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2008-12-28, 10:00 Gottesdienst
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Predigttext

 

(Nach den Losungen)

Ich bin ein Gast auf Erden.

Psalm 119,19

 

Jesus sprach: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

Matthäus 8,20

 

(Neue Zürcher Bibel)

Ein Fremder bin ich auf Erden,

verbirg deine Gebote nicht vor mir.

 

Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels haben Nester, der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.

 

Wanderlieder singen...

 

Predigt

Liäbi Gmaind

Wiä aifach wärs, wenn mer kais Dihai hätti - mer müssti um sis Dihai nöd kämpfe. Vili Chriäg sind gfüährt worde um Land. En Ort zum Bliibe, zum sich Aasidle - das hend di ainte wele, di andere hend s ebefalls wele, und scho isch dr Striit da gsi.

Nur selte isch es eso wiä in Nordafrika im römische Riich, wo s no mensche'lääri Land'strich gee hett. Di römisch Regiärig hett in settige Fäll Veterane iigsetzt: Tail vo däm, wo hüt Libye und Tunesiä sind, hätt s römische Riich mit pensioniärte römische Soldate besiedlet. Damit überhaupt öpert döt gwohnt hett, döt am südliche Rand vom Mittelmeer.

Das Bispil, won ich Ihne jetzt gee han, stellt en Uusnahm dar. Meistens gits nöd en mensche'leere Landstrich, wo mer irgendwiä besiedle muäs. In der Regel häts überall scho Lüüt, und nöd immer verträged sich diä. Da isch denn nüme s Problem, wiä mer d Leeri us'füllt, sondern wiä das diä Lüüt, wo amene Ort sind, mitenand uus'chömed.

Wiä aifach wärs, wenn mer kais Dihai hätti - das isch min Usgangs'punkt gsi. Wil diä Lüüt, wo es Dihai hend - es richtigs Diahi - , diä wänd s bhalte, und denn verteidiged si s mit allem, wo ne zur Verfüägig staht.

Bim zwaite Nachdänke isch es allerdings kai Lösig, es git nöd meh Fride, wenn mer kais Dihai hätt. Denn was isch d Alternative zum feste Wohnsitz? D Alternative zume feste Wohnsitz isch, dass mer unterwägs isch, uf Wanderschaft. Und wenn mer unterwägs isch, denn isch mer in jedem Moment irgendwo, und au denn begegnet mer Lüüt, wo grad am gliichige Ort sind wiä mer sälber. Sogar denn gits Konflikt.

Wer sich nur e chli mit Afrika südlich vo dr Sahara befasst hett, weiss, was ich meine. Döt gits e chli wiiter südlich vo dr grosse Wuästi Sahara Ackerbuure. D Buure sind an ihri Scholle bunde, si sind sesshaft. Und im Zwische'bereich zwische de Sand'düne vo dr Sahara und em Ackerland vo de Buure sind d Viehzüchter. Si sind meistens Nomade. Döt, wo sich Nomade und Viehzüchter begegned, gits Kämpf. In de Nachrichte dominiäred technologischi Kämpf, Palästinenser mit Rakete und Israeli mit Hubschrauber. Das git Fernsehbilder vo Rauchsüüle und zerstörte Polizeistatione. Dr täglich Kampf zwische Sesshafte und Wandernde in Afrika, zwische Buure und Viehzüchter, wird ohni Hubschrauber und grossi Explosione gfüährt. Trotzdem forderet er jede Tag Opfer, s ganz Jahr duur. Es isch kein fernsehtaugliche Chriäg, er isch nur elend und brutal.

Es Dihai haa oder uf dr Wanderschaft sii - kais vo baidem isch di ideal Lebensform, zum Konflikt vermiide. Wo sich Mensche über dr Wäg laufed, münd si mitenand uus'cho, egal, was für e Da'siins'form si hend.

Mir hend üs - oder: di meiste vo üs hend sich für es 5er-und-s-Weggli - Modell entschide. Wenn mir üs beobachted, sind mir doch in der Regel ganz in dr Nöchi. Am Wohnort, in dr Stadt, vilicht pendled mer - aber eigentlich isch en Pendler ebefalls en stationäre Mensch, wo imene Bereich schafft und imene Bereich wohnt. Mir sind also uf dr erst Blick kai Nomade.

Und uf dr zwait Blick? Es paar Mal im Jahr verreised mer: uf Mallorca, uf Aegypte, Städtereis uf London und Berlin. D Maledive, wo vor 10 Jahr en Insidertip für die Gutbetuchten gsi sind, chamer hüt bim Denner buäche. Jetzt chummt di gross Addition: ali Kilometer zsämezellt, wo mer in aim Jahr zu sine Ferie'ziel und wider hai zruck'lait - das isch meh, als en Nomad in Afrika pro Jahr wanderet. Und derbi sind mir doch di Sesshafte - und d Nomade sind doch diä, wo wandered? Aigentlich sind garn nöd d Nomade diä, wo unterwägs sind. Mir, di sesshafte Schwizer, sind kilometermässig vil vil meh unterwägs als d Viehzüchter im Afrika südlich dr Sahara, wo mit ihrne Herde vo Wasser'stell zu Wasser'stell ziehed.

 

Ein Fremder bin ich auf Erden,

verbirg deine Gebote nicht von mir.

Psalm 119,19

 

Vermuätlich sind mir das. De ainte isch es vilicht meh bewusst, dass si Fremdi sind, wil si immer wider uf Ortsansässigi treffed. Und denn merkt mers immer wider: mir sind nöd vo da. Sobald di freie Wiese ab'graset sind, münd mir wider wiiter.

De andere, de Sesshafte, ois, isch es ehnder nöd so bewusst, dass mir Gescht sind uf Erde. Wieso söll mer an so mängi unterschidlichi Ort reise? Was suächt mer dötte? Isch es würkli nur Entspannig, Abwechslig, damit mer nach'her wider erholt schaffe chan? Oder isch es e Suächi? Suächt mer em End gar nöd s Schangi-La, s Traum'ziil, sondern wott mer aifach in Bewegig bliibe, unterwegs? Solang mer unterwägs isch, läbt mer no!

 

Liäbi Gmaind

dass mer en Gascht isch uf dr Erde, en Fremdling uf dr Durchreis, das hätt nüt z tuä mit sesshaft si oder mit en Wandervogel si. Es hett öpis dermit z tuä, wiä mer sich sälber ii'ordnet in däre grosse, schöne, verwirrende, farbige Welt.

Jesus isch dr Sohn vom Schöpfer vo dr Wält. Trotzdem sait er: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

D Lösig vo dem Problem isch nöd, dass mer sich es möglichst schöns gmüätlichs Huus baut, obwohl das en nette Ziit'vertriib und e friede'volli Beschäftigung si chan. Jesus hätti sones Huus nüt gnützt, wil er denn aifach en Erdebewohner uf dr Durchreise gsi wär, wo zuäfälligerwiis no es Gebäude besitzt. An oiserer Wanderschaft dur diä Welt und in en anderi würdi das nüt ändere, es würdi oisi Heimatlosigkeit höchstens tarne oder verschleiere.

Dr Vater vom Sohn vo Gott isch im Himmel. Drum isch Jesus en Bürger vo döt. Mir als sini Brüädere und Schwöstere sind ebefalls heimatberechtiget in dr Ewigkeit. Bis mir döt aa'chömed, sind mir uf dr Durch'reis. Egal, ob mir s ganze Läbe im gliiche Huus wohned, oder jedi Nacht amene andere Ort schlafed, mir sind z Bsuäch dah: unterwegs.

AMEN.