Home

Email

Familiengeschichte

Nachlesen

Partei sein

Denkanstoss

Links

2005-03-25, 10:00, Karfreitag Gottesdienst mit Abendmahl
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Liturgie

Predigttext: 2. Korinther 5,14b-18 / 5,19-6,2

 

Liäbi Gmaind,

am hütige Karfriitig bedenked mir s Leide. Mir bedenked s Leide anhand vo ainere bestimmte Person.

Mir dänked dra, wiä diä Person g’litte hätt. Es isch also en Rückgriff in d Vergange’heit.

Suscht, wenn mer öpert liide gseht, chan mer eventuell en Bii‘trag leiste, dass das Liide uufhört. Mer chan ii‘griife und öpert entlaste oder zumindest beglaite.

Das goht in dr Passionsgschicht nöd. S Liide vo Jesus isch scho passiärt. D Gschicht hätt sich bereits ereignet. Mir chönd si nöd im Nachhinein verändere.

Mir chönd üs der Passion nur stelle. Si wirkt denn uf ois ii. Mir löhnd d Erinnerig vom Liide vo Jesus meh oder weniger nööch an ois ane.

Es git verschideni Aspekt in dr Gschicht vom letzte Obigmohl, vo dr Nacht im Garte Getsemane, vo dr Verhaftig, em Prozess und dr Chrüzigung.

Ain Aspekt isch d Stellvertretig. En andere Aspekt isch d Schuldlosigkeit. En wiitere Aspekt isch d Unuuswichlichkeit. Und denn gits no dr Aspekt vo dr Einmaligkeit. Und dr Aspekt vom Identifikationsangebot.

Stellvertretig, Schuldlosigkeit, Unuuswichlichkeit, Einmaligkeit, Identifikationsangebot – das sind es paar vo de Blickwinkel, wo mer s Leide vo Jesus druus betrachte chan. Es git no meh Gsichts’pünkt, aber ich möcht mich hüt mit däne foif befasse, wo n ich grad uuf’zellt han.

Stellvertretig. Jesus isch stellvertretend für mich g’storbe. An dr Stell vo ois isch er krüziget worde. „Stellvertretig“ isch es Wort us em religiöse Wortschatz. Im wältliche Bereich kenned mir ebefalls d Idee, dass öpert sini Laistig für anderi vollbringt. Dütlich sichtbar isch das im Sport. S Hockey-Team uf em Iisfeld erbringt sini Laistig stellvertretend für diä tuusige vo Fäns in dr Halle und für di zähtuusige vo Zuäschauer vor de Bildschirm dihaimet uf de Sofas.

Im Fall vomene Sieg oder nur scho vonere ehrehafte Niederlaag findet en Motivationstransfer statt. D Mannschaft hätt für ihri Fäns gwunne und d Fäns sind erlöst. D Aahänger vom be’jublete Team sind befreit, d Last isch vo ne ab’g’falle, si fühled sich stark, si fühled sich ver’aint, und si gönd ermuätiget in d Zuäkunft.

Und das alles findet nöd dur e aigeni Laistig vo de Fäns statt, sondern indem si Anteil nähmed. Si nähmed Anteil an dr Laistig, wo anderi für si er‘brocht händ. D Fäns händ sich nöd Schlitt’schuäh aa’gleit und sind uf em Iis vom Spilfäld ume’kurvt. D Spieler vo ihrer Mannschaft händ das stellvertretend für si gmacht.

Mer chan en Schritt wiiter goh und säge: d Spieler händ es Opfer erbroocht, indem si heftig trainiärt und ali andere Läbensbereich zruck’gstellt händ, damit s ihrne Fäns guät goht.

 

Liäbi Gmaind,

in religiöse Publikatione, wenn sich landeskirchlichi Lüüt über d Chrüzigung vo Jesus üssered, stelle ich e grossi Scheu fest. Dr Gedanke vo dr Stellvertretig, dr Gedanke vom Opfer, wo Jesus für üüs erbroocht hätt, wird sehr ablehnend kommentiärt. Ich halte das für Weltfremdheit. S Prinzip vo dr Stellvertretig spilt e Rolle im normale Läbe. S Prinzip vom Opfer spilt e Rolle im Sport. Wieso söll mer denn diä ganz normale Läbens’üsserige in dr Religion bestriite?

Mer chan doch au säge: Jesus isch en Held. Er hätt e Leistig vollbracht, wo mir nöd hätted chöne erbringe. Er hätt sich voll in das ine’geh, wo er durch’läbt hätt, und jetzt goht’s üüs guät, wil s ihm schlächt gange isch. Jesus isch nöd zwunge worde. D Evangeliä sind voll vo Situatione, wo Jesus zruck hätti chöne. Er hätti nöd müse dauernd dr Striit mit de Pharisäer kultiviäre. Er hätti nöd uf Jerusalem müse. Er hätti nöd im Tempel müse Präsenz zaige. Er hätti chöne wiit wäg goh, furt, und es privats Läbe füähre, ohni de iiflussriche Lüüt in Wäg z choo.

Aber das hät er nöd g’macht. Er isch döthi gange, wo s weh tuät. Nöd damit s weh tuät, sondern, wil sin Wäg döt dure isch. Sin Wäg, wo er stellvertretend für ois gange isch.

An däm Punkt hatt d Parallele mit em Sport natürlich scho lang uuf’ghört. Denn dr Sport isch und bliibt es Spiil. Wenigstens sötti mer ne als das uffasse. Im Sport gohts im Rahme vo dr allgemeine Fairness nöd um guät und bös. Natürlich wird där Rahme vo dr allgemeine Fairness gelegentlich durchbroche, und es git denn Ereignis, wiä Körperverletzige und Korruption, wo bös sind. Das isch denn aber e Abwiichig vom System. Und es isch nöd s System sälber.

D Leidens’gschicht vo Jesus isch kais Spiel. Drum richtet si sich nach moralische Kriteriä. Jesus isch guät. Er spilt nöd dr Guät, sondern er isch dr Guäti. Guät sii, das isch e göttlichi Eige’schaft. Drum hätt sich Jesus g’waigeret, sich als „guät“ bezaichne z loh. Er hätt sich sälber als „Sohn des Menschen“ bezeichnet - das isch en alttestamentliche Uusdruck für dr Gesandti, wo direkt vo Gott chumt. Er isch aigentlich Gott sälber, aber mer sait nöd „Gott sälber“, sondern mer sait „en typische Mensch“. En „Sohn des Menschen“, en Mensche’sohn, isch au wieder en Mensch. Aifach en Mensch.

Wenn ain also richtig Mensch isch, denn chumt er vo Gott.

Wenn mer gemäss sinere Bestimmig läbt, denn isch das göttlich.

Guät und bös sind Iitailige, wo mit guäte und böse Gedanke und guäte und böse Handlige z tuä händ. In däm Zsämehang stoht d Schuldlosigkeit vo Jesus. Sis Opfer isch nöd d Folg vo aigene böse Tate. Er hätt nöd zahlt für aigeti Vergehe. S Opfer vo Jesus isch allerdings d Folg vo böse Tate. Di böse Tate vo andere Mänsche händ ihn as Chrüz brocht.

D Schuldlosigkeit vo Jesus nimmt üs quasi d Sunnebrille wäg, wenn mir sis Liide betrachted. S Liide vo schuldige Mänsche nämed mir dur en Filter wahr. Mir gsehnd s zwar, aber es isch abdämpft, abdunklet. Mer luägt zuä, aber es goht aim weniger nöch, wenn mer sait: aigentlich hätt er s jo verdiänt.

Jesus hätt s nöd verdiänt. Das git sim Liide e unangnehmi Direktheit. S Liide vo Jesus erschiint ungfilteret vor oiserne Auge. Drum isch nur aimol im Johr Karfriitig, wil mer sich nöd jede Tag im Jahr komplett däm uussetze chan, was Jesus dure’g’macht hätt. Es würdi ain beschädige.

Dr nächsti Gsichtspunkt isch d Unuuswichlichkeit. Es ghört zu de unglöste Frage, wiä mer dr frei Wille vom Mensch und s Schicksal unter ain Huät bringe chan.

Im Fall vo Jesus isch d Unuuswichlichkeit vom Schicksal freiwillig gsi. Das isch en Widerspruch in sich sälber. Jesus isch automatisch am Chrüz g’landet. Es hätt eso müse choo. Aber es isch nur eso choo, wil Jesus nach em Wille vo Gott g’läbt hätt. Wenn er dr Wäg mit Gott verloh hätti, wär er ums Chrüz ume’choo. Er hätti chöne mit ere chline Abwichig zum göttliche Plan für sis Läbe s Chrüz umgoh.

Am Jesus sis Schicksal isch uuswichlich gsi. Sim Schicksal uuswiiche hätti bedütet: Gott nöd folge. Gott nöd folge, das isch bös. Als böse Mänsch wär Jesus niemert Speziells. Als guäte Mänsch isch er ainmalig.

Dodrmit bin ich bim zwaitletzte Gsichtspunkt. Ich bin bi dr Ainmaligkeit. Si stellt dr Unterschied dar zwüschet em Christetum und sämtliche anderne Religione und Weltbilder. S Judetum und dr Islam sind sich in däm Punkt ainig, in Jesus en Prophet z gseh. Das tönt guät, es isch aber kais Entgege’choh zum Christe‘tum hii, sondern e Abgrenzig vom Christe’tum wäg. Es git nämlich vili Prophete. Guät, so vil jetzt au wieder nöd, vilicht sind s es paar Hundert gsi. Aber sogar wenn s nur 7 Prophete geh hätti oder 25 – dr Punkt isch, sind s es paar oder isch es aine.

Nach em christliche Verständnis isch es aine. Jesus isch nöd dr Gröscht innerhalb vonere Kontrollgruppe, sondern dr Gröscht. Mir chönd ihn durchuus als Profet bezaichne. Genauso wiä mir ihn als Israelit und als Lehrer und als Zimmermann bezaichne chönd. Das stimmt alles, aber es isch nöd dr Grund, wieso mir hüt oisi Existenz uf Jesus stützed.

Es hätt vor zweituusig Johr vili Zimmermanne gee in Israel. Das isch mir aber herzlich gliich. Es isch für diä Lüüt wichtig gsi, wo en Dachstock für ihres Huus brucht händ. Also, es isch nöd bedütigslos, dass Jesus Zimmermaa gsi isch. Aber für mich isch es unwichtig.

Und wenn ich Jesus NUR als Prophet bezaichne, denn isch es gliich. En Prophet isch wichtig für diä Lüüt, wo Ermuätigung oder Kritik bruuched, je nach Läbens’situation, wo mer sich befindet. Das, wo so Prophete fruäner emol gsait händ – di ainte händ sogar g’schribe - , das chan mer sich durchuus hüt no dur dr Chopf goh loh. Wenn öpis fruäner e guäti Idee gsi isch, chamer s vilicht hüt e chli uufpeppt wider bruuche.

Aber mis Läbe hängt nöd dervo ab. Mis Seeleheil isch nöd in Gfahr. Mini Erlösig isch nöd dervo betroffe.

Wenn Jesus nur en Prophet gsi isch, denn chan mich d Beschäftigung mit sine Wort e chli weiser mache. Das nimm ich gärn mit, so e chli Weisheit für uf dr Läbenswäg. En Christ bin ich drum nonig.

En Christ bin ich erst, wenn ich in Jesus es ainmaligs Gschänk vom Schöpfer an mich gsehne. Erst wenn s nur aine git wiä Jesus, erst wenn Christus dr ainzigi in sinere Kategorie isch, denn chan er mich erlöse. Denn isch Jesus kain Lieferant für gschidi Idee. Sondern er isch d Erkenntnis. Er linderet nöd min Schmerz. Er heilt mich.

Zum Schluss no dr Blickwinkel vom Identifikationsaagebot. Ich würd däm dr mittelalterlich, barock und pietistisch Blickwinkel säge. Mit Jesus, wo uferstande zur rechte vo Gott Vater im Himmel sitzt, identifiziärt mer sich traditionell nöd. Nöd bewusst. In etliche Gedicht und Passionstext identifiziärt sich dr Dichter respektive där wo s liest mit em verspottete, Schmerze erlaidende Jesus. Mer identifiziärt sich mit ere plagte, quälte Person.

Für mich s Fasziniärende an däre unmittelbare Betrachtigswiis isch, dass si immer hin und här kippt zwischet Mitleid und Schuldbewusstsii. Im Moment, wo ich s Leide empfinde, han ich Mit-Leid, ich leide mit. Denn ich bin ich plaget, es Opfer. Aber Jesus isch gstorbe, wil er sich em gesamte Böse entgege’gstellt hät, und doh, am Komplett-Böse, han ich au min Aateil. Ich probiär, villicht nöd en allzugrosse Anteil am gsammlete Böse im Universum z haa, aber entscheidend isch jo nur, bin ich derbi oder nöd. Und ich bin derbi. Im Augeblick, won ich das erkenne, kippe ich us em Mitleid use und erkenne mini Schuld. Denn bin ich Täter. Ich bin där, wo plaget.

D Identifikation mit em liidende Jesus macht mir bewusst, dass s Liide aimet her chummt. Es chummt vo mir.

Damit mer d Notwendigkeit vo dr Vergäbig erkennt, isch es sinnvoll, sich mit em Liide vo Jesus z identifiziäre.

AMEN. 

 

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel (Orgel)

    02Gruss

    03Liedvortrag (1/4) 24. „Brich entzwei“ BWV 444

    04Bibeltext zu Karfreitag, Teil 1

    05Karfreitagslied EG 456,1-3.1 „Korn, das in die Erde“

    06(stehend / gemeinsam) Gloria EG 218

    07Liedvortrag (2/4) 23. „So gehst du“ BWV 500

    08Bibeltext zu Karfreitag, Teil 2

    09Monatslied EG 457,1-3 (1 x Melodie, dann Gemeinde)

    10Predigt

    11Liedvortrag (3/4) 25. „Es ist vollbracht“ BWV 458

    12(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    13Einsetzungsworte

    14Liedvortrag (4/4) 22. „Sei gegrüsset“ BWV 499

    15(HelferInnen treten herzu) Austeilung an die HelferInnen

    16Liedstrophe EG 314 „Christe, du Lamm Gottes“

    17Austeilung an die Gemeinde, dazu Musik (über BWV 499)

    18(stehend) Dankgebet (danach: HelferInnen setzen sich)

    19Gemeindelied EG 441,1-3.5 „O Welt, sieh hier dein Leben“

    20Kollekte:

    21Mitteilungen:

    22(stehend) Segen

    23(sitzend) Ausgangsspiel (Orgel)