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2005-02-20, 10:00, Sonntag Reminiscere „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit!“ (Psalm 25,6)
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Liturgie

 

Predigttext

Matthäus 12,38-42 [GNB]

[„Die Gegner fordern von Jesus einen Beweis“]

    (38)Darauf antworteten einige der Gesetzeslehrer und Pharisäer und forderten: „Lehrer, wir wollen von dir ein Wunder sehen, das eindeutig beweist, dass du von Gott beauftragt bist!“

    (39)Jesus erwiderte: „Diese böse Generation, die von Gott nichts wissen will, verlangt einen Beweis, aber es wird ihr keiner gegeben werden – ausgenommen das Wunder, das am Propheten Jona geschah: Den Beweis werden sie bekommen!

    (40)So wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Seeungeheuers war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte in der Tiefe der Erde verborgen sein. /

    (41)Am Tag des Gerichts werden die Bewohner von Ninive aufstehen und diese Generation schuldig sprechen; denn als Jona sie warnte, haben sie ihr Leben geändert. Und hier steht ein Grösserer als Jona!

    (42)Am Tag des Gerichts wird die Königin aus dem Süden aufstehen und diese Generation schuldig sprechen; denn sie kam vom Ende der Welt, um die weisen Lehren Salomos zu hören. Und hier steht ein Grösserer als Salomo!“

 

Liäbi Gmaind,

d Losig für dr hütigi Sunntig luutet: „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ Das stoht im Römerbriäf; Kapitel 5, Värs 8.

En Meeressund trennt zwai Küste. Zum Bispil dr Öresund, där trennt di dänisch vo dr schwedische Küste. En Sund isch es altdütsches Wort für öpis Trennends. Wenn alli Schwede in Schwede blibe würded und ali Däne in Dänemark, denn chönnted si dr Sund Sund si loh.

Aber si händ e Bruck über dr Öresund baut, damit mer mit em Auto über dr Meeressund fahre chan.

Si händ dr Sund überwunde.

Es isch e baulichi Schönwetterlösig. Bi heftigem Wind dörfed nur schweri Fahrzüg über d Bruck fahre, wil dr Sturm überem Meer d Chraft hätt, liichti Personewäge aifach vo dr Bruck z wehä. Vor wenige Täg isch grad wider esone Warnig use’choo, wo Winterstürm über em Öresund tobt händ.

Christus isch für üs g’storbe, wo mir no Sünder gsi sind, stoht im Römerbriäf.

Wo s no en Sund geh hätt zwüschet Gott und ois, doh hätt Gott e Bruck baut, zum där Sund überwinde.

Diä Bruck, das isch dr Chrüzes-Tod vo Jesus Christus.

Er verbindet di beide Küste diessits und jensiits vom Sund mitenand.

Dank däre Verbindig chan en Uustusch stattfinde zwüschet döt und doh, zwüschet Gott und Mensch.

Allerdings isch diä Bruck, wo Gott zu ois Mänsche hii baut hätt, nöd nur bi schönem Wetter befahrbar. Und mir münd au kai Angst haa, dass mir is Meer g’windet werded, wenn mir uf däre Bruck zu Gott chömed.

Bim Öre-Sund händ Dänemark und Schwede gemeinsam baut, und dr Strassebaufonds vo dr EU hätt no tüchtig subventioniärt.

Wo dr Sund, d Trennig zwüsche Gott und Mensch überwunde worde isch, hätt das Bauwerk aisiitig Gott errichtet.

Er isch zu üs cho.

Im alte Testament hätt er sich immer wieder ainzelne offebart. Er hätt Vertreter gschickt, sogenannti Prophete.

Im noie Testament isch er als Krönig sälber cho.

In dr Person vo Jesus git’s kain Unterschied meh zwüsche em Überbringer vo dr Botschaft und dr Botschaft. Jesus isch d Message. Drum verhaltet sich Jesus zwar uf en Art wiän en Prophet. Er isch aber meh als en Prophet, er isch d Botschaft. Er isch Good News, diä guät Nachricht.

 

Liäbi Gmaind,

„...als wir noch Sünder waren.“ hätt Gott ois sini Liäbi bereits erwise. Das chan mer ziitlich verstoh, oder strukturell.

Wenn mer das „als“ ziitlich verstoht, denn muäs jede vo ois zerst emol en Sünder sii, damit mer denn anschlüssend g’rettet werde chan. Jedes Schöfli müssti denn zerst emol verlore goh, wil: erst wenn s verlore isch, chan mers wieder finde.

Es git tatsächlich Lüüt, wo so es Vorher-Nachher in ihrem Läbe händ. Im Einzelfall chamer do es spannends Buäch druus mache mit eme richtig gemeine, fiese, dräckige, brutale Kriminelle, wo denn dur d Begegnig mit Gott g’rettet wird und sich in en nätte, fründliche, suubere Christ ver’wandlet. Ais Bispil isch dr Nicky Cruz, wo als illegale Iiwanderer us Puerto Rico uf New York cho isch. Nach ere kriminelle Karriere als Messerstecher im Teenageralter hätt er sich bekehrt und hätt aagfange, unter sine ehemalige Mitdelinquente z missioniäre.

Jetzt sind aber nöd ali Lüüt uf däre Welt latinamerikanischi Jungverbrecher im amerikanische Gross’stadt‘dschungel. Und mir münd au nöd ali z‘erst Drogedealer werde, damit mir noch’her dermit uuf’höre und so noii Mensche werde chönd.

Bi de durchschnittlichere, weniger gemein’ge’fährliche Persone chamer das „als wir noch Sünder waren.“ strukturell verstoh. Es wiist druf hii, dass Gott d Verbindig zu ois vo sinere Siite här uuf’baut hätt. Es zaigt üs dr Unterschid zwüschet Aktion und Reaktion, nämlich, dass di göttlich Liäbi d Aktion isch und oises Aaneh vo dr Liäbi d Reaktion. D Sünd wird nöd überwunde dur es G’mainschafts-Bauwerk, wo Gott und Mänsch als Team, als ARGE {Arbeitsgemeinschaft}, mitenand öpis Tolls ane’bringed. Sondern, alles, was mir Mensche für Gott mached, isch es Feedback gee uf dr Sound us em Himmel. Mir baued also nöd oise Tail vo dr Bruck, sondern mir warted, bis si fertig isch. Und denn fahred mer drüber. D Bruck zu Gott staht aber au doh, wenn mir nöd drüber fahred. Si isch es Gschänk für ois.

Das Gschänk isch übrigens nöd s erste Gschänk: s erste Gschänk isch, dass es ois überhaupt git. S erste Gschänk isch, dass mir uf d Wält cho sind.

Bi de Vorher-Nachhär-Persone, bi däne, wo zerst Schlimmi gsi sind und wo nach dr Bekehrig Aaständigi worde sind, döt chamer s Iigrife vo Gott lokalisiäre. Au sonen Mänsch isch sich hoffentlich bewusst, dass er in sinere ganze Wirkigsziit niä sovil zruck’gee chan, wiä er übercho hätt.

Bi de Christe, wo nöd ohni Wiiteres es exakts Datum für ihri Bekehrig in dr geistliche Identitäts’charte ver’merke chönd, gits mehreri Erläbnis, wo ihne s „Z‘erst“ vo dr göttliche Liäbi verdüütlichet. Letztlich isch es jede Moment, wo mir Dankbarkeit g’spüred, wo üs s „Z‘erst“ vo dr göttliche Aktion gegenüber oiserer menschliche Reaktion zaigt.

Dankbar sii isch e Reaktion. Mir reagiäred mit Dankbarkeit uf öpis, wo üs z Guät cho isch.

 

Liäbi Gmaind,

nach dr Losig für dr Sunntig möcht ich no uf dr Predigttext vom Suntig iigoh. Es goht drum, dass ungläubigi Mitmensche vo Jesus en Bewiis verlanged, damit si vo Ungläubige zu Muss-Gläubige werded. E gspässigi Konstruktion: Di ungläubige Diskussions’partner vo Jesus wänd nöd Gläubigi werde, denn si glaubed em Jesus ebe grad nöd. S Änd vo ihrem Unglaube söll en Bewiis liefere, und där Bewiis wär denn der Aalass, dass si aifach an ihn glaube müssted. Wenn mer öpis muäs, isch mer nüme sälber verantwortlich. Wenn mer muäs, trait d Verantwortig diä Instanz, wo aim zwingt. Also, wenn Gott üs mit eme Bewiis zwingt, an ihn z glaube, denn sind mir nüme verantwortlich für oise Glaube, sondern denn ligt d Verantwortig für oise Glaube elai bi Gott. Mir sind persönlich unbetailiget. Es goht üs nüt aa. Mir münd bloss.

Diä Gedanke-Konstruktion steckt hinter d Forderig an Jesus, er sölli en Bewiis liefere.

Jesus will, dass diä, wo an ihn glaubed, freiwillig an ihn glaubed. Das isch sini Gedanke-Konstruktion. Er findet, dass mir verantwortlich sind für oiseri Iistellig. Was mir glaubed, für das sind mir Reche’schaft schuldig. Mir chönd oise Glaube nöd aifach ab’schiäbe uf e höcheri Ebeni, sondern dr Glaube findet bi ois statt oder denn findet dr Glaube halt nöd statt.

D Konsequenz, in zwei Tail: es git kain Bewiis. Es git kain Bewiis, dass Jesus vo Gott chummt. Das isch dr ersti Tail. Und dr zwaiti Tail: niämert muäs glaube. Mer muäs viles, nur glaube muäs mer nöd. Mer dörf glaube. Freiwillig. Müse tut mer in däm Zsämehang: Verantwortig träge.

Für das, wo mer freiwillig glaubt, isch mer verantwortlich. 

Jesus erwähnt dopplet „den Tag des Gerichts“. Dr Tag des Gerichts, das isch döt, wo mer merkt, ob das, wo mer dra glaubt, verhebet. ‚Der Tag des Gerichts‘, das isch döt, wo mer d Verantwortig überneh muäs für sini Iistellig.

In dr Gege’red (Gegenrede) uf d Forderig nach eme hieb- und stichfeste Bewiis wählt Jesus e nach une orientierti Argumentation. Er sait, där Bewiis, wo ihr wänd, gits nöd, aber es git weniger hieb- und stichfesti Bewiis, und diä müssted oi aigentlich scho lange. Jesus wirft sine Gegner vor, dass si vo ihm en Bewiis für d Nöchi vo Gott zu de Mänsche wänd – obwohl s doch im Alte Testament scho ganz vili settigi chlini Bewiis für d Gegewart vo Gott uf dr Erde hät.

Jesus sait de Gegner quasi, ihr bruched mich überhaupt nöd. Nämed oi es Bispil am Glaube vo de Vorfahre, betrachted d Iistellig vo Lüüt, wo mittlerwile verstorbe sind, denn müssted ihr sogar ohni direkte Kontakt mit mir zum Glaube an Gott finde.

Als Bispil erwähnt er d Gschichte vo de Stadtbewohner vo Ninive und vonere Königin us Yemen.

D Bewohner vo Ninive ändered ihres Läbe, wil en Prophet us eme andere Land bi ihne prediget. Er hätt nöd emol di gliich Religion wi d Ninive-ianer, er isch en Fremdling, und si händ vor sinere Aakunft no niä vo ihm g’hört. Trotzdäm händ si em Jona zuä’g’lost und sich vo ihm über’züüge loh.

Zu de Ninive-ianer isch nöd Gott persönlich cho, nur en Prophet. Das hätt g’langet. Mer muäs nur d Ohre uuf’tuä. Denn g’hört mer scho, was Gott aim sait.

Und di ander Bispil’gschicht, do erfahrt d Königin vo Südjemen uf dr arabische Halb’insle, dass dr König vo Israel weise isch. D Königin isch sälber riich, si isch sälber gschid. Sälber riich isch si, wil ihres Volk mit Weihrauch, Gold, Edelstai und Elfebein en schwunghafte internationale Handel triibt, und si kassiärt derbi ab. Und sälber gschid isch si, wil si an ihrem Königs‘hof hochklassigs Ingenieurwüsse unter‘richte loht, damit ihri gross’artigi Bewässerigs’aalage für d Landwirtschaft mizt in dr Wuästi in Betrieb bliibed und uusbaut werded. Diä Königin will also öpis, wo meh wärt isch als Gäld, und wo wichtiger isch als Wüsse. Si will Weisheit. Und wil si g’hört, dass es in Israel en König gäbi, wo angeblich weise seig, reist si uf Verdacht döthi. Si bsuächt dr König, Salomo heisst er, und lost ihm zuä. D Königin vom Süde goht also in es Land, wo technologisch ihrem Yemen unterläge isch. Dr Salomo hätt kai derart höch entwickleti landwirtschaftlichi Bewässerigs’system gha. D Königin vo Saba goht in es Land, wo ihrem Land finanziell unter’läge isch: dr Salomo hätt kai sälber verdiänti Luxus’guäter, nur das, was sin Vater David uf de verschidene Raub’züüg bi de Nachbere alles zäme’g’stohle – also: eroberet – hätt.

Uf dr Suächi nach dr Weisheit vomene König imene mässig bedütende Land nimmt d Königin vom Süde s Risiko uf sich, ihres aigete Königriich vorübergehend hinter sich z loh und e läbens’gföhrlichi Reis is Un’g’wüsse aa’z’trete.

Si findet das, wo si g’suächt hett. D Weisheit vom Salomo über’züügt si. Derbi isch dr Salomo doch, bös gsait, nur en Sohn vo Bruäf, wo es Läbe lang s Erbe vo sim Vater David uus’git, bis denn ziit’glich mit sim Tod d Staats’kasse läär isch.

Wo dr König Salomo d Herrschaft aatrete hätt, isch d Staats‘kasse voll gsi.

Wo dr König Salomo g’storbe isch, isch Israel pleite gsi.

In dr Zwische’ziit hätt dr sterblichi, irdischi Mensch Salomo nöd nur regiärt, sondern sich Gedanke über s Läbe g’macht. Und dodrmit hätt er dr vilicht hellste Person uf eme Königs’thron vo sinere Generation es Gschänk gee: Weisheit.

Was will Jesus sine Gegner säge: mer findet öpis, wenn mer suächt. Mer g’hört öpis, wenn mer loset.

Sogar ohni Bewiis gits meh als gnuäg Hiiwiis.

Scho bevor mir Jesus kenned, bechömed mir vo Gott öpis mit.

AMEN.

 

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel

    02Gruss

    03Monatslied EG 572,1-5 „Morgenglanz der Ewigkeit“

    04(stehend / im Wechsel) Psalmgebet EG 110 [Psalm 19]

    05Lied mit Gitarre EG 685,1-5 „Schönster Herr Jesu“

    06Predigttext

    07Loblied EG 731,1-3 „Ich will dem Herren singen“

    08Predigt

    09Zwischenspiel

    10(stehend) Fürbitte

    11Lied EG 235,1-5 „Nun danket all“

    12Abkündigungen

    13Leidstrophe EG 674,3

    14Kollekte: ...

    15Mitteilungen: ...

    16Schlussstrophen EG 235,6-9

    17(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    18(stehend) Segen

    19(sitzend) Schlussspiel