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2009-04-10 Gottesdienst Karfreitag Karfreitag 2009
Liäbi Gmeind dr Karfritig isch willkomme. Das hett mer gescht im Tages-Anzeiger chöne läse: niäned im Jahresablauf büüte sich d Möglichkeit zu vollkommener Entspannig und zu erholsamer Langeweile wiä am Karfriitig. Nach dr Beschribig vom Tagi büüted dr Karfriitig d Möglichkeit, endlich emol ab'z'schalte. Us christlicher Sicht hett dr Fritig vor Ostere no e tüüferi Bedütig. Ich stell aber immerhin fest, dass niämert meh dr Karfritig als freie Tag abschaffe möcht. So Ueberleggige, kirchlichi Fiirtig abzschaffe und dur individuelli Feriätäg z ersetze, sind nüme aktuell. Vor däm Hintergrund isch es sogar positiv, dass di zweitgröscht Tages'ziitig in der Schwiz im Karfritig d Chance gseht, ultimativ abzschalte. Es bedütet, dass d Existenz vom Karfritig nüme bestritte wird. Mer möcht en liäber bhalte und mit ere weltlichi Bedütig verseh als uf en ver'zichte. Karfritig und Ostere hend scho immer im europäische Ruum e Doppelbedütig gha. Einersiits di biblisch Bedütig, anderersiits dr symbolisch Wiederbeginn vom Läbe nach dr chalte, dunkle Ziit. Us Zürcher Sicht bedütet das, dass e langi Blechkarawane in Tessin ziäht, und dass mer im Zug sogar als 1.Klass-Passagier in Richtig Süde in volle Abteil sitzt. Si, liäbi Gmeind, sind do blibe. Wengistens no für hüt. Anschlüssend an Ostere chömed zwei Wuche Fruählingsferie, das nimmt e chli dr Druck dervo, bereits am Osterwuchenend z verreise. Ich möcht viär Gedanke zu Karfritig im biblische Sinn erwäge. "Erwägen" tönt e chli altmodisch. Es anders alts Wort heisst "ermessen". Moderner wär vilicht "nachvollziehen". "Nachvollziehen" isch aber nöd s Gliiche wiä "erwägen" und "ermessen". S Leide vo Jesus "nachvollziehen", das mached die Philippinos, wo sich sälber real as Chrüz nagle, oder in dr milde Variante, mit Strick amene Chrüz befestige lönd. S Leide vo Jesus erwäge oder ermesse, zu däm ghört en Vergliich. Ich vergliiche min Erläbnishorizont, also was ich erläbt han i mim aigete Läbe, mit däm, was Jesus erläbt hätt. Und denn chan ich vo mine eigene Erfahrige Rückschlüss züche uf diä Erfahrige vo Jesus. Wenn mer ermisst oder erwägt, chamer nöd s ganze Us'mass vom Leide verstah. Hingege bechumt mer en Ahnig. Mer cha sich s ungefähr vorstelle. S Leide vo Jesus, das dr ersti Gedanke, isch es Leide, wo er us Liäbi uf sich gnoh hett. Vor es paar Täg han ich z Abig uf em Musigsender MTV e Verletzigs-Sendig gseh. In jedere Sendig werded foif Sportunfäll zeigt, wo vo Kollege vom jewilige Unfallopfer per Zuäfall ufgno worde sind. Mer gseht Velofahrer oder Rollbrettfahrer, wo ihre Kollege en Trick zaige wänd, zum Bispil e Stäge durab fahre oder über es Gländer gleite. Und wenn s Gländer unter dr Belastig zämebricht, isch s Resultat unter Umständ en offene Chnoche'bruch. Dr Film, wo nach Plan e tolli Leistig vom Sportler hätti sölle zaige, zaigt denn stattdesse, wiän er derbi verunfallt, und mit schmerzverzerrtem Gsicht am Bode ligt. Oeffentlich zelebrierti Schmerze und Wunde gits also au usserhalb vo dr christliche Religion. Dr gross Unterschied zwüsche de verletzte BMX-Velofahrer und em gschundene Jesus isch d Motivation vo dr leidende Person. D Rollbrettfahrer wänd ihri Grenze erfahre, buächstäblich "erfahre", uf Rädli. Wenn en Chnoche zu Bruch gaht, hett mer das nöd unbedingt gwünscht, aber in Chauf gnoh hett mer s scho, so quasi als nötigs Risiko bim Spass haa. Im Gegesatz dadrzuä isch s Leide vo Jesus nöd uf ihn sälber bezoge. Zwar liidet Jesus sälber. Aber er liidet nöd wäg sich sälber. Sin Tod isch d Folg dervo, dass er us Liäbi zu ois in diä Wält cho isch. Mer cha sich no lang drüber Gedanke mache, ob s es körperlichs und seelisches Leide vo Jesus brucht hätti, zum d Mensche z erlöse. Tatsach isch: es isch so use'cho. Zunere andere Ziit amene andere Ort wäred diä Mensche döte unter Umstände au nöd besser mit Jesus um'gange. D Motivation vo Jesus isch es nöd gsi, z leide, sondern, üs z erlöse. Sini Liäbi hett sich scho zaigt, won er uf d Wält cho isch. Für das fiired mir im Dezember Wiähnachte. Sini Liäbi hett sich aber au zaigt, won er sis Läbe verlore hett. Zum an das Dänke hend mir dr hütig Tag. Dr ersti Gedanke: s Leide vo Jesus isch nöd d Folg vome egoistische Risiko'verhalte, sondern e Folg vo dr Liäbi zu ois. Dr zwait Gedanke: es isch es unschuldigs Leide. Vili vo oise Leidens'erfahrige hend en direkte Zäme'hang mit em Verhalte. Das isch dr "Tun - Ergehen" - Zäme'hang. Wie man sich bettet, so liegt man. Wenn mer jahre'lang in dr Uebergangsziit barfuäss lauft und später Rheuma überchummt, wenn mer Kette raucht und irgendwenn aafangt huäste, denn hätt mer öpis getan und entsprechend ergahts aim. Fiiserwiis gits 80jährigi, wo rauched und nöd huästed. Aber es git au wiissi Elefante. Nur bilded di wiisse Elefante innerhalb vo dr graue Elefante e verschwindeni Minderheit. Item, mir ali hend vermuätli scho emol glitte, wil mir sälber vorher öpis verkehrt gmacht hend, und wenn s nur e Verstopfig nach mehrere Festtagsmenus in Serie gsi isch. Was mir an Karfriitig bedenked, isch es unverschuldets Leide. Für dr dritt Gedanke zitiäre ich us dr Apostelgschicht, Kapitel 2, Vers 23: "..., ihn, der nach Gottes unumstösslichem Ratschluss und nach seiner Voraussicht preisgegeben werden sollte, habt ihr durch die Hand gesetzloser Menschen ans Kreuz geschlagen und getötet." Das prediget dr Apostel Petrus am Pfingstfest in Jerusalem. Jesus hett gwüsst, was uf ihn zuä'chummt. Er isch sehenden Auges uf Jerusalem ufe gwanderet. Im wortwörtliche Sinn isch er "vor-sichtig" gsi, voraussichtig. Es hett ihn allerdings nöd dervo bewahrt, dass das ii'tritt, won er erwartet. Eigentlich sind mir vor-sichtig, oder voraussichtig, zum e drohendi Gfahr abwende. Mer sind vor-sichtig, ebe grad damit nüt passiärt, nüt Schlimms. Jesus isch am Palmsunntig iizoge, obwohl er en Ahnig gha hett, zu was sini Aaweseheit am Passa'fest in Jerusalem fuährt. Das isch es konsequents Verhalte, aber nöd unbedingt es chalt-blüätigs Verhalte. Denn bim Aablick vo dr Stadt Jerusalem hett Jesus es ersts Mal Träne vergosse, und bim nächtliche Gebät im Garte Gethsemane es zweits Mal. Gedanke über es un'us'wichlichs Schicksal chan mer sich dadrzuä mache. Gedanke über es Schicksal, wo nöd un'ab'änderlich wär. Bloss: zum das Ziel erreiche, wo mer sich vorgnoh hett, gits kain andere Wäg. Bestimmig? Vorbestimmig? Dr Reformator Calvin hätt sich zu däne Frage dr Chopf zerbroche. Di ganz "Prädestinationslehr" vo dr Genfer Reformation kreist um d Frag vo dr Wahlfreiheit, vo dr Vorherbestimmig, vo dr Vorsehig. Es sind allerdings Ueberlegige im Nachhinein. Zerst isch d Passion vo Jesus gsi. Im Nachhinein, bim Calvin 1500 Jahr später, hett mer sich Gedanke über d Bedütig vo dr Passion für oises Schicksal gmacht. In de Summerferie werded dr Kolleg und ich einigi Predigte zum Calvin-Jubiläum halte und unter anderem die Perspektive vertüfe. Ich chume zum Schluss, zum viärte Gedanke über s Leide vo Jesus. Es isch es echts Leide gsi, won er empfunde hett. En alte Begriff derfür isch "wahrhaftig". Christus hett wahrhaftig g'litte. D Schmerze hett er g'fühlt. Bi dr theoretische Beschäftigung mit Karfritig und Erlösig chan di körperlich Siite ver'drängt werde. Das isch g'föhrlich. Bi aller Theorie und Theologie dörf dr Aalass zum Nachdenke nöd in Hintergrund trete. Dr Aa'lass vo Karfritig isch en real plogete Mensch, wo real stirbt. Klar chamer sich öpis überlege zum Leid in der Welt, zum Leid allgemein. Vor em Verallgemeinere gönd üsi Blick und üses Mitleid und üsi Dankbarkeit zum krüzigte Jesus Christus. AMEN.
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