigi Neu-Christe nach Art vom Petrus gha. Denn dr Petrus hett zwar mit dr Ziit em Dränge vom heilige Geist noch’geh und aa’gfange, zu Nicht-Jude z predige. Doch vo däne, wo vor ihrer Bekehrig zu Jesus no gar kai Jude gsi sind, hett er es Minimal-Judetum verlangt. Zwar hett dr Petrus chöne über sin aigete Schatte springe und Anderst’gläubige, Fremde predige. Aber sini Botschaft hett dodrbi nöd nur g’luutet: „Nämed Jesus als eure Retter aa!“ Sondern: „Nämed Jesus als eure Retter aa und werdet e chli eso wiä ich! Folged Jesus nach und halted oi an es paar Gsetz, wo ich persönlich wichtig finde.“
Liebi Gmaind, das isch en Unterschied! Wenn mer zuefällig grad di gliich Welle’längi hett wiä dr Prediger, denn isch es aim zwar egal. Isch das nöd dr Fall, denn isch es unpassend, dass öpert s Evangelium vo Jesus und di aigete Privat’aasichte glichrangig präsentiert. Denn Rettig chummt tatsächlich vom Heiland – und nöd vo zuäsätzliche Idee, wo ich jetzt finde, diä sind doch au no ganz toll... Oise Predigttext stoht in der Apostelgschicht, wo sich drinine s Christetum über Mittelmeergebiät im römische Riich uus’breitet. Wiä das nach Art vom Petrus vor sich goht, han ich grad brichtet. S andere Gleis, wo zum weltwiite Christetum gfühert hett, isch vom Paulus befahre worde. Dr Paulus isch kain Originaljünger. Er hett Erschiinige gha vom Uuferstandene. Hingege isch er nöd mit em Jesus dur Galiläa und uf Jerusalem gwanderet. Zu dere Ziit isch er möglicherwiis gar nöd in Israel gsi. Eigentlich stammt dr Paulus us ere jüdische Chilegmaind usserhalb vom gelobte Land. Er isch uufgwachse in dr Nöchi von dr türkisch-syrische Grenze in dr Stadt Tarsus. Jud isch er also au. Aber er hett zu dene ghört, wo mer als extrem gsetzestreu bezeichne chönnti. Wil er sich de vile alttestamentliche Gsetz extrem zue’gwendet hett, isch sini Abkehr vo de ganze Gsetz ebefalls extrem uus’gfalle. Vielleicht chan mer säge, dass dr erst vo de beide, dr Petrus, als Jud e vernünftigi Iistellig zum Gsetz gha hett. Drum hett er au niä dr Verleider überchoo. Dr Paulus hingege hetts übertribe, und drum hett s em irgendwenn au chöne ab‘lösche. Nachdem er dr Glaube an Jesus als richtig erfahre hett, isch sini Distanzierig vo de alttestamentliche Gsetz total gsi. Mit dr gliiche Energie, wo er vorher di alttestamentliche Gsetz befolgt hett, isch es jetzt go d Freiheit vom Gsetz predige. Das hett vermuetlich zum Erfolg vom Christe’tum als jüdische Exportschlager biitrait. Gemäss em Paulus hett mer sich chöne zu Jesus bekehre, ohni dass mer vorher hett müse en Jud werde. Mer hett au nöd müse en Halbjud werde. Mer hett aifach chöne zu Jesus choo, und sini Botschaft vo dr Liebi vo Gott zu ois aaneh. Dr Text im 17. Kapitel vo dr Apostel’gschicht griift em Paulus sini Missionsmethode uuf. Vilicht chan mer dem „Aaknüpfig“ säge – dr Paulus knüpft bi mene religiöse Phänomen aa, wo er bi sine Zue’hörer vorfindet. En Altar mit der Inschrift „Für den unbekannten Gott“ bildet für ihn dr Iistieg, zum vom Gott vo dr Bible verkünde. Usserdem stellt dr Paulus en Bezug zu de einheimische Dichter her. Mer sind in Athen, es handlet sich um di griechische Dichter vo dr Antike. Und dr Prediger bezeichnet sini Zuehörerschaft nöd als Ungläubigi oder Gottlosi, sondern er anerkennt ihri Frömmigkeit. Das, won ich zletzt erwähnt han – aaknüpfe bi dr Frömmigkeit vo de Zuehörer – das goht natürlich nöd in jedem Fall. Es betrachtet sich jo gar nöd ali Lüüt als fromm. Diä speziell Zuehörerschaft vo däre Predigt in Apostelgschicht 17 hingege will fromm sii. Ort vo der Aasproch vom Paulus isch dr Areopag, wo di griechisch Kommission für Religion und Erzüchig ihri Versammlige hett. Dr Paulus stellt sich also nöd an irgend en Strosse’ecke und rüeft de Passante zue: „Lüüt, ihr sind doch ali irgendwiä fromm!“ – Er stellt sich an en Ort, wo frommi Lüüt sind, und sait ne: Ich anerkenne, dass ihr probiered, fromm z sii.
Liebi Gmaind dr Paulus hett keis Schema F, sondern er goht uf di aktuelle Umständ ii. Er richtet sich nach dr jewilige Zuhörerschaft und nach em Ort, won er sini Zuehörer vorfindet. Sinngemäss gsait: er holt si ab. Das isch e flexibli Art vo dr Verkündigung. Dr Paulus hett en pädagogische Aasatz – er lehrt nöd, damit g’lehrt isch. Er lehrt, damit d Schüeler öpis dervo händ. S Risiko, wo en ungebundene Glaube beinhaltet, isch d Haltlosigkeit. In sine Brief mues dr Paulus immer wieder betone, dass d Freiheit vom Gsetz nöd dr Verzicht uf d Moral bedütet. Freiheit vom Gsetz bedütet, dass mir grettet werded, bevor mir e Leistig erbringed. Nachdem mir d Rettig jedoch erfahred, dörfed mir üs sehr wohl e chli Müeh gee. Dr Unterschied isch eher s Hilfsverb: gemäss em Paulus DÖRFED mir üs Müeh geh. Gemäss em Petrus MÜND mir ois Müeh geh. Dass ds Christetum öpis mit aständig läbe z tue hett, isch weder vom Petrus noch vom Paulus je bestritte worde. Nur schwingt dr ainti mahnend dr Zaigefinger. Und dr ander probiert z motiviere, und setzt uf Überzüügigs’arbeit. Wenn sich s nöd um zwei verschiedeni Mensche ghandlet hetti, wo sich nöd möge hend, denn chönti mer doch säge: es ergänzt sich joh. Mer chan nöd NUR überzüüge, mängisch mues mer au energisch werde. Anderersiits chan mer au nöd NUR energisch si, suscht rauscht mer über d Chöpf vo de Lüüt wäg wiä nes Gwitter und bewirkt nüt. S Problem mit em Fleisch hett sich zahlemässig glöst. Irgendwenn hett s aifach emol so viel Christe geh vo heidnischer Herkunft, dass di jesusgläubige Jude in ihrer Mitti e Minderheit worde sind. D Mehrheit hett d Minderheit zwar akkzeptiert. Di sogenannte Heide’christe hend Geld gsammlet für d Jude’christe in Jerusalem. Aber d Mehrheit hett sich vo dr Minderheit nöd Vorschrifte mache loh. Und scho gar nöd hett sich di heide‘christlich Mehrheit Bluätwurst und Schwinskotlett verbüüte loh. –
Liebi Gmaind, es isch schwierig, sinere Herkunft z entchoo. Sinnvoller isch es vermuetlich, sinnvoll mit sinere Herkunft umzgoh. Dr Petrus hett es Christetum prediget, wo sich nöd wiit vo de jüdische Wurzle entfernt hett. Em Petrus isch wohl gsi mit sine jüdische Wurzle. Also was hett er gross welle öpis ändere. Dr Paulus hett es Christetum prediget, wo usegoht in d Welt. Dr Paulus hett dr Duft vo dr grosse, wiite Wält wele gspüre. Viellicht isch er aifach allergisch gsi gege Mief. Mir wüssed s nöd. Für ihn hett sich s müse ändere. So hett s ihm gwohlet. Uf baidi Arte hett sich dr Glaube an Jesus verbreitet. Beidi Denkmuster hend sich im Verlauf vo dr Ziit in Form zu Chilene verfestigt. Dr Glaube sälber isch dodrvo unberüehrt. Dr Stil isch verschide, d Substanz bliibt sich gliich. Denn dr Stil isch oise Stil. D Substanz hingege bechömed mir über. AMEN.
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