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2009-08-02 10:00 Gottesdienst
Calvin: "bescheiden" Liäbi Gmaind Ich froi mich, dass mir hüt in dr Chile versammlet sind. "Bescheiden" heisst s Stichwort vo dr hütige Calvin-Predigt. Dr Johannes Calvin hett vo de Mit'christe verlangt, dass si bescheide sind. Aber nöd nur vo de andere Protestante hett er das verlangt, nöd nur vo sine G'schwüster im Glaube. Vo ALLNE hett er Bescheideheit erwartet, insbesondere vo de Wisse'schaflter - früäner hett mer statt "Wisse'schaftler" gsait "die Gelehrten". "Die Gelehrten" sölled also bsundrigs bescheide sii. Und d Könige, dr Kaiser, dr Papst und d Kardinäl und Bischöf, ali mit eme garantierte g'sellschaftliche Status: si sölled bescheide sii. Vor ere Wuche hend Si links vo mir es Wandbild gseh vo Genf im 16. Jahrhundert, zsäme mit de Abbildige vom Farel, vom Viret und vom Calvin: vo de drei Reformatore us dr erste Generation in Genf. Dr Viret und dr Farel spiled hüt nüme di gross Rolle, wo si während em Aa'fang vo dr Reformation in Genf gha hend. Umso bekannter isch "der Dritte im Bunde", wil er, dr Calvin, sini Gedanke über d Grenze vom Protestantismus und über d Grenze vo sinere aigete Läbens'ziit uus hett chöne ver'breite. Wo dr Calvin 1564 g'storbe isch, hett mer unter gelehrte Katholike und Protestante erst richtig aa'g'fange, sini Büächer z läse. Ein radikale Gedanke vom Calvin hett Folge gha für d Astronomie und für d Physik. Dr Calvin hett gsait, di menschlich Vernunft heigi 2 grossi Uf'gabe: d Vernunft söll Gott erkenne durs Studium vo dr Offebarig, also vo dr Bible. Und d Vernunft söll dr Mensch erkenne durs Studium vo dr Wält, vo dr Schöpfig. Das tönt doch gar nöd eso umwerfend? Das, wo hüt nöd revolutionär tönt, hett ain damals chöne uf dr Schiiter'huufe bringe. Zur Ziit vom Calvin hätt's für dr gläubigi Christ zwüsche Gott und zwüsche sich sälber no ganz vil der'zwüschet gee: ebe diä ganze Bischöf und Fürste, dr Papst, etlichi König, dr Kaiser. Und für dr forschendi Wisse'schaftler hätt's zwüschem Universum und sich sälber ebefalls ganz vil der'zwüschet gee: nach de Lehr'meinige vom Plato und em Aristoteles hend uf dr Erde anderi physikalischi Gsetz gulte als am Sterne'himmel. Mer hett dr Himmel zwar chöne beobachte. Aber nach dr geltende Meinig vom Aristoteles isch dr Sterne'himmel dr Erforschig dur dr Mensch es Stück wiit entzoge. Nach em Motto: "Üse Kopf isch für das z tumm!" Nai, hett dr Calvin gsait. Das, wo mir dra glaube chönd, das zeigt üs s Studium vo dr Bible. Und das, wo mir erfahre chönd, das zaigt üs s Studium vo dr Natur. Dr Johannes Kepler, en Protestant, hett eso d Bewegige vo de Himmels'körper chöne ent'rätsle. Dr Galileo Galilei, en Katholik, hett eso d Bewegig vom Planet Erde chöne ent'rätsle, au wenn er sini Erkenntnis hett müse wider'rüäfe. Beidi hend d Aa'sichte vom Calvin kennt. Beidi, Kepler und Galilei, sind dr Aa'sicht gsi, dass s Liächt vo ihrer Vernunft hell gnuäg isch, und dass kein Plato oder Aristoteles ihne dr Blick uf d Wirklichkeit ver'näble söll. Dur das, dass es am Himmels'zält kai Zone'grenze meh gee hett, hett s All hinder em Himmels'zält plötzlich zum Erkenntnis'bereich mit derzuä g'hört und isch unendlich gross worde und hett dr Mensch unglaublich chli g'macht. Sogar dr Papst und dr Kaiser sind im Vergliich zur Grössi vom All - vom Universum, wo jetzt is Blick'fäld cho isch - ganz verschwindend chli. Bescheide'heit isch s Thema. D Er'forschig vo dr Wält macht üs chli und somit macht si üs bescheide.
Predigt, 1. Teil Liäbi Gmaind D Prädestinations'lehre isch d Lehr vo dr göttliche Vor'sehig und vo dr Bestimmig vom Mensch. Dr Calvin hett si in ere Ziit entwicklet, wo di französisch'sprachige Protestante unter ganz enorme Ver'folgige g'litte hend. Was ich do vorher gsunge han, "Es ist ein guter Weg, den Gott mit mir geht", das isch für d Hugenotte kei selbst'verständlichi Us'sag gsi. Vili Reformierti sind in Frankriich ums Läbe cho, anderi hend chöne flüchte und hend sich nadisno über Europa verteilt, Durchgangs'statione sind derbi Genf in dr Schwiiz und Strassburg im Elsass gsi. Dr Jean Calvin hett mit dr Prädestinations'lehr zwei ganz unter'schiedlichi Absichte verfolgt. Zum eine hett er welle di bedrängte Protestante mit ständigem Wohnsitz in Genf und Strassburg festige, ihne en seelische Halt gee, ihne Muät mache. Zum andere hett dr Calvin in däre Lehr e Ver'bindig chöne mache zwüschet sim Lieblings'stecke'pferd im Studium ainsersiits und de Erkenntnis als Pfarrer im tägliche Läbe anderer'siits. Ich han das am letzte Sunntig im Detail gsait, drum fass ich s jetzt nur churz zsäme: als Student hett sich dr no jungi Calvin mit em Buäch "De misericordia" vom Römer Seneca befasst. Dr Philosoph und Politiker Seneca hett im Buäch "Von der Barmherzigkeit" - "misericordia" heisst "Barmherzigkeit" - über d Vorsehig g'schribe. Es git für jede Mensch e Vorsehig, es maximal erreichbars Schicksal. Damit mer das Schicksal erreicht, muäs mer sin ganze Verstand, di komplett Kraft vom Denken, gezielt iisetze, und sini Erkenntnis denn erst no in d Tat um'setze. D Vorsehig vom Römer Seneca isch also nöd öpis, wo vo sälber passiärt, während'dem mir s üs uf em Sofa vor em Fernseher bequem mached. Sondern, wenn mir di ganz Chraft vom Dänke ii'gsetzt hend zum Entscheidige treffe. Und wenn mir nach'her alli oiseri Fähigkeite ii'setzed, zum d Erkenntnis in d Tat um'setze - erst denn chummt d Vor'sehig an ihres Ziil. Wiso säg ich, dr Calvin heigi mit sonere alte römische Idee di verfolgte Hugenotte wele tröste? Wiä chamer mit somene aa'strengende Konzept ver'tribeni Christe im Glaube stärke und ihne eso noiä Muät gee?
Liäbi Gmaind D Situation vo de Glaubens'flüchtling us Frank'riich isch eigentlich genau diä gsi vom Mensch, wo dr Römer Seneca in sim Buäch beschriibt. D Flüchtling hend ihres ganze Denken ii'gsetzt, zum sich entscheide: will ich in Frankriich oder Belgien bliibe und min noi'g'wunnene Glaube ver'rate? Oder will ich alles zruck'lah, won ich han, damit ich s Evangelium b'halte chan? Das isch Phase 1 gsi: di komplett Kraft vom Denken iisetze. Denn chummt Phase 2: zsäme'packe, was mer träge chan, und gah. Us'wandere. S Land ver'lah und in e ungwüssi, bedrohti Zuäkunft us'wandere. Handeln. Die Entscheidung in die Tat umsetzen. Wer in Genf d Prädestinations'lehr vom Calvin g'hört hett, däm isch somit gsait worde: Gott hett en Plan für dich. Du musch dich aber ab'strample, damit du däm Plan gerecht wirsch. Und jetzt chumt dr schwirigi Teil, wo s mit dr Logik denn e chli kompliziärt wird. Wenn jetzt en Gottesdienst'bsuächer dr Calvin fröget: wiä isch das mit de andere? Däne, wo nöd alles gänd zum di richtige Entscheidige treffe und in d Tat umsetze? Und da chumt jetzt di dopplet Prädestination. Dr Calvin sait: diä, wo das nöd mached, diä hett Gott vor Anbeginn vo dr Wält derzuä bestimmt, für immer verdammt z sii. Was isch das jetzt für e Alternative? Entweder mer muäs sich ali Muäh gee, damit mer vilicht zu de G'rettete g'hört - oder mer isch verdammt, ohni Us'wäg, wil d Ver'dammig scho bi dr Er'schaffig vo dr Welt für ain fest'g'lait worde isch? Im Moment - im 16. Jahrhundert - isch das für di Gläubige nöd esones Problem gsi. Dass d Feigling, wo in Frank'riich bliibed, wil si ihre Glaube ver'lügned, dass diä verlore sind, das hett jedem ii'g'lüchtet, wo für sin Glaube alles zruck'g'lah hett. Dass di Reformiärte verfolgt worde sind, isch mit dr dopplete Prädestination nöd grad erträglich, aber dr eigene Handligs'macht ent'zoge. Mer hetts nöd im Griff, dass di ainte glaubed und di andere nöd. Mer muäs di Un'gläubige quasi Gott über'lah. Für di verfolgte Christe vom 16. Jahrhundert isch d Prädestinations'lehr en Ent'lastig gsi. Si hend chöne dänke: bi de ainte isch Hopfe und Malz ver'lore, konzentriäred mer üs g'schider uf üs sälber, statt üs Gedanke z mache über Lüüt, wo eh ver'lore sind. Wenn s aber scho Mensche git - vermuätlich vili Mensche - , wo ver'lore sind, zur Ver'dammig bestimmt, denn isch es am Beste, mer laht diä döt, wo si sind, und gaht aimet hii, wo mer sich sälber si chan, wo mer in Fride gläubig si chan. Unter'nämed mer doch e Pilger'fahrt in e noi'i Wält. (Einblendung Bild der Pilgerväter beim Abschiedsgebet vor der Abreise nach Amerika)
Predigt, 2. Teil Liäbi Gmaind di amerikanische Gründer'väter und Gründer'müäter sind vo England us uf Amerika g'seglet. Bevor si us ihrer englische Heimat an e Küste g'seglet sind, wo si Neu-England tauft hend, hend si s aber mit ere benach'barte Küste probiärt: mit dr Küste vo Holland am Ärmelkanal. Holland hett im 16. Jahrhundert dr Calvinismus ii'g'füährt. D Bewegig vo de Puritaner hett sich uf das abe im Umfeld vo dr holländische Universitäts-Stadt Leiden uf'g'halte. Döt isch dr Entschluss zur Riifi cho, sini Bestimmig nöd im Kampf mit Anders-Gläubige z finde, sondern indem mer di Anders-Gläubige andersgläubig sii laht - si sind sowieso verdammt - und sich en noiä Ort suächt, wo mer in Fride und Freiheit gläubig sii dörf. Där Ort, hend d Pilgerväter g'hofft, "the land of the free" - das Land, wo mer frei isch - das seigi Amerika, hüt d "United States". Amerika, di neu Wält. E Wält ohni alti Machthaber und ohni alti Ide'ä. In dr holländische Universitäts-Stadt Leiden hend d Puritaner studiärt, was dr Calvin über d Freiheit vom Mensch gsait hett: Freiheit isch e Gab, wo Gott jede Mensch dermit uus'stattet. Der Mensch nach Gottes Plan ist frei. Jede Mensch, wo sich erdreistet, anderne Mensche d Freiheit wäg'z'neh, handlet gege Gott. Es chan sii, dass us Gründ vom Schutz vo dr Gruppe und zur bessere Organisation Mensche e chli vo ihrer Frei'heit an es Konsistorium abgänd. Hüt würded mir däm säge "Stadtrat", "Gemeinderat" oder "Chile'pfläg". Aber das Konsistorium hätt diä Macht über s Volk nur in dr Funktion, wo si us'üäbt: zum Schutz büte und zum Recht spreche. Jede Mensch, wo sich an'masst, zu sim aigete Vorteil über sini Mitmensche z herrsche, muäs mit allne Mittel entfernt werde. Dr Calvin hett dr sogenannti "Tyrannenmord" prediget: en Macht'haber, König oder was au immer, wo sini Macht miss'brucht, söll ab'g'setzt werde, zum s göttliche G'schenk an jede Mensch, d Frei'heit, wieder herstelle. D Bescheideheit, e calvinistischi Tugend, zaigt sich da vo ihrer un'erbittliche Siite: nöd nur dr ainzelni Gläubigi söll bescheide sii. Jede in ere verantwortliche Position muäs bescheide sii. Jedi Macht, wo mer uus'üäbt, jedes Amt, wo mer hett, diänt anzig und elai dr Gmeinschaft. D Macht dörf nöd dur Überheblichkeit und Amts'missbruch uf dr private Vorteil vom Amtsträger g'richtet sii. Wer bim Calvin es öffentlichs Amt missbrucht, handlet gege Gott. Gerechtigkeit in dr Gsellschaft wird also sehr schnell e Glaubens'frag. Nach'wirkige vo däm sind hüt no in Amerika spürbar. Während mer in Italien als fröhliche Sünder Präsident sii chan, währenddem mer in Frankreich im staatliche Luxus schwelge und Präsident si chan, muäs dr amerikanisch Präsident bescheide sii. Er muäs - sogar als Präsident - uf dr Ebeni vo de Bürger stah, wil er nur us däm Grund Chef isch, dass irgendeine halt Chef si muäs. Dass dr Obama vergangeni Wuche mit eme wiisse Polizist und eme schwarze Professor und em Vize-Präsident im Wiisse Huus es Biär trunke hett zum en Striit bii'legge, zaigt: em Calvin sis Konzept, wiä mer es Land regiäre söll, wirkt knapp 400 Jahr nach dr Landig vo de Pilgerväter immer no! Amerika isch es calvinistisch prägts Staats'wese. Uf em Bild vo dr Abreis vo de Pilgerväter gseht mer dr Abschieds-Gottesdienst, oder villicht müst mer passender säge: dr Uuf'bruchs'gottesdiänscht. Für en calvinistische Gottesdienst bruchts e Bible, e Gmeind und en Versammligs'ort. Dr Ort chan es Schiff si vor dr Abfahrt. Falls dr Ort es Gebäude isch, denn wird s Innere vom Gebäude traditionell nüchtern us'g'stattet. Und nach Möglichkeit sind di Anwesende imene Kreis oder Achteck platziärt, dä Wänd ent'lang. E Konzertbestuhlig wird wenn möglich vermiede. Nöd dr Pfarrer uf dr ainte Siite und d Gmaind uf dr andere Siite, sondern dr Pfarrer im Rahme vo dr Gmaind als es Gemeinde'glied mit ere spezielle Funktion. Was ebefalls zumene calvinistische Gottesdienst ghört isch d Un'gwüss'heit. D Pilgerväter uf em Schiff Mayflower wüssed nonig, ob sie überhaupt heil in Amerika aa'chömed. Ob sie in dr neue Welt denn überläbed, isch denn bereits di nächst Frag. Also vertraued si ganz aifach dr Vor'sehig. Si wended ihres ganz' Dänke uuf, zum di richtige Entscheid treffe, und all' ihri Chraft, zum dr Entscheid verwirkliche. Eso hoffed si, em Plan vo Gott für ihres Läbe z entspreche: "Es ist ein guter Weg, den Gott mit mir geht. Ich weiss, ihm kann ich mein ganzes Leben anvertrau'n. Weil Gott die Zukunft kennt, weil er mich wirklich liebt, geh' ich geborgen meinen Lebensweg nach Haus'." AMEN.
Liturgie 1Eingangsspiel 2Gruss 3Lied aus Genfer Psalm RG 27,1-3 "O Höchster, deine Gütigkeit" 4(stehend / im Wechsel) Glaubensbekenntnis RG 266 5Liedvortrag zur Prädestinationslehre "Es ist ein guter Weg, den Gott mit mir geht" (Blatt) 6Predigttext Psalm 11 aus Zürcher Tischbibel 7Calvin-Lied (Blatt) deutsch mit Gitarre 8Predigt, 1. Teil 9Calvin-Lied (Blatt) englisch 10Predigt, 2. Teil 11Zwischenspiel 12(stehend) Fürbitte 13Kirchentagslied (Blatt) 14Abkündigung 15Leidlied RG 695,1-3 "So nimm denn meine Hände" 16Kollekte: KR Menschenrechte 17Gastgeber Chilekafi. Veranstaltungen. 18(stehend) Lied zum 1. August RG 519,1-4 "Trittst im Morgenrot daher" 19(stehend / gemeinsam) Unser Vater 20(stehend) Segen 21(sitzend) Ausgangsspiel
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