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2004-07-25, Gottesdienst mit Taufe
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Liturgie

 

Predigt über Apostelgeschichte 2,41a.42-47

 

    (41)Viele nahmen seine {von Petrus} Botschaft an und liessen sich taufen. (...)

Das Leben in der Gemeinde

    (42)Sie alle widmeten sich eifrig dem, was für sie als Gemeinde wichtig war: Sie liessen sich von den Aposteln unterweisen, sie hielten in gegenseitiger Liebe zusammen, sie feierten das Mahl des Herrn, und sie beteten gemeinsam.

    (43)Alle Menschen in Jerusalem wurden von ehrfürchtiger Scheu ergriffen; denn Gott liess durch die Apostel viele Staunen erregende Wunder geschehen.

    (44)Alle, die zum Glauben gekommen waren, bildeten eine enge Gemeinschaft und taten ihren ganzen Besitz zusammen.

    (45)Von Fall zu Fall verkauften sie Grundstücke und Wertgegenstände und verteilten den Erlös unter die Bedürftigen in der Gemeinde.

    (46)Tag für Tag versammelten sie sich einmütig im Tempel, und in ihren Häusern hielten sie das Mahl des Herrn und assen gemeinsam, mit jubelnder Freude und reinem Herzen.

    (47)Sie priesen Gott und wurden vom ganzen Volk geachtet.
    Der Herr aber führte ihnen jeden Tag weitere Menschen zu, die gerettet werden sollten.

 

Liäbi Gmaind,

im Chilejohr sind mir scho zmizt in dr festlose Ziit, im Predigttext nach de Losige aber sind mir erst kurz nach Pfingste. D Uus‘güssig vom heilige Geist hätt e Begaisterigs‘wäle zur Folg gha. E Begeisterigs‘wäle unter wem? Das isch no schwirig zum Formuliäre.

Di erste Christe händ jo gar nonig „Christe“ gheisse. Si händ glaubt, dass Jesus vo Nazaret dr versprocheni Retter isch.

Wenn mir das mached, denn ghöred mir zu nere Religion. Diä Religion heisst „Christetum“. Zu dr Religion „Christetum“ ghört, dass si uf dr ganze Wält Mitglieder hett, und nöd nur Mitglieder us Fleisch und Bluät, sondern au Überlieferige, Traditione, G‘schichte, wo in dr Ziit nach dr Bible passiärt sind, Chilegebäude, wiiteri Hüüser, Institutionä.

Mir sind also e richtigi Religion.

Im hütige Wettbewerb vo de Religionä träted mir selbstbewusst uuf.

Di erste Christe händ nonig „Christe“ gheisse. Diä Bezeichnig isch erst spöter gebrüchlich worde. Si händ sich aifach als Gläubigi betrachtet. E Chile händ si kaini gha. Wiä mir in oiserem Predigttext fest‘stelled, sind di erste Christe in dr Tempel in Jerusalem gange.

Kais Wunder, dr Tempel vo Jerusalem isch jo dr Tempel für dr Gott vo de heilige Schrifte.

Und di heilige Schrifte, das sind damals erst di alttestamentliche Schrifte gsi.

D Schrifte vom noie Testament über dr Jesus hett mer zerst müse schribe. D Schrifte vom noie Testament über s Läbe und Stärbe und d Uuferstehig vo Jesus sind entstande, wo sich s Christetum uusbreitet hätt und wo d Lüüt Informatione wele händ. Diä Lüüt, wo dr Jesus zur Ziit vo sinere Wirkig in Jerusalem und Galiläa nöd erläbt händ, wil si vilicht überhaupt niä in Israel gsi sind, sondern vomene ganz andere Ort här chömed – für settigi Neuzuäzüger im christliche Glaube isch s noie Testament denn gschribe worde.

Im noie Testament stöhnd aber au no Briäf vom Apostel Paulus. Au diä Briäf hetts nonig geh, wo di erste Christe ihre Glaube an Messias entfaltet händ. Zu däm Ziitpunkt isch dr Paulus no en Student – und uf dr Siite vo de Gegner vom Jesus - gsi. Und mer mus sogar säge, diä Gegner, diä händ sich zerst emol müse formiäre, wil mer am Afang in Jerusalem di erste Christe no gar nonig als Fremdkörper in dr bestehende Religion wohrgnoh hätt.

Also, mir befinded sich in dr Phase vom Ur-Christetum.

Dr Glaube isch no so frisch, dass niämert drgege isch, wil au diä, wo drfür sind, no gar nöd rächt wüssed, um was dass es goht.

Mer isch derbi.

Mer isch motiviärt.

Es isch fast wiä en Art e Liäbesgschicht. Es Päärli chan mitenand verbunde sii, bevor di beide Partner wüssed, wiä ne Beziehig funktioniärt und uf was dass si im Alltag Rücksicht neh münd. Es Liäbespaar chan es Liäbespaar sii, bevor di Verliäbte begriffe händ, an was für Regle si sich im normale Zsämeläbe halte münd.

Was mached also di erste Christe?

Bi de Teenager sait mer, dass verliäbti Meitli ehnder fliissiger werded, währenddem verliäbti Bursche ihri Pflichte ehnder nochlässiged und d Arbet nüme so gsehnd.

Wenn mer das uf di erste Christe übertrait, denn zeiged si e männlichi Reaktionswiis. Si sind so im Überschwang vo de Gfühl drin, dass si as Schaffe gar nüme dänked. Si nähmed kai Geld ii, si gänd Gäld uus. Es git immer noii Mitglieder, und diä ver‘chaufed nach und nach ihri Wertgegeständ und Grundstück, und mit däm finanziäred sich di erste Christe dr Läbensunterhalt.

 

Liäbi Gmaind,

nöd alles wird ver’chauft. Es git zwai Ort, zwai Arte vo Ort, wo mer sich in däm arbeits‘lose Läbens-Stil abwechselnd trifft: ainer‘siits im Tempel, wo au di überwiegend Mehrheit vo de andere Gläubige sich besammlet, und anderer‘siits in Privathüüser, wo mer zsäme gemeinsam isst plus s Obigmohl fiiret.

Also, di ainte ver’chaufed ihre Besitz, anderi bhalted ne aber offebar – wer reglet das?

Wenn in Oberengstringe öpis verkauft oder kauft wird in dr Chilegmaind, denn reglet das d Chilepfläg.

D Rechnigsprüäfigskommission luägt dr Chilepfläg derbi kritisch über d Schultere, vorhär muäs d Gmaind‘versammlig befrögt werde und nochhär muäs d Gmaind‘versammlig s Gschäft absägne.

Mir händ das g’reglet.

Kais Wunder, bi ois isch s Christetum scho lang en Institution.

Mir händ zwaituusig Johr lang Ziit gha, zum Fähler mache – ich main jetzt nöd Glaubensfehler, sondern Fähler im alltägliche Umgang vo Mensch zu Mensch - ; mir händ zwaituusig Johr lang Ziit gha, zum Fähler mache, und so händ sich allmählich Strukture entwicklet, wo vermeidbari Fähler vermiide sölled.

De erste Christe sind ali diä Fähler no bevorgstande.

Aber wiso händ denn diä nöd g‘schaffet? Wiso händ si aifach vom Ersparte gläbt?

Wenn nüt nochflüst, denn sind di finanzielle Quelle doch irgendwenn erschöpft!

Frisch im Überschwang vo de Gfühl dänkt mer vilicht nöd eso logisch.

Vor allem händ di erste Christe gar nöd mit eme spöter iitretende Alltag g’rächnet.

D Urchriste händ glaubt, dass d Wiederkunft vo Jesus unmittelbar bevorstoht.

Und denn lohnt sich s nüme, z stresse.

Denn bereitet mer sich vil liäber uf d Wiederkunft vom Heiland vor.

Mer erwartet es grosses Fest.

Mer erwartet s Änd vo dr Ziit, wo darnach kein Morgen graut.

 

Liäbi Gmaind,

es hätt aber darnach ein Morgen (ge)graut.

Und nöd nur ain Morgen.

Ganz vili Mörge sind siither aa’broche.

Und im gliiche Uusmass, wiä dr ersti Enthusiasmus verfloge isch, hett sich d Vernunft Raum verschafft.

Vernunft chan öpis schrecklich langwiligs sii.

Aber ohni Vernunft isch es schrecklich.

Di erste Aagstellte vo dr christliche Gmeind sind Diakone gsi.

Si händ müse s Spendegeld fair und gerecht an di Bedürftige in dr Chilegmaind verteile.

Dass useme Huufe vo Jesusgläubige e Chile worde isch mit Festaagstellte, das isch wägem Gäld gsi.

Nöd wägem Gäld verdiäne, sondern wägem Gäld uusgeh.

Gäld verdiäne chan stressig sii.

Geld uusgeh chan ebe‘falls zu Stress und Striit und Beziehigs’chrämpf füähre.

Was sind d‘ Tätigkeite gsi vo de erste Christe?

Unterwiisig dur Jesus-Züüge,

„zusammenhalten in Liebe“,

„das Mahl des Herrn halten“,

gemeinsam bäte.

Unterwiisig: Lüüt, wo dr Jesus persönlich erläbt händ, brichted vo ihm.

Si verzelled us ihrer Erinnerig use, was Jesus prediget und gmacht händ.

Si stelled en Bezug her zwüschet dem, wo in de heiligi Schrifte stoht, und dr Person Jesus.

Das isch nüt nois.

Es isch d Fortsetzig vo däm, wo dr Jesus sälber gmacht hett.

Jesus sälber hätt Sache vom Alte Testament öffentlich erklärt und Kommentär derzuä abgeh.

In de Striitgspröch hätt er Zitat us em Alte Testament verwendet.

Das händ sini Jünger jetzt au probiärt.

S Resultat isch ähnlich gsi wiä bim Jesus, diä ainte hätts überzüügt und di andere halt nöd.

Erst dur di anhaltendi Unter‘wiisig hätt sich dr Glaube vo de Christe g‘formt und g‘festiget.

Und wenn öpis e Form hätt, denn chan en Betrachter dernäbet stoh und säge: diä Form gfallt mir; oder: diä Form gfallt mir nöd.

Dur d Unterwiisig sind also di ainte in ihrem Glaube gfestiget worde.

Glichzitig isch es für Usse’stehendi immer klarer worde, dass doh en noiä Glaube sich use’kristallisiärt, wo di gross Mehrheit vo de bisherige Gläubige sich däm nöd hätt wele aa’schlüsse.

Parallel zum Christetum händ sich Gegner vom Christetum bildet. Das hätt innerhalb vo einige Mönet oder eventuell innerhalb vo ain, zwai Johr zur Bildig vonere Chilegmaind gfüährt und gliichziitig zu de erste Christeverfolgige.

Dr erst Märtyrer isch uus’g‘rächnet ain vo de erste siebe Festaagstellte gsi, dr Stephanus.

Dr Diakon Stephanus isch für d Verteilig vo de Almose an di griächisch-stämmige Christe verantwortlich gsi.

Zu de Christe z ghöre hätt scho rächt bald bedütet, sich in Gfahr z begeh.

Also, Unterwiisig isch aini vo de Beschäftigunge vo de Urchriste gsi. Das isch kain neutrale Religionsunterricht, sondern es goht um es Zügnis vo Jesus. Unterwiisig bedütet: Mensche, wo Jesus kenned, gänd ihri Erkenntnis wiiter. Mensche, wo Gschichte vom Jesus kenned, verzelled diä Gschichte. Öpert, wo Uussprüch vom Jesus kennt, git diä Uussprüch däne wiiter, wo si nonig kenned; oder er probiärt si däne z erkläre, wo si zwar scho mol ghört händ, aber wenig dermit aafange chönd.

Das isch das, was mir in dr kirchliche Unterwiisig, vom Fiire mit de Chliine über d Sunntigschuäl und dr 3.Klass-Unti bis zu de Jugendgottesdiänst und em Konf-Unti mached. Es isch nöd nur Information über dr Glaube, sondern es isch au Läbe im Glaube.

Mer redt nöd nur drüber, sondern mer stoht au drin. Mer schwebt nöd in dr Theorie, sondern mer befindet sich auf dem Boden der Tatsachen.

Das git en flüssende Übergang zum zwaite, wo d Urchriste „g’macht“ händ, „g’macht“ in Aafüährigs- und Schlusszaiche: „sie hielten in gegenseitiger Liebe zusammen“. Das isch au ain Grund, wieso mir hüt sone Chile‘struktur händ mit Gwählte und Chilegebäude und Aagstellte und freiwillige Mitarbeiter und eme kantonale Serviceverband, dr sogenannte Landes’chile. Diä ganz Organisation und diä Gebäude sind kain Selbstzweck. Si sölled s erliichtere und veraifache, dass mir „in gegenseitiger Liebe“ zsäme‘hebe chönd.

Mir sind e Chile. Das chönd mir hüt säge. Mir sind nüme so euphorisch, so enthusiastisch wi di erste Christe. Aber mir sind au nüme eso verzwiiflet, eso aagrifbar, eso ganz ohni Bode unter de Fuäss. Stelled si sich d Situation vor vo de Urchriste, wo si allmählich us em Tempel in Jerusalem vertribe worde sind. Wo di Normal‘gläubige aagfange händ säge: oi wänd mir gar nöd in oiserem Tämpel. Oise Tämpel isch nöd eure Tämpel. Und MIR legged di heilige Schrifte ganz anders uus als ihr. Do muäs de Urchriste ihri Unbehaustheit weh tuä haa. Je emotionaler mer uufputscht isch, desto emotionaler chan mer bruchlande.

Lüüt, wo ganz fest inenand verliäbt gsi sind, chönd sich au ganz erbittereti Trennigs-Striitigkeite liefere. Di schiinbar natürlich Verbindig vo däm, wo hüt Christetum heisst, und vo däm, wo hüt Judetum heisst, hätt sich als vorübergehendi Nöchi erwise. Aber e vorübergehendi Nöchi isch nöd s gliiche wiä e bliibendi Verbindig.

 

Liäbi Gmaind,

es git no zwai Tätigkeite vo de erste Christe. Mir händ baidi in d‘ Tradition vo oiserer Chile uufgnoh. Es handlet sich um s Obigmohl und um s gemeinsame Gebät.

Es wird hüt gärn betont, dass dr Glaube Privatsach isch.

Das isch e gschichtlichi Errungeschaft, dass dr privati Mensch sin Glaube sälber bestimme dörf.

Där Glaube, wo en Mensch sich denn aber derfür entschide hätt, där isch automatisch nüme privat, sondern sozial.

Wil joh dr privatisti (der privateste) Mensch zu‘glich es sozials Wese isch.

Mit „sozial“ main ich jetzt di wörtlich Bedütig, „sozial“ bedütet „g‘sellschaftlich“.

Dr christlich Glaube isch verankeret im Private.

Aber so wi mir nöd bloss Privat‘mensche sind, sondern imene Dorf läbed, öffentlich sind, so hätt au dr Glaube e öffentlichi, e gemeinschaftlichi Komponente.

Theoretisch chan mer s Obigmohl ganz elai fiire.

Im Obigmohl gohts um d Verbindig zwüschet Gott und Mensch.

Wenn mer elai s Obigmohl fiiret, denn chönd Gott und Mensch do drin bereits vorchoo.

Aber im Obigmohl gohts au um d Verbindig vo Mensch zu Mensch uf dr Grundlag vom Glaube an Jesus.

Und für das bruchts denn scho emol mindestens en zweite Mensch.

Nächst Sunntig fiired mir s Obigmohl. Nöd wil Pfingste isch, oder Wiähnachte, also wäge me Grund, sondern ohni Grund. Mizt in dr festlose Ziit vom Chilejohr. Es hätt natürlich gliich en Grund. S Obigmohl isch e natürlichi Erschinnigsform vom christliche Glaube. Und wenn mer öpis nur zu ganz spezielle Ziite macht, denn verlüürt‘s sini Natürlichkeit und – ganz schlimm – es chan sin Bezug zum wirkliche Läbe verlüüre.

Wenn öpis ganz speziell isch, denn chan ich mich schnell emol uf dr Standpunkt stelle, es goht mich jo nüt aa, eso religiös bin ich jetzt au widr nöd.

S Obigmohl isch en Erschinigsform vom Glaube an Jesus.

Definitionsgemäss glaubed mir als Christe an Jesus.

Drum isch s Obigmohl öpis Nöchs.

Zum Abschluss no s gemeinsame Bäte.

Unter de Reformiärte isch es en alte Diskussionspunkt, ob s so öpis wiä e eigeständigi Chile git.

Also, wenn mir gemeinsam s Unser Vater bäted, stöhnd denn luuter Einelwese vor Gott oder stoht do näber de Einzelwese au so öpis wiä ne Gruppe vor Gott?

Bilded mir als Gmeinschaft es Gegenüber zu Gott?

Hätt d Chile quasi e aigeti Existenz?

Diä Diskussion isch nonig abgschlosse. Es bestoht au kain Ziitdruck, zum diä Diskussion beende. Denn mir diskutiäred do drin nöd über öpis, wo mir vilicht emol mache wänd. Sondern es goht nur um d Interpretation vo öpis, wo mir bereits praktiziäred.

Zäme vor Gott stoh tuänd mir ainewäg – egal ob als Bündel vo Einzelwese oder als Einheit vo dr Chile.

AMEN.

 

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel

    02Gruss

    03Lied KU 64,1-6 „Danke“

    04(stehend / im Wechsel) EG 109 {= Psalm 16}

    05Lied KU 240 „Hevenu schalom alächem“

    06Bibeltext

    07Lied EG 8,1.2.1 „Ich lobe meinen Gott“

    08Predigt

    09Zwischenspiel

    10Eingiessen des Taufwassers. Personalien

    11(Taufgesellschaft tritt herzu) Fragen. Taufe

    12Entzünden der Taufkerze / Melodie Orgel

    13(stehend) Fürbitte

    14Lied KU 8,1.5.6 „Laudato si“

    15Kollekte: ...

    16Mitteilungen

    17Schlusslied KU 30,1-4.1 „Kumbaya“

    18(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    19(stehend) Segen

    20(sitzend) Ausgangsspiel