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2005-05-01, 10:00 Gottesdienst
ROGATE – Betet! (Psalm 66,20)
und „Tag der Arbeit“
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

Liturgie

 

Predigttext: Lukas 11,5-13 [Gute Nachricht Bibel]

    (05)Dann sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Stellt euch vor, einer von euch geht mitten in der Nacht zu seinem Freund und bittet ihn: ‚Lieber Freund, leih mir doch drei Brote!

    (06)Ich habe gerade Besuch von auswärts bekommen und kann ihm nichts anbieten.‘ /

    (07)Würde da der Freund im Haus wohl rufen: ‚Lass mich in Ruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder liegen bei mir im Bett. Ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben‘? /

    (08)Ich sage euch, wenn er auch nicht gerade aus Freundschaft aufsteht und es ihm gibt, so wird er es doch wegen der Unverschämtheit jenes Menschen tun und ihm alles geben, was er braucht. /

    (09)Deshalb sage ich euch: Bittet und ihr werdet bekommen! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch geöffnet!

    (10)Denn wer bittet, der bekommt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. /

    (11)Ist unter euch ein Vater, der seinem Kind eine Schlange geben würde, wenn es um einen Fisch bittet?

    (12)Oder einen Skorpion, wenn es um ein Ei bittet?

    (13)So schlecht ihr auch seid, ihr wisst doch, was euren Kindern gut tut, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird der Vater im Himmel denen den heiligen Geist geben, die ihn darum bitten.“

 

Liäbi Gmaind,

hüt verbinded sich dr Sunntig im Chile-Johr und der Tag der Arbeit zumene bekannte religiöse Motto: Bete und arbeite! Ora et labora! „Orare“ heisst „beten“ uf latinisch, und „laborare“ heisst „arbeiten“ uf latinisch.

Üssere Sunntig heisst zwar „Rogate“! Das isch e Spezialform vom Beten, nämlich s Bitt-Gebet. Dass mer bätte söll, zum Gott um öpis bitten, das isch uf latinisch dr Befehl „Rogate!“

Eigentlich isch es speziell, dass mer zum Bitten uuf’g’forderet wird! Öpis fordere, öpis verlange, das isch doch s Nahe’liegendste. Also au: vo Gott öpis verlange, vo Gott öpis fordere – das wäri ebefalls öpis, wo uf dr Hand ligt.

Däm stoht anders ent’gege: nöd allne Mensche fallt’s liicht, Forderige z stelle. Grad unter de Fromme existiärt e Neigig zum Dulde und zum Erträge. Zumindest für dr Typ vom fromme Duldner oder dr fromme Duldnerin isch es sinnvoll, z befehle: Rogate! Bittet!

Wil denn d Uf’forderig, Forderige z stelle, uf e Stärkig vom Selbstwertg’fühl use’lauft. Wer s sich wärt isch, der getraut sich, öpis z welle. Wer zu sich stoht, der getraut sich, Aasprüch z stelle.

Das isch drum wichtig, wil s näber de Duldner no en Typ Mensch git, wo ganz selbstverständlich Forderige stellt. Aber diä muäs mer jo nöd aifach akkzeptiäre. Es muäs zumene Uus’gliich cho, und für das muäs mer di ainte e chli brämse, und di andere muäs mer e chli schupfe.

Sunntig und Tag der Arbeit am gliiche Datum: Bete und arbeite! Das Prinzip finded mir in dr Bible. Und zwar sowohl im alte Testament wiä au im noiä Testament.

Im alte Testament finded mir s g’hüüft im Buäch vo de Sprichwörter. Im alttestamentliche „Buch der Sprüche“ gits e Sammlige vo Lebens’weisheite.

Zum aine wird mer belehrt, mer söll gottesfürchtig sii.

Zum andere wird aim ii’g’schärft, dass mer sich nöd wiän en Dummkopf beneh söll.
Dodrzuä chummt mir d Werbe’kampagne für dr Mediamarkt in Sinn: „Ich bin doch nicht blöd...“ heisst s doh uf grosse rote Plakat und Ziitigs’inserat. Im Vergliich dodrzuä Sprichwörter 20, Vers 4:
„Im Herbst mag der Faulpelz nicht pflügen;

später will er ernten und kann nichts finden.“

Oder Sprichwörter 20, Vers 13:
„Liebst du den Schlaf, so bist du bald arm.
Steh beizeiten auf, dann hast du immer satt zu essen!“

Und in Sprichwörter 21, Vers 25 stoht:
„Den Faulpelz bringen seine Wünsche um,
weil seine Hände sie nicht erfüllen wollen.“

 

Liäbi Gmaind,

wer vo chlii uf mit settige Lehr’sätz imprägniärt wird, in dem setzt sich e gwüssi Geistes’haltig fest. Mer sait sich sälber denn:

Ich bin doch nöd blöd! Ich halte min Acker in Ordnig und pflüäge, denn chan spöter au öpis druf wachse.

Oder:

Ich bin doch nöd blöd, ich stohn uuf und gang go schaffe, denn goht’s mir guät!

Und ähnlich:

Ich bin doch nöd blöd, ich lass mich vo mine Wünsch nöd kabutt mache, sondern ich schaffe, damit ich mir mini Wünsch erfülle chan!

Das sind Leit’sätz, wo im alte Testament stöhnd.

Im noiä Testament händ mir zunächst emol s Läbe vo Jesus. Er hätt g’schaffet. D Ziit vo dr Verkündigung und vo dr Wanderschaft isch öpe es Johr bis maximal drei Johr lang gsi. Bis er cirka 30 Johr alt gsi isch, hett Jesus g’schaffet. Wenn mer bedenkt, dass er als Teenager in Zimmermannsbetrieb vom Josef iigstige isch, denn chömed mir uf e Werktätigkeit vo mindestens anderthalb Johrzähnt. Wenn mer di selbstverständlich Chinder’arbet ii’rächnet, sind s vermuätlich zwei Johrzehnt vo sim Läbe, wo Jesus g’schaffet hätt. In sine Predigte hätt Jesus d Lüüt niä dervor g’warnt, z schaffe. Er hätt d Lüüt dervor g’warnt, sich Sorge z mache. Er hätt d Lüüt dervor g’warnt, sich uf dr Riich’tum z verloh. Aber e negativi Iistellig zum Schaffe hätt er sogar nach 20 Johr Arbeit keini gha.

In dr Phase, wo sich dr Glaube an Jesus im römische Riich ver’breitet hätt, isch s Bispil vom Paulus interessant: er bestoht druf, z schaffe, obwohl s Missioniäre eigentlich ebe’falls „schaffe“ isch. Dr Apostel Paulus möcht aber no separat zum Missioniäre in sim aa’gstammte Bruäf als Zeltmacher schaffe, zum Geld verdiäne und zum vo de Spende vo sine Zuä’hörer unabhängig sii. Sicher isch es aifacher, sini Unabhängig’keit in Wort und Tat z bewahre, wenn mer finanziell eige’ständig isch. Aber anderi Apostel händ kais Problem dermit gha, vo Spende z läbe.

Es muäs also ums Schaffe no öpis sii, wo über di ökonomisch Notwendigkeit uus goht. Fast chönnti mer säge: mer schafft, damit g’schafft isch.

Di protestantisch Tugend vom Fleiss isch im Calvinismus zur Bluäti choo, und zwar im Zsäme’hang mit dr Heils’g’wüssheit: Wiä finde ich use, dass ich erlöst bin? Wiä waiss ich jetzt scho, dass ich d Ewigkeit im Himmel verbringe und nöd in dr Höll? Dr protestantisch Glaube in sinere calvinistische Prägig hätt diä Frog wiä folgt beantwortet: wenn Gott s öperetem erlaubt, z schaffe, denn isch d Wahrschiinlichkeit gross, dass diä Person erlöst isch. Mer hätt somit kain Bewiis, dass mer zu de Erlöste g’hört. Aber je fliissiger en Mensch isch, desto ehnder cha mer aa’neh, dass er vo Gott zum Heil bestimmt worde isch.

Bi sonere Iistellig ergänd sich natürlich Konsequenze für dr Wohlstand. Wenn mer schaffet, zum dr Höll ent’goh und zum sich em Himmel als würdig z präsentiäre, denn chan dodrbi durchuus materiells Wohl’ergehe d Folg sii.

Das bringt us zumene Problem, wo n ich gärn in Aafüährigs’zeiche setze möcht, also zumene „Problem“.

Das „Problem“ isch in dr Chile’gschicht nöd zum erste Mol als Folg vo dr Reformation im Calvinismus uuftaucht, sondern au scho e chli fruäner.

Mer sait, dass s Motto „Bete und arbeite“, „ora et labora“, vom Benedikt us Nurisa stammt. Dr Benedikt von Nursia isch dr Erfinder vo dr Benediktiner-Ordnig. Das isch e Ordensregle für Mönch, wo im Mittelalter in dr damalige Chile sehr wichtig gsi isch. Si hätt de Mönch en Tagesablauf vorgeh mit siebe über dr Tag verteilte Gebät. S Wichtige do drah isch aber, dass zwischet de Gebät nöd nur g’ässe und g’schlofe, sondern vor allem g’schaffet wird.

S Mönch’tum nach dr Art vom Benedikt us Nursia isch also nöd e Flucht us dr Wält gsi, e Flucht in d Religion, in Elfe’bein’turm vo dr Spiritualität, sondern e aktivi Bewirtschaftig vo dr Welt, en Iigriff in d Wält mittels Arbeit.

S Resultat sind im Verlauf vo de Johr’hundert wohl’habendi Klöster gsi. Mit wohl’habende Mönch, wohl’ge’nährte Mönch, wo s traditionelle Bild vom christliche Mönchs’tum prägt händ.

Es Problem isch das worde für Christe wiä dr Franz von Assisi, wo e freieri, hüt würd mer vilicht sogar säge, e anarchischeri Uf’fassig vom Christe’tum gha händ. Dr Franz von Assisi hätt für sini Aahänger uf Druck vom Papst ebe’falls es Reglement müse use’gee. Döt wird aber grosses G’wicht uf d Armuät glait. Dr Wohlstand chan nach Meinig vom Franz von Assisi dr Glaube verdränge. Mer bättet denn zwar siebe Mol am Tag, aber es isch es Ritual, wo di allgemein Wöhli nur no strukturiärt, aber wo dr Mensch nüme vo inne use formt. Dr Franz von Assisi hätt wele eso läbe, dass er sich g’spürt und dass sini Gedanke und Empfindige un’gfilteret und echt sind. Das isch sinere Mainig noch nöd möglich gsi inere duurende Sattheit und Z’frideheit.

 

Liäbi Gmaind,

ich möcht weder em Benedikt noch em Franziskus s Christe’tum ab‘spreche. Wider’strebendi Uuf’fassige händ si aber trotzdem gha.

Dr Benedikt hätt betont, dass der Mensch e Ordnig brucht im Läbe. Und zwar en Ordnig, wo s Bäte und s Schaffe mitenand verzahnt sind, wo Religion und Werktätigkeit inenand inegriifed wiä Zahnräder inere Übersetzig.

Dr Franziskus hätt demgegenüber dervor g’warnt, dass mer sich mit somene Alltags’trott betäube chan. Mer waiss in jedere Minute genau, was mer jetzt grad mache söll. Mer funkioniärt. Es trait aim eso dur dr Tag dure, dur d Wuche, dur s Johr, dur s Läbe, und plötzlich isch s Läbe verbii. Mer söll eso läbe, dass d Wahrnehmig intensiv isch, dass d Sinn g’schärft werded – das goht nach Meinig vom Franziskus, wenn mer arm und dünn bekleidet und gelegentlich e chli hungrig isch. Dr Franz von Assisi hätt übrigens Arbets’aa’fäll gha. Er hätt verschidentlich Chile restauriärt. Scho im Mittelalter hätts also zerfallendi Chile gee. Wenn er körperlich g’schaffet hätt, isch dr Franziskus exzessiv gsi. Er hätt krampfet. Nochhär hätt er wider Pause gmacht. Und de Spatze in de Zwiig s Evangelium prediget und de Forelle im Bach vo Jesus verzellt.

D Hoch‘achtig gegenüber em Fliiss im calvinistische Bereich han ich scho erwähnt. Im reformiärte Bereich isch das mit dr Heils’g’wüssheit niä sones Problem gsi. Für dr Huldrych Zwingli isch fest’g’stande, dass Jesus üs erlöst händ. Somit bestoht für üs nur s Problem, dass mir erkenned, dass Jesus üs erlöst hätt. Und das erkenned mir, wenn üs öpert di frohi Botschaft verzellt, oder, no besser, wenn mir sälber in dr Bible läsed und di frohi Botschaft somit direkt, ohni Zwüsche’person, im biblische Wort an üüs er’goht.

D Use’forderig, wo dr Zwingli gseh hätt im Zsäme’hang mit dr Heils’gwüssheit isch also gsi: wiä bringed mir das fertig, dass möglichst jede Mensch sälber e Bible uf‘schloh und s rettende Wort vo Gott uf sich wirke loh chan?

Und di zwinglianisch Antwort isch gsi: ganz aifach – mir bringed sämtliche Lüüt Läse und Schribe bii. Wer läse chan, wird Christ.

 

Liäbi Gmaind,

vilicht isch dr Huldrych Zwingli e chli optimistisch gsi in däre Hinsicht. Zwische’ziitlich sölls jo au gebildeti Lüüt gee, wo sich sälber nöd als Christe verstöhnd.

D Heilsgwüssheit isch im reformiärte Bereich traditionell mit eme möglichst un’g’hinderete, direkte Zuägang zur Bible verbunde. Mir händ nach wi vor e grosses Vertraue in d Wirksamkeit vom uuf’g’schribene Wort vo Gott. Us däm Grund unterstützed mir immer no di wiiteri Verbreitig vo dr Bible.

Im Calvinismus, wo d Sicherheit, in Himmel z choo, an Fliiss knüpft isch, bechummt d Arbet demgegenüber ganz en andere Stelle’wert. Si wird Uusdruck vomene Kampf. Himmel gege Höll, guät gege bös, ewigi Froide gege ewigs Leide, das spilt sich alles in minere Arbet ab. Jedes Mol, wenn ich mich als Calvinist zum Schaffe überwunde han, isch das en chliine Triumph, wo mir en Vorgschmack uf di himmlischi Seligkeit git. Umgekehrt drohed mir bi Aazeiche vo Nachlässigkeit in mim Schaffe d Quale ohni End in dr Höll.

Das git gegenüber dem Schaffe e leideschaftlichi Iistellig. S Schaffe wird verinnerlicht. Mer git sich em Schaffe hii. D Arbeit wird nöd abe’g’spuälet, sondern zelebriärt. Si wird erkämpft. Mer git alles.

 

Liäbi Gmaind,

verschideni Mensche gsehnd verschideni Sache. Und wenn mer ganz lang und fest uf öpis Bestimmts luägt, hätt mer irgendwenn s G‘fühl, di andere Sache seiged nöd so wichtig oder es gäbi sogar überhaupt nüt meh anders.

Eso chömed mir di verschidene, traditionelle Aasätz zum Thema Arbet und Bäte vor.

Di benediktinisch Uuffassig, dass mer en g’reglete Trott brucht, wo drinine Bäte und Schaffe schön angeordnet sind, das lüüchtet mir ii.

Erst wenn mer en Alltags’trott hätt, chan mer us em All’tags’trott uus’breche, zum bsundrigs intensivi Erläbnis haa, und zwar au, zum bsundrigs intensivi religiösi Erläbnis haa. Dass dr Franziskus es paar Johrhundert nach em Benedikt uuftrete isch, das isch kain Zuäfall. D Regle vom Benedikt hätt sich zerst müse verselbständige, damit näber de positive Siite au di negative Siite so richtig düütlich zum Vorschii cho sind. Erst denn hätt dr Franziskus chöne s allzu-geordnete Läbe als Selbstzweck verdamme und zumene authentische Läbe in dr Nachfolg vo Jesus uuf’ruäfe.

Statt uufhöre schaffe chan mer aber au leideschaftlich schaffe zum s Läbe intensiver mache. Uf däre Erkenntnis hätt dr Calvinismus e Gsellschafts’ordnig uuf’baut. Au das isch mit dr Ziit zum Selbst’läufer worde, wo d Wurzle, s Strebe nach Erlösigs’gwüssheit, in Hintergrund drängt hätt.

Aber eso wiä d Benediktiner’regle imene chaotische Mittelalter quasi als Näbe’wirkig wohlhabendi Klöster mit ere positive Uusstrahlig uf d Gsellschaft brocht hätt, so hätt dr calvinistisch Fliiss als Näbe’wirkig mass’geblich zum Wohlstand in wiite Teil vo Europa und Nordamerika bii’trait. Für e Nebe’wirkig isch das nöd schlächt.

Ich chume zum Schluss.

Mir reded hüt nüme latinisch, aber s Motto ORA ET LABORA isch nach wiä vor modern. Und es isch biblisch. Wiä genau dass mer diä baide Tätigkeite zunenand in es Verhältnis setzt, dodrzuä gits im Christe’tum verschideni Uuf’fassige.

Doh muäs mer halt das us’wähle, wo aim sälber am ehndste entspricht.

AMEN.

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel

    02Gruss

    03Lied EG 32,1-3 „Ein feste Burg“

    04(stehend / im Wechsel) EG 106 [= Psalm 1]

    05Lied mit Gitarre und Orgel EG 18,1-5 „Der Herr“

    06Kibo-Text zum Monatslied April

    07Monatslied April EG 474,1-8 „Frühmorgens“

    08Predigttext

    09Predigt

    10Zwischenspiel

    11(stehend) Fürbitte

    12Monatslied Mai EG 515,1-5 „Komm, o  Tröster“

    13Abkündigung

    14Leidstrophe EG 674,3

    15Kollekte: ...

    16Mitteilungen: ...

    17Schlussstrophen EG 349,1-3 „Segne und behüte“

    18(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    19(stehend) Segen

    20(sitzend) Ausgangsspiel