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2009-05-21, 10:30 Gottesdienst auf dem Gubrist - Auffahrt
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

Auffahrt 21. Mai 2009 10:30 Uhr Gubrist

 

Predigt (Teil 1/2)

 

Liäbi Gmaind

was gseht mer, wenn mer en Mensch gseht? Sind s vor allem di einzelne Teil, Auge, e Nase, es Muul, Haar, Ohre?

Oder luäged mir in erster Liniä uf d Chlaider?

Achted mir uf d Körperhaltig, wiä öpert dethär'chummt und wi sich diä Person bewegt?

In jedem Fall isch es niä di rein Person, dr puri Mensch, wo mir gsehnd, wenn mir en Mensch gsehnd.

Es isch immer e Mischig zwische däm, wi diä Person uus'gseht, und däm, was für Gedanke mir bi däm Aa'blick hend.

Wenn drei Lüüt dr gliich Pöstler gsehnd,

denn gseht dr aint s G'sicht vom Pöstler,

dr ander sini Pöstler-Uniform,

und em dritte chummt genaugnoh gar nöd dr Pöstler sälber in Sinn, sondern das Töffli, wo hine und forne eso grossi Post-Chörb dra montiert sind.

Derbi isch s immer der gliich Pöstler, dr gliich Mensch, egal ob mer jetzt uf s Gsicht oder d Uniform oder s Töffli achtet.

Uf em Um'schlag'bild vom Liädbüächli hett's es Bild vo dr Uf'fahrt, wo kais vollständigs Gsicht hett.

2009-05-21_1030_Bild_Auffahrt 

D Mundpartie gseht mer, d Haar; aber Auge und e Nase fehled. Mer gseht au kei Falte vo de Hand-Innefläche, und obwohl diä Gstalt barfuäss abbildet isch, gseht mer kei Zehe'nägel.

Und trotzdem, obwohl so ainigi Detail fehled, gseht mer, um wen dass es sich handlet.

So wiä wenn mer öpert scho als Pöstler erkennt, ohni dass mer sis G'sicht gseht.

Und dr Hintergrund vom Bild?

Wulche, im untere Bild-Teil.

Und Strahle, wo im grössere obere Teil vom Bild sind. Derbi gönd nöd ali Strahle vo Jesus us, es hätt no en Art e Horizont'liniä uf dr Höchi vom Chopf.

Das wär denn scho di ganz Landschaft.

Perspektivisch isch das schwirig, d Horizont-Liniä über de Wulche z gseh. Es gaht, wenn d Position vom Zuäschauer gliich höch isch wiä das, wo mer gseht. Mer muäs sälber quasi in de Wulche schwäbe, damit mer das Bild eso gseh chan, wiä s zaichnet isch.

D Jünger sind nöd in de Wulche gschwäbt. Si sind uf em Bode blibe.

D Jünger hends uf em Berg vo dr Uuf'fahrt nöd lang us'ghalte. Chuum hend si Jesus nüme gseh, sind si z'ruck in d Stadt, wo öpe en Kilometer wiiter une am Berg gsi isch.

Döt sind s in Tempel und hend Gott prise.

Wer hüt uf Jerusalem reist, findet d Situation veränderet vor. D Stadt isch vil grösser als damals, und di maiste Högger rund um di alt Stadt sind hüt besiedlet.

Und uf däm Hügel, wo am ehndste d Uf'fahrt gsi isch, staht hüt zwische de noiä Hüüser e Chile, wo mer extra zum Gedenke an d Uf'fahrt baut hett.

Das isch einersiits würdig, e schöni Geste, dass mer zu de Ehre vo dr Himmelfahrt es ordentlichs Gebäude errichtet.

Uf en Art isch es aber en Widerspruch in sich sälber: 

Jesus hett mit sine Jünger damals ebe grad USE wele, FURT vo de Hüüser, is unbebaute Land, uf en Berg und nöd bloss in es anders Quartier, in en andere Stadtteil.

Dur das, dass mer an däre Stell e Chile errichtet hett, hett mer dem Platz das gnoh, was dr Grund gsi isch, dass er mit sine Jünger döthi gange isch.

Aber ebe, wenn einzig di guät Absicht zellt, chamer säge: es isch nett g'maint. Drum isch es ok, dass jetzt döt e Chile staht. - Jetzt hemer s Liäd "A miner Stell".

 

Predigt (Teil 2/2)

Liäbi Gmaind

dr Künstler, wo das graphische Bild vo dr Uferstehig gmacht hett, kenn ich nöd. Ich hans von ere englisch-sprachige Web'sait, wo zu jedem kirchliche Fest di passende Bibelstelle derzuä stönd. Als Illustration bi dr ascension-page, also dr Uf'fahrts-Siite, isch das Bild.

Jetzt möcht ich es paar Gedanke säge vome Künstler, wo das Bild da sicher nöd gmalt hett, wil das e neueri Zaichnig isch.

Där Künstler, won ich jetzt denn Gedanke vo ihm säge, hett aber vo 1846-1924 gläbt.

Dr Wilhelm Steinhausen hett es chlises Vermöge dermit verdiänt, grossformatigi Szene us em Sommernachtstraum vom Shakespeare in Gründerziitville uf d Wänd z male.

Am Schluss hett sich dr Steinhausen sälber e Villa und es Schloss chöne leiste.

Sini gross Leide'schaft sind aber Darstellige vo biblische G'schichte gsi.

Wenn dr Steinhausen Fabelwese us Sage und Gedicht gmalt hett, denn hend dr Körperbau und d Farbe und d Bildkomposition müse stimme - dr Inhalt vo de Bilder, ihri Bedütig, das hett dr Künstler relativ chalt lah.

Anders isch es gsi, wenn er in Zeichnige und uf Gemälde Jesus dargstellt hett: "Ihn den Gegenwärtigen, den, der war, der sich in der Zeit offenbarte, den, der kommen wird, Ihn weiss nur der Glaube zu erfassen. Wie können wir den, der ausserzeitlich ist, ins Zeitliche zwängen? Und wenn ihn die Kunst, die Malerei, mit dem Schleier der vollkommensten Schönheit umhüllte, sie würde ihn nur erniedrigen. Warum aber sehen wir doch so viele Christusbilder? Eine zweifelhafte Ehre tut ihr mir an, wenn ihr mir zutraut, ich hätte es wagen können zu zeigen, wie Er aussah. Nur einen Schatten von einem Schatten malte ich. Vor dem Vorhang stehe ich, und auf dem Vorhang mögen Zeichen sein, die darauf hindeuten, was wir sehen werden, wenn der Vorhang aufgeht. Eine Stimme sollen wir hören, einer Stimme gehorchen; daran erinnern, das allein kann die Kunst, in solchem Dienste kann sie stehen."

Für dr Steinhausen isch also ai Schwirigkeit bi dr Darstellig vo Jesus, dass er sälber als Person em Dargstellte zuägehörig isch - und somit als Künstler nöd über em Dargstellte staht.

Wo dr Wilhelm Steinhausen ungfähr 60 Jahr alt gsi isch, hett er denn e Lösig gfunde fürs das, wo in ihm bim Male vo Jesus-Darstellige vorgange isch: er hett sini Kunst als "das Kinderspiel am Weg" bezeichnet.

"Das Kinderspiel am Weg":

Mir stelled üs en Familiä-Usflug vor, d Eltere wandered gmuätlich uf em Wäg, d Chind renned voruus oder gsehnd öpis am Wäg'rand.

Oepert sait "Ich bin es Flugzüüg" und breitet d Händ us.

Oder öpert sait "Ich bin en Bagger" und tschuttet mit de Fuäss Laub uf d Siite.

Als "Kinderspiel am Weg" bezeichnet dr Gross'vater Wilhelm Steinhausen sini Kunst, s Male vo Jesus.

Es isch offe'sichtlich, dass mir d Wirklichkeit, di voll ganz umfassend komplett Wirklichkeit, nöd abbilde chönd.

Das goht au hüt nöd mit dr beste Digitalkamera.

Denn em Foti gseht mer nöd gross aa, ob dr Fotograph au nur aasatzwiis begriift, was er da fotographiärt.

Bime Gemälde isch nur das uf em Bild, wo öpert aktiv g'malt hett. Aber au das isch kain Bewiis, dass dr Maler verstande hett, was er g'malt hett.

Indem mer in Gedanke en Schritt zruck'tritt und sait: mini Bilder sind "ein Kinderspiel am Weg", nimmt mer Beschaide'heit aa und sich sälber nöd eso wichtig.

Niämert würd uf d Idee cho, s Spile z verbüüte, bloss wil mir bim Bagger-Spile kain richtige Bagger sind.

Niämert würdi s Spile abschaffe, bloss wil mir nöd richtig ab'hebe chönd, wenn mir Flug'züüg spiled.

Im Spiel isch d Vollkomme'heit nöd s Entscheidendi.

Und eigentlich macht genau das s Spiil - fast - vollkomme. Amen.

 

"Geh aus, mein Herz, und suche Freud". Drei Strophe.