Home

Email

Familiengeschichte

Nachlesen

Partei sein

Denkanstoss

Links

2005-01-02, 10:00, 2. Gottesdienst nach Weihnachten
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Liturgie

 

Predigttext: Johannes 1,43-51 (Gute Nachricht Bibel = GNB) {Philippus und Natanael}

    (43)Am Tag darauf wollte Jesus nach Galiläa aufbrechen. Er traf Philippus und forderte ihn auf: „Komm, folge mir!“

    (44)Philippus stammte wie Andreas und Petrus aus Betsaida.

    (45)Philippus wiederum traf Natanael und sagte zu ihm: „Wir haben den gefunden, über den Moses im Gesetz geschrieben hat und den die Propheten angekündigt haben. Es ist Jesus aus Nazaret, der Sohn Josefs.“

    (46)„Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?“, fragte Natanael.
    Philippus antwortete: „Komm mit und überzeuge dich selbst!“

    (47)Als Jesus Natanael kommen sah, sagte er: „Da kommt ein wahrer Israelit, ein Mann ohne Falschheit.“

    (48)Natanael fragte ihn: „Woher kennst du mich?“
    Jesus antwortete: „Bevor Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.“

    (49)Da sagte Natanael: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes! Du bist der König von Israel!“

    (50)Jesus sagte: „Glaubst du das jetzt, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch viel grössere Dinge erleben.“

    (51)Und er fuhr fort: „Amen, ich versichere euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und erleben, wie die Engel Gottes zum Menschensohn herab- und von ihm zum Himmel hinaufsteigen!“

 

Liäbi G’maind,

zum Johres’aafang macht mer sich gärn Gedanke d‘rüber, was mer im neue Jahr alles tuä möcht.

Was mer tuä will, was mer tuä sött – und im Fall vom z’vil Ässe und vom Rauche, was mer nüme tuä will oder nüme tuä sött.

Diä guäte Vorsätz händ e be’ruhigendi Wirkig.

Und zwar be’ruhigend aim di guäte Vorsätz unabhängig dervo, ob mer si denn nach’här in d Tat umsetzt oder ob mer si nöd ver’wirklicht.

Wenn mer sich am Aafang vom noiä Johr guäti Vor’sätz macht, redet mer sich nämlich ii, dass es vo aim sälber ab’hangi, was im kommende Johr uf ain zuä’chummt.

Grad wenn ich mir öpis Schwirigs vor’nimme, so chummt mir min guäte Vorsatz so bedütend und wichtig vor, dass s noiä Johr scho so guät wiä ver’plant isch.

Und zwar dur mich, und dur mini vorus‘sichtlichi Tätig’keit.

Das Dänke isch natürlich, ämel in oserne Breite‘grad.

In sim aigete Läbe isch mer gärn dr Pilot und weniger gärn dr Passagiär.

Wenigstens wird mer nach oiserem Er’ziähigs’system eso er’zoge, dass mer sis Läbe sälber in d Hand neh söll, dass mer mündig si söll, dass mer Eige’verantwortig ent’wicklet.

Und dodr’zuä g’hört s halt scho, dass mer öpis tuät, us aigenem Aa‘trieb.

Zur Mündig’keit g’hört, dass mer vo sich uus öpis tuät, au wenn mer gar kein Chef oder König hätt, und niämert ume isch, wo aim sait, was mer tuä söll.

Im Verlauf vo de letztä Täg sind mir an oiseri Grenze cho, was s G’fühl aa’belangt, mit oiser aigete Tätig’keit oisers Läbe – oiseri Mensche’läbe – z stüüre, z bestimme.

Im Tele’text hätt mer bis jetzt an jedem Tag nach obe korrigiärti Opfer’zahle vo dr Natur’katastrophe in Asien chöne läse.

Sogar wenn mer am gliiche Tag mehr’mals dr Fernseher ii’gschaltet hätt, isch d Zahl vo de Todes’fäll jewils höcher gsi als no es paar Stund fruäner.

In dr Zwische’ziit ligt d Schätzig vo dr UNO bi 150'000 Persone.

Diä Lüüt sind nöd Pilote gsi vo ihrem Läbe.

Si sind nöd an Strand gange oder händ in Küste’regione g’läbt, damit si döt stärbed.

Si sind Passagiär gsi vo ihrne Läbe.

Und öpis anders isch am Stüür gsi, öpis anders hätt dr Kurs be’stimmt.

Öpis anders hätt ihri körperlichi Existenz ver’nichtet.

Es sind bereits jetzt grossi Spende’aktione aa’g’loffe, und verschideni Staate händ beträchtlichi Unter’stützigs’gälder zur Ver’fuägig g’stellt.

Diä Hilf isch derzuä be’stimmt, däne z helfe, wo no läbed. Di Angehörige vo de Opfer chönd unter’stützt werde, und im Ideal’fall chan mer di materielle Schäde an dr Infra’struktur besiitige.

Für di primäre Opfer chummt diä Hilf aber z spöt. Diä 150'000 Mänsche, wo ver’trunke sind, däne chan mer au mit dr gross’zügigste Spend und mit dr grösste Regiärigs’unterstützig nüme hälfe.

Das isch öpis vo däm, wo an däre Kata’strophe au im Nach’hinein eso Angst macht: Bimene Erdbebe uf em Land gits zwar ebefalls Toti, unter Umstände vili, aber di über’wiegendi Mehrzahl vo de Opfer sind bimene Erdbebe uf em Land di Obdachlose, wo mer ne helfe chan, indem mer Nahrigs’mittel und Wull’deckene und medizinischi Versorgig und Zält schickt.

Mer dänkt denn immer no, irgendwiä heigi mer s im Griff, irgendwiä chöni mer mit Tuä und Mache, mit Initiative und mit Tätigkeit s Erdbebe nachträglich besiege.

Das isch en Illusion, wo mir im Fall vo dr Katastrophe an de asiatische Küste gar nüme haa chönd.

Döt isch es zu offe’sichtlich, dass mir machtlos sind in Bezug uf das, wo scho passiärt isch.

Es isch z spöt zum d Ver’gange’heit ändere.

Es git so vili Opfer, dass mir nöd in dr Lag sind, oisi Ohnmacht in Bezug uf’s G’schehene z ver’dränge.

Wenn mir üs jetzt Vor’sätz mached für’s noiä Johr, denn sölled mir üs diä Vor’sätz mache.

Mer dörfed üs nur nüt ii’ibilde druf.

Was di bestimmende Faktore sind für ois in de kommende 12 Mönet, ligt nur zumene ver’schwindend chline Tail in oiserne Händ.

Was mir planed, chan zunichte g’macht werde vo anderer Siite.

Was ois ent’gege chummt, chan vil stärker si als di individuell Chraft, wo mir dermit in d Zuä’kunft stüüred.

Das bedütet nöd, dass mir d Händ in Schoss legged und säged: joh nu, es hätt eh kain Zweck.

Vilicht chömed mir joh durä mit oiserne Plän!

Also isch es gschider, mer macht sich es paar Gedanke, wiä’s mit aim wiiter’goh söll.

Aber mer muäs sich bewusst sii, dass mir s unter Umstände mit Mächt z tuä über‘chömed, wo im Ver’gliich zu oiserne beschränkte Chreft unüberwindbar vil grösser sind...

Nöd nur zur Ziit vom Jahres’wechsel isch drum d Neigig gross, mit däne Mächt en Deal z mache, sich quasi mit däne Mächt gege di aigeti Ohn-Macht z ver’brüädere.

D Horoskop in de Ziitige nähred d Illusion, dass mer s blinde, brutale, dummä Schicksal in en liäbende, guätige, für‘sorgliche Kumpel verwandle chan.

Denn nämlich, wenn mer dank em Horoskop d Regle use’findet, wo für s Schicksal in de Sterne stönd, und diä Regle be‘herzigät.

Aber s Schicksal isch kain liäbende, guätige, fürsorgliche Kumpel, wo will, dass mer ihm mit e chli Astrologie uf d Spur chummt.

S Schicksal isch blind, es isch kai Person sondern es Verhängnis, und s Schicksal isch brutal und es isch dumm.

Dass diä 150‘000 Lüüt in Indonesien und Thailand und Sri Lanka um s Läbe cho sind, das isch nöd ihri Schuld, quasi wil si d Regle vom Horoskop für dr Tag vo dr Fluät nöd be’folgt händ.

Aber es wär praktisch, wenn’s eso wär, wil, denn chönti mer bi jedem vo däne Opfer säge: „Sälber schuld! Ihr hätted oire Tod chöne ver’hinderä.“

Und denn muässted mir jetzt nöd so fassigs’los sii, wil mir mit ere aifache Erklärig di ganz Ohn’macht vor em Schicksal besiegt hätted.

Ich han jetzt es paar Mol s Wort „Schicksal“ bruucht, und das isch es Wort, wo erklärigs’bedürftig isch.

Für mich isch „Schicksal“ es Rest-Wort.

Fruäner hätt mer joh gsait, wenn mer öpis nöd erkläre chan, denn isch es Gott gsi.

Spötestens sit em Immanuel Kant sött mer nüme eso vo Gott rede, dass mer s Wort „Gott“ als Lücke’buässer ii’setzt.

Dr Philosoph Immanuel Kant hätt im 18. Johr’hundert g’sait, dass mer d Existenz vo Gott wisse’schaftlich weder bewiise noch widerlegge chan.

Wil’s kain wisse’schaftliche Bewiis für d Existenz vo Gott git, isch infolge’desse niämert zwunge, an Gott z Glaube.

Es git kain wisse’schaftlich er’zwungene automatische Glaube an Gott.

Wer also nach Kant an Gott glaubt, der macht das frei’willig.

Dr Immanuel Kant hätt dodrmit aber nöd uuf’g’hört. Er hätt gsait: d Existenz vo Gott muäs mer postuliäre.

Mer muäs d Existenz vo Gott verlange, mer muäs si fordere.

Denn d Freiheit, an Gott z glaube oder nöd, isch nur erträglich, wenn öpert doh isch, wo mich uuf’fangt in minere Frei’heit, wo mir Bode für unter d Fuäss git, wo mim Läbe dr Sinn git.

Wo isch jetzt doh s Schicksal?

S Schicksal isch dr noii Lücke’buässer, „Schicksal“ isch s noiä Lücke’buässer-Wort.

Wenn Gott möcht, dass es mir guät goht und dass mis Läbe en Sinn hätt, denn isch es nöd nötig, dass er schnell im Verbii‘goh zwaimol d Bevölkerig vo dr Stadt Winterthur ertränkt.

Es isch s Schicksal gsi, wo däne Mensche begegnet isch.

Aber s Schicksal isch kain Gege’gott, so en Art zweite Tüüfel, wo Gott und de Mensche z’leid’werket.

Mir säged „Schicksal“, wil mir s nöd oder nonig begriifed.

Wenn mir s genauer betrachted, löst sich zumindest en Tail vom Schicksal uuf in erkennbari Bestand’teil.

In de Vereinigte Staate gits jedes Johr in dr Hurricane Season Masse-Evakuatione vo de Stränd vo Florida ins Landes’innere.

Wenn in dr Hurricane-Season d Lüüt vo Florida am Ort bliibe würded, gäbti’s jedes Johr Hunderti oder sogar Tuusigi vo Tote.

Aber d Bewohner wärded g’warnt, und si wärded us däne Gebiät, wo dr Hurricane für si prognostiziärt wird, zwangs’evakuiert.

Das heisst, mer muäs us em Huus, egal ob mer wil oder nöd.

Dr Staat nimmt em Einzelnä d Verantwortig ab und schickt ihn in Sicher’heit.

D Fruäh’warn’ziit für d Fluät’wällene dur es See’bebe isch beträchtlich.

In ainere vo de erste Reaktione hätt di indisch Regiärig gsait, es Fruähwarnsystem würdi si 20 Millione Dollar choste. Us däm Grund heigi mer bewusst kais settigs System installiärt.

Indiä schickt Satelitte is All, Indien hätt d Atombombe, füährt en jahrzehntelange Chrieg gege Pakistan, hätt zwai Fluugzügträger und es paar Hundert Kampfjets. Aber Indien hätt nöd 20 Millione Dollar für es Fruähwarnsystem gege See’bebe.

Es wär falsch, jetzt alles de Inder in d Schuäh z schiebe, nume wil diä sich als ainzigi bis jetzt öffentlich zum Thema vomene Warn-System g’üsseret händ.

Tatsach isch, dass Warnige möglich sind.

Zumindest in däre Grössi hätti diä Kata’strophe chöne vermide wärde.

S Wasser wär ainewäg choo.

Aber bereits mit däne technische Mittel, wo hüt scho erfunde sind, hätti mer chöne es Warn’system uuf’baue, wo guät gnuäg gsi wär zum vili tuusig Lüüt recht’ziitig evakuiäre.

Und dodrmit wäred s nöd 150'000 Opfer gsi.

Bereits hüt münd mir also vom Wort „Schicksal“ es Stück ab’schnide und das Wort chliiner mache.

En Tail vo däne Opfer sind nöd an dr Welle g’storbe, wo über si hinweg’gange isch, sondern an dr Budget’politik vonere demokratisch g’wählte Regiärig.

Das isch nöd e undurchschaubari Schicksals’macht.

Sondern das isch menschliches Fehlverhalten.

Wobi sich nöd diä am Strand fehl’verhalte händ.

Sondern diä in de Amts’gebäude und Ministerien.

Us dr Sicht vo de Leid’tragende isch das e monumentali, brutali Dummheit.

Us dr Sicht vo de Verantwortliche isch es e chlini administrativi Nach’lässigkeit.

 

Liäbi Gmaind,

für s kommende Johr wünsche ich Ihne nur s Beste.

Leisted Si Ihri Bii‘trag derzuä, dass es möglichst guät use’chummt.

Wiä dass es denn tatsächlich wird, das ligt nur zu me chline Tail in oiserne Händ.

Es chan sii, dass mir betroffe werded vo Sache, wo anderi Lüüt entschide händ oder wo anderi Lüüt ver’süümt händ.

Es chan aber umgekehrt au sii, dass mir dur oiseri Entscheid und Versüümnis en Uus’wirkig händ uf s Läbe vo anderne.

Und diä andere, wo mir mit oisernä Entscheid und Versüümnis schicksalshaft treffed, diä bechömed mir vilicht gar nöd z G’sicht.

Gott hätt üs Frei’heit gee, und d Folge vo dr Freiheit sind nöd immer absehbar.

Mir wänd demuätig sii vor däm, wo ois

s Läbe gschänkt hätt

und d Vernunft,

dr Verstand

und dr Wille.

 

AMEN.

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel

    02Gruss

    03Morgenlied (Text alt) EG 570,1-5  „Lobet den Herren“

    04(stehend / Strophen im Wechsel) Gebet zum Jahreswechsel EG 550

    05Lied mit Gitarre KU 92,1-3 „Swing low“

    06Predigttext nach den Losungen: Johannes 1,43-51

    07Morgenlied (Text neu) EG 50,1-3 „Am Morgen“

    08Predigt

    09Zwischenspiel

    10(stehend) Fürbitte

    11Jahreszeitenlied (Lied neu) EG 545,1-5 „Schöpfer, deine Herrlichkeit“ (Monatslied Januar)

    12Zwei Abkündigungen

    13Leidstrophe EG 674,3

    14Kollekte: SOS Bahnhofshilfe Verein Compagna

    15Mitteilungen: ...

    16Schlussstrophen EG 545,6-7

    17(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    18(stehend) Segen

    19(sitzend) Ausgangsspiel