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2004-10-31, 10:00 Gottesdienst, 21. Sonntag nach Trinitatis
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Liturgie

 

Predigttext Epheser 6,10-17

    (10)Noch ein letztes Wort: Werdet stark durch die Verbindung mit dem Herrn! Lasst euch stärken von seiner Kraft!

    (11)Legt die Waffen an, die Gott euch gibt, dann können euch die Schliche des Teufels nichts anhaben.

    (12)Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen. Wir kämpfen gegen unsichtbare Mächte und Gewalten, gegen die bösen Geister zwischen Himmel und Erde, die jetzt diese dunkle Welt beherrschen.

    (13)Darum greift zu den Waffen Gottes! Wenn dann der schlimme Tag kommt, werdet ihr wohlgerüstet sein und den Angriffen des Feindes standhalten können. /

    (14)Seid also bereit! Legt die Wahrheit Gottes als Gürtel um. Zieht das Tun des Guten als Panzer an.

    (15)Tragt als Schuhe die Bereitschaft, die Gute Nachricht vom Frieden mit Gott zu verkünden.

    (16)Haltet das feste Vertrauen als den Schild vor euch, mit dem ihr die Brandpfeile des Satans abfangen könnt.

    (17)Die Gewissheit eurer Rettung sei euer Helm und das Wort Gottes das Schwert, das der Geist euch gibt.

 

Liäbi Gmaind!

Waffe stönd im Mittelpunkt vom Predigttext us em Epheserbriäf. Schwert, Schild, Helm, Rüstig, Gürtel und Schuäh. Um Waffe gohts doh.

Isch das no aktuell – Waffe? Bruuched mir Waffe?

Joh, mir bruuched Waffe. Nur uf dr ersti Blick gseht’s eso uus, wiä wenn mir kai Waffe brüchted.

Churz vor dr Präsidente’wahl in Amerika hätt sich dr Osama Bin Laden imene Video z Wort g’meldet. Nach allgemeiner Uuf’fassig handlet sich s um es ächts Video. In sinere 18minütige Red ergrift dr Osama Bin Laden weder Partei für dr Heruusforderer Kelly noch für dr wieder kandidiärendi Bush. Dr Bin Laden sait de Amerkaner: Ihr chönd wähle, wen ihr wänd. Bush oder Kelly, das bringt oi kain Fride. Fride gib ich euch nur, wenn ihr euch mir unterwerfed.

Solang, wiä d Amerikaner sich ihm nöd unterwerfed, droht er ihne mit noiä Terror’aaschläg.

Also, bruuched mir Waffe, und bruuched mir Bereitschaft?

Wenn mir üs vertaidige wänd, denn bruched mir das. Und zwar sowohl diä Waffe, wo schüssed, wiä au diä Waffe vo dr G’sinnig (Gesinnung).

Wenn mir üs hingege ergee wänd, denn bruched mir erst rächt Waffe. Wenn mir säged: jänu, denn legged d Fraue in dr Schwiz halt Chopftüächer aa und denn hacked mir halt de Diäb Händ ab – wenn mir das säged, denn händ mir nöd Fride.

Sondern denn wird ois oisä noii Chef Osama sälber in Chriäg schicke gege diä, wo sich nonig ergee händ.

Wenn mir ois em Osama ergänd, münd mir nachhär gege diä kämpfe, wo sich em Osama nonig unterworfe händ.

In sinere 18-Minute-Aasproch hätt dr Bin Laden gsait, es seigi kain Zuäfall, dass am 11. September 2001 Amerika aagriffe worde seigi und nöd öpe Schwede.

Ich säge, das isch sicher kain Zuäfall.

Wenn dr Bin Laden Schwede besiegt, hätt er wäge däm Amerika nonig er’oberet.

Aber falls es em Bin Laden g’lingt, Amerika in d Chnüü z zwinge, denn bechumt er Schwede no gratis derzuä über.

Es git übrigens no es anders chlises Land, wo mit „SCH“ aafangt.

 

Liäbi Gmaind,

Amerika hätt d Wahl: Bush oder Kerry. Au mir händ d Wahl, aber mir händ e chli e anderi Wahl. Reged mir ois uuf, wil dr amtiärendi US-Präsident es Problem mit Fremdwörter hätt? Oder froied mir üs, dass Amerika – egal ob mit Bush oder Kerry – au im Johr 2004 nach Christus di körperlich Freiheit vo dr freie Wält garantiärt?

In däm Sinn isch es mir, wiä em Osama Bin Laden, egal, wer in Amerika Präsident wird. Allerdings isch es mir useme andere Grund egal. Solang, wiä Amerika no kämpft, solang sind mir frei.

Wenn Si anderer Meinig sind, dörfed Si mir das nach dr Predigt gärn säge. Vilicht lig ich mit minere Iischätzig joh total dernäbet.

Im Epheserbriäf gohts um en Kampf zwüsched guät und bös. S noiä Testament isch sich zwar ainig, dass es en Kampf zwüschet guät und bös git.

S noiä Testament bestoht us Briäf und Evangeliä vo verschidene Verfasser. Und diä Autore (Autoren) sind sich nöd ainig gsi, ob mer „guät und bös“ chlii schribe oder gross schribe söll.

Wenn mer guät und bös chli schribt, denn sind das aifach Eige‘schafte.

Wenn mer guät und bös GROSS schribt, denn werded si zu „dem Guten“ und „dem Bösen“. Denn werded das eigeni Personen.

Und sicher isch jo „der Gute“ e Person. Das isch Gott.

Aber isch denn au „der Böse“ oder „das Böse“ e Person, nämlich dr Tüüfel?

Wenn s Guäte und s Böse zwai Mächt sind, wo gegenenand kämpfed, denn wärtet das s Böse unheimlich uuf. Dr Tüüfel wird denn quasi zumene Gott mit eme Minus d‘rvor, zumene gliich‘rangige Anti-Gott.

Bi minere letzte Predigt am 10. Oktober in de Herbstferiä isch es um s Fleisch ässe gange, genaugnoh um s Ässe vo Fleisch, wo us abergläubische Gründ im Name vonere heidnische Gottheit gschlachtet worde isch.

Dr Apostel Paulus hätt dött gschribe: logisch dörfed Christe Fleisch ässe, wo im Name vonäre heidnische Gottheit g’schlachtet worde isch. Diä Gottheite, diä gits joh gar nöd.

Allerdings, so dr Apostel Paulus, sölled di gschide Christe dä weniger gschide Christe kain Aastoss büte. Di fortschrittlichä Christe sölled di weniger fortschrittliche Christe nöd provoziäre.

Und drum söll en fortschrittliche Christ im Zwifels‘fall halt emol kai Fleisch ässe, wo unter Aa‘ruäfig vonere heidnische Gottheit gschlachtet worde isch, wenn dodrdur en weniger g’festigte Christ vor Aa’fächtige bewahrt werde chan.

Dr Epheserbriäf isch luut Vorwort und Schlusswort ebefalls vom Paulus.

Aber im Predigttext mit de Waffe sait dr Paulus öpis anders als in sine Uusfüärige übers Fleisch. Im hütige Predigttext stoht: (Vers 12) „Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen. Wir kämpfen gegen unsichtbare Mächte und Gewalten, gegen die bösen Geister zwischen Himmel und Erde, die jetzt diese dunkle Welt beherrschen.“

Wenn mir gege unsichtbari Mächt kämpfed, wo kai Mensche sind, denn gits joh gliich eso Götter.

Där Bibelspruch passt übrigens guät zum Kürbisfest Halloween, wo s au Geister goht, wo s Johr dur versteckt sind, aber in ainere Nacht uuftauched zum Schade aarichte.

Aber Halloween isch es gruseligs Fest, wo mer sich an Angst und Schrecke weidet, zur Unterhaltig.

Dr Kampf gege di böse Mächt im Epheserbriäf isch demgegenüber ernst’gmaint und ganz’jöhrig.

 

Liäbi Gmaind,

wenn dr Paulus sich theologisch üsseret, denn sait er: s Böse isch nur d Abweseheit vom Guäte, also s Böse gits aigentlich nöd, denn es isch dur s Bluät vo Jesus Christus bereits ain für alle‘mol besiegt und somit entwärtet.

S Böse isch wärtlos, es isch nütig. Es isch gar nüt meh. Es hät kain Bestand, kai richtigi Existenz, denn Jesus hätts ain für alle‘mol in sim Erlösigswerk besiegt.

Wenn dr Paulus sich hingege praktisch üsseret, denn gits diä böse Mächt plötzlich wider, und er stellt si als öpis G‘föhrlichs dar, wo mer nöd unterschätze dörf und wo mer unter Uuf‘bütig vo allne Chräft und Usrüstigs’gegeständ bekämpfe muäs.

Isch das en Widerspruch?

En aifachi Erklärig derfür wäri, dass mer sait: diä zwai verschidene Sache sind halt vo zwai verschidene Persone gschribe worde.

Diä Theologe, wo das behauptet, säged denn: s theologisch Fortschrittlichä, das hätt dr Paulus gschribe, und s Läbens‘praktische im Epheserbriäf, das hätt ebe irgend en andere gschribe, wo sich mit em Name vom Paulus gschmückt hätt, aber wo nöd er sälber gsi isch.

Diä Theorie besait also, das alles, wo ois gschid vor’chummt, vom Paulus gschribe worde isch, und alles, won ois nöd passt, hätt öpert anders, weniger gschids, uufgschribe.

In däre Theorie sait mer denn em Epheserbriäf, er seigi „frühkatholisch“.

Diä Bezaichnig stammt us äre Ziit, wo „katholisch“ für di Reformiärte no es rains Schimpfwort gsi isch.

Wenn mer also em Epheserbriäf sait, er seigi „frühkatholisch“, denn bedütet das, en richtige Reformiärte chan das nöd bruche, was do drin stoht.

Aber hüt läbed mir in dr Gegewart.

Mir läbed in dr Ziit vo dr Ökumene.

Hüt muäs öpis nüme reformiärt sii, damit s guät isch, sondern es muäs guät si, damit s guät isch.

Und hüt isch nüme automatisch öpis schlächt, wenn s katholisch isch, sondern es isch schlächt, wenn s schlächt isch.

S Zölibat isch nöd schlächt, wil s katholisch isch, sondern wil s gege d Schöpfigs’ordig isch, de Priester s Hürote z verbüüte.

Und di abghobe Theologie, wo zu minere Ziit als Student an der theologische Fakultät Züri und in dütsche Universitäte vermittlet worde isch, diä wird dur das nöd besser, dass si e protestantischi Theologie isch.

Si isch nöd guät, wil si wältfremd gsi isch. Där giftigi, staubigi Geist und diä Läbens’findlichkeit vo foifehalb Johr an dr theologische Fakultät sitzed mir jetzt no in de Chnöche.

Also: Vilicht isch dr Römerbriäf vomene Gschide gschribe worde und dr Epheserbriäf vomene Tummä. Eso wiän ich s im Studium an dr Uni g’lärnt han.

Vilicht isch es aber bloss dr Unterschid vo Theorie und Praxis.

In dr Theorie hät s Böse kai Macht meh. In dr Theorie chönd mir dr Ziit‘raffer iischalte und säge: am Schluss vo dr Bible wird s Böse besiegt. Denn gwünnt Jesus. Das Gute siegt.

Nur, minere Mainig noch isch s Problem das: dr Ziit’raffer chönd mir nur in oiserne Gedanke iischalte.

Mir sälber, mit oiserem Fleisch und Bluät, bliibed in dr Gegewart.

In dr Gege’wart gseht’s nöd eso uus, wiä wenn s Bösi scho besiegt wär.

In dr Gege’wart gseht’s eso uus, wiä wenn bösi Geister en beträchtliche Iifluss uf d Läbens’umständ hätted.

Gott isch stärker als s Böse, aber Gott isch ebe ewig. Drum isch für ihn dr Sieg über s Böse jetzt scho e Tatsach.

Ich bin nöd ewig. Ich bin sterblich. Und für mich isch dr Sieg vom Guäte über s Böse no lang kai Tatsach.

Für mich isch dr Sieg vom Guäte über s Böse e Hoffnig.

Ich glaube do drah.

Aber ich kann s nöd bewiise.

Und wenn öpert sait, dass d Wält en Tummel’platz vo finstere Mächt isch, denn muäs ich däm ufgrund vo mim Wüsse und mine Erfahrige zuä’stimme.

Us dr Sicht vo Gott isch s Böse ain Nichts.

Us minere Sicht isch s Böse öpis.

Und min Kampf isch, dass ich meh an Gott glaube als an s Böse.

An s Böse muäs ich gar nöd glaube, s Böse isch joh doh. Glaube muäs ich an Gott.

Das isch en Kampf.

Für där Kampf bruuch ich d Wahrheit als Gürtel. Und s Tuä vom Guäte als Panzer.

Für där Kampf bruch isch als Schuähwerk d Bereitschaft, di Guät Nachricht vom Friede mit Gott z verkünde.

Ich bruch als Schild s feste Vertraue.

Und ich bruch d Gwüssheit vo dr Rettig als Helm.

Das sind jetzt alles passivi Schutzmittel gsi.

Jetzt fählt no öpis; das, wo mer aktiv dermit kämpft:

S Wort Gottes, wo dr Geist ois git, als Schwert.

AMEN.

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel

    02Gruss

    03Lied EG 33,1-3 „Singt mit froher Stimm“

    04(stehend / im Wechsel) Psalmgebet EG 583

    05Lied EG 516,1-5 (?Zwischenmelodien) „Wind“

    06Predigttext Epheser 6,10-17

    07Lied EG 560,1-8 „Du höchstes Licht“

    08Predigt

    09Zwischenspiel

    10(stehend) Fürbitte

    11Lied EG 860,1-4 „We shall overcome“

    12Kollekte: ...

    13Mitteilungen: div

    14Lied EG 860,5-7

    15(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    16(stehend) Segen

    17(sitzend) Schlussspiel