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2005-01-16, 10:00, Letzter Sonntag nach Epiphanias
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Liturgie

 

Predigttext 2. Mose 3,1-10

    (01)Mose hütete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Als er die Herde tief in die Wüste hineintrieb, kam er eines Tages an den Gottesberg, den Horeb.

    (02)Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer lodernden Flamme, die aus einem Dornbusch schlug. Mose sah nur den brennenden Dornbusch, aber es fiel ihm auf, dass der Busch von der Flamme nicht verzehrt wurde.

    (03)„Das ist doch seltsam“, dachte er. „Warum verbrennt der Busch nicht? Das muss ich mir aus der Nähe ansehen!“

    (04)Als der Herr sah, dass Mose näher kam, rief er ihn aus dem Busch heraus an: „Mose! Mose!“
    „Ja“, antwortete Mose, „ich höre!“

    (05)„Komm nicht näher!“, sagte der Herr. „Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden.“

    (06)Dann sagte er: „Ich bin der Gott, den dein Vater verehrt hat, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“
    Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzusehen.

    (07)Weiter sagte der Herr: „Ich habe genau gesehen, wie mein Volk in Aegypten unterdrückt wird. Ich habe gehört, wie es um Hilfe schreit gegen seine Antreiber. Ich weiss, wie sehr es leiden muss,

    (08)und bin herabgekommen, um es von seinen Unterdrückern zu befreien. Ich will es aus Aegypten führen und in ein fruchtbares und grosses Land bringen, ein Land, das von Milch und Honig überfliesst. Ich bringe es in das Land der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.

    (09)Ich habe den Hilfeschrei der Leute von Israel gehört, ich habe gesehen, wie grausam die Aegypter sie unterdrücken.

    (10)Deshalb geh jetzt, ich schicke dich zum Pharao! Du sollst mein Volk, die Israeliten, aus Aegypten herausführen.“

 

Liäbi Gmaind!

Engel sind es Thema. Schutzengel, Engel mit eigene Näme, sogar Engel mit eigene G’schichte, wo mer sich vo ne verzellt.

Im Predigttext us em 2. Mose, em biblische Buäch Exodus, hett dr Engel kain Name. Bezaichnet wird er als „Engel des Herrn“. Und im spötere Verlauf heisst’s denn nüme „Engel des Herrn“, sondern direkt „der Herr“.

Wenn mer gern Fremdwörter hätt, chan mer s eso säge: „Engel des Herrn“ und „der Herr“ werded synonym bruucht.

Oder uf dütsch: „Engel des Herrn“ und „der Herr“ bedüted s Gliiche.

Normalerwiis naigt mer joh zur Uuf’fassig, dass di früänere Mensche eher abergläubisch gsi sind und ali mögliche phantasie’volle religiöse Ideä gha heiged. Mir moderne Lüüt hingege seiged fortschrittlich und vernünftig in religiöse Belang.

In däre Uf’fassig mag öpis Wahrs ent’halte sii, aber es git au Uus’nahme, wo d Vergange’heit klarer und eifacher dänkt hätt, wenn s um d Religion goht. Dr Predigttext mit em brennende Dornbusch isch so nen Fall. Do hätt dr „Engel des Herrn“ kais Aige’läbe, er hätt kai aigeni Bedütig, sondern er erschiint als das, was er isch: Gott sälber, en Erschiinigs’form vo Gott.

Was bedütet das, wenn aim der Engel des Herrn begegnet?

Im alte Testament isch dr Respekt vor Gott unglaublich gross. Mer isch über’zügt, dass mer stirbt, wenn mer Gott gseht. Mer hätt au no glaubt im Aafang vom alte Testament, dass mer Gott es lebendigs Opfer bringe muäs, damit er aim nöd sälber tödet. Gott isch also als en tödliche, unheimliche Über’chef empfunde worde, wo mer besänftige muäs. Uf dr ainte Siite. Uf dr andere Siite isch Gott e liäbe’volli Person, wo ain is Läbe g’ruäfe hätt, und wo möcht, dass mir frei sind und dass es ois guät goht.

An dr Schnitt’stell zwische de baide Siite vo Gott, em Respekt vor sinere Grössi ainersiits und dr Erfahrig vo sinere Gnad anderersits, an däre Schnitt’stell stoht s Engel’wese.

Grad wenn mer vom Schutz’engel redet, wenn mer sait „min Schutz‘engel“, oder, „jedes Chind hätt siin Schutz’engel“, denn maint mer dodrmit e total persönlichi Zuä’wendig, wil dr Schutz’engel joh uf e bestimmti Person uus’g’richtet isch.

Vo Schutz‘engel z rede, betütet also, vo dr individuelle Zuä’wändig vo Gott zum einzelne Mensch z redä.

Gott insgesamt isch für en einzelne Mensch quasi über’dosiärt. Wenn aim aber dr Engel des Herrn er’schiint, denn wird dr Schöpfer vom Welt’all für mich 1,75m grosse Mensch zum Gegen’über, wo ich mit mine Ohre g’höre und mit mim begrenzte Verstand akkzeptiäre chan.

D G’fahr vom Schutz’engel’glaube isch, dass mer „siin“ Schutz’engel zumene private Besitz, zumene religiöse Über’läbens’vorteil um’funktioniäre möcht.

Wenn mir an voll-individualisiärti Privat-Schutz’engel glaubed, wärded mir aber Gott sälber möglicher’wiis nümä gerächt. Denn Gott isch joh au dr Herr vo anderne Lüüt. Er will nöd min Elleboge’schützer sii, wo s mir ermöglichet, schmerz’frei links und rechts alles us äm Wäg z ruume.

Sondern als Schöpfer vo dr ganze Wält möcht er au di ganzi Mensch’heit erlöse.

Drum sött ich s Allgemeinwohl, s Wohl’er’gehe vo andere Mensche, im Aug b’halte. Ich muäs probiäre z verstoh, dass Gott in sinere Grössi sich de andere genauso persönlich zuä’wendet wiä mir. Es git nöd en Gott vo de andere Christe und miin Gott respektive Engel. Er isch dr gliich, wo sich verschidene Christe uf persönlichi Art z erkenne git.

Jetzt wird s Ziit, s alte Testament z verloh und is noiä Testament ii’z’stiige. Denn im noiä Testament isch das Fleisch und Bluät worde, wo im alte Testament mit Engels’begegnige im Einzelfall vor’g’spuuret worde isch.

Ich waiss nöd, ob Jesus 1,75m gross gsi isch, aber uf all Fäll hätt er menschlichi Dimensione gha, und er isch sine Mitmensche als Person begegnet. Er hätt G’spröch mit Einzelne g’füährt, isch aber nöd für ain Zuähörer oder ai Zuähörerin elai uf d Erde cho. Und doch hätt er jedi ainzeln Person er‘löst, wo sini Botschaft aa’gnoh hätt.

Wenn mir über Jesus noch’dänked, denn wird üs ehnder bewusst, dass er nöd oise Privat’besitz isch. Er isch min Erlöser. Dur das bin ich direkt mit ihm ver’bunde, und indirekt bin ich mit de andere Mensche ver’bunde, wo ihn als Erlöser kenned.

Mer chönnt au säge, ich bin unmittelbar mit Jesus verbunde, und mittelbar mit de andere Erlöste. E alti Rede’wendig sait: „Jesus ist der Mittler“.

„Jesus ist der Mittler“, das gilt dopplet:

Er isch dr Mittler zwüschet Gott und Mensch.

Und er isch dr Mittler zwüschet däne Mensche, wo sis Heil er’fahred.

Bi dr wunder’same Be’wahrig imene Unfall, wo mer grad nomol dervo cho isch, do sait mer gärn: „Ich han en Schutz’engel gha“. Das isch öpis Passivs, oder öpis, wo nach une ab’sicheret. Also, öpis, wo schlimmer isch als min gege’wärtige Zuä’stand, isch ab’g‘wändet worde. E Ver’schlechterig vo minere jetztige Lag isch ver’hinderet worde.

In oiserer G’schicht vom brennende Dorn’busch goht’s aber nöd um e Sicherig vom Bestehende. Im 2. Mose 3 goht’s um en Uuf’stieg, um e Use’forderig, um en Fort’schritt. Es goht um e Ver’besserig vo dr Situation, um es grosses Uuf’schnuufe für d Israelite, wo in Aegypte Zwangs’arbeiter sind.

Im Predigt’text also bewahrt dr Engel des Herrn nöd, sondern er be’uf’trait. Oder e chli weniger schön formuliärt, derfür e chli dütlicher: er befiehlt.

Dr Mose isch zwar us aigenem Aa’trieb zum brennende Dorn’busch gange. Nach’dem er aber d Stimm vo Gott g’hört hätt, isch sini Frog nur no „Wiä chan ich dr Wille vo Gott erfülle?“ – D Frog „Söll ich dr Wille vo Gott über’haupt erfülle, ja oder nei?“, diä Frog, s „Entweder – Oder“, stellt sich nüme.

D Intensität vom Erläbnis am Berg Horeb in dr Wuästi, d Iidrücklich’keit vo dem Moment isch so um’fassend, dass dr Mose er’g’riffe isch. Er chan sich zwar nonig vor’stelle, wiä Gott d Be’freiig vo de Israelite uus’g’rächnet mit ihm, em Mose bewerkstellige will.

Aber DASS Gott mit ihm redet, isch für ihn e Gnad. Es isch es bsundrigs, individuells Ent’gege’choo.

Das, wo für ois Christe jede Gläubigi erfahre dörf, nämlich di persönlich unmittelbar Zuä’wendig vo Jesus Christus, das isch in de Aa’fäng vom alte Testament no es isoliärts Erläbnis gsi.

Nöd jedem Israelit isch Gott imene Füür, wo nöd verzehrt, erschiine. Där, won er em jedoch erschiine isch, där hätt en Uuf’trag be’choo für jede Israelit.

Dodrmit isch dr Mose zum Mittler worde zwüschet Gott und sim Volk.

Allerdings isch dr Mose en Mensch gsi und blibe. Und, wiä di spötere G’schichte vom Mose und de Israelite zaiged, isch er sinere Rolle als Befreier nöd end’gültig ge’recht worde. Er hett Israel us dr G’fange’schaft use’gfüährt, aber er hett si nöd ins gelobte Land ine’g’fuährt. Das isch denn d Uuf’gab worde vo anderne Lüüt, wo dr Ruäf vo Gott g’hört händ.

Hüt händ mir dr letzti Sunntig nach Epiphanias, nach em Erschiinigs’fest vo dr himmlische Gnad. Es git nur zwai settigi Sünntig, dr erst Sunntig nach Epiphanias und dr letzt.

S Offebar-Werde vo dr Gnad vo Gott isch en Aafang. In dr Wiähnachts’gschicht isch es dr Aafang vo dr irdische Laufbahn vo Jesus.

Bim Mose in dr Wuästi am Berg Horeb isch es dr Aafang vom Exodus, dr Beginn vom Uuszug in d Frei’heit und in d Eige’ver’antwortig.

D Begegnig mit dr Gnad vo Gott isch dr Aafang vonere noiä G’schicht.

AMEN.

 

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel

    02Gruss

    03Lied EG 801,1-2 „Die Sach‘ ist dein“

    04(stehend / im Wechsel) EG 106 [Psalm 1]

    05Lied KU 91,1-3 „My Lord, what a morning“

    06Predigttext 2. Mose 3,1-10

    07Lied EG 221,1-4 „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘“

    08Predigt

    09Zwischenspiel

    10(stehend) Fürbitte

    11Monatslied / Jahreszeitenlied EG 545,1-4 „Schöpfer“

    12Kollekte: ...

    13Mitteilungen: ...

    14Schlussstrophen EG 545,5-7

    15(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    16(stehend) Segen

    17(sitzend) Ausgangsspiel