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2009-07-26 10:00 Gottesdienst
Calvin: "modern"
Liäbi Gmaind Ich froie mich, Sie zum 3. Teil vo dr Calvin-Reihe z begrüässe. Hüt hämer es temporärs Chilebild, wo Genf zur Ziit vo dr Reformation zeigt. Si gsehnd drei Chöpf. Uf em ainte befindet sich e Bad'chappe, uf den andere beide Chöpf ebefalls. Nur hend diä zwai zuä'sätzlich no es Barett uuf. Nöd nur d Mode isch anderst gsi als hüt, au d G'föhrlichkeit vo Erkrankige. Mer hett sich drum vor Durch'zug und Ver'cheltig permanent g'schützt. Au d Angst vor Aasteckig isch gross gsi, wobi mer di moderne Erkenntnis vo Infektione und Bazille nonig gha hett. Rechts uf em Bild, usserhalb vo dr Stadt, gsehnd Si s Pest'chranke'huus und der'näbet dr Frid'hof. Nöd ali Lüüt, wo an dr Pest erkrankt sind, sind dra gstorbe. Einigi hend überläbt und sind us em Pest'spital wider zrugg in d Stadt. Üebrigens, en prominente Pest-Über'lebende inere andere Stadt als däre da uf em Bild isch dr Reformator Huldrych Zwingli gsi. Dr Zwingli isch allerdings nöd in sones Pest-Spital cho wiä uf em Bild, sondern er isch deheimet pflegt worde vo sinere verwitwete Nachberin Anna Reinhart. Won er wider gsund gsi isch, hend d Anna Reinhart und dr Huldrych Zwingli g'hürotet, und es paar Jahr spöter hend si en acht'chöpfigi Familiä gha. Zrugg zu de Manne mit de Bad'chappe: drei Reformatore hett Genf in dr Aa'fangs'phase gha, und där mit dr liisligste Stimm isch hüt dr ainzig, wo international bekannt isch. Das ligt an de vile Briäf und Büächer, wo dr Calvin gschribe hett. Zur Ziit vo dr Reformation isch s Trio Farel, Viret und Calvin als "trepied" bekannt gsi, uf dütsch als Dreibein - en Schemel mit drei Füäss, wo um'gheit, wenn au nur ain vo däne drei Füäss fehlt. S Reformations-Team vo Genf isch abhängig gsi vo de Abstimmige im Rat vo Genf. Für d Ii'füährig vo dr Reformation isch nur e chli meh als d Hälfti vo de Rats'herre gsi. Links obe gsehnd Sie 0, -1, +1, -2. So sind öpe d Abständ zwische de beide Laager im Genfer Rat gsi. Genau wi in Züri isch d Reformation in Genf also uf demokratischem Wäg ii'g'füährt worde, dur Abstimmige. Im Unterschied zu Züri hett s in Genf nur e un'sicheri Mehrheit für d Reformation gee. Und während im Team vo de Zürcher Reformatore dr Huldrych Zwingli ei'düütig d Haupt'rolle g'spilt hett, hett s Genfer Reformations-Team mit em Calvin lediglich en Vordenker gha, en Chef-Theoretiker, aber kein charismatische Aa'füährer, wo d Bevölkerig sich mit em identifiziärt hett. Erst di zweit Generation vo de Genfer Reformatore hett denn mit em Theodor von Beza e Leitfigur gha, wo vo dr überwiegende Mehrheit vo de Genfer anerkannt und gschätzt gsi isch. Jetzt singed mer es Chile'liäd us dr Genfer Reformation, uf dütsch übersetzt, Nr 66,1.6.7. An de letzte zwei Sünntige hend mir vom Liäd 66 d Strophe 1-3 respektive 1,4+5 gsunge. Hüt singed mir d Strophe 1,6+7.
Die Frau von Calvin Nach em erste Uf'enthalt vom Johannes Calvin in Genf hett d Mehrheit im Genfer Rat zu'ungunste vo dr Reformation g'wechslet, und dr Johannes Calvinus (Gelehrtensprache) - oder Jean Cauvin (französisch) - isch verjagt worde. Mit vilne andere Glaubens'flüchtling isch er in Strassburg im Elsass g'landet. Döt isch er zum Pfarrer für d Glaubens'flüchtling us Frank'riich gwählt worde, hett aber kein existenz'sichernde Lohn bechoo, und drum sini Privat-Bibliothek nach und nach ver'chauft. Er hett Aastrengige unternoh, e Frau z finde und e Familiä z gründe. Di erst Kandidatin isch e dütschi Adligi gsi. Dr Calvin isch bürgerlich gsi und hett Hemmige gha, en Adligi z hürote. Es grössers Problem isch gsi, dass di blaublüätig Dame kais Wort französisch gredet hett. Uf all Fäll hett dr Calvin sin Bruäder und en Fründ dermit be'uftrait, um en anderi möglichi Braut z werbe. Er isch bereits ver'lobt gsi, wo ihm Gerücht über sini Zuäkünftigi z' Ohre cho sind. Mir wüssed nöd, was für Gerücht das gsi sind. Aber mir wüssed, dass dr Calvin als Reakton d Verlobig uf'glöst hett. An däm Punkt sind di Angehörige vom dütsche Adels'froilein ernoit uf dr Calvin zuächoo und hend ihm e baldigi Hürot mit ihrer Verwandte ans Herz glait. Aber dr Calvin hett trötzlet und gsait, vilicht möchti er gar nüme hürote. Denn isch an dr Pest in Strassburg dr Maa vo dr flämische Hugenottin Idelette de Bure g'storbe. Dr Strassburger Reformator Martin Bucer hett dr Calvin uf d Witwe hii'g'wise. Im August 1540 hend d Idelette de Bure und dr Johannes Calvin ghürotet. D Idelette de Bure hett us erster Ehe en Sohn und e Tochter gha. Wo im Genfer Rat d Mehrheit erneut gwechslet hett - jetzt wieder zugunste vo dr Reformation - , isch dr Calvin als scho emol Vertribene vorsichtig gsi. Zerst isch er elai uf Genf g'reist. Denn hett er sini Frau mit em chline Meitli nachoo laa, und zum Schluss no s ältere vo de beide Gschwüster. Nach zwei Totgeburte isch dr gemeinsami Sohn Jacques uf d Welt cho und bald gstorbe. D Gegner vo dr Reformation hend das als Straf vo Gott für d Ketzerei vom Calvin betrachtet. Dr Calvin hett dem entgege'g'halte, für ihn seig d Hauptsach, dass er Chind im Glaube heigi. Tatsächlich hend vili vo sine Schüäler ihm nöd Magister oder Maitre, sondern Père - Vater - gsait. Vo dr dritte Schwangerschaft 1542 hett sich d Idelette de Bure nüme erholt. Bis zu ihrem Tod 1549 isch si kränklich gsi. Si isch im Briäfwechsel gstande mit de Ehe'fraue vo anderne Reformatore, hett Kranke'bsüäch g'macht, im Genfer Pfarr'huus bis zu 15 Gäscht betreut, isch näbeher Muäter vo zwei Chind gsi und immer wieder hett si ihre Ehemaa pflegt, wo hüüfig krank gsi isch. D Idelette de Bure nimmt unter de Ehefraue vo Reformatore und allgemein vo Briäf-Schriiber in däre Ziit e Sonder'stellig ii. Dr Johannes Calvin hett in vilne Briäf nöd nur in sim aigete Name, sondern au im Name vo sinere Frau Grüäss uus'g'richtet. Das isch im 16. Jahrhundert ehnder un'üäblich gsi. In sinere seelsorgerliche Arbet hett dr Calvin regelmässig müäse Ehe'stritigkeite schlichte. Dodrbi hett er kei Hemmige gha, sini aige Ehe in aim Punkt als Vorbild ane'z'stelle: bevor dr Calvin und d Idelette de Bure g'hürotet hend, heiged si über alli erdenkliche Frage vom Läbe und vom Glaube mitenand Einigkeit erzielt, damit s spöter kei Striit meh gäbi. S gliche Verhalte hett dr Calvin de Fraue und Manne empfohle, wo hend wele hürote: si sölled zerst mitenand diskutiere und nachher hürote, statt zerst z hürote und denn Striit überzcho. Wo d Idelette de Bure 1549 gstorbe isch, hett dr Calvin e schweri Depression bechoo. Er hett zwar wider aafange schaffe, aber sini körperlich G'sundheit hett sich verschlechteret, und er isch missmuätig und schwirig worde. Zu sine chronische Krank'heite hend Migräne, Niäre'kollike, Gicht, Hämorrhoide, Tuberkulose und Lunge'bluäte g'hört. Nachdem er einigi Ziit s Bett ohni fremdi Hilf nüme hett chöne verloh, isch er as Abschied-Neh gange. Während mehrere Wuche hett er Kollege, Mitarbeiter, Stadträt und Fründe an sim Sterbe'bett empfange. Dadrbi hett er sich für sis leide'schaftliche und ungeduldige Wese entschuldigt. Nachdem er so mit vilne Lüüt wider is Reine cho isch, wo langsam e chli sauer gsi sind uf ihn, hetti er eigentlich es schöns Dänkmal verdiänt gha. Aber dr Calvin hett in sim letzte Wille verfuägt, dass er ohni Grabstei uf em Friedhof vom Pest-Spital usserhalb vo de Genfer Stadt'muure bii'gsetzt wird.
Die doppelte Prädestination Liäbi Gmaind Alles isch vorherbestimmt - alles isch prädestiniärt. Das sait d Prädestinations'lehr vom Calvin. D Macht vom Schicksal hett dr Johannes Calvinus scho als Student hinter sine Büächer fasziniärt. Er hett en Kommentar zume Buäch vom römische Kaiserberater Seneca gschribe. Em Seneca sis Buäch "De clementia" handlet vom Mild-sii. Dr Kaiser vo Rom söll Milde walten lassen. Dr Seneca isch Berater gsi vom Kaiser Nero, und dr Nero hett d Ratschläg vom Seneca in Wind gschlage. Am Schluss hett dr Kaiser Nero dr Berater Seneca sogar zum Selbstmord zwunge. Im Buäch "De clementia" schribt dr Seneca vo dr "Heimarmenä" (ein griechisches Wort), vom Schicksal. S Schicksal bestimmt dr Mensch. Aber s Schicksal isch nöd en Automatismus, wo unbeirrbar funktioniärt, sondern e Maschine, wo mer mit logischem Dänke fuätere muäs, damit öpis Gschids use'chummt. Wenn öpert erkrankt, isch es nöd zwingend sis Schicksal, an dr Krank'heit z stärbe. Vilicht isch es s Schicksal vom Chranke, sini Bestimmig, dass er logisch nachdänkt, dr Doktor holt, und eso wieder gsund wird. Dr Logos, d Vernunft, spilt im Schicksals-Glaube vom römische Philosoph Seneca e grossi Rolle. D Vernunft unterscheidet dr Mensch vom Tiär. Es Tiär reagiärt uf üsseri Reiz. Das isch sis Schicksal. En Mensch chan d Notbrems züche, en Break mache (e Pause), und zerst emol in Ruäh nach'dänke. Und wenn mer sich anschlüssend vernünftig entscheidet, denn folgt mer sim Schicksal, nach em innere G'setz, nach em Logos. Dr Seneca isch kain Christ gsi. Trotzdem isch er wiä di beide Apostel Paulus und Petrus uf Befehl vom Kaiser Nero gstorbe. Und em Seneca sis Buäch isch scho bald beliäbt gsi bi Christe, wil dr Begriff "logisch dänke" und dr "Logos", d "Vernunft", au im Johannes'evangelium im noiä Testament vorchömed. Dr Logos isch im Johannesevangelium s Wort vo Gott, wo Fleisch wird. Und "logisch handle" bedütet döt, wiä Jesus z handle, im Sinn vo Jesus z handle. Dr Calvin hett also es römisches Buäch übers Schicksal verhürotet mit em Johannesevangelium, wil er in beide Büächer öpis Gliichligs entdeckt hett: mir sind nöd wiä Tiär, wo dur üssere Zwang, dur Instinkt in oiserem Schicksal bestimmt sind. Sondern mir chönd dur dr Logos oiserem wahre Schicksal gerecht werde, oiserer tatsächliche Bestimmig gehorche. Bim Seneca isch dr Logos "nur" d Vernunft. Bim Evangelist Johannes isch dr Logos Jesus Christus. Allerdings redet dr Seneca vom Logos bereits eso, wie wenn das für ihn e göttlichi Person, e göttlichi Er'schiinigs'form wär. Mer muäs also em Seneca nur no en ganz en chline Schupf gee, und scho befinded mir üs im tüüfste Christe'tum. Wo dr Calvin d Prädestinations'lehr g'schribe hett, hett er aigentlich nüt Nois erfunde, sondern nur zwei bestehendi Gedanke zsäme'bracht: en philosophische Gedanke und en theologische Gedanke. Dass alles prädestiniärt isch, vorherbestimmt, das bedütet also nöd, dass alles automatisch ablauft, egal wiä tumm oder gschid mir üs derbi aa'stelled. Sondern, wenn mir logisch dänked, und vernünftig handled, im Sinn vo Jesus Christus, denn erfüllt sich oises Schicksal, denn werded mir oiserer Bestimmig gerecht, und ganz am Schluss, wenn mir so g'läbt hend, wiä Gott das vo üs möcht, denn isch es nöd oise Verdiänscht, denn händ nöd mir öpis Tolls g'leistet, sondern denn sölled mir säge: es isch d clementia, die Milde Gottes, oder mer chan au säge: SINI Barmherzigkeit, wo üs dr Wäg gwise und as richtige Ort gfüährt hett. Dadrmit sind mir denn wieder bim Titel vom Seneca sim Buäch "De Clementia": "Die Milde", "Die Barmherzigkeit". Uf en Art münd mir üs Müäh gee, dr gesamti Hirn'schmalz ver'brate, damit mir di richtige Entscheidige treffed in oisem Läbe, damit mir oises Schicksal erfülled; aber, wenn üs das g'lunge isch, sölled mir nöd säge "Ich bin halt gschiid", sondern "Gott isch barmherzig mit mir gsi". Amen. Ich chume zu de Schluss'betrachtige. S Stichwort für dr hütig Teil vo dr Calvin-Reihe isch gsi "modern". Teamwork isch modern. - Das hend si in dr Iifüährig mit der Landkarte g'hört. E dialogischi Ehe isch modern. - Fürs 16. Jahrhundert isch e Ehe, wo beidi über alles Mögliche mitenand reded, wo beidi Briäfe schriibed, und wo er in sinere Korrespondenz Grüäss vo ihre uus'richtet, modern. Verantwortig für sis Läbe überneh isch modern. - Z säge: für mich gits es maximal-möglichs, optimal-erstrebenswerts Schicksal, und dur dr Logos, dur Jesus Christus chan ich das erreiche - das isch modern. Es isch nüme das altertümliche Dänke, dass dr Mensch en Spielball vom Schicksal isch, sondern es isch es nois Dänke, dass s Schicksal eine Aufforderung isch zum Tanz. "Schicksal" gemäss em Calvin heisst: Beweg dich, d Musig hett aa'g'fange!
Liturgie
1Eingangsspiel 2Gruss mit Hinweis auf Beamer-Projektion 3Lied aus Genfer Psalter RG 66,1.6.7 "Nun danket Gott, erhebt und preiset" 4(stehend / im Wechsel) RG 137 (= Psalm 121) 5Predigttext Epheser 2,8-10.19-22 aus der Zürcher Bibel auf dem Abendmahlstisch 6Lied (Blatt) Calvin-Lied deutsch (mit Gitarre) 7Predigt, Teil 1: Die Frau von Calvin 8Lied (Blatt) Calvin-Lied englisch 9Predigt, Teil 2: Die doppelte Prädestination 10Zwischenspiel 11(stehend) Fürbitte 12Lied (Blatt) "Von guten Mächten" (mit Gitarre) 13Abkündigungen 14Leidstrophen RG 554,3.6 15Kollekte: Kinderkrebshilfe 16Mitteilungen: Chilekafi. Veranstaltungen: Wandern 17Schlussstrophen RG 247,10.11 18(stehend / gemeinsam) Unser Vater 19(stehend) Segen 20(sitzend) Ausgangsspiel
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