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2004-12-12, 10:00 Taufgottesdienst, 3. Advent
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Liturgie

 

Predigttext Lukas 3,1-14 {GNB: Johannes der Täufer tritt auf}

    (01)Es war im fünfzehnten Regierungsjahr des Kaisers Tiberius. Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Antipas regierte in Galiläa, sein Bruder Philippus in Ituräa und Trachonitis, Lysianas regierte in Abilene.

    (02)Die obersten Priester waren Hannas und Kajaphas. / Johannes, der Sohn von Zacharias, hielt sich noch in der Wüste auf. Dort erging an ihn der Ruf Gottes.

    (03)Da machte er sich auf, durchzog die ganze Gegend am Jordan und verkündete: „Kehrt um und lasst euch taufen, denn Gott will euch eure Schuld vergeben!“ /

    (04)Schon im Buch des Propheten Jesaja steht: „In der Wüste ruft einer: ‚Macht den Weg bereit, auf dem der Herr kommt! Ebnet ihm die Strassen!

    (05)Füllt alle Täler auf, tragt Berge und Hügel ab, beseitigt die Windungen und räumt die Hindernisse aus dem Weg!

    (06)Dann wird alle Welt sehen, wie Gott die Rettung bringt.‘“
    {Der Täufer fordert radikale Umkehr}

    (07)Die Menschen kamen in Scharen zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Er hielt ihnen vor: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch gesagt, dass ihr dem bevorstehenden Gericht Gottes entgeht?

    (08)Zeigt durch eure Taten, dass ihr es mit der Umkehr ernst meint!
    Ihr bildet euch ein, dass euch nichts geschehen kann, weil Abraham euer Stammvater ist. Aber das sage ich euch: Gott kann Abraham aus diesen Steinen hier neue Nachkommen schaffen!

    (09)Die Axt ist auch schon angelegt, um die Bäume an der Wurzel abzuschlagen. Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.“ /

    (10)Die Menschen fragten Johannes: „Was sollen wir denn tun?“

    (11)Seine Antwort war: „Wer zwei Hemden hat, soll dem eins geben, der keines hat. Und wer etwas zu essen hat, soll es mit jemand teilen, der hungert.“ /

    (12)Auch Zolleinnehmer kamen und wollten sich taufen lassen; sie fragten ihn: „Lehrer, was sollen wir tun?“

    (13)Seine Antwort war: „Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!“ /

    (14)Auch Soldaten fragten ihn: „Was sollen denn wir tun?“ Die Antwort war: „Beraubt und erpresst niemand, sondern gebt euch mit eurem Sold zufrieden!“

 

Zwischenspiel Blockflöte / Orgel

 

Liäbi Gmaind,

wiä radikal isch dr Johannes der Täufer eigentlich?

Doh chömed Soldate zu ihm. Si wänd wüsse, wiä si es vor Gott gerechts Läbe füähre chönd. Und was sait dr Johannes dr Täufer? Sait er: „Gönd hei! Werded Buure und Handwerker! Legged euri Waffe ab“? Sait er das? Nai! Er sait: „Bliibed Soldate! Und mached das, wo ihr mached, uf e aaständigi Art und Wiis! Missbruuched oiri Macht nöd, wo ihr dur d Waffe und d Uniform händ. Sind beschaide, trotz eure Schwärter!“

Also – en Pazifist (eine, wo Fride um jede Priis will), en Pazifist isch dr Johannes der Täufer kaine gsi. Wiso au? Ihm isch es drum gange, dass di gottgläubige Jude in Israel sich z’ruck‘besinned uf das, wo si sind, und an ihrem Verhalte Korrekture wahrnehmed.

Diä Soldate, wo zum Johannes an Jordan cho sind, zum sich taufe loh, vo däne wüssed mir s Nötigst: si sind entweder direkt römischi Soldate gsi – unter däne hätts nämlich au Jude gha - , oder si sind indirekt römischi Soldate gsi: wenn en Soldat in dr Truppe vo aim vo de Unterkönige Herodes, Philippus oder Lysanias Diänst glaistet hätt.

Dänked si an das, wo hüt in dr Schwiz d Post macht: si laageret Arbets’bereich uus, zum weniger tüüri aigeti Arbets’chreft haa.

Diä, wo in de uus’glagerete Arbets’bereich aa’gstellt sind, mached zwar immer no d Arbet vo dr Post, aber si verdiäned e chli weniger und offiziell g’höred si zu selbständige, separate Betrieb.

Das isch nüt nois: d Römer händ das genau gliich g’macht vor 2000 Johr mit ihrer Armee.

Si händ Israel nur bsetzt, so wiit wiä s nötig gsi isch, und dr Rest händ si dur Regie’betrieb erledige loh.

D Kontrolle vor Ort händ uus’g’lagereti Betrieb g’laistet.

Wiä mir am Aafang vom Predigttext g’hört händ, hätt das System öpis Zentrals be’inhaltet: Religions’freiheit. D Jude in Israel händ unter de Römer Religions’freiheit gha.

Unter dr Leitig vo de Hohe’priester Hannas und Kajaphas händ si dörfe im Tempel in Jerusalem opfere – das isch Kultusfreiheit - , und si händ dörfe in ihrne Synagoge in allne Dörfer und Städt Gottesdiänst dure’füähre – das isch Versammligs’freiheit.

D Jude sind zwar politisch es b‘setzts Land gsi, si händ aber ihre Glaube chöne praktiziäre.

Unter däne Voruus’setzige will dr Johannes dr Täufer d Armee nöd abschaffe, sondern er will e suuberi Armee.

Es git jo Lüüt, wo behaupted, jedi Armee seig an und für sich schlächt.

Uf dr Johannes dr Täufer chönd diä Lüüt sich nöd berüäfe.

Isch dr Johannes dr Täufer radikal? Ich würd säge, er isch vernünftig.

Was sait er de Zöllner, de Vertreter vom kapitalistische System, de Profiteur vom Handels- und Waremarkt?

Si sölled transparent wirtschafte.

„Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!“ sait dr Johannes zu de Zöllner.

Dr Johannes dr Täufer will nöd e radikali noii Wältordnig schaffe, ohni Gäld, ohni Eigetum, ohni Profit, ohni Stüüre.

Er will Fairness, faire Handel – fair trade.

Dr Johannes dr Täufer isch also kein Kommunist, sondern en sozial engagierte Kapitalist.

Radikal?

Nai, nöd radikal.

Nur vernünftig.

Und was sait dr Johannes dr Täufer generell allne? „Wer zwei Hemden hat, soll dem eins geben, der keines hat. Und wer etwas zu essen hat, soll es mit jemand teilen, der hungert.“ –

Dr Johannes dr Täufer forderet nöd zur Armuät uuf, sondern zum Uus’gliich.

Es sölled nöd ali arm sii, sondern, diä wo z’vil händ, sölled vo ihrem Über’fluss ab’gee, damit d Grund’bedürfniss vo däne deckt sind, wo z’wenig händ.

Und jetzt zaigt sich dr Vorteil dervo, dass dr Johannes dr Täufer vorher d Armee nöd hätt welle ab’schaffe: „Wer etwas zu essen hat, soll es mit jemand teilen, der hungert.“ – Das goht joh gar nöd, aifach so.

Wenn ich Läbens’mittel in Sudan schicke, aifach nur d Läbens’mittel, denn chömed diä nöd bi däne Lüüt aa, wo Hunger händ.

Nur wenn ich zuäsätzlich zu de Läbens’mittel no Soldate schicke, wo d Verteilig vo de Läbens’mittel kontrolliäred, nur denn chan ich d Forderig vom Johannes em Täufer erfülle.

Nur denn, wenn ich d Läbens’mittelverteilig unter bewaffnete Schutz stelle, chan ich de Hungrige z Ässe gee. Und alles, wo dermit zsäme’hängt, medizinischi Versorgig, und, wenn d Lüüt wieder satt und gsund sind, Hilfe zur Selbst’hilfe.

Isch denn gar nüt radikal am Johannes? Doch, öpis scho.

Aber das isch nüt politisches, nüt wirtschaftlichs und au nüt militärisches.

Das, wo am Johannes radikal isch, das isch sini religiös Botschaft: mir sölled nöd maine, Gott seig uf ois aa’g’wise und müäsi aifach liäb sii zu ois.

Mir sind zwar Gottes Chind.

Aber nach euserne Möglichkeite sölled mir dr Glaube dur Tate unter Bewiis stelle.

Wiä das goht, händ mir jo vorhär grad an drei Bispil g’hört.

„Ihr bildet euch ein, dass euch nichts geschehen kann, weil Abraham euer Stammvater ist“, schimpft dr Johannes der Täufer mit sine Zuä’hörer.

Ois würd er vilicht säge: bloss wil ihr derzuä’ghöred, sind ihr no lang nonig g’rettet.

D Mitgliedschaft bi dr Organisation „Chile“ isch schön und guät.

Es bruucht aber zuäsätzlich no e inneri Beteiligung.

S Tauf’buächli isch es Zaiche derfür, dass mer au seelisch zur Chile ghöre möcht.

Diä Lüüt, wo dr Johannes tauft hätt, sind joh bereits Jude gsi dur ihri Geburt.

Mit dr Taufi im Jordan händ si au no persönlich welle uus’drucke, dass si uf em Wäg vo Gott goh wänd.

Mit dr Taufi vo ihrne Chind bezüged hüt d Eltere, dass si nöd nur sälber uf Gottes Wäg goh wänd, sondern dass si das au ihrne Chind vermittle wänd.

Und aines Tages, im Fest vo dr Konfirmation, wenn diä Chind bereits Jugendlichi worde sind, aines Tages chönd denn diä hüt Taufte sälber bezüüge, dass si vo ihrne Eltere und Pate und dr Gmaind s Nötige mit uf dr Wäg über’choo händ.

AMEN.

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel

    02Gruss

    03Adventslied EG 370,1-3 „Tochter Zion“

    04Eingiessen des Taufwassers. Personalien

    05(Taufgesellschaft tritt herzu) Tauffragen. Taufe

    06Entzünden der Taufkerze. Melodie

    07(stehend) Sammlungsgebet

    08Lied EG 363,1-3 „Macht hoch“

    09Taufevangelium

    10(Taufgesellschaft tritt herzu) Tauffragen. Taufe

    11Entzünden der Taufkerze. Melodie

    12(stehend) Anbetung

    13Lied EG 363,1-3

    14Predigttext

    15Zwischenspiel (1/2)

    16Kurzpredigt

    17Zwischenspiel (2/2)

    18(stehend) Fürbitte

    19Lied EG 367,1-3 „Wie soll“

    20Abkündigungen

    21Leidstrophe EG 674,3

    22Kollekte: G2W

    23Mitteilungen: Gespielte Stücke. Kigo-Weihnacht 4. Advent

    24Schlusslied EG 354

    25(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    26(stehend) Segen

    27(sitzend) Schlussspiel