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2004-07-04, Ökumenischer Gottesdienst auf dem Dorfplatz
Predigt Pfr. Jean-Marc Monhart

 

Liturgie

 

Predigttext
Galater 5,25-6,10

    (25)Wenn wir nun durch Gottes Geist ein neues Leben haben, dann wollen wir auch aus diesem Geist unser Leben führen.

    (26)Wir wollen nicht mit unseren vermeintlichen Vorzügen voreinander grosstun, uns damit gegenseitig herausfordern oder einander beneiden. /

    (01)Brüder und Schwestern, auch wenn jemand unter euch in Sünde fällt, müsst ihr zeigen, dass der Geist Gottes euch leitet. Bringt einen solchen Menschen mit Nachsicht wieder auf den rechten Weg. Passt aber auf, dass ihr dabei nicht selbst zu Fall kommt! /

    (02)Helft einander, eure Lasten zu tragen. So erfüllt ihr das Gesetz, das Christus uns gibt.

    (03)Wer sich dagegen einbildet, besser zu sein als andere, und es doch gar nicht ist, betrügt sich selbst.

    (04)Jeder und jede von euch soll das eigene Tun überprüfen, ob es vor Gott bestehen kann. Ob sie etwas an sich zu rühmen haben, das lesen sie dann an sich selber ab und nicht an anderen, über die sie sich erheben.

    (05)Jeder wird genug an dem zu tragen haben, was er selbst vor Gott verantworten muss. /

    (06)Wer im christlichen Glauben unterwiesen wird, soll dafür seinem Lehrer von allem etwas abgeben, was zum Leben nötig ist. /

    (07)Macht euch nichts vor! Gott lässt keinen Spott mit sich treiben. Jeder Mensch wird ernten, was er gesät hat.

    (08)Wer auf dem Boden der menschlichen Sehnsucht sät, wird von ihr den Tod ernten. Wer auf den Boden von Gottes Geist sät, wird von ihm unvergängliches Leben ernten. /

    (09)Wir wollen nicht müde werden zu tun, was gut und recht ist. Denn wenn die Zeit da ist, werden wir auch die Ernte einbringen; wir dürfen nur nicht aufgeben.

    (10)Solange wir also noch Zeit haben, wollen wir allen Menschen Gutes tun, besonders denen, die mit uns durch den Glauben verbunden sind. //

 

 

Liäbi Gmaind,

als Predigttext händ mir en Abschnitt us em Galaterbriäf ghört.

Dr Paulus hätt uf dr zweite vo sine foif Missionsreise es paar Chilegmainde gründet im Gebiät vo dr hütige türkische Hauptstadt Ankara. Bi dr dritte Missionsreis isch er diä Chilegmainde nomol cho go bsuäche, und won er denn in Ephesus gsi isch, hett er ne en Briäf gschribe; ebe dr Galaterbriäf.

Uslöser vom Galaterbriäf isch e konfessionelli Usenandersetzig in dr frühe Christeheit. Damals hätts nöd gheisse „reformiärt“ oder „katholisch“. Sondern es isch gange um „Heidechriste“ oder „Judechriste“. Um Christ-Sii isch es in jedem Fall gange. Wenn mir hüt reformiert und katholisch unterscheided, denn isch es en Unterscheidig unter em gemeinsame Dach vom Christetum. Und au dr damaligi Unterschied vo „Jude-Christe“ und „Heide-Christe“ isch us dr Distanz betrachtet kain Unterschied zwüschet verschidene Religione. S glaubed beidi an Gott, wo der Erlöser Jesus Christus zu ois uusgsendet hett. Und somit sind beides christlichi Konfessione.

Und trotzdem regt sich dr Paulus über di ander Konfession grauehaft uuf. Där Abschnitt, won ich Ihne als Predigttext vorgläse han, ghört zum versöhnliche Abschluss vom Briäf. Aber vorher, in de erste Kapitel, gits es paar Formuliärige, wo unversöhnlich sind.

Unversöhnlich stoht dr Paulus sine innerchristliche Gegner döt gegenüber, wos um d Theorie und um d Ritual goht. Bi dr Theorie, oder -mit em Spezialuusdruck gsait, bi dr Theologie - , doh gits Unterschied zwüschet de damalige Konfessione.

D Judechriste säged, dass s Christetum en 2-Phase-Prozess isch. En 2-Phase-Prozess wiä Vorwäsch und Hauptwäsch oder wiä zerst scharf aabrote und nachher fridlich bruzzle loh.

Phase 1 wär dass mer Jud wird. In dr Phase 2 wird mer denn Christ. D Phase 2 hebt d Phase 1 nöd uuf. Sondern als Christ in dr Phase 2 isch mer denn quasi „Jude plus“. Wenn dr Hauptwaschgang aafangt, chömed d Flecke, wo bim Vorwaschgang use sind, au nöd widr zrugg. Und wenn mer bim Kotelett d Herdplatte nach em Aabrote wider abeschaltet, wird wäge däm s Fleisch au nöd widr rot.

Eso säged em Paulus sini Gegner: Ihr Galater, Ihr sind e chli gar schnell gsi mit em Christetum. Werded zerst emol Jude, das heisst bi de Manne, löhnd Oi beschniide, und bi dä Manne und Fraue, ässed kai Schwinigs, und Bluätwurst git’s denn im Fall au kaini meh.

Und nochhär, mit däm als Grundlag, chan mer denn Christ wärde und glaube, dass dr Jesus vo Nazareth där isch, wo Gott sim Volk als Messias gschickt hätt.

 

Liäbi Gmaind,

das also sind d Unterschied in dr Theorie und in de Ritual gsi. Theorie isch: zerst Jud werde, denn Christ. Ritual isch: Beschnidig und Nahrigsmittelvorschrifte.

Locker, wiä mir hützutag sind, chönted mir säge: Spilt doch kai Rolle!

Wiso regt sich dr Paulus denn eso uuf?

Das hängt zum aine mit dr Persönlichkeitsstruktur vom Paulus zsäme. Und nöd nur dr Apostel hett sone Persönlichkeitsstruktur. Lüüt, wo es Unternehme uufbaut händ, und wo denn dr Vorsitz oder d Direktion abgee münd, reagiäred zum Tail ähnlich.

Dr Paulus hätt diä Chilegmainde gründet. Jetzt isch er nüme döt, und scho mus er befürchte, dass es in sinere Abweseheit ganz anderst lauft, als är das aigentlich vorgseh hett.

Aber es git no en ernsthaftere Grund als em Paulus sin verletzte Gründerstolz.

Es goht um d Freiheit.

Jesus isch dr Erlöser. Er befreit üüs.

Diä, wo an Jesus glaubed, sind di Erlöste. Si sind befreit.

En freie Mensch muäs sich nöd d Vorhuut abschnide loh und im Migros uufpasse, dass er bi dr Fleischabteilig nöd Schinke is Wägeli lait. Unfreii Mensche münd so Sache mache, Freii sind dodrvo befreit.

Jetzt chamer jo gschid sii und säge: Für diä Gschicht mit em Schweinefleisch gits läbensmittelhygienischi Gründ, Lammfleisch isch aifach weniger schnell verrottet bi orientalische Temperature. Das mag stimme, aber um das gohts nöd.

Es goht um d Frog: erlöst mich Jesus, oder erlös ich mich sälber.

Und wenn ich als Vorbedingig für d Erlösig dur Jesus zerst uufhöre muäs, Niärstück und Schwinsschnäuzli vom Speisezettel z striiche, damit ich in Phase 2 denn vo Jesus erlöst werde chan, denn hätt mich ebe nöd Jesus erlöst. Sondern, Jesus und ich, mir händ gemeinsam en Erlösig durezoge. Ich han em Jesus dur mini Vorleistig ermöglicht, mich z erlöse. Und ohni mini fleischlos Vorleistig hätti dr Jesus kai Chance.

Diä Kumpanei – so nach em Motto: ich und där do obe, mir zwai - ; diä Kumpanei empfindet dr Paulus als Ärgernis.

Dr Apostel Paulus sait: Gott loht nöd mit sich spotte. Entweder, mir sind uf Erlösig aagwise, und denn chummt diä Erlösig nur vo Gott und suscht vo niämert. Oder, mir erlösed üs sälber. Und denn chönd mir nöd en Mini-Bestand us em Gsetz vom jüdische Glaube uuswähle und där reduziärti Bestand befolge. Sondern, denn münd mir s mache wiä di gsetzestroiä Pharisäer: ali rund 450 Gebot vom alte Testament münd iighalte werde. Und wenn üs dr Herrgott derbi verwütscht, dass mir ais ainzigs Gsetz ais ainzigs Mol nöd hundertprozentig iighalte händ, denn sind mir verdammt in alle Ewigkeit. Nüt wischiwaschi. Alles oder nüt.

Dr Paulus sait: nüt.

Sini Gegner müssted aigentlich säge: alles. Nur wär „alles“ kai populäri Variante. Solang mer s Stäckli nöd z hoch hebet, chan dr Hund no drüber gumpe.

Psychologisch isch es sehr verlockend, de Gläubige es paar Vorschrifte z mache. Aber theologisch isch es raine Aberglaube.

Es paar aifachi Vorschrifte gänd aim d Illusion, dass mer Gott ohni grosse Uufwand öpis büüte chöni. Aber au mit em grösstmögliche Uufwand chönd mir Gott gar nüt büüte.

Am Änd vom Galaterbriäf gits d Schlussermahnige. Churz zsämegfasst: sind nätt nunenand, aber übertriibed s nöd dermit.

 

Liäbi Gmaind,

das „sind nätt zunenand“ vom Paulus an ois, das isch nöd e Voruussetzig für d Erlösig. Das isch aifach Aastand.

S Gsetz isch überpersönlich. S Gsetz isch di glich Messlatte für alli. Wer alli Gsetz immer voll befolgt, där cha vor Gott hiistoh und säge: du muäsch mich in Himmel uufneh. Ich han es Rächt druf.

Als durch Jesus erlösti Christe sind mir vom Gsetz frei. Ab sofort gilt s Gsetz vo dr Freiheit. Und s Gsetz vo dr Freiheit uf englisch heisst „personal best“. Es goht nüme um dr Weltrekord, sondern um d Verbesserig vo dr persönliche Bestleistig.

„Jeder und jede von euch soll das eigene Tun überprüfen, ob es vor Gott bestehen kann. Ob wir etwas an uns zu rühmen haben, das lesen wir dann an uns selber ab und nicht an anderen, über die wir uns erheben.“

Solang mir s globale Gsetz erfülled, stöhnd mir im Wettbewerb mit anderne. Mir grenzed üs ab vo däne, wo s Gsetz weniger guät erfülled als mir.

Wenn mir s Gsetz vo dr Freiheit erfülled, stöhnd mir im Wettbewerb mit ois sälber. Mir mässed ois an däm, wo mir selber derzuä fähig sind.

Us däm Grund chan dr Paulus au schriibe: „Helft einander, eure Lasten zu ertragen.“

Vor em alttestamentliche Gsetz wär das gege mini aigete Interesse, denn wenn ich anderne hilfe, s Gsetz z erfülle, denn stönd jo diä am Änd dank minere Hilf besser vor Gott doh als ich.

Hingege: vor em Gsetz vo dr Freiheit betrachtet hilft ich em andere, sini aigeti Bestleistig z erbringe, und es gheit mir kain Stai abem Charre, wenn en andere Mensch sinere Bestimmig nöcher chummt. Es setzt mich nämlich im Vergliich nöd zrugg. Dr Vergliich isch jo im Gsetz vo dr Freiheit immer nur dr Vergliich zwüschet mir, wiän ich jetzt bin und mir, wiä Gott mich gärn hätti respektive wiä ich im Sinn vom „personal best“ sii chönti.

Wenn mer sich sälber als Massstab nimmt, denn merkt mer au, dass mer begrenzti Chreft hett. Us däm Wirklichkeitsbezug use chummt di zwait Hälfti nach em „sind nätt zunenand“, nämlich s „übertriibed s nöd dermit“.

Im Kapitel 6, Vers 1 heisst das wiä folgt: „Passt aber auf, dass Ihr dabei nicht selbst zu Fall kommt!“

Hilf um jede Priis wird nöd verlangt. Freiheit bedütet au: Eigeverantwortig. Der ander isch für sich sälber verantwortlich. Und ich bin für mis Wohlergehe verantwortlich.

Das isch vilicht no en bruuchbare Hiiwis für di hütigi konfessionelli Situation, wo bi ois prägt isch dur reformiärt und katholisch. D Katholike sind für sich verantwortlich, und mir Reformiärte sind für ois verantwortlich.

AMEN.

 

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel Ensemble

    02Liturgischer Gruss MHa

    03Persönlicher Gruss JMM

    04Lied „Lobet den Herren“ EG 570,1-3 (Liedblatt)

    05(stehend) Anbetung MHa

    06Lied „Lobe den Herren“ EG 242,1-3 (Liedblatt)

    07Bibeltext Galater 5,25-6,10 MHa

    08Lied „Lobe den Herren“ EG 242,4+5 (Liedblatt)

    09Predigt JMM

    10Zwischenspiel Ensemble

    11(stehend) Fürbitte MHa

    12Lied EG 537,1-3 „Geh aus“ (Liedblatt)

    13Kollekte: Sudan – hälftig Caritas / HEKS MHa

    14Mitteilungen: Dank. Einladung. Veranstaltungen kath. MHa

    15Mitteilungen: Veranstaltungen ref. JMM

    16(stehend / gemeinsam) Unser Vater MHa

    17(stehend) Segen MHa, JMM

    18(sitzend) Ausgangslied EG 570,4-6 (Liedblatt)

    19(sitzend) Ausgangsspiel Ensemble