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2004-06-06, Gottesdienst im Kirchgemeindehaus
Trinitatis, Kantorei Oberglatt
Pfr. Jean-Marc Monhart

Liturgie

Predigttext der Losungen

Römer 11,33-36

    (33)Wie unerschöpflich ist Gottes Reichtum!
    Wie unergründlich tief ist seine Weisheit!
    Wie unerforschlich ist alles, was er tut!
    Ob er verurteilt oder Gnade erweist -
    in beidem ist er gleich unbegreiflich.

    (34)Wer kennt die Gedanken des Herrn?
    Braucht er etwa einen, der ihn berät?

    (35)Wer hat Gott jemals etwas gegeben,
    wofür er eine Gegenleistung fordern könnte?

    (36)Gott hat alle Dinge geschaffen.
    Sie bestehen durch ihn
    und haben in ihm ihr Ziel.
    Gepriesen sei er für immer und ewig! Amen.

 

Liäbi Gmaind,

 

Für was isch Trinität guät?

 

Trinität, es Dänkmodell über Gott.

Trinität - d Dreieinigeit - isch derfür guät, dass mer besser mitenand rede chan.

 

D Idee vo dr Dreieinigkeit git Mensche mit verschiede’artige Erfahrige d Möglichkeit, mitenand über Gott rede.

 

In dr Dreieinigkeit sind verschideni Arte enthalte, Gott z erläbe. Gläubigi mit unterschidliche Gotteserfahrige chönd sich dank dr Trinität druf ainige, dass si vom Gliichige reded.

 

D Bandbreiti isch sehr gross:

Mer chan vom Göttliche rede, wo mer dank eme intensive Naturerläbnis ahnt.

Mer chan in dr Beschäftigung mit dr Person Jesus öpis über Gott derzuä‘lerne.

Und mer chan uufbauendi, lebensbejahendi und Iisicht schänkendi Chreft gspüre.

 

Alles das, di ganzi Bandbreiti, isch in dr Trinität uuffindbar.

 

Ain, wo sich über Gott anderi Gedanke macht als ich, chan trotzdäm an dr Gliich glaube wiän ich.

 

Gottes Riichtum isch unerschöpflich, wiä mir im Bibeltext ghört händ.

Sini Weisheit isch unergründlich.

Au s Rede von ihm und s Nachdänke über ihn chummt an kais Änd.

 

Drum hätt mer sich im Christetum entschide, Gott nöd abschlüssend uf ain Nenner z bringe und z säge, „so isch er jetzt, Punkt“.

 

Sondern, mir betrachted ihn vo verschidene Siite, und respektiäred, dass er sich unterschidliche Mensche uf unterschidlichi Art zeigt.

 

Drei‘einigkeit bedütet au, dass es Gott freigstellt isch, wiän er sich ois z erkenne git.

Freiheit isch e göttlichi Eige’schaft.

 

Öpert, wo s gärn logisch hätt, chummt doh schnell emol an sini Gränze.

Denn chummt e höcheri Logik is Spil.

Anstatt dass mer sait: „höhere Logik“ chan mer sogar no es Fremdwort verwende: S Fremdwort für "höhere Logik“ heisst in däm Fall „Dialektik“.

 

Was das isch, möcht ich anhand vom aktuelle Papst’bsuäch in dr Schwiz erkläre.

 

Wenn mer Gott in dr Dreieinigkeit vo dr Geist-Siite betrachtet, unter em Aspekt vom heilige Geist, denn betont mer d Freiheit, d Ungebundeheit, d Spontaneität, s Überraschende und s Individuelle.

„Der Geist weht, wo er will“, sait mer denn.

Bi de ainte schloht’s ii, bi de andere nöd.

Aber sogar bi däne, wo sich speziell fest vom heilige Geist berüährt fühled, üsseret sich das in ganz verschidener Art. Wenn si s Spektrum vo christlicher Musig aaluäged, denn chömed si uf praktisch ali Musik-Stil vo Meditationsmusig über Poprock zum Mitsinge bis zu Hiphop und New Metal.

Jetzt chan mer däm säge „Riichhaltigkeit“.

Mer chan däm aber au säge „Chaos“.

 

Es git es Bedürfnis, es sowohl allgemein‘menschlichs wi au religiöses Bedürfnis nach Freiheit; und das nimmt denn im Gsamtüberblick chaotischi Forme aa.

 

Das isch s reformiärte Prinzip.

 

Jede, wo sich scho emol e halb Stund lang Gedanke über Gott und d Wält g’macht hett, reformiärt sich us dr bestehende Tradition sini aiget reformiärt Chile zsäme, und so händ mir nöd ai reformiärti Chile, au nöd zwai oder siebe, sondern Tuusigi vo reformiärte Chilene, wo nur tailwiis und üsserst lose in Dachverbänd zsäme’gschlosse sind, wenn si überhaupt bereit sind, sich änere über’ge’ordnete Struktur zuä’gehörig z fühle.

 

S Chaos vo de vile reformiärte Chilene hätt dr Vorteil, dass mer sich als Einzelne an sim Ort, an sim Eggli oder in sinere Nische besser uuf’g’hobe fühlt.

Und d Bedürfnis vom Einzelne werded au ehnder guät wahr’g’noh.

Dass d Zürcher e aigeti reformiärti Landes’chile händ und d Aargauer händ au e aigeti reformiärti Landes’chile, das hätt nöd unbedingt mit Glaubens’unterschied z tuä.

Sondern es hätt dermit z tuä, dass d Aargauer sich nöd vo de Zürcher säge loh wänd, wiä si sich organisiäre münd.

Und umgekehrt.

 

Und das isch nöd aifach schlächt.

Es chan dur di vile Parallelorganisatione zwar unnötig Riibigs’verlüst gee; si chönd Chreft binde.

Aber wenn mir grösseri Chile’gebilde hätted bi de Reformiärte, wäred di Funktionär wiiter wäg vo dr Basis und dr Chile’apparat chönti ehnder es Aige’läbe entwickle.

Wältfremdheit und kirchlichs Insiderdänke ohni direkte Bezug zur Usse’wält wäred d Folge.

 

Dr heiligi Geist isch en Geist vo dr Freiheit.

Für d Freiheit isch nöd d Schönheit vo dr Organisation s Entscheidendi, sondern s religiöse Wohlbefinde vom Einzelne.

 

Aber ebe. In dr Trinität isch Gott au dr Schöpfer.

 

Und es loht sich schlächt bestritte, dass d Schöpfig – sowohl di tiärisch Natur wiä au di tote Planete im Wältall – stränge Naturgsetz unterworfe sind.

 

E Löwin in dr Savanne erwägt nöd in freier Entscheidig: „Söll ich jetzt diä Gazelle döt erlegge?“

Sondern das Loie‘wiibli lost uf dr Buuch.

Si frögt dr Buuch: „Han ich erst sovil Hunger, dass ich derbi no bequem ligge bliibe chan?

Oder han ich bereits sovil Hunger, dass mir dr Mage knurrt, sodass ich aifach öpis fresse muäs?“

 

Und wenn dr Hunger so gross isch, dass si s Ligge uf dr fuule Huut nüme gnüsse chan, denn stoht si uuf und jagt das Tiär, und wenn s s verwütscht, denn frisst si s.

 

Das sind Naturgsetz.

 

Diä gälted für ali Leue in freier Wildbahn.

 

Au d Planete am Himmel gönd nöd aifach so emol links und emol rächts.

Sondern si züched ihri Bahne.

Und wenn emol gliich en Planet en merkwürdige Kurs stüüret, denn chan dr Astronom uus’rächne, was für e Energie wohär chummt zum diä Abwiichig vom erwartete Kurs z erzüüge.

 

Wenn mer gnuäg Date hätt, chan mer alles uus’rächne.

S Wältall isch es Rächen-Spiel.

Es goht nach Gsetz, nach physikalische Gsetz.

Es herrscht Ordnig.

Es isch nöd unbedingt e Ordnig, wo Rücksicht uf dr Einzelni nimmt.

Aber es isch e „natürlichi“ Ordnig.

 

„Natürlich“ bitte mit Aafüahrigs- und Schlusszaiche. Denn d Natur stoht jo nöd uuf und ergriift s Mikrophon und sait: „Ich han e natürlichi Ordnig“.

„Natürlichkeit“ isch e menschlichi Bezeichnig, und mir sind Rand‘gschöpf; als Mänsche stönd mir in dr Natur und irgendwiä au näbet dr Natur, wil mir ois us dr Natur use es aigets Umfäld schaffed.

Wenn mir vo „Natur“ reded, denn isch es immer en Interpretation: Mir säged über d Natur, si seig „natürlich“.

 

D Natur sälber sait nüt!

 

13'000 Jugendlichi händ em Papst gest zuä’gjublet, won er in oises Land cho isch zum ois en Bsuäch abstatte.

Där Maa hätt e gwüssi Uus’strahlig, das chan mer ihm nöd abspreche. Dr Papst – und ganz speziell där Papst, dr Johannes Paul der Zweiti - verbindet sini persönlich Wirkig mit em Diänst für e weltwiiti, globalisierti Organisation, für di römisch-katholisch Chile.

Vermuätlich isch di katholisch Chile di erst globalisiärt Struktur vo dr Menschheit, e praktisch wältumspannendi Organisation mit eme einheitliche Label und eme internationale Management.

 

Wenn mer Gott aabättet, wo di ganz Wält gmacht hett, denn isch es doch en naheliegende Gedanke, dass sich d Ganzheit vo dr Schöpfig irgendwiä in dr Ganzheit vo dr Aabättig widerspiäglet.

Und e halbi Million Mensche in Polen oder Österreich, wo gemainsam uf eme Flugplatz en Gottesdiänst zelebriäred, wo anlässlich vomene Papst‘bsuäch stattfindet: das isch en Aablick, wo mich in dr Tagesschau froit.

Grad au, wenn mer bedenkt, wiä wenig dass bi settige Papst‘bsuäch im Vergliich zu dr Aazahl Persone ämigs an Unfäll passiärt, denn hätt mer doch dr Iidruck, dass jewils e fridlichi Stimmig herrscht; es läbensbejahends, fröhlichs Klima, wo dr Aabätig für dr Schöpfer vo Himmel und Erde aa’g’mässe isch.

 

Di römisch-katholisch Chile entspricht in ihrem Uufbau und in ihrem offizielle Selbstverständnis ebefalls anere Art, Gott z gseh und z erläbe:

Gott als Garant vonere Ordnig, Gott als Herr vom Kosmos,

und d Chile als Abbildig vo däre Struktur, wo s e Abstufig git vo de Chreft.

Di ainte sind wiiter obe, di andere sind wiiter une.

 

Di römisch-katholisch Chile widerspiäglet mit ihrne klare Aawisige an di Gläubige au d Schöpfig, wo alles de Naturgsetz unterworfe isch.

 

In dr Natur wird en Öpfel, won ich in dr Hand hebe, au nöd zerst gfrögt: „Möchtsch du, wenn diä Hand dich losloht, an Bode gheie, oder möchtsch du ufeflüge oder nach links schwebe oder nach rächts flüge?“

S Naturgsetz isch in däm Fall d Schwer’chraft.

Wenn d Hand dr Öpfel losloht, denn gheit er abe.

Das isch so.

 

Und wenn dr Papst sait: es git kais gemeinsams Obigmohl mit de Reformiärte, und bi Messgottesdiänst dörfed Laietheologe kai Predigt halte, denn isch das eso.

Dr Papst repräsentiärt d Ordnig, das macht en Tail vo sim Erfolg uus.

Er sait, wiä s isch.

Mit Charme, und unerbittlich.

 

Das wänd vili Lüüt, das bruuched sehr vili Lüüt.

Wüsse, wora mer isch.

Verlässlichkeit.

Öpis, wo gilt.

Nöd immer Sonderwünsch.

Nöd immer Speziallösige.

Nai: öpis Allgemeins!

 

Öpis Verbindlichs.

 

Liäbi Gmaind,

 

Ich bin reformiärt. Und ich möcht‘s nöd ändere.

 

Gliich froi ich mich über di verschidene Arte, wiä Gott über di reformiärt Konfession uus verehrt wird.

Es isch mir bewusst, dass mer sich Gott uf unterschidlichi Arte nöchere chan. Wichtig sind allerdings es paar Richtliniä, wo im Bibeltext ebefalls enthalte sind. Do heisst’s:

Wer kennt die Gedanken des Herrn?

Braucht er etwa einen, der ihn berät?

Wer hat Gott jemals etwas gegeben, wofür er eine Gegenleistung fordern könnte?“

 

Grad wenn ich als Reformierte „auf Du und Du“ mit Gott bin, mit Gott unmittelbar direkt verbunde bin, chan d Gfohr vo dr Kumpanei entstoh.

Ich chan denn irgendwiä s Gfühl bechoo, das seig jetzt MIIN Gott.

 

Diä 13'000 Jugendliche, wo gest dr Papst begrüässt händ, diä händ vilicht gspürt, dass där Gott, wo si unter dr Laitig vom Chile’oberhaupt aabäted, en Gott vo zahl‘riiche Gläubige isch. En Gott vo dr ganze Wält. En globale Gott. En Gott, wo e Wält gschaffe hett, wo Ordnig und Gsetzmässigkeite au ihre Platz händ.

 

Egal ob mer Gott lobt im Chaos oder in dr Ordnig – wichtig isch, DASS mer ihn lobt!

Mir lobed ihn dur oisi Gegewart.

Und mir lobed ihn dur oisi Musig.

 

Ich beschlüsse mini Gedanke mit em letzte Värs vom Predigttext:

Gott hat alle Dinge geschaffen.

Sie bestehen durch ihn

und haben in ihm ihr Ziel.

Gepriesen sei er für immer und ewig!

 

AMEN.

 

Liturgie

 

    01Eingangsspiel Piano

    02Gruss

    03Liedvortrag Chor a capella „Singet dem Herrn ein neues Lied“

    04(stehend / im Wechsel) EG 125 [Psalm 98]

    05Gemeindelied mit Chor EG 723,1-8.13 „Ich singe dir mit Herz und Mund“ (ungerade Strophen nur Chor)

    06Bibeltext

    07Gemeindelied mit Chor EG 249,1-3 „Erd und Himmel sollen singen“ (Gesangbuchsstrophen: Gemeinde und Chor. Dazwischen und danach: Chorstrophen)

    08Predigt

    09Liedvortrag Chor a capella „Alta Trinita“

    10(stehend) Fürbitte

    11Gemeindelied EG 343,1-4 „Komm, Herr, segne uns“

    12Kollekte. Mitteilungen: Abd + Leidstrophe 674,3. Dank an die Kantorei Oberglatt. Lob Gd, Fiire mit de Chliine

    13Schlussstrophen EG 723,12.15.18 {aus „Ich singe dir“}

    14(stehend / gemeinsam) Unser Vater

    15(stehend) Segen

    16(sitzend) Schlussspiel Piano