|
|
|
|
|
|
|
|
|
2008-11-02, 10:00 Gottesdienst Zwingli - frühe Jahre
Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
Liäbi Gmaind Ich froi mich, Si z gseh. Hüt dörfed mir dr Reformations'suntig fiire. Aa'grenzend an dr Ruum, wo mir üs drin befinded, isch d Zwingli'stube. Sit einiger Ziit heisst si nöd nur so, es hängkt sogar es Bild mit em Huldrych Zwingli druf an ere Wand. D Reformation isch e Bewegig gsi, si hett also mehreri Verantwortlichi. Us oiserer Sicht isch geographisch dr Reformator vo Züri dr naheliegendsti Reformator. Dass sich dr Zwingli sälber reformiert hett, sich veränderet hett in sim Läbe, zaigt sin Name. Sin Vater hett ihn Ulrich taufe lah, benannt nach eme dütsche Heilige us em 10. Jahrhundert. Im Verlauf vo dr Reformation sind di katholische Heilige verdächtig worde. Dr erwachseni Zwingli hett nüme wele heisse wi aine vo däne. Also hett er sich vo Ulrich in Huldrych Zwingli umbenannt. Das hett zwar altertümlicher tönt als Ulrich, isch aber Zeiche vo sinere moderne Ii'stellig gsi. Hüt hend mir in dr reformiärte Chile weniger Schwirigkeite mit Heilige us vergangener Ziit. Dr Franz von Assisi oder d Teresa von Avila lönd sich chuum konfessionell dr katholische Chile zuä'rächne. Also ghört dr erst gschichtlich nachgwise Mensch mit ere grüäne, ökologische Iistellig - dr Franz von Assisi - weder de Katholike noch de Protestante, sondern er isch interessant für ali Christe. S Gliiche gilt für d Teresa, di erst Frau, wo je ihres eigene Läbe zum Inhalt vo ihrne Büächer gmacht hett. Für diä vo ihne, wo d Teresa von Avila nöd kenned: si hett in dr Ziit vo dr Reformation in Spaniä gläbt. Im Unterschied zur Reformation hett si nöd wele d Klöster abschaffe, aber si hett derfür 17 noii Klöster gründet, wo us'schlüsslich Frei'willigi uf'gnoh hend. Zum Verhindere, dass Familie überzähligi Fraue gege ihre Wille is Kloster abschiäbed, hett si mit de Kandidatinne Psycho'test dure'g'füährt. Usserdäm händ sich d Nonne in ihrne Klöster nöd dörfe finanziell vo ihrne Familiä unter'stütze lah, sondern hend dur Schaffe - Arbeit - ihre Läbens'unterhalt im Kloster müse sälber verdiäne. Dr Teresa ihri Nonne sind somit finanziell und au suscht unabhängig gsi - im 16. Jahrhundert öpis Un'er'hörts. Während d Reformatore dr unabhängigi Einzelmensch, s Individuum unmittelbar vor Gott, is Zentrum gstellt hend, hett in Spaniä d Teresa von Avila di emanzipiärt Frau erfunde. Dr einzig Nachteil isch gsi, dass d Emanzipation vo dr Frau dur dr Iitritt in es Kloster erkauft worde isch. Demgegenüber hett d Reformation s Hürote erlaubt. Vo dr geistige Freiheit in dr Reformation hend aber scho in erster Liniä d Manne profitiärt. S 16. Jahrhundert isch e bewegti Ziit gsi, mit vile Veränderige, nöd nur bi ois, sondern au an anderne Ort. Jetzt singed mir s Liäd... In dr Iilaitig han ich gsait, dr Huldrych Zwingli heigi sich in sim Läbe reformiärt. Das isch e chli churz gsait gsi, drum möcht ich das genauer erkläre. Em Zwingli sini erst Pfarrstell im Kanton Glarus hett er 10 Jahr lang inne gha. Ufgrund vo politische Problem hett er Glarus müse für einigi Ziit verlah und isch drum uf Einsiedle. Statt vo döt drei Jahr spöter nach Glarus zruck'z'kehre, hett er dr Ruäf nach Zürich akkzeptiärt. Nach einige Jahr in Zürich isch er für en Sunntigs'gottesdiänst an sin lang'jährige Wirkigs'ort zruck'kehrt, in Kanton Glarus. Döt hett er sich vo sine Predigte distanziärt, won er fruäner ghalte hett. Dr Zwingli hett sich entschuldiget für das, won er damals prediget hett, und er hett de Glarner gsait, dass er jetzt en anderi Ii'stellig heig. Was isch passiärt?
Liäbi Gmaind ich lise Ihne als Predigt'text zwei Vers us em Buäch Kohelet. D Losige vo dr Herrehuäter Bruädergmaind schlönd vor, dass mer sich hüt mit em 3. Kapitel vom Prediger befasst. Döt heisst's, Vers 10 und 11: Ich sah, was Gott den Menschen zu tun überlassen hat. Alles hat er so gemacht, dass es schön ist zu seiner Zeit. Auch die ferne Zeit hat er den Menschen ins Herz gelegt, nur dass der Mensch das Werk, das Gott gemacht hat, nicht von Anfang bis Ende begreifen kann. Kohelet 3,10-11. Es isch üs öpis as Herz g'lait. Das isch üs über'lah, das heisst, Gott hett üs das als Uf'gab geh. D Grund'vorus'setzig isch, "dass es schön ist zu seiner Zeit". Mit gönd dervo us, dass Gott s guät mit üs maint. Was mir gsehnd, erläbed, dass chöned mir in erster Liniä als en Us'druck vo dr Liäbi vo Gott entgege neh. Bis dahi gaht's no. Denn wird s kompliziärt. Obwohl s Verstah vo däm, wo um üs passiärt jetzt - in dr Gege'wart - schwirig gnuäg isch, hett Gott de Mensche "auch die ferne Zeit" "ins Herz gelegt". Irgendwiä sind mir aifach nöd für d Gege'wart konstruiärt. Mir existiäred in dr Gege'wart, mer denked aber wiiter und no wiiter an d Zuäkunft oder an öpis, wo scho gar nüme Zuäkunft wär, sondern nach dr Zuäkunft. Was chunt nach dr Zuäkunft? "Die ferne Zeit" seit dr Kohelet. D Ewigkeit, säged mir hüt. Mir verstönd also d Gegewart scho nöd, plus, mir hirned an dr Ewigkeit ume. Mir chönd nöd anders. Mir sind so erschaffe. Da isch e Spannig drin. Zwisch hüt und morn. Zwisch, wi s jetzt isch, und wi s emol si sött. Zwisch däm, was ich jetzt weiss, und däm, was ich no usefinde vilicht oder denn gliich. Also: dr Kohelet, wo irgendwenn zwische 1000 und 300 vor Christus g'läbt hett, isch bereits en Reformiärte gsi: es isch ihm klar gsi, dass sini Iistellig sich veränderet, sich reformiärt, wil er nöd uf'höre chan, z dänke, wil er Sehnsucht hett nach dem, was er nonig waiss, was no chunt. Dr Geburtsort und Kindheitsort vom Huldrych Zwingli isch bekannt, wil das Huus im Toggeburg, won er drin ufgwachse isch, no staht. Allerdings isch es e relativ churzi Chindheit gsi, wil er im frühe Primarschuälalter an Walensee cho isch. En Unkel isch in Weesen am Walensee Dekan gsi. Er hett em Zwingli Latein bii'brocht. Wese isch uf dr andere Siite vo de Churfirste, also nur es paar Kilometer vom Toggeburg entfernt. Im Alter vo 10 Jahr, als 4.Klässler, isch er allerdings uf Basel und spöter uf Bern cho, zum döt Lateinschuäle bsuäche. Als Teenager wär er gern emene Dominikanerkloster biiträte, wil d Mönch ihm e Zuäkunft als Sänger und Musiker versproche hend. Nüt isch, hett dr Vater gsait, und dr Ulrich uf Wiän an d Universität gschickt. Hüt würd mer säge, e Luftveränderig tuät dem Buäb guät, er chumt so uf anderi Gedanke. Zruck in dr Schwiz, hett dr Zwingli in Basel sin Uni-Abschluss gmacht, er isch Magister artium gsi, hett also s Liz gmacht. Er isch also fachlich meh gsi als ich, wil ich kai Lizentiats'arbet gmacht han, sondern nach em Abschluss in e Gmeind bin als Pfarrer. Zum däm Ziitpunkt han ich allerdings scho en Abschluss in Hebräisch und ein in Griächisch gha, das ghört hüt derzuä zum normale Theologie'studium. Erst wenn mer di ganz Theorie in sich uf'biiget hett, dörf mer hüt in e Gmaind. Für dr Zwingli isch das anders gsi: bevor er Theologie im engere Sinn studiärt hett, isch er zum Priäster gweiht worde und hett sini Pfarrstell aaträte in Glarus. Sis aigentliche Fach studiärt haa hett mer nöd müse damals zum als Gemeindepfarrer schaffe. Lateinisch hett er chöne, also isch er in dr Lag gsi, di damalige Buächer z läse. Er hett en Universitäts'abschluss gha, dass isch dr Bewiis gsi, dass er gschid gnuäg isch für sin Job. Fachwüsse hett er sich chöne learning by doing aa'eigne. Learning on the job, sait mer au. Also: wiä mer Pfarrer isch, hett er dr Zwingli glernt, indem er als Pfarrer gschaffet hett. In Ausübung seines Berufes hett er glernt, wiä mer där Bruäf uus'üäbt. So isch er nöd nur gschider worde. Sini ganz Iistellig hett sich veränderet. Als Dorfpfarrer isch dr Zwingli ganz begeisteret vo dr Us'sicht gsi, en angebliche Splitter vom Chrüz z chaufe, wo Jesus dra krüziget worde isch. Damit dr Holzsplitter e würdigi Unterkunft findet, hett sich dr Zwingli für en Aabau an d Glarner Chile iigsetzt, und in däre noiä Kapelle hett mer diä Reliquiä chöne besichtige. Im Verlauf vo de Jahr isch em Zwingli allerdings klar worde, wiävili Chile ebefalls en Splitter vom Chrüz hend. Und wenn mer diä Holzsplitter ali zämezellt, ergit sich es zimlich grosses Chrüz dadrus. Dr gliichi Zwingli, wo Mitte 20i für en Chile'aa'bau gwaiblet hett, zum e Reliquiä würdig unterbringe, hett 10 Jahr spöter, Mitte 30i, Predigte gege dr Aberglaube und gege Reliquiä ghalte. Da isch in dr Zwische'ziit öpis passiärt. Dr Zwingli hett sich reformiärt. Als junge Priäster isch es für ihn selbstverständlich gsi, dass er dr Interesse'vertreter vom Papst im Glarnerland isch. Dass er für d Wahrnehmig vo de päpstliche Interesse es jährlichs Zuäsatz'ghalt us dr päpstliche Kasse über'cho hett, das hett ihn nöd gstört. Eso hett dr Zwingli jedes Jahr cirka 10 Buächer chöne poste. Eso hett er - nachdem er bereits als Pfarrer g'schafft hett - beruäfs'begleitend Theologie studiärt. S Resultat vo däm Studium isch allerdings gsi, dass er sich vom Papst in Rom distanziärt hett. Dadrzuä hett au sini Erfahrig als Militärseelsorger biitrait. In de norditalienische Chriäg hett dr Zwingli Schwizer Söldner begleitet. Dodrbi hett er dr Papst in ere noiä Rolle kenne glernt: nöd als unaagfochtene Chile'maa, wo über dr Politik staht. Sondern dr Zwingli hett dr Papst als politischi Partei kenne'g'lernt, wo Chriäg füährt genau so wi di ander Fürste und Könige das ebefalls mached, ohni sich ums Laide vo de Soldate z kümmere. Us em Interessevertreter vom Papst isch so allmählich en Gegner vom Papst worde. Us em Unterstützer vom Söldnerwese isch en Gegner vom Söldnerwese worde. Lang bevor d Reformation als Bewegig sich uus'breitet hett, isch dr Huldrych Zwingli sälber reformiärt worde, hett er sich nadisnah veränderet. Was sich über d Jahr nöd veränderet hett, isch sini gross Liäbi zur Musig gsi. Si hett er allerdings streng vo de kirchliche Aktivitäte trennt. Es isch us sinere spätere Ziit in Züri bekannt, dass er uf Zürcher Plätz Singspiel uf'füähre lah hett. Amt und Vergnuäge hett er allerdings trennt. Musig usserhalb vo dr Chile ja, in der Chile uf kain Fall. Vilicht muäs mer diä radikal Iistellig mit dr Ziilstrebigkeit vom Zwingli in Verbindig bringe. Wil zu sinere Ziit d Gschichte vo dr Bible erstmals im Zsämehang in dütsch prediget worde sind, het d Bevölkerig en riisige Nachholbedarf an Wüsse gha. Da hett mer sich müse für es paar Jahr voll uf d Vermittlig vo noiäm Wüsse konzentriäre. Und vil meh als es paar Jahr sind em Zwingli in Züri au nöd blibe. Liäbi Gmaind Es isch schön, e gsellschaftlichi Veränderig z betrachte wiä d Reformation. Aafange tut si nöd in dr Gsellschaft, sondern in dr Seele'landschaft vo einzelne Mensche. Es isch e persönlichi Veränderig gsi im Läbe vom Zwingli, wo gfüährt hett zu und gmündet hett in e Veränderig vo dr dütsch'sprachige Eidgenosse'schaft. Gott hett üs es Bewusstsii gee derfür, dass diä Wält e schöni Wält si söll, und dass es sogar no bessers git als das, wo mir da erläbe chönd: die ferne Zeit. D Spannig zwüsche däm, wo isch; däm, wo si chönt; und däm, wo üs bevorstaht, chan üs zer'riisse. Und si chan üs reformiäre. Ich wünsche Ihne, liäbi Gmaind, und mir, dass üs d Spannig nöd zer'riisst, sondern zu Reformiärte macht. AMEN.
Reformationskollekte
2008-11-02 10:00 Reformationssonntag Gottesdienst mit Abendmahl (Gemeinschaftskelch) 24. Sonntag nach Trinitatis
1Eingangsspiel 2Gruss mit Kohelet 3,10-11 und Hinweis auf Ulrich / Huldrych Zwingli 3Reprise Monatslied / Jahreszeitenlied RG 545,1-7 "Schöpfer, deine Herrlichkeit" 4(stehend / gemeinsam) Gloria RG 218 5Zwischenspiel 6Worte an den Jubilaren CT 7Lied aus Musikfortbildung auf den Boldern (Blatt) "Von allen Seiten umgibst du mich" 8Zwingli (I/II) 9Aktuelles Monatslied Kanon RG 699 "Wechselnde Pfade" 10Zwingli (II/II) 11Zwischenspiel 12Einladung zum Abendmahl 13Lied RG 162,1-2 "Gott ist gegenwärtig" 14Einsetzungsworte 15(stehend / gemeinsam) RG 314 "Christe, du Lamm Gottes" 16(stehend / gemeinsam) Unser Vater 17(HelferInnen treten herzu) Austeilung an die HelferInnen 18Lied RG 162,3-5 "Majestätisch Wesen" 19Gemeinde tritt gruppenweise herzu 20(stehend) Dankgebet (HelferInnen setzen sich) 21Kollekte: Reformationskollekte 22Mitteilungen: Chilekafi, MO Lob Gd, DO BKF, SA Seniorenfest 23(stehend) Schlussstrophen RG 162,6-7 "Mache mich einfältig" 24(stehend) Segen 25(sitzend) Ausgangsspiel
|