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2004-10-03, 10:00 Gottesdienst Erntedank
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Liturgie

 

Schriftlesung Psalm 65,10-14

    (10)Du sorgst für das Land,
    du machst es reich und fruchtbar:
    So lässt du das Korn für die Menschen wachsen.
    Gott, deine Bäche sind immer voll Wasser;

    (11)du feuchtest die Furchen
    und ebnest die Schollen,
    du tränkst die Felder mit Regengüssen
    und segnest, was auf ihnen spriesst.

    (12)Mit guten Gaben krönst du das Jahr,
    in deinen Spuren lässt du Überfluss zurück.

    (13)Die Steppe füllt sich mit üppigem Grün,
    die Hügel hallen wieder von Freudenrufen.

    (14)Die Weiden schmücken sich mit Herden,
    die Täler hüllen sich in wogendes Korn -
    alles ist voll Jubel und Gesang.

 

Predigttext Römer 10,9-13

    (09)Wenn ihr also mit dem Mund bekennt: „Jesus ist der Herr“, und im Herzen glaubt, dass Gott ihn vom Tod auferweckt hat, werdet ihr gerettet.

    (10)Wer mit dem Herzen glaubt, wird von Gott als gerecht anerkannt; und wer mit dem Mund bekennt, wird im letzten Gericht gerettet.

    (11)So steht es ja in den heiligen Schriften: „Wer ihm glaubt und auf ihn vertraut, wird nicht zugrunde gehen.“

    (12)Das gilt ohne Unterschied für Juden und Nichtjuden. Sie alle haben ein und denselben Herrn: Jesus Christus. Aus seinem Reichtum schenkt er allen, die sich zu ihm als ihrem Herrn bekennen, ewiges Leben.

    (13)Es heisst ja auch: „Alle, die sich zum Herrn bekennen und seinen Namen anrufen, werden gerettet.“

 

Liäbi Gmaind,

 

zum Thema Erntedank händ mir hüt ainersiits es Stuck vomene Psalm ghört, vom Psalm 65. Döt isch dr Zsämehang zum Thema offe’sichtlich. Es goht um Ackerland, Bewässerig, Frücht, Herde us Gaisse und Schoof, um Säge und Überfluss. Möglicherwiis isch dr Psalm 65 sogar im ursprüngliche Gebruuch en Erntedankpsalm gsi. Villicht händ Israelite in dr Ziit vom alte Testament där Psalm anlässlich vo Wallfahrte uf Jerusalem gsunge, zum em Schöpfer für es guäts Johr uf em Feld und uf dr Weid danke säge. Zimli sicher isch, dass si diä Värs gsunge händ und nöt uufgsait, wil diä Psalme jo alli emol Melodiä gha händ. Zum Dank bim Erntedank hätt s Singe scho siit langer Ziit derzuä ghört, und diä Tradition bewahred mir, in dem mir ebefalls dr Dank unter anderem in g’sungener Form vor Gott träged.

Jetzt hätts aber no en zwaite Text geh, wo ich vorhär us dr Bible vorgläse han, und zwar dr Predigttext nach de Losige, Römer 10, Värs 9-13. Dr Predigttext nach de Losige lauft im Johr fortwährend dure, das heisst, wenn mir jetzt im 10. Kapitel sind, isch an fruänere Sunntige öpis us de vorhergehende Kapitel drachoo, und spöter in däm Johr gits denn no Predigte zu de nachfolgende Kapitel. Uf diä Art und Wiis bechummt mer vom jewils aktuelle biblische Buäch, wo dureprediget wird, nöd nur es Versuächerli, e Vorspiis oder en Zwüschegang, sondern es ganzes mehrgängigs Menu. Das hätt dr Vorteil, dass es sättigend isch.

Es hätt dr Nochteil, dass es nöd immer Saison-Chuchi isch. Hüt isch zwar Erntedank, aber Römer 10,9-13 isch nöd frisch vom Markt, sondern, wil mir das jetzt grad am Lager händ, bliibt’s im Aagebot, solange der Vorrat reicht.

Hätt also dr Predigttext nüt z tuä mit Erntedank? Es goht drum, unter was für Bedingige dass mer vo sim Läbe e positivi Bilanz züche chan. D Bilanz, di gross Schluss-Abrächnig, füährt zumene Plus oder emene Minus. Plus bedütet: ufe. Minus bedütet: abe. Plus bedütet: g’rettet werde. Minus bedütet: z’grund goh. Dr Römerbriäf redet vom „letzte“ G‘richt. Obwohl das e Rede’wendig isch, chamer zruck’überlege: Git’s au es vor-letzts G’richt? Und es vor-vor-letzts G’richt? Und zumindest am Fernseh isch das dr Fall.

Do gits dr Richter Alexander Hold. Und es git diä Richterin mit de zündrote Hoor uf em Chopf und de unsichtbare Hoor uf de Zähn, wo mich so abschreckt, dass ich dauernd ihre Name vergisse. Oder denn gits "Zwei bei Kallwass“, wo au funktioniärt nach em G’richts-Prinzip. In dr aktuelle kirchliche Situation han ich mängisch s G‘fühl, mer redet nöd gärn vom G’richt. Es git Befürchtige, es chönnti di Gläubige oder di „zugewandten Orte“ abschrecke, wenn mer von dr End’abrächnig prediget. Irgendwiä dänkt mer, d Chile muäs doch liberal sii, und si dörf das nöd so genau neh, suscht wirkt si intolerant.

Derbi isch es es mänschlichs Grundbedürfnis, dass d Liberalität endlich emol an en Punkt chummt, wome derdur e Liniä züche chan: bis hierhin und nicht weiter. Und Toleranz isch irgendwiä vor 30 Johr au es attraktivers Wort gsi als hüt. So in de 70er Johr, do hät mer sich no müse befreie vor g‘sellschaftlichem Mief. Mer hätt sich chöne distanziäre vo Doppelmoral und vonere verklemmte Öffentlichkeit.

Vor 30 Johr hätt mer no chöne säge, Toleranz isch öpis Vorteilhafts. S Konkubinat isch emol verbote gsi. Dass mer es Päärli, wo im Konkubinat läbt, nüme gsellschaftlich ächtet, oder sogar büasst und – es isch vorchoo – iisperrt  – das isch sicher en Fortschritt. Im Übergang zu hüt isch es au en Abschied gsi vo dr Doppelmoral. Denn vili Ehepaar, wo damals schlächt g’redet händ über Konkubinatspaar, sind heimlich niidisch gsi, wil si sälber für das no händ müse hürote!

Au suscht isch Toleranz emol en Fortschritt gsi. Vo ältere Pfarrkollege waiss ich, dass es Gerede gee hätt im Dorf, wenn dr Pfarrer emol in Turnschuäh umenand g’loffe isch. Do hätt mer den scho befürchtet, am nächste Tag lait er es Batik-T-Shirt aa und bald goht er als Hippie. Hüt han ich uf dr Stross maistens Turnschuäh aa, und es isch kais Thema meh.

Toleranz isch emol öpis Nötigs gsi, wo Freiheite brocht hätt.

Hützutags wird Toleranz allerdings brucht zum Rechtfertige, wenn Manne us anderne Kulturkreis ihri Fraue schlönd und ihri Chind verdresched. Denn heisst’s: där Maa chummt useme andere Kulturkreis, bi däne macht mer das halt eso, do muäs mer tolerant sii. Wenn das Toleranz isch, dass mer irgendwelche Machos erlaubt, ihre Wille mit Gwalt dure’z‘setze, denn münd mir d Toleranz ganz schnell abschaffe.

Wiso gits eso vil Grichts’sendige am Fernseh? Wiso lait au Tele-Züri so vil Wärt uf G’richts-Reportage, wenn wieder emol en Straf’fall vor eme Zürcher G’richt verhandlet wird?

Es isch dr Wunsch nach dr Ernte. Dr Wunsch nach em letzte G’richt. Dr Wunsch nach eme Schluss’strich. S Bedürfnis, Bilanz z züche und z säge, Tuume ufe (Daumen), oder Tuume abe. Fertig Toleranz, jetzt wird ab’grächnet. Aber es wird nöd eso abgrächnet wiä bi de römische Kaiser im Zirkus, dass es d Willkür vom Chef isch, ob dr verwundeti Gladiator am Läbe bliibt oder ob er stärbe muäs.

Diä Gricht, wo mir hüt am Fernseh gsehnd, gänd sich vil Muäh um es fundiärts Urteil.

Si probiäred, fair z sii und au in undurchsichtige Fäll dr tatsächlichi Ablauf vo dr Tat z ermittle, mit möglichst allne Hintergründ. Aber denn hörts nöd uuf. Am Schluss chummt s Urteil. Abgerechnet wird am Schluss. Am Schluss wird d Ernte iigfahre. Das, wo mer g‘säät hätt, das erntet mer au. Vom Moment vo dr Saat bis zur Ziit vo dr Ernte chan s im richtige Läbe sehr lang goh. Für dr Buur isch das nöd esones Problem, där isch in dr Zwische’ziit mit anderem beschäftiget.

Sobald s jedoch um die Ernte der Gerechtigkeit goht, chans quälend sii, wiävil Ziit verstriicht zwisched ere böse Tat und dr Bestrofig vom Täter.

Jedesmol, wenn uf RTL oder Sat1 e G‘richtssändig nach öpe 40 Minute Netto verbii isch, denn wird das Urteil gefällt. Das tut aim guät. Do dänkt mer: jetzt hätt d G’rächtigkeit wieder g’siegt.

Fruäner no hätt d Chile prediget, dass am Änd vor dr Ziit Gott für Gerechtigkeit sorgt. Hüt prediget d Chile das nüme, oder nüme so luut, aber s Bedürfnis nach eme Sieg vo dr Gerechtigkeit isch im Mensch nach wi vor vorhande. Usserdäm hätt d Chile, wo si das no g’macht hätt, vom G’richt am jüngste Tag prediget. Solang wänd mir aber nöd warte. Mir wänd G’rächtigkeit hüt. Foifmal in dr Wuche, jede Nochmittag am Zwai, am Drei und denn nomol am Viäri. Villicht ebbt s Bedürfnis nach Fernseh-Gerechtigkeit e chli ab, wenn usserhalb vom Fernseh, im richtige Läbe, weniger Toleranz und meh Gerechtigkeit regiärt.

Denn wird au e Ernte iigfahre, e Ernte, wo fast so wichtig isch wiä diä Ernte us Korn und Öpfel und G’muäs. Es wird diä Ernte iigfahre vom Sicherheits’gfühl, von de klare Massstäb und vo dr Durchsetzig vo de klare Massstäb.

Gott wird in dr Bible als Schöpfer darg’stellt. Drum danked mir ihm für das, was sini Schöpfig an Guätem hervorbringt.

Ebefalls wird Gott in dr Bible dargstellt als Richter. Wenn mir an ihn glaubed, denn sötti üs d Belohnig vo de Guäte und d Bestrofig vo de Böse wichtig sii.

AMEN.

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel

    02Gruss

    03Schöpfungslied EG 530,1-6 „Himmel, Erde“

    04(stehend / im Wechsel mit EG 71 „Laudate“) Dankgebet

    05Bibeltext Psalm 65

    06Schöpfungslied EG 571,1-3 „Die güldne Sonne“

    07Predigttext Römer 10,9-17

    08Lied mit Gitarre und Orgel EG 8,1-9 „Laudato si“

    09Predigt

    10Zwischenspiel

    11(stehend) Fürbitte

    12Schöpfungslied EG 543,1-3 „Herr, die Erde“

    13Kollekte: ...

    14Mitteilungen: Verteilen der Gaben; Konflager

    15Schöpfungslied EG 543,4-6

    16(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    17(stehend) Segen

    18(sitzend) Ausgangsspiel

    19Gaben mitnehmen!