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2004-11-28, 10:00 Gottesdienst, 1. Advent - Missionssonntag
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Liturgie

 

Jeremia 23,5-8

    (5)„Der Tag kommt“, sagt der Herr, „an dem ich aus der Nachkommenschaft Davids einen Mann berufe, der dem Namen Davids wieder Ehre macht. Er wird als König verständig und gerecht regieren, weil er sich an die Weisungen Gottes hält.

    (6)Dann wird das Volk von Juda vor Feinden sicher sein und auch das Volk von Israel in Frieden leben. Dieser König wird den Namen tragen: ‚Der Herr ist unsere Rettung‘! /

    (7)Ja, der Tag kommt“, sagt der Herr, „an dem sie beim Schwören nicht mehr sagen werden: ‚So gewiss der Herr lebt, der das Volk Israel herausgeführt hat aus Ägypten‘,

    (8)sondern: ‚So gewiss der Herr lebt, der die Leute von Israel herausgeführt hat aus dem Land im Norden und aus all den anderen Ländern, in die er sie fortgetrieben hatte, und der sie zurückgebracht hat in ihr Land, damit sie dort wieder wohnen!“

 

Liäbi Gmaind,

dr Profet Jeremia isch in Jerusalem. Dr König vo Israel isch in Jerusalem. In unmittelbarer Nöchi vo sim Chef spricht dr Jeremia zur Bevölkerig. Er kritisiert dr bestehendi König. Eines Tages, sait dr Jeremia, eines Tages bechömed mir en König über, wo gerecht regiärt – nöd wiä där König, wo mir jetzt händ. Eines Tages, sait dr Jeremia, eines Tages bechömed mir en König über, wo Gott folget – nöd wiä där König, wo mir jetzt händ. Und wenn s eso wiit isch, dass dr gerechti König chummt, wo uf Gott loset und sini Aawisige befolgt – denn gits e noii Freiheit. S zerstreute Gottesvolk wird zsämegfüährt. Di vereinzelte, entmuätigte Gläubige finded wider zunenand und si bilded es freis Volk.

Parallele zu däm, wo im Kapitel 23 vom Jeremia stoht, finded mir bis in d Gegewart. Im Oste gits es Land, wo vili vo ois no niä gsi sind – d Ukraine. Döt isch es im Moment bitter kalt, und trotzdem harred Demonstrante uus, zum gege en Wahlbetrug protestiäre.

Händ diä in dr Ukraine en König? Joh, si händ aine, und zwar nöd en krönte König, aber ain, wo sich benimmt wiä en König. Er benimmt sich wiä en ungerechte König. Sin Nachfolger hätt er sälber bestimmt. S Volk hätt nüt z säge gha. Zum dr üsseri Aaschii vo dr Demokratie ufrächt’erhalte, hätt er d Bürger aber an d Urne goh loh. Noh bevor d Uuszellig vo de Stimme überhaupt aagfange hett, isch s Wahlresultat bereits veröffentlicht worde. Das isch natürlich e Panne gsi. Aber es hätt dr Bevölkerig zaigt: si isch für nüt go abstimme. S Resultat isch scho zum Vornherein fest’g’stande, damit garantiärt dr Kandidat vom alte Präsident g’wünnt.

Wiä isch d Gschicht bim Jeremia uus’gange? Dr König hätt Gott nöd gehorcht, trotz de Protest vom Profet. Und so isch rund 150 Johr nach Nordisrael au no dr südlich Teil mit dr Hauptstadt dur d Iraker eroberet worde. Dr profitabel Teil vo dr Bevölkerig händ d Iraker mitgnoh uf Babylon. Statt e Widervereinigung mit de Verschleppte vo Nordisrael hätt s au no e Zer‘streuig vo de Süd‘israelite gee.

Hoffemer, dass es in dr Ukraine nöd zur schlimmst‘mögliche Wendig und zum schlechtest‘mögliche Uusgang vo dr Gschicht chummt.

Mini Eltere sind vor es paar Johr in dr Ukraine gsi und händ si als wunderschöns Land empfunde mit ere verzwiiflete Bevölkerig. D Lüüt händ sich über di schamlosi Korruption und d Misswirtschaft vom Präsident uufgregt und händ das ungeniärt de Touriste gsait, wil si scho vor zwai Johr dänkt händ, es git nüt meh z verlüüre.

Dr Prophet Jeremia hätt nüme erläbt, dass us sinere Prophezai‘ig Wirklichkeit wird. Di Verschleppte vom Süd‘riich mit dr Hauptstadt Jerusalem sind erst 70 Johr spöter wider in ihri Heimat entloh worde.

Für di damalig Gschicht isch das en einmalige Vorgang. D Israelite in Babylon händ ihri Kultur und ihre Glaube an dr eigeni, aini Gott b‘halte und sich nöd integriärt.

Wil sich d Israelite nöd integriärt händ, händ si sich d Rückkehrfähigkeit bewahrt und händ ihri Identität no gha, wo 70 Johr nach dr Verbannig plötzlich d Möglichkeit zur Rückkehr bestande hätt.

Das isch natürlich en gewaltige Unterschied zu däne Lüüt, wo hüt us islamische Länder zu üs chömed: es wird kain Marokkaner und kain Türk zwunge zum in d Schwiz choo.

D Israelite sind zwunge worde, zum in es anders Land goh.

Diä Lüüt, wo hingege in d Schwiz chömed us eme andere Kulturkreis, diä wänd dohi cho.

Und si wänd au nöd widr hai bi dr erste Gläge’heit, wo sich büütet, wiä d Israelite in Babylon.

Sondern si wänd bliibe für immer.

Es git nomol en Unterschied: diä Israelite, wo uf Babylon entfüährt worde sind, das sind nur di uus’bildete Fachkräft gsi. Lüüt, wo es Handwerk beherrscht händ, sowiä di alphabetisiärt Oberschicht, also Lüüt wo händ chöne läse und schriibe und wo mer hätt chöne als Schriiber und Buäch’halter und Beamti ii’setze – settigi händ d Iraker mit uf Mesopotamiä g’schlaikt.

Diä Lüüt, wo illegal in d Schwiz chömed und für immer do blibe wänd, sind aber zum gröste Tail unfähig zum öpis zur Volkswirtschaft biträge.

Si kassiäred meh, als si dr Bevölkerig nützed.

Oises Nochberland Dütschland hätt e chli früäner aagfange mit dr Iiwanderig. Drum gits döt jetzt scho importiärti Sozialhilfe’bezüger in dr dritte Generation.

Dr Vater, dr Sohn und dr Enkel läbed vo staatliche Leistige.

Nomol: d Israelite händ sich nöd integriärt, wil si vo Afang a wider hai händ wele.

Si sind nöd freiwilig cho.

Bi däne, wo bi üs freiwillig chömed, münd mir üs überlegge: wänd mir diä haa?

Ob mir si uufnämed, isch nämli au freiwillig.

Und diä, wo mir uufnämed, diä münd sich integriäre.

Sust integriäred nämlich diä, wo mir uufgnoh händ, ois - in ihri Kultur.

D Rückkehr, d Heimkehr vo de Süd‘israelite us dr Zwangsarbeit in Babylon isch es gschichtlichs Wunder gsi.

Leider hätt sich d Prophezeiig vom Jeremia dur das nonig erfüllt. Ali Lüüt us em Gottesvolk sölled wiedervereiniget wärde.

Stattdesse sind nur diä Israelite, wo ihri kulturelli Eige’art bhalte händ, wieder in ihri geographischi Heimat zruck’kehrt.

Döt händ si sich wiedervereiniget mit däne, wo d Babylonier nöd für verschleppigs’würdig befunde händ, und wo aber immer no an dr aine Gott glaubt händ.

Es isch also nöd wiä in Westdütschland und Ostdütschland, wo sich zwai geographisch neberenand ligendi Teil‘staate zu aim zämehängende Staat zsämegschlosse händ.

Sondern, e entwurzleti Mensche’gruppe und e sesshafte Menschegruppe, wo beidi an dr gliich Gott glaubed, händ sich zsäme’gschlosse bi dr Rückkehr us dr Verbannig.

Vo döt aa – spötestens vo döt aa – isch s Gottesvolk nüme dur d Abstammig vom Abraham definiärt gsi, sondern dur dr persönlichi Glaube vo dr einzelne Person.

Nöd wil ich als Israelit gebore bin, ghör ich jetzt zum Gottesvolk, sondern wil ich an Gott glaube, ghöre ich zum Gottesvolk.

Di nächst logisch Konsequenz isch es, dass nüme en gerechte König für s Gottesvolk in Jerusalem und Umgebig erhofft wird, sondern, dass mer uf en König wartet fürs Gottesvolk in dr ganze Wält.

Im Advent chumt där König.

Im Advent chumt dr gerechti König für ali, wo an Gott glaubed, egal, us welem Volk si stammed.

Au für Gläubigi, wo vo Allemane, Rätier, Helvetier und Kelte abstammed, also au für ois isch dr König Jesus Christus uf d Erde cho.

D Informations- und Spendekampagne vo Mission 21 für das Johr stoht unter em Motto „verbinden – begegnen – helfen“. Diä drei Stichwörter „verbinden – begegnen – helfen“ werded in de Unterlage zur Spendekampagne erlüüteret.

„Verbinden“ söll bedüte, dass Mission kai Einbahnstross isch. Mission 21 bestoht joh in erster Liniä us däm, wo früäner emol „Basler Mission“ ghaisse hätt. Das isch diä Mission, wo us dr Schwiz use goht in d Wält: uf Indiä, in afrikanischi Länder, zum Tail in asiatische Ruum. Dr Missionar goht vo ois - us dr Heimat - döthii, in di Fremde.

Mit em Stichwort „verbinden“ möcht d Mission 21 in Erinnerig ruäfe, dass au mir s Evangelium emol vo Missionar übercho händ.

Römer und Ire sind s gsi, wo d Schwiz missioniärt händ.

Mir sind also dur s Evangelium mit dr wältwiite Christe’heit verbunde, wil mir sowohl Geber wiä auch Empfänger vo dr guäte Nochricht sind.

D Mission 21 findet, dass mir üs au hüt wider als Empfänger betrachte sötted, und zwar, indem mir vo de christliche Chile in Asien, Lateinamerika und Afrika lerned.

Das erschiint mir en sinnvolle Gedanke z sii.

Mir chönd vo däne Christe, wo unter härtere Läbensumständ gläubig sind, Robustheit, Froid und Stolz lerne.

Wenn mer nöd vil meh hätt als dr Glaube, denn chan mer für sini aigeti Religion en Stolz empfinde, wo üs vilicht fremd isch – zu unrecht fremd isch.

Mir sölled üs froie, dass Jesus üs erlöst hätt.

Mir sölled stolz sii, dass mir Gott kenne dörfed.

Im grösste Teil vo dr weltwiite Christeheit sind so Gfühls’üsserige – Stolz über dr Glaube, Froid über d Erlösig – normal.

Nur bi de reformiärte Nordeuropäer nöd. Mir mached üs Gedanke über d Identität vo Lüüt us anderne Religione.

Es wär vilicht gschid, wenn mir ois vermehrt Gedanke über oisi aigeti religiösi Identität mache würded.

Bi de Muslim wundered mir üs, dass sich en tunesische Muslim und en indonesische Muslim als Teil vonere Einheit gseh chönd. Und mir empfinded das als Bedrohig, so nach em Motto: diä sind jo überall!

Aber, liäbi Gmaind, mir sind doch au überall!

Dass mir eso wenig Wert legged uf es Gmainschafts’gfühl als weltwiiti Christe’heit, das isch oise Fähler!

Mir händ s üüs aagwöhnt, s Christe’tum als öpis total Einzelpersone‘mässigs z betrachte.

Mir stöhnd zwar als Einzelni vor Gott. Aber mir stöhnd nöd als Einzigi vor Gott.

„Verbinden“ – das Stichwort söll üs dra erinnere, dass es no anderi Christe uf däre Wält git, und dass mir mit däne zäme e Einheit bilded.

Bi de Muslim heisst diä international Einheit „umma“. Bi de Christe isch es d Chile, der Leib Christi.

S zwaite Stichwort heisst „begegnen“. Zum erkläre, was d Mission 21 mit „begegnen“ maint, blicked mir nomol in Predigttext. Dr Prophet Jeremia isch döt im Süde vo Israel, wo damals no frei gsi isch, am Predige gsi.

Dr Norde vo Israel, där händ d Assyrer – d Iraker – bereits eroberet gha. Und si händ dr erobereti Norde vo Israel kulturell wele vernichte.

Das händ si gmacht, in dem si Bevölkerigsgruppe us andere Länder, wo si au eroberet händ, uf Nordisrael implantiärt händ.

Es hätt also e Zwangs’iiwanderig gee vo anderne besiegte Völker in d Gegend vo Samaria.

Dr Glaube an Gott vo Mose und Abraham hätt sich als stärker erwise als diä religiöse Ideä, wo di zwangs‘aagsidlete Ussländer in Nordisrael mitbrocht händ.

Aber: es isch trotzdem zunere Vermischig cho.

D Samariter, also di mit Zwangs’aasiedler vermischte Nordisraelite, händ s Gfühl gha, si seiged immer no gläubigi Israelite.

Aber us dr Sicht vo de Südisraelite isch das kain raine Glaube meh gsi.

Au bis zur Ziit vo Jesus 600 Johr spöter händ diä zwai Gruppe nüme zunenand gfunde.

Zur Ziit vo Jesus isch „Samariter“ us dr Sicht vo de Jerusalemer und Galiläer es Schimpfwort gsi.

Diä Ver‘achtig vo de Halb‘gläubige dur di Streng’gläubige hätt Jesus dur’broche: Er hätt en Samariter als lobenswerts Vorbild in ere Glichnis-Gschicht dargstellt.

Wägedäm heissed hüt d Samariter-Pöste „Samariter“-Pöste. Amene Brunne in dr Mittags’hitz hätt Jesus mit ere samaritanische Frau g’redet. Er hätt ihri religiöse Aasichte nöd guät g’heisse. Er hätt nöd gsait, joh, mir glaubed doch ali si gliiche, irgendwiä.

Aber er hätt mir ihre g’redet. Das isch en intellektuelle Uus’tuusch.

Und er hätt mit ihre Wasser g’schöpft. Das isch e Ver’richtig vom tägliche Läbe.

Das won ich vorher gsait han, „stolz si uf di aige Religion“, das bedütet nöd, dass ich diä verachte, wo en anderi Religion händ.

Jesus macht s vor: er redet und schafft au mit ere Person, wo en andere religiöse Hintergrund hätt als er sälber.

„Begegnen“ isch nöd s Gliiche wiä „verbinden“.

Ob mir e Verbundeheit haa chönd mit Lüüt, wo e anderi Religion händ – ich waiss es nöd.

Aber begegne – begegne cha mer sich.

S dritt und letzt Stichwort heisst „helfen“.

Es heisst hüt nüme „Entwicklungshilfe“, sondern „Entwicklungszusammenarbeit“.

Also, nöd nur in dr Verkündigung vom Evangelium gits in dr Mission es gee und es neh.

Sondern au in dr konkrete Arbeit söll s es Mitenand sii.

Als Bispilgschicht für s Stichwort „helfen“ nennt Mission 21 e Episode us em 2. Buch der Könige. Döt hilft e us Israel verschleppti Frau ihrem Besitzer, emene syrische Feldhauptmann, zur Gsundheit.

Där Besitzer vo dr Sklavin bedankt sich, indem er us Israel Erde mitnimmt, zum in Zuäkunft dr Gott vo dr Bible aa‘bäte.

Obwohl dr gheilti Offiziär – er heisst Na‘emann -  klar zuägit, dass er sim bisherige syrische Gott Rimmon au wiiterhin Opfer bringe will, git dr Profet Elisa dem Na‘emann dr Säge „Gehe hin in Frieden“.

Diä biblisch Gschicht spilt vor allem im asiatische Arbets’bereich vo Mission 21 e Rolle.

Di asiatische Chile suäched Wäg, zum e Kultur vom uufmerksame und respektvolle Dialog mit de asiatische Religione z entwickle und z läbe.

Dodrbi identifiziäred si sich mit de Underdogs vo dr Gsellschaft, zum Bispil mit de asiatische Huus’a’gstellte in vilne Länder, wo hüfig unter an Sklaverei erinnernde Um‘ständ schaffed.

Eso ähnlich wiä diä israelitischi Frau bim Hauptmann in Syrien.

 Vor einiger Ziit hätt mer chöne im Spiägel läse, dass in Pakistan s gängige Wort für „Christe“ gliichziitig „Strasse-Putzer“ seig.

Vili Christe sind so arm, dass si mit däre in Asien als un-rein betrachtete Arbet vom Strasse-Wüsche ihre Läbens-Unterhalt verdiäne münd.

„Verbinden – begegnen – helfen“ – unter däne drei Stichwörter händ mir hüt chöne en Blick werfe in di gross wiit Wält, wiä immer am 1. Advent, am Missions-Sunntig.

AMEN.

 

Liturgie

 

    01Harfe (1/5)

    02Gruss

    03Adventslied / Rahmenlied EG 363,1-3 „Macht hoch“

    04(stehend / im Wechsel) Magnificat [aus] EG 586

    05Harfe (2/5)

    06Text zu Mission 21 im Allgemeinen

    07Adventslied EG 372,1-5 „Die Nacht“

    08Text zu Kamerun im Besonderen

    09Harfe (3/5)

    10Predigt

    11Harfe (4/5)

    12(stehend) Fürbitte

    13Adventslied 361,1-6 „O Heiland“

    14Kollekte: Mission 21

    15Mitteilungen: ...

    16Adventslied / Rahmenlied EG 363,4-5

    17(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    18(stehend) Segen

    19(sitzend) Harfe (5/5)