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2005-05-29, 10:00 Gottesdienst
1. Sonntag nach Trinitatis
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

Liturgie

 

Predigttext Johannes 5,39-47 (GNB) – Vorwürfe an die „führenden Männer“ nach einer Heilung am Sabbat: „...

    (39)Ihr forscht in den heiligen Schriften und seid überzeugt, in ihnen das ewige Leben zu finden – und gerade sie weisen auf mich hin.

    (40)Aber ihr seid nicht bereit, zu mir zu kommen, um das Leben zu finden. /

    (41)Ich bin nicht darauf aus, von Menschen geehrt zu werden.

    (42)Ich kenne euch; ich weiss, dass in euren Herzen keine Liebe zu Gott ist.

    (43)Ich bin im Auftrag meines Vaters gekommen, aber ihr weist mich ab. Doch wenn jemand im eigenen Auftrag kommt, werdet ihr ihn aufnehmen.

    (44)Ihr legt Wert darauf, voreinander etwas zu gelten; aber ihr bemüht euch nicht darum, von Gott anerkannt zu werden. Darum seid ihr auch nicht fähig, mir zu vertrauen.

    (45)Ihr braucht aber nicht zu denken, dass ich euch bei meinem Vater verklagen werde. Mose klagt euch an, derselbe Mose, auf den ihr euch verlasst.

    (46)Wenn ihr Mose wirklich glaubtet, dann würdet ihr auch mir glauben; denn er hat über mich geschrieben.

    (47)Da ihr aber nicht glaubt, was er geschrieben hat, wie könnt ihr dann meinen Worten glauben?“

 

Liäbi Gmaind,

dr Predigttext nach de Losige für dr hütigi Sunntig isch dr Abschluss vonere vorwurfsvolle Aasproch. Jesus redet in däm Fall nöd zu sine, er redet au nöd zu de normale Zuähörer, wo ihm uf sinere Wanderschaft begegned. Er macht de füährende Manne vo dr israelitische Gsellschaft Vorwürf. Si händ sich als Huäter vom offizielle Jude’tum betrachtet und drum Wärt glait uf d Iihaltig vo de Gebot. Emol sicher di 10 Gebot händ müse iighalte werde, und denn au no di vile andere Regle, wo in de foif Buächer Mose stöhnd. Damit mer garantiärt nüt falsch macht, händ di bsundrigs fromme Lüüt sogar no en Haag ums Gsetz gmacht. Si händ s freiwillig no e chil genauer gnoh, als es in de füüf Buächer vom Mose stoht. Zum Bispil händ si nöd nur fürs Korn, wo si g’erntet händ, di religiöse Stüüre zahlt. Si händ ihri Chuchi’chrüütli ver’stüüret, das heisst, dr Zähnti für Peterli und Schnittlauch abgeh. Empfänger sind dr Tempel und religiösi Institutione gsi, s Gäld isch für kultischi und soziali Zwäck verwendet worde.

En Zuun ums Gsetz ume ziäh bedüütet, mer nimmts e chli genauer als nötig, und wenn mer denn das ums Gsetz ume missachtet, s Vorfäld, denn hätt mer s Gsetz sälber immer no unantastet loh und hätt sich somit gege Gott nonig versündiget.

Ich gsehne e Tragik drin, dass diä Lüüt, wo doch fromm händ welle sii und wo sich Muäh geh händ, ihre Glaube im Alltag z praktiziäre – also, dass diä Lüüt mit Jesus in en Konflikt cho sind. Leider isch aber das dr Fall gsi. Di füährende Vertreter vom offizielle religiöse System händ sich dur Jesus provoziärt gfühlt.

Er hett öpis gmacht, wo im Dänke vo de Gsetzesbefolger nöd vorgseh gsi isch. Statt d Gebot über’z’erfülle, hätt er sich Gedanke g’macht über dr Sinn vom jewilige Gebot. Und där jewiligi Sinn, wo nach sinere Erkenntnis äs Gebot gha hätt, där hätt er denn iighalte. Dodrmit isch Jesus nüme Diäner vom Gsetz gsi, er isch nüme unter em Gsetzt gstande, sondern er hätt sich in d Position gsetzt vo däm, wo s Gsetz macht.

Di politische Gsetz hätt dr römisch Kaiser gmacht.

Di religiöse Gsetz hätt dr Vater im Himmel dur dr Mose bekannt’geh.

Obwohl dr Moses jo nur en Prophet gsi isch, hätt er doch es gewaltigs Ansehe gnosse als Sprochrohr vo Gott für d Übermittlig vo de Gebot. Nur scho dass Jesus sich erlaubt hätt, di 10 Gebot z hinterfröge, das hätt in de Auge vo sine Gegner bedütet, dass er sich mit em Mose uf ai Stuufte stellt.

Aber was heisst das, die 10 Gebot z hinterfröge?

Bi de religiöse Gebot gits im wesentliche zwei Möglichkeite, zum si verstoh.

Di aint Möglichkeit isch diä: mer sait, s Gebot isch vo Gott, also muäs mer s iihalte, egal wiä widersinnig s aim vorchummt, egal wiä brutal oder unverständlich dass es isch. „Befehl ist Befehl“.

Di ander Möglichkeit isch diä, dass mer sait: Gott liäbt d Mänsche. Also hätt er doch vermuätlich d Gebot nöd gee, damit er üüs ploogt und mir üs sälber mit em Gebot erfülle plooged. Sondern d Gebot sind es Gschänk vo Gott an ois, damit mir in ere Ordnig läbe chönd, wo s Läbe bewahrt.

Jesus vertritt di zwait Möglichkeit. Für ihn sind di 10 Gebot gschänkti Läbensregle, wo oises Läbe riicher und schöner mache sölled. Es möglichs Merkmal vomene riiche und schöne Läbe isch Gsundheit. Mer wird zwar nöd automatisch en zfridene oder sogar glückliche Mensch, wenn mer gsund isch. Aber umgekehrt isch es schwierig, wenn mer trotz fehlender Gsundheit zfride oder sogar glücklich werde söll. Drum heilt Jesus am Teich Bethesda en Maa. Dr Maa isch uf sinere Matte am Taich gläge, bis Jesus ihn zum Uufstoh uufgforderet hätt und där Maa sin bisherige Warte’raum hätt chöne verloh. Zum in en noie Läbens’ruum iiträte, wo ihm nach dr lange Chranket fremd gsi isch.

D Heilig, wo oiserem vorwurfsvolle Predigttext voraa’goht, hätt amene Sabbat statt’gfunde. Amene Ruhe’tag. Amene Tag, wo in de 10 Gebot stoht, mer sölli kai Arbet verrichte. Wenn mer mit sinere Matratze unter em Arm in Jerusalem umenand lauft amene Sabbat, denn gseht mer natürlich scho uus wiä ain, wo schaffet.

Isch er en Zügel‘maa? Verdiänt er so sis Gäld?

Dr Maa mit sinere zsäme’g’rollte Bett’unterlaag unter em Arm isch en G’heilte. Nachdem er am Teich Gsundheit und somit es nois Läbe über’choo hätt, muäs er nöd warte, bis dr Sabbat verbii isch, und denn dörf er goh.

Er muäs au nöd d Bett’unterlag ligge loh, wo möglicherwiis sin ainzige Besitz isch, wo n er nach jahrelanger Lähmig no hätt.

Er chan das Bitzli, wo ihm materiell blibe isch, b’halte. Jesus ent’eignet ihn nöd.

So, wiä dr Heiland „Sabbat“ interpretiärt, g’hörts zum Sabbat, es Kapitel ab’z’schlüsse. Dr Sabbat isch dr siebeti und letzti Tag vo dr Wuche. Mit em Sabbat hört d Wuche uuf. Drum muäs mer nöd im Sabbat bliibe, ii’gsperrt, bis er verbii isch. Sondern mer dörf am Sabbat d Ziit vo dr Chrank’het abschlüsse, und use’goh, us em Kapitel, wo g’schribe isch, in es nois Kapitel, wo d Siite im Buäch no leer sind und druf wartet, be‘schribe z werde.

 

Liäbi Gmaind,

Jesus wirft sine Gegner vor, vo Mensche g’ehrt welle z werde. Wenn ich öffentlich Gebot befolge, und diä Gebot allgemein bekannt sind, denn chan ich dur s herzeigerische Befolge vo däne Gebot mini Rechtschaffeheit bewiise. Ich muäs mir denn kai wiiteri Gedanke meh mache. Ich mus nöd drüber nochdänke, was für Folge dass mis Tuä hätt. Denn s Gsetz an und für sich hätt en Automatismus: wenn ich s halte, bin ich gerecht. Diä automatisch Selbstgerechtigkeit chan sich in en tödliche Mechanismus verwandle.

Di führende Fromme wänd em Ghailte verbüüte, dr Ort vo sim Leide z verloh. Si wänd ihn quasi iigfrüüre an däm Platz, wo er chrank gsi isch. Ihrer Mainig noch hätti er sölle am nächste Tag ghailt werde, amene Mäntig. Dr Wuche’ablauf isch für si wichtiger als dr Mensch. D Ordnig isch dr Mittelpunkt, dr Mensch isch Zuäbehör.

Das isch e religiösi Vorstellig, wo nöd d Pharisäer und Sadduzäer zur Ziit vo Jesus gha händ. En rächte Tail vo dr Wältbevölkerig folgt östliche Philosophiä oder Religione. Di meiste mached das, wil si in China oder Indien uf d Wält cho sind. Und etlichi sind bi üs in d Wält cho, finded s östliche Gedanke’guät jedoch fasziniärend. Im Hinduismus, oder in dr Lehr vom Taoismus, do gits kain persönliche Gott als obersti Instanz. Di oberst Instanz isch e gsichts’losi Ordnig, es Gsetz, wo dr ainzelni Mensch zermalmet wiä es Getreide’chörnli, wo zwüschet zwai Mühlstai pulverisiärt wird. Ob mer an s ewige Werde und Vergoh glaubt, oder an en Gott, wo mich gärn hätt und wo will, dass es mir guät goht – das isch scho en gewaltige Unterschied.

Es bedütet nöd, dass en Christ zwingend en nättere Mensch isch als en Hinduist. Aber es bedütet, dass en Hinduist zu religiöse Hilfs’konstruktione griffe muäs, wil au er gärn en liäbende Gott hätti.

Drum gits im Hinduismus d Bhakti-Frömmigkeit, wo mer sich en bestimmti ainzelni Gottheit uus’suächt und ihre Liäbi schänkt, Verehrig und Aabätig. Aber mer macht dodrbi öpis, wo der reinen Lehre vom Hinduismus eigentlich widerspricht, denn letztlich hätts für liäbendi Gottheite in däm System kain Platz. Alles muäs werde, und alles muäs vergoh. Ohni Rücksicht uf religiösi Einzelinteresse.

 

Liäbi Gmaind,

us dr Sicht vo Jesus isch es e Versuächig, s Gsetz über Gottes Wille z stelle. Mir sind druf aagwise, üs z überlegge, was Gottes Wille für ois isch. Dementsprechend sölled mir handle. Mir händ das jo sogar bi de 10 Gebot bereits gmacht. Denn mir haltet – wörtlich, nach dr ewige Mühlstein-Ordnig – bestefalls 9 Gebot. Dr Sabbat halted mir nöd. Mir händ dr Sunntig. Und das isch nöd dr 7., sondern dr 8. Tag – respektive dr 1. Tag vo dr Wuche. Wil Jesus am Sunntig uferstande isch, am Ostersunntig, halted mir dr Ruhetag am am 3. Tag nach Karfriitig. Und das isch (Friitig, Samstig,...) hüt. Am Sunntig. Dodrmit behaupted mir, dass d Schöpfig vo Gott wiitergoht. Dr Sabbat isch dr Ruhe’tag. Dodrmit isch di erst Schöpfig ab’gschlosse gsi, d Erschaffig vo dr Wält. Aber es goht wiiter mit dr Schöpfig. Es söll en noiä Himmel und e noii Ärde choo, und diä Wält – das Reich der Himmel – hätt mit dr Uferweckig vo Jesus dur Gott an Ostere aagfange. Es isch e noii Ziit’rächnig.

Für Jesus isch wichtig, dass er sich nöd gege dr Mose stellt. Vilicht macht grad das sini Gegner eso verärgeret: wenn er aifach säge würdi, ich bring öpis Nois, und s Alte isch nüt wärt – denn chönted si säge, er seig en Spinner und überheblich. Aber Jesus interpretiärt dr Mose eso, dass sini 10 Gebot dr momentani Stand vo dr Mitteilig an d Menschheit sind. Wil Gott au nach de 10 Gebot wiiterhin zu ois redet, chönd au doh Änderige iiträte. Kommunikation bedütet, rede und und lose. Sicher gohts bi dr Kommunikation emol drum, dass ich mis Gegenüber aaluäge und dr Iidruck vermittle, dass ich där Mitmensch mag und dass er wertvoll isch. Das isch wichtig, das isch d Gfühls’ebeni. In dr Kommunikation gohts aber nöd nur um Gfühl. Es goht au um Inhalt. Und doh mus ich dermit rächne, dass dr Gspröchspartner emol öpis sait, wo n ich nöd erwartet han. Öpis Nois.

Wenn ich mis Gegenüber in ere bestimmte Erwartigshaltig versorge, denn schütze ich mich schiinbar vor Überraschige. Aber ich schütze mich au vor em Läbe. Denn Überraschige chönd au guät sii. Es git au positivi Überraschige. Begebeheite, wo mer nöd erwartet hätt, dass si eso use’chömed. Ostere isch so aini, und Pfingste. Nois Läbe und en noiä Geist. Und nöd e endlosi Wiederholig vom ewig Gliiche.

 

Liäbi Gmaind,

mir sölled üs drum bemühe, vor Gott anerkannt z werde. Das chönd mir, indem mir Jesus vertraued. Er hätt sich dr Frog gstellt, was dr himmlisch Vater vo ihm will. Und er isch bereit gsi, sich vo de Antworte überrasche z loh.

AMEN.

 

 

Liturgie

    01Eingangsspiel

    02Gruss

    03Eingangslied EG 159,1-3 „Liebster Jesu“

    04(stehend / im Wechsel) Psalmgebet EG 555 [Psalm 63]

    05Lied mit Gitarre EG 829,1-5 ‚Brückenbauen‘

    06Predigttext Johannes 5,39-47

    07Loblied EG 12,1-6 „Die Himmel rühmen“

    08Predigt

    09Zwischenspiel

    10(stehend) Fürbitte

    11Fürbittlied EG 293,1-4 „Für alle Menschen“

    12Kollekte: ...

    13Mitteilungen: Spagh Plausch, 5.6. Agape

    14Missionslied EG 801,1-2 „Die Sach ist dein“

    15(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    16(stehend) Segen

    17(sitzend) Ausgangsspiel