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2005-04-17, 10:00 Gottesdienst
JUBILATE – „Jauchzet Gott, alle Lande!“ Psalm 66,1
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

Liturgie

 

Predigttext Johannes 16,16-24

„Abschied und Wiedersehen“ [GNB]

    (16)„Es dauert noch eine kurze Zeit, und ihr werdet mich nicht mehr sehen. Dann wird wieder eine kurze Zeit vergehen, und ihr werdet mich wiedersehen.“ /

    (17)Unter seinen Jüngern erhob sich die Frage: „Wie sollen wir das verstehen – und das andere Wort: ‚Ich gehe zum Vater‘?

    (18)Was bedeutet ‚eine kurze Zeit‘? Wir verstehen nicht, was er sagt.“ /

    (19)Jesus wusste schon, dass sie ihn fragen wollten. Darum sagte er zu ihnen: „Ich habe gesagt: ‚Es dauert noch eine kurze Zeit, und ihr werdet mich nicht mehr sehen. Dann wird wieder eine kurze Zeit vergehen, und ihr werdet mich wiedersehen.‘ Darüber macht ihr euch nun Gedanken? /

    (20)Amen, ich versichere euch: Ihr werdet jammern und weinen, und die Welt wird sich freuen. Ihr werdet traurig sein; doch ich sage euch: Eure Trauer wird sich in Freude verwandeln.

    (21)Wenn eine Frau ein Kind zur Welt bringt, leidet sie Angst und Schmerzen; aber wenn das Kind geboren ist, denkt sie nicht mehr daran, was sie ausgestanden hat, und ist nur noch glücklich, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.

    (22)So wird es auch mit euch sein: Jetzt seid ihr voll Angst und Trauer. Aber ich werde euch wiedersehen. Dann wird euer Herz voll Freude sein, und diese Freude kann euch niemand nehmen. /

    (23)Wenn dieser Tag kommt, werdet ihr mich nichts mehr fragen. Amen, ich versichere euch: Der Vater wird euch dann alles geben, worum ihr ihn bittet, weil ihr es in meinem Namen tut und euch auf mich beruft.

    (24)Bisher habt ihr nichts in meinem Namen erbeten. Bittet, und ihr werdet es bekommen, damit eure Freude vollkommen und ungetrübt ist.“

 

Liäbi Gmaind!

dr Predigttext nach de Losige füährt üs zruck in d Ziit vor Karfritig, und zwar zu den Abschiedsreden vo Jesus. Im Johannesevangelium umfassed diä Abschiedsrede mehreri Kapitel. Bevor Jesus verhaftet und krüziget wird, redet er nomol uusfüährlich zu de Jünger. Dodrbi gspürt er, dass d Jünger zuälosed, aber nöd alles verstöhnd – und uf das reagiärt Jesus. Im hütige Abschnitt Kapitel 16, Vers 16-24 isch so es Muster enthalte.

Zerst sait er ihne öpis. Er sait: „Es dauert noch eine kurze Zeit, und ihr werdet mich nicht mehr sehen. Dann wird wieder eine kurze Zeit vergehen, und ihr werdet mich wiedersehen.“

Dr Uusspruch vo Jesus füährt zumene Getuschel unter de Jünger. Er redet drum nöd wiiter, sondern sait sin Satz nomol und frögt denn: „Darüber macht ihr euch nun Gedanken?“

Offebar goht’s nöd aifach drum, dass er en Monolog halted, und d Jünger geduldig zuä‘losed. Es goht drum, dass d Jünger sini Botschaft verstöhnd.

S Wort vo Gott hätt e Funktion. Es mus aim öpis bringe. Zum Bispil dass mer druus chummt, was g’maint isch.

 

Liäbi Gmaind,

wenn mir us de Abschieds’rede im Johannesevangelium läsed, denn isch es, wiä wenn mir en Film luäged, wo mir dr Schluss scho kenned.

Wo dr Regisseur James Cameron aagfange hätt, dr Film „Titanic“ z drähe, hätts us de Reihe vo de Filmbranche es grosses Gspöt gee. Dr Grund: d Titanic isch sprichwörtlich. Jede Mensch weiss, dass si unter’gange isch. Wieso also söll öpert is Kino goh, zum en Film luäge, won er dr Schluss scho kennt?

Us em gliiche Grund dörfed ja Filmkritiker di schlimmste Sache schriibe über en Kinofilm – si dörfed schriibe, en Film seigi schlächt, langwiilig, d Schauspieler mies, s Drähbuäch e Katastrophe – alles dörfed sich d Filmkritiker erlaube, nur ais – ais dörfed si nöd: s Änd verrote. S Änd söll e Überraschig bliibe. S Änd vom Film muäs en Überraschig bliibe. Wenn mer s verroted, isch mer en Spielverderber und sorgt als Filmkritiker ganz schnäll derfür, dass mer entloh wird.

Wiä isch es jetzt use’choo mit Titanic? D Lüüt sind gliich is Kino gange, obwohl sie scho vorher g’wüsst händ, das Schiff goht unter.

Au bim Film „Passion of the Christ“ vom Mel Gibson über d Chrüzigung vo Jesus händ d Kinogänger scho vorher g’wüsst, dass Jesus in däm Film stirbt und uuferstoht. Es isch trotzdem en erfolgriiche Film worde.

Wenn mir s Johannesevangelium läsed, wüssed mir, dass Jesus am dritte Tag nach dr Chrüzigung uuf’erstoht. Dr Spruch „es dauert eine kurze Zeit“ isch für ois es g’lösts Rätsel. Mir mached e Gliichig: „eine kurze Zeit“ = 3 Tage. So aifach isch das.

Aber es isch nöd das, wo s drum goht.

Das, wo s drum goht, isch, dass d Jünger verunsicheret sind. Das „eine kurze Zeit“ isch wiä en Spalt in dr Realität, und in där Spalt sickeret Angst ii. Wenn d Angst g’früürt, dehnt si sich uus und sprengt d Realität.

Es goht sicher au drum, dass mer öpis waiss. Im Fall wo mer e biblischi Gschicht nonig kennt, isch es interessant, emol dr Ablauf kenne’z’lerne, d Story.

Was es aber uus’macht, das isch, wiä s dä betailigte Persone goht.

Bi dr Titanic will mer wüsse, wiä s de Mensche ergange isch, wo bim Untergang derbi gsi sind. Einzelschicksal will mer gseh, und mit’liide, sich mit de Überlebende d Erliichterig mit’gspüre, wenn si denn dervo cho sind.

Bim Erfolg vom Jesusfilm vom Mel Gibson spilt ebefalls s Mit-Leide e Rolle. D Quale vo Jesus in dr Passion werded drum so dütlich dargstellt, damit mer ergriffe wird oder sogar überwältiget. Bim Nochläse in dr Bible chönnti mer d Quale vo Jesus wiän e Iikaufsliste abeläse: 2 Liter Milch, es Brot, en Salat, 300 Gramm Uufschnitt, Huushaltspapier, e 60 Watt Gluähbire, etc. Jesus wird verrote, verhaftet, verhört, verspottet etc.

Das isch dr technisch Ablauf, mer sötti das wüsse, aber wenn mer s nur eso betrachtet, loht s ain chalt.

Us däm Grund hätt mer mit Karfriitig en ganze Fiirtig, wo mer sich emotional mit em Liide vo Jesus usenand setze chan. Verstandesmässig weiss mer s ganze Johr, was an Karfriitig passiärt isch. En spezielle Fiirtig z haa erlaubt aim, sich über s Wüsse uus und dur s Wüsse duur in di Gschicht ine’z’versetze, sich mit em Leide vo Jesus z indentifiziäre, sini Liäbi zu ois z erfahre, wo ihn derzuä brocht hätt, für ois z liide.

Obwohl s eso wichtig isch, s Änd vo dr Gschicht z kenne, obwohl mer unbedingt wüsse möcht, wiä s am Schluss use’chummt, git’s öpis, wo no wichtiger isch als s Änd. No wichtiger als s Wüsse.

Das isch s Fühle. S Derbi sii. Das, wo mer empfindet, währenddem d G’schicht ablauft. So, wiä mer sich fühlt während de Ereignis.

Im Fall vom Kinofilm „Titanic“ sind d Gfühl vo de Mensche an Bord vom Schiff eso huushoch wichtiger gsi als s Rätsel vo dr Gschicht, dass er gliich en Erfolg worde trotz em vorhersehbare Änd.

Zruck zum Johannesevangelium. D Frog vo de Jünger luutet: Was bedütet „eine kurze Zeit“. E Iikaufs-Liste-Antwort uf d Frog hätti g’luutet: 3 Tage.

Das isch nöd diä Antwort, wo Jesus de Jünger git. Und es wär au nöd diä Antwort gsi, wo dermit d Frog vo de Jünger beantwortet gsi wär.

D Antwort vo Jesus goht umgfähr eso: in däre churze Ziit gohts eu schlecht. Und däne, wo nöd nach mir fröged, goht s guät.

Jesus nimmt di besorgt Grundstimmig vo de Jünger uuf und verstärkt si no. Er setzt ais druf und sait: Ihr werdet jammern und weinen. Ihr werdet traurig sein.

Us dr Unsicherheit vo de Jünger macht er e berechtigti Besorgnis. Er sait sinngemäss: Ihr händ rächt, wenn ihr oi Sorge mached; es wird schlimm.

Und denn chummt dr Vergliich mit dr Geburt unter Schmerze, wo d Froid am Neugeborene d Unannehmlichkeite vom Geburts’vorgang über’trifft. D Schmerze vo dr Geburt wärded dur d Froid nöd uuf’g’hobe, es findet kai nachträglichi Annulation statt. Sondern d Froid isch no grösser, als es d Wehe gsi sind.

Es isch en merkwürdigi Art vo Trost, wo d Jünger vo Jesus empfanged: Oiri Froid wird no intensiver sii als oires Leid, aber oires Leid wird sehr intensiv sii, und jetzt münd ihr zerst emol liide.

Isch das en Trost? Fast chummt s mir so vor, wiä wenn mir als Christe emotionals Bodybuilding mache müssted, zum diä intensive G’fühl ver’chrafte. Es wär anstatt Body-Building, sondern Soul-Building oder sogar Heart-Building, also es Belastbarkeits-Training für d Seel, es Uusduur-Training für dr G’fühls-Komplex.

Jesus spendet insofern wenig Trost, wil d Intensität vom bevorstehende Liide wenig Spilraum für e distanziärti Betrachtigs’wiis loht. Meh als es Quentchen Hoffnung isch es nöd. Derfür isch es e ganzi Ladig vo negativer Gege’wart.

 

Liäbi Gmaind,

jetzt händ mer öpis ghört über d Jünger am Vor-Obig vom Passions’wuchenänd, wiä si sich gfühlt händ, wiä Jesus ihri Stimmig wohrgnoh hätt und wiä er si mit denkwürdige Wort tröstet hätt.

Wir sind aber nöd die zwölf Apostel. Und: Gruändunstig händ mer au scho gha.

D Verheissig vo Jesus luutet: ...ich werde euch wiedersehen. Dann wird euer Herz voll Freude sein, und diese Freude kann euch niemand nehmen.

Mir - als Christe nach Ostere, als Gläubigi nach dr Uuferstehig – nähmed d Verheissig vo Jesus in Aaspruch. Was er sine Jünger vor em Karfriitig gsait hätt, wänded mir aa uf oiseri Situation nach Ostere.

Jedes Mol bim Obigmohls-Fiire ghöred mir s sogenannte „Geheimnis des Glaubens“. Es luutet: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, / und deine Auferstehung preisen wir, / bis du kommst in Herrlichkeit.“

D Gschicht wiederholt sich. Mir sind in ere ähnliche Situation wiä d Jünger, denn mir warted „eine kurze Zeit“, bis Jesus zu ois chummt und s Riich vo de Himmel aa’bricht.

Im Unterschied zum erste Durchgang mit de 12 Apostel und dr 3-Tages-kurze-Ziit wüssed mir nonig, wiä d Gschicht uusgoht. Mir sind no in dr Gschicht drin. Es isch kain Film über öpis, wo mir wüssed, wiä s uusgange isch. Sondern es isch d Wirklichkeit, und mir händ vor allem en Wunsch, wiä d Wirklichkeit uusgoh söll. Das isch oisi Hoffnig. Aber es isch erst e Hoffnig. „Bis du kommst in Herrlichkeit“ münd mir üs uf s Gliiche iistelle, wo Jesus sini 12 Jünger druf iigschwore hätt: jammere, bruäle, truurig sii und derbi no gseh, wiä s anderne guät goht.

Oise Trost isch: so, wiä s ois jetzt schlecht goht, gohts üs denn nochher nomeh guät.

No meh, als es ois schlecht goht, goht s ois spöter guät.

En Gläubige, wo s em niä schlächt gange isch, hätt also vom Himmel nöd wahnsinnig vil.

Aber ali diä, wo scho emol g’litte händ, däne goht’s am Änd guät.

AMEN.

 

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel

    02Gruss

    03Kirchenjahrlied „Lobe den Herren“ EG 242,1-5

    04(stehend / im Wechsel) EG 128 {= Psalm 103}

    05Monatslied April EG 474,1-8 (nach 1 x Melodie)

    06Schriftlesung Psalm 15

    07Lied mit Gitarre und Orgel EG 8,1.2.1 „Ich lobe“

    08Predigttext und Predigt

    09Zwischenspiel

    10(stehend) Fürbitte

    11Vertrauenslied „Befiehl du“ EG 680,1.2.5

    12Kollekte: Greifensee

    13Mitteilungen: DI Bombach, MI KGV, DO Fiire + J-Gd

    14Schlussstrophen „Auf meinen“ EG 674,1-5

    15(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    16(stehend) Segen

    17(sitzend) Ausgangsspiel