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2005-03-06, 10:00, Bfa-Gottesdienst mit Taufe
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Liturgie

 

Predigt über Johannes 6,55-65

 

Johannes 6,55-65 [GNB = Gute Nachricht Bibel]

    (55)Denn mein Fleisch ist die wahre Nahrung, und mein blut ist der wahre Trank.

    (56)Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt mit mir verbunden und ich mit ihm.

    (57)Der Vater, von dem das Leben kommt, hat mich gesandt, und ich lebe durch ihn. Genauso wird jeder, der mich isst, durch mich leben. /

    (58)Das also ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist etwas ganz anderes als das Brot, das eure Vorfahren gegessen haben. Sie sind gestorben, wer aber dieses Brot isst, wird ewig leben.“ /

    (59)Dies sagte Jesus in der Synagoge von Kafarnaum, so lehrte er dort die Menschen.

 

Worte, die zum ewigen Leben führen [Zwischentitel GNB]
 

    (60)Als sie das hörten, sagten viele, die sich Jesus angeschlossen hatten: „Was er da redet, geht zu weit! So etwas kann man nicht mit anhören!“ /

    (61)Jesus wusste schon von sich aus, dass sie murrten, und sagte zu ihnen: „Daran nehmt ihr Anstoss?

    (62)Wartet doch, bis ihr den Menschensohn dorthin zurückkehren seht, wo er vorher war!

    (63)Gottes Geist allein macht lebendig; alle menschlichen Möglichkeiten richten nichts aus. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind von diesem Geist erfüllt und bringen das Leben.

    (64)Doch einige von euch haben keinen Glauben.“
    Jesus kannte nämlich von Anfang an die, die ihn nicht annehmen würden, und wusste auch, wer ihn verraten würde.

    (65)Und er fügte hinzu: „Aus diesem Grund habe ich zu euch gesagt: Nur die können zu mir kommen, die der Vater dazu fähig macht.“

 

Liäbi Gmaind,

„Was er da redet, geht zu weit! So etwas kann man nicht mit anhören!“ – Das isch e Zuähörer-Reaktion.

Di ainte vo däne, wo Jesus bi sinere Predigt in dr Synagoge vo Kafarnaum zuä‘losed, reagiäred abwiisend.

Si händ Jesus quasi e Liniä gsetzt, nach em Motto „bis hierhin und nicht weiter“.

Mit sine Wort über Fleisch und Bluät hät er diä Liniä überschritte.

Jesus frögt ainersiits zrugg: „Daran nehmt ihr Anstoss?“ Das tönt so wiä: „Über so öpis reged ihr oi uuf?“

Anderersiits lait er di ablehnende Zuähörer in Gottes Hand. Er schwächt nöd sini Botschaft ab, damit er weniger Zuähörer schockiärt und ihn derfür meh aa‘nähmed.

Stattdesse sait er: „...einige von euch haben keinen Glauben.“ Und er chumt zum Schluss: Ich chan nur diä Zuähörer erreiche, wo dr Vater – Gott Vater – derzuä befähiget hätt.

Bi dä ainte chumt mer aa, bi dä andere lauft mer uuf.

Jesus möcht ali Zuähörer rette, aber er nimmt zur Kenntnis, dass nöd ali Zuähörer g’rettet werde wänd.

Dass en Tail vo de Zuähörer sini Erlösigs’botschaft ab’lehnt, schiäbt er nöd de säbe Zuähörer in d Schuäh. Er erklärt das ungefähr eso: „Gott hätt ne halt kais Zuähörer-Gen gee. Nur diä, wo vom Schöpfer es Zuähörer-Gen überchoo händ, chönd di frohi Botschaft akzeptiäre.“

 

Liäbi Gmaind,

dass Jesus diä Mensche nöd persönlich aagriift, wo nüt vo ihm wüsse wänd, das isch e Konsequenz vo dr freie Verkündigung.

Wichtig isch für ihn, dass er sis Möglichste gmacht hätt. Jesus hätts probiärt. Er hätt s Evangelium verkündet. Er isch in d Synagoge gange. Er hätt sini Predigt g‘halte.

Di ainte vo de Zuähörer lehned ihn nöd ab, wil er z liislig g‘redet hätt und ihn d Lüüt nöd verstande händ.

Diä wo ihn ablehned, lehned s Evangelium erst ab, nachdem s ihne verkündiget worde isch. Di guät Nochricht isch ihne amene ge’eignete Ort klar, düütlich und verständlich mitteilt worde. Mer cha si aaneh. Und mer cha si ablehne.

Ich han jetzt z‘erst vo däne gredet, wo dr Erlöser nöd wele händ.

Jetzt chum ich zu däne Zuähörer, wo di froh Botschaft aanähmed. Diä dörfed sich nöd als moralisch höcherwärtig fühle im Vergliich zu däne, wo „nai“ gsait händ zu Gott.

Diä Zuähörer, wo di froh Botschaft aanähmed, sölled s Aaneh nämlich wiä d Erlösig an und für sich als e Gnad betrachte.

Doh kollidiäred verschiedeni Erklärigsmodell mitenand.

Eis Erklärigsmodell isch dr frei‘i Wille.

Eis Erklärigsmodell isch d Gnad vo Gott.

S Erklärigsmodell vom freie Wille goht eso: Ich dörf „ja“ säge oder „nai“.

Ich muäs aifach nochhär d Konsequenze träge.

Wil ich säge dörf, was ich will, bin ich verantwortlich für mini Entschaidig.

Ich cha s nöd uf öpert abschiäbe.

Sondern ich bin für mis Glück sälber verantwortlich.

Wenn mir nur s Erklärigsmodell vom freie Wille händ, denn muäs Jesus ois dankbar sii, dass mir ihn als Erlöser aanähmed. Er schuldet üs denn quasi öpis, wil mir diä gewaltigi Leistig voll‘bracht händ, ihn als Herr vo oisem Läbe aa’z‘neh.

Das füährt denn aber e chli zunere verkehrte Wält.

Nöd Jesus schuldet ois öpis, sondern mir schulded ihm öpis.

Nöd er chan ja froh sii, dass mir überhaupt an ihn glaubed, sondern mir chönd froh si, dass er ois s Heil schänkt.

Und drum nimmt mer als Zuä‘satz zum Erklärigsmodell vom freie Wille no es zwaits Erklärigsmodell, nämlich das vo dr Gnad.

Damit ich s Heil vo Jesus nöd im Nachhinein entwärte, säge ich:

Sogar dass ich di froh Botschaft han dörfe aaneh, isch e Gnad.

Es isch nöd nur es Entgege‘choo vo Gott, dass er mich dur Jesus Christus erlöst. Es isch au es Entgege‘choo vo Gott, dass er mich befähiget hätt, mis Herz uuf’z‘tuä.

 

Liäbi Gmaind,

es git vili Versuächige im Läbe.

Eini vo de Versuächige isch d „System-itis“.

D System-itis isch d Versuächig, für alles es System z finde, also für alles en Erklärig z finde, alles irgendwo no iizbezüche.

Wiäs bi de Versuächige so isch, si sind ebe verlockend, und drum muäs mer sich ihne nöd in jedem Fall stelle, sondern mer muäs de Versuächige halt au emol us em Wäg goh chöne.

Als Gläubigi säged mir: Jesus isch für üs uf d Wält cho und er hätt sis Läbe hiigee, damit mir ewigs Läbe händ. So hätt sich sini Liäbi zu üüs zaigt. Das glaub ich sälber, und mit däm sött ich kais Problem haa.

Ich chan aber es Problem überchoo mit em Umstand, dass nöd ali glaubed.

Und denn isch d Versuächig gross, dass ich nöd uf di Gläubige luäge, und mich froie.

Sondern, dass ich uf di Ungläubige luäge, und diä irgendwiä in mini Wält’aa’schauig intergriäre möcht.

Also, wenn si scho nöd s Gliiche glaubed wiän ich, denn möcht ich si wenigstens irgendwo in minere Läbens’philosophie in e Schublade ine tuä chöne, damit Ornig herrscht im Fade’zainli.

Erinnered mir üs: Jesus sait, di ainte Empfänger vom Evangelium seiged vo Gott halt zum Zuä‘lose nöd fähig gmacht worde. Ihne fähli öpis, wo di Gläubige überchoo händ.

Wenn ich jetzt di Ungläubige separat betrachte, denn isch d Versuächig gross, dass ich si als Verdammti betrachte.

Wenn ich nur di Ungläubige im Blickfeld han, denn isch d Versuächig gross, dass ich säge: Gott hätt diä Ungläubige derzuä bestimmt, dass si verloore gönd.

Däm System sait mär „di dopplet Prädestination“.

‚Prädestination‘ heisst Vorherbestimmig.

E doppleti Prädestination isch es denn, wenn nöd nur di ainte Mensche zum Heil bestimmt sind, sondern au di andere Mensche zum Untergang bestimmt sind. E doppleti Vorherbestimmig isch es, wenn di ainte fix programmiärt sind zum Erlösti werde und di andere fix programmiärt sind zum Verdammti werde.

Wieso säg ich, es isch e Versuächig, esones System z mache?

Wil, wenn ich waiss, weles di Erlösigs‘bestimmte sind und weles di Verdammigs‘bestimmte, denn hebe ich di ainte in Himmel und di andere schribe ich ab.

Di ainte fiire ich und di andere verachte ich.

Ich erkläre di ainte scho in däm Läbe für läbig und di andere betrachte ich als „dead men walking“, also als Lüüt, wo no ume‘laufed, aber s Verfallsdatum kläbt an ihrer Stirn.

 

Liäbi Gmaind,

mir händ hüt en Uusblick in es nois Läbe, mir händ dr Luca Nando in oiseri Gmaind uufgnoh. Mir wänd ihm verzelle und vorläbe, dass Gott ihn liäbt. Mir wänd ihm vo Jesus verzelle und mir bitted drum, dass dr heilig Geist ihm Füür git und Energie, damit er als beseelte, starke Mensch dur s Läbe goht.

Er söll di frohi Botschaft ghöre – klar und düütlich und verständlich. Im Verlauf vo de Johr wird sich bim Luca dr frei‘i Wille bilde. Mir wänd ihn in sinere Urteilsfähigkeit fördere. Als Chind dörf er in ere gschützte Um‘gäbig uuf‘wachse. Und während em Uuf‘wachse söll er s Rüst‘züüg überchoo, zum sich als Erwachsene selbständig in dr Freiheit z bewege.

Mir wänd ihn nöd schubladisiäre und entweder säge „er isch automatisch grettet“ oder „er isch automatisch verloore“.

Oisi Uufgab isch es, das z mache, was mir mache chönd. Mir leisted diä Bii‘träg, wo mir derzuä fähig sind. Mir sölled üs nöd uf d Unfähigkeite vo anderne Mensche konzentriäre, sondern mir sölled üs uf di eigene Fähigkeite konzentriäre. Im Umgang mit Chind würdi das bedüte, dass mer ihne nöd nur vorhalted, was si alles nöd chönd, sondern dass mer ihne zaigt, weli Fähigkeite si überchoo händ.

Wenn mer amene Mensch zaigt, weli Fähigkeite er hätt, denn ermuätiget mer där Mensch zur Aktivität. Er söll denn nämlich diä Fähigkeite, won er doch hätt, iisetze und gebruuche.

Wenn ich amene Mensch hingege vor allem zaige, was er nöd chan und zu was er komplett unfähig isch, denn erzüch ich ihn zur Passivität. Ich vermittle d Botschaft: „Lass es doch. Es bringt eh nüt, wenn du öpis machsch.“

Im „Brot für alle“-Gottesdiänst händ mir en Uusblick in di gross wiit Wält. Hüt isch es Simbabwe, wo mir is Aug fassed. So, wiä d Versuächig do isch, ainzelni Mensche z schubladisiäre und si in d Schublade vo de Heilige oder in d Schublade vo de Verloorene ii’z’ordne, so gits au d Versuächig, das mit Länder z mache oder sogar mit ganze Kontinent.

Wenn ich dr Kontinent Afrika betrachte, vor allem das, wo mer hüt sait „Subsahara“, also alles vo dr Sahara aa abwärts Richtig Süde, denn chan mer scho uf d Idee cho, dass es verloreni Regione und Völker git. Lüüt, wo s ne so schlächt goht, dass mer am Eifachste säge würdi: das muäs eso sii, diä sind halt quasi vomene unuuswiichliche Schicksal bestimmt worde zum Liide. 

Wenn mer das eso gseht, nach em Motto „so isch es halt“ – denn änderet mer nüt. Mer loht s eso, wiä s isch. Di ainte gönd sogar no en Schritt wiiter und säged: „Es muäs eso sii, wiä s isch.“

Ich glaub das nöd. Im Bereich vo dr Entwickligs‘zämearbet söll mer sich minere Meinig noch wiä im Bereich vo dr Erziähig uf d Fähigkeite konzentriäre. Nöd nur en Mensch chan mer zu Passivität erziäh. Au Völker chan mer zu Passivität erziäh, und das wär minere Meinig nach denn falsch.

Im Religions‘unterricht an dr Schuäl und im Konfirmande‘unterricht in dr Chile händ mir en Dokumentarfilm über AIDS in Südafrika g’luäget. Döt isch e grossi gsellschaftlichi Passivität zum Uusdruck cho. Es sind nöd Mensche mit wiisser Huutfarb, wo Mensche mit schwarzer Huutfarb bevormunded. Sondern es sind schwarzi Manne – schwarzi Ehemänner und Medizinmanne - , wo ihri Familiä und ihri eigeni Bevölkerig bevormunded und in Passivität verharre lönd. Es isch e tödlichi Passivität, wo d Mensche dra hinderet, ihri aigete Fähigkeite wiä Selbstverantwortig und Urteils‘vermöge z benutze.

D Bekämpfig vo AIDS in Südafrika basiärt in dr Breiti uf freiwillige Helferinne, wo genau vo däre Passivität Abschied nähed. Es git Fraue‘gruppe, wo aktiv werded, und wo nach ihrne Fähigkeite mit Uufklärigsarbet vor AIDS warned und wo aber au ganz konkret di Erkrankte pfleged.

Früäner hätt‘s e koloniali Bevormundig geh in Afrika, wo d Kolonialherre gsait händ, wo s dure goht.

Hützutags isch es e inner‘gsellschaftlichi Bevormundig, wo nöd nur unangnehm isch, sondern für Millione vo AIDS-Chranke zur tödliche Falle wird.

Mer chan öpis ändere, allerdings chönd nöd mir Schwizer stellvertretend öpis tuä, und di Unterstützte bliibed derbi passiv. Technischi Massnahme wiä di verbilligt Abgab vo Medikament sind nur ai Komponente.

Wichtig isch es, dass sich d Iistellig vo de Mensche in de dur AIDS betroffene afrikanische Länder änderet. Si sind nöd vomene unbarmherzige Schicksal verurteilt, unter däre Süüche z liide, sondern si händ d Fähigkeite, wo Läbe retted. Diä Fähigkeite muäs mer fördere.

E zentrali Fähigkeit isch diä vo de Fraue, ihres Schicksal und ihres ganze Läbe sälber z bestimme. Wenn d Fraue nüme de Manne folge (gehorchen) müssted, denn müssted d Manne nüme de Medizinmanne und de Häuptling folge.

Ich find, mir münd zerst emol dervo uusgoh, dass jede gsundi erwachseni Mensch d Fähigkeit zur Selbstbestimmig hätt, und diä Fähigkeit nutze sött.

Ich chume zum Schluss:

Wenn mer aktiviärt isch, söll mer sich nöd als höcherwärtig fühle im Vergliich zu däne, wo no in der Passivität verharred.

Sondern mer söll säge:

„Es isch a Gnad vo Gott, dass ich mini Fähigkeite iisetze chan!“

AMEN.

 

 

Liturgie

 

    01Sänger

    02Gruss

    03Morgenlied EG 557,1-6

    04(stehend, nach Ansage) Psalmgebet [Blatt]

    05Sänger

    06Statement zu Bfa-Projekt

    07Sänger

    08Taufe

    09(stehend) Taufgebet

    10Wunschlied der Taufgesellschaft EG 431,1-3

    11Predigttext

    12Predigt

    13Sänger

    14(stehend) Fürbitten

    15Monatslied EG 457,1-3 (nach Ansage)

    16Kollekte. Hinweis Kirchenkaffee. Mitteilungen

    17Schlusslied EG 343,1-4

    18(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    19(stehend) Segen

    20(sitzend) Sänger