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2008-10-26, Gottesdienst “Steuern” (anschliessend KGV)
23. Sonntag nach Trinitatis
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Matthäus 22,15-22 (Neue Zürcher Bibel)

Zur Frage nach der kaiserlichen Steuer

(15) Da machten sich die Pharisäer auf und beschlossen, ihm eine Fangfrage zu stellen. (16) Und sie schickten ihre Jünger zusammen mit den Herodianern aus, um ihm zu sagen: Meister, wir wissen, dass du der Wahrheit verpflichtet bist und den Weg Gottes lehrst, wie es richtig ist, und auf niemanden Rücksicht nimmst, denn du achtest nicht auf das Ansehen der Person. (17) Sag uns also, was dir richtig scheint: Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen, oder nicht? (18) Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sprach: Was versucht ihr mich, ihr Heuchler! (19) Zeigt mir die Münze für die Steuer! Da hielten sie ihm einen Denar hin. (20) Und er sagt zu ihnen: Wessen Bild und Inschrift ist das? (21) Sie sagen zu ihm: Des Kaisers. Da sagt er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! (22) Als sie das hörten, wunderten sie sich; und sie liessen ihn stehen und gingen fort.

 

Matthäusevangelium, Kapitel 22, d Vers 15 bis 22.

Vor em Predigt'text chumt s Glichnis vom grosse Gastmahl, nach em Predigt'text s Gspröch mit de Sadduzäer über d Auferstehung vo de Tote.

 

Liäbi Gmaind

Geld isch es Thema. Bis vor churzem isch mir nöd bewusst gsi, wi hüfig Geld im noiä Testament vor'chumt.

Drum mach ich Si uf es paar Erwähnige ufmerksam, wo s um Finanze gaht.

Bevor ich diä Bibel'stellle uf'zellä, stelle ich öpis fest: mir chömed em Jesus sini Us'sage über Geld sehr verschide vor, vilicht sogar wider'sprüchlich. Si chönd Sich das grad selber über'lege:

Im Gliichnis vo de Arbeiter im Wiberg, wo Si in däre Chile vor es paar Sünntige ghört hend, verlangt Jesus lebens'choste'deckendi Ent'löhnige für d Arbeiter. Egal, ob d Arbeiter en ganze Tag oder nur churz im Wiberg gschafft hend, si sölled sovil über'choo, wiä e Familiä pro Tag als Lebens'unter'halt benötiget. D Gschicht vo de Arbeiter im Wiberg setzt als selbst'verständlich vorus, dass d Arbeiter schaffe wänd. Ali Arbeiter halted sich bereit zum Schaffe. Mer bechumt also nöd grundsätzlich Geld, sogar wenn mer nöd Arbeit ver'richte will, sondern, wenn mer aktiv probiärt, Arbet über'z'choo, und nöd gnuäg Arbet findet, denn wird aim vom Wiberg'besitzer glich sovil zahlt, wiä mer brucht, zum sini Familiä er'nähre. Das System us em Glichnis, wo Jesus ver'zellt hett, hend mir hüt als Institution ver'wirklicht. Es sind genaugnoh zwei Institutione: d Sozialhilf und s Arbeitslose'geld.

Allerdings machts üs Jesus nöd ganz aifach. Dass niämert ver'hungere söll, und es Mindest'iikomme garantiärt si söll, das lüüchtet no irgendwiä ii. Es tönt aa'ständig. Jesus verzellt aber au e Gschicht, wo un'aa'ständig tönt, nämlich d Gschicht vom ungerechte Buäch'halter. D Gschicht vom ungerechte Verwalter handlet vo aim, wo vo sim Chef entlah werde söll. Solang, wiä er no im Amt isch, nutzt dr Verwalter d Situation uus. Er befiehlt d Schuldner vo sim Chef zu sich und reduziärt ihri Schulde. Dadrmit erkauft er sich d Sympathie vo de Schuldner vo sim Chef. Wenn dr Chef ihn uf d Strass stellt, chan er zu de Schuldner vo sim Chef  gah, und si go aa'bättle gah um Geld, damit er irgendwiä über d Runde chumt. D Schuldner vo sim - denn ehemalige - Chef münd ihm zwar gsetzlich gseh nüt geh. Aber was s Gsetz sait, isch nöd alles. Si hend weniger Schulde dank em ehemalige Verwalter. Also chönd si sich ihm - nach eigenem Ermesse - erkenntlich zeige. Jesus lobt dr ungerechti Verwalter. Sini Schluss'folgerig luutet: Machet euch Freunde mit dem schnöden Mammon.

 

Liäbi Gmaind

angesichts vo dr Chile'gmaind'versammlig, wo sich cirka am 11:00 Uhr an dr Gottes'diänst aa'schlüüst, hoffe ich uf stumme Wider'spruch. Das cha doch nöd sii. Das Geld, wo üseri Oberengstringer Stüür'zahler hend müse schaffe defür und wo si durchuus öpis anders defür hettet chöne poste anstatt d Mitgliedsgebühr für d Chile z zahle, das Geld söll nöd zum Sympathiä erkaufe usgeh werde. Es söll nöd als Bestechigs'geld diäne, was oisi Chile'stüür'zahler ois aa'ver'traued.

Und gliich lobt Jesus im Gliichnis vom ungerechte Huus'halter en Finanz'ver'walter, wo Geldforderige vom Chef - nöd sis aigene Geld - zum eigene Vorteil reduziärt.

D Chile'pfläg hett im Unter'schid zum Ver'walter im Gliichnis vo Jesus nöd ain Chef, won er im Aug halte muäs, wenn er ne b'schiist, sondern 1950 Chefs. Soviel Mitglieder umfasst di reformiärt Chile'gmaind Oberengstringe cirka. Und oisi Behörde isch däne allne letztlich Reche'schaft schuldig. D Chile'pfleg isch de cirka 1950 Mitglieder sogar denn Reche'schaft schuldig, wenn sich zur Chile'gmaind'versammlig nur 50 vo 1950 Mitglieder treffed.

Jesus und Geld. "Gebt dem Kaiser, was des Kaiser ist". Wer isch denn hüt dr Kaiser? In dr Chile'gmaind isch dr Kaiser die knapp 2000 Mitglieder umfassendi reformiärti Chile. "Kaiser" tönt no irgendwiä guät, so nach Krone mit Edelstai, nach Thron, nach goldigem Szepter, nach Königs'palast. Im Fall mer somene Kaiser geh muäs, was ihm zuä'staht, chamer d Fantasie walte lah: was staht amene Kaiser zuä? In Holland gits e komplett mit Blattgold überzogeni Pferdekutsche für s Königs'huus. In Gross'britanniä sind im Tower vo London d crown jewels vo dr Monarchie, d Kron'juwele, unter'bracht.

Und in dr Zürcher Landes'chile? Was isch üseri Entsprechig zu dr goldüberzogene Pferdekutsche vo dr Queen Beatrix oder zu de Kronjuwele vo dr Elisabeth II. ?

Das kenned mir gar nöd, dass oises Geld es Eige'läbe ent'faltet, dass oise "Stutz" für sich sälber staht. Ich main, wer brucht scho e goldigi Kutsche, oder Diamante, Rubin und Smaragd und Saphir? Das hett alles kain richtige Zweck usser dem Zweck, dass mer s hätt. Mer hätts, oder mer hetts nöd. Als König hett mer s ebe.

Vilicht zeigt üs Jesus mit sine Geld-Gschichte, dass es nöd um s Geld als Geld gaht - um d Ver'ehrig vo de Monete - , sondern dadrum, wiä mer s uus'geh und wiä mer demit schaffe chan.

Dadrmit bin ich wider am Aafang: ich bin wider bi dr Frag, ob mer em Kaiser Geld geh söll. Em Jesus sini Antwort luutet: ich han gar kai Wahl, ob ich em Kaiser Geld geh söll oder nöd. S Gäld isch bereits Kaiser-Geld. Wenn ich s in d Hand nimme, unter'wirfe ich mich de Gsetz vom Kaiser, wo uf de Münze ab'bildet isch.

Hüt isch kain Kaiser meh uf em Geld. Mir hend Vertreter vo üserer Zivil'gsellschaft. D Helvetia uf em Zweifränkler, e unabhängigi Frau, wo mit Speer und Schild bewaffnet isch. Dr Tell uf em Foifliiber, en düster dri'blickende Aelpler, wo ab'g'arbeitet und stolz us'gseht.

Oder di verschidene Eidgenosse und Eidgenossinne uf de Nötli, wo jewils öpis Charakteristisches für d Schwiz g'laistet hend. Dr römisch Kaiser hetts no aifacher gha. Chef si hett bi ihm g'langt zum ufs Geld cho und zum Herr vom Geld sii. Hüt muäs mer öpis für sis Land gleistet haa, damit mer mit sim G'sicht uf es Nötli dörf. Oder mer muäs es nationals Symbol sii zum e Münze ziäre.

 

Liäbi Gmaind

mir chönd s nüme uf dr Kaiser ab'schiäbe und säge, dä Big Boss in Rom oder Konstantinopel macht sowiso dermit, was er wott. Es sind oisi Symbol uf oisem Geld, und mir sind verantwortlich. Geld z haa und über Geld z ver'füäge hett e Nebe'wirkig: mer chan öpis Falsches mache dermit. Also muäs mer ver'antwortigs'voll dermit um'gah. In gwüsse Grenze isch das bereits im Privat'huus'halt dr Fall. Ganz sicher gilt s aber, wenn mir in dr Chile Gäld us de Chile'stüüte us'gänd. Mir sötted wüsse, was mer mached. Erst wenn mer waiss, für was mer s uus'git, chan mer derfür sii - oder allefalls der'gege.

Ich chume zum Schluss. "So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" sait Jesus. Di offe Frag luutet: "Was ist Gottes?" Au s Geld isch Gott, s Kaiser-Geld oder s Helvetia-Geld. Immer voruus'gsetzt, mer hend üs öpis überlait derbi.

 

Liäbi Gmaind

Ich wünsch Ihne und mir, dass mir üs öpis derbi über'leged.

AMEN.